Roxithromycin

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Juni 2017
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Der Arzneistoff Roxithromycin gehört den Makrolidantibiotika an. Er dient zur Behandlung verschiedener bakterieller Infektionen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Roxithromycin?

Roxithromycin kommt als Antibiotikum zur Bekämpfung von bakteriellen Infektionen zur Anwendung. Dazu gehören in erster Linie Erkrankungen der oberen Atemwege. Roxithromycin zählt zur Gruppe der Glykoside und stellt ein Makrolid dar. Makrolidantibiotika ähneln in ihrer Wirkung Penicillin und gelten als gut verträglich. Aus diesem Grund eignen sie sich ausgezeichnet als Alternative im Falle einer Penicillinallergie. Ferner werden Makrolide häufig in der Kinderheilkunde genutzt.

Die Entwicklung von Roxithromycin fand in den 1980er Jahren durch das deutsche Pharmaunternehmen Hoechst AG statt. Dabei galt der Wirkstoff als Weiterentwicklung des Makrolidantibiotikums Erythromycin. Aufgrund von chemischen Veränderungen zeigt Roxithromycin weniger Wechselwirkungen und wirkt breiter gegen Bakterien als andere Antibiotika. Auf den Markt gelangte das Makrolid im Jahr 1987. Nach dem Ende des Patentschutzes wurden verschiedene Generika herausgebracht.

Roxithromycin lässt sich in der Apotheke erhalten, unterliegt aber der Verschreibungspflicht.

Pharmakologische Wirkung auf Körper & Organe

Ebenso wie die Zellen der Menschen und Tiere, sind auch die Zellen von Bakterien mit Erbgut ausgestattet. Diese DNA fungiert als Bauplan für die Eiweiße, von denen zahlreiche wichtige Tätigkeiten innerhalb der Zelle ausgeführt werden. Roxithromycin hat die Eigenschaft, sich hemmend auf Ribosome auszuwirken. Dabei handelt es sich um Zellenkomplexe, in denen es zur Übersetzung der DNA in Eiweiße kommt. Durch diesen Vorgang lassen sich das Wachstum sowie die Vermehrung der Bakterien stoppen.

Bei den Ribosomen von Bakterien und Menschen bestehen große Unterschiede. Dies hat den Vorteil, dass sich die Bakterien durch das Roxithromycin präzise ausschalten lassen. Außerdem ruft das Makrolidantibiotikum nur relativ wenige Nebenwirkungen hervor.

Hat der Patient das Roxithromycin eingenommen, gelangen zwei Drittel des Wirkstoffs über den Darm ins Blut. Nach zwei Stunden tritt der Höchststand des Antibiotikums im Organismus ein. Besonders empfänglich auf Roxithromycin reagieren die Haut, die Lunge sowie die ableitenden Harnwege. Darüber hinaus kann sich der Arzneistoff in den Immunzellen anlagern. Über die Blutbahnen gelangen diese zur bakteriellen Infektionsstelle.

Medizinische Anwendung & Verwendung zur Behandlung & Vorbeugung

Verabreicht wird Roxithromycin gegen diverse bakterielle Infektionen sowie gegen Erkrankungen, für die Streptokokken verantwortlich sind. Dabei handelt es sich in erster Linie um Erkrankungen der Atemwege oder der Hals-Nasen-Ohren-Region wie eine Mandelentzündung, eine Entzündung des Rachenraums, Erkältungen, die mit Verschleimung einhergehen, Keuchhusten, eine akute oder chronische Bronchitis sowie eine Lungenentzündung.

Roxithromycin lässt sich aber auch gegen Entzündungen der Harnblase oder der Vagina verabreichen, wenn diese von Bakterienarten wie Mykoplasmen oder Chlamydien verursacht werden. Ebenfalls geeignet ist das Makrolidantibiotikum zur Therapie von Weichteilentzündungen oder Hautinfektionen. Dazu gehören u. a. Wundrose, Impetigo contagiosa (Eiterflechte), eine Haarbalgentzündung oder Eiterausschlag.

Die Einnahme von Roxithromycin findet in Tablettenform statt. Dosierung und Dauer der Behandlung hängen von Art und Ausmaß der Erkrankung ab. Eine wesentliche Rolle spielt zudem die Empfindlichkeit des Keims. Üblich ist eine Dosis von zwei Mal 150 Milligramm Roxithromycin pro Tag. Diese nimmt der Patient alle 12 Stunden vor dem Essen ein, sodass die gesamte Tagesdosis 300 Milligramm beträgt. Kindern, die weniger als 40 Kilogramm Körpergewicht aufweisen, sowie Patienten mit Leberbeeinträchtigungen wird eine geringere Menge dargereicht.

Die Einnahme von Roxithromycin unterliegt einer zeitlichen Begrenzung und dauert zumeist 5 bis 14 Tage. Die Behandlung ist komplett zu beenden. Das gilt auch dann, wenn die Symptome zurückgehen, da sonst ein Rückfall der Erkrankung droht.

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Risiken & Nebenwirkungen

Unerwünschte Nebenwirkungen durch die Einnahme von Roxithromycin sind bei 1 bis 10 von 100 Patienten zu verzeichnen. Dazu gehören vor allem Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, Brechreiz, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Magenschmerzen sowie Schwellungen und Rötungen auf der Haut. Einer von einhundert Patienten leidet zudem unter juckenden Hautausschlägen, Überempfindlichkeitsreaktionen oder einem Anstieg der Leukozyten (der weiße Blutkörperchen).

Weil auch positiv wirkende Bakterien durch Roxithromycin abgetötet werden, besteht gelegentlich das Risiko einer Superinfektion mit Hefepilzen. Diese tritt vornehmlich an der Schleimhaut von Mund oder Scheide auf. Durch die Zerstörung der Bakterien hat der Pilz leichteres Spiel bei seiner Ausbreitung.

Als weitere seltene Nebeneffekte sind Schwellungen an den Gelenken, der Zunge oder dem Kehlkopf, Fieber, Nesselsucht, Schwächegefühle, Atemprobleme, Tinnitus, Gallenstau, Gelbsucht, Geruchsstörungen, Geschmacksstörungen, eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse, Krämpfe oder das Stevens-Johnson-Syndrom im Bereich des Möglichen. Im schlimmsten Fall droht ein lebensgefährlicher anaphylaktischer Schock.

Gar nicht zur Anwendung gelangen darf Roxithromycin, wenn der Patient unter einer Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder andere Makrolidantibiotika leidet. Nicht geeignet ist das Mittel zudem für Kinder, die weniger als 40 Kilogramm Köpergewicht haben.

Darüber hinaus ist darauf zu achten, dass Roxithromycin nicht zusammen mit Dihydroergotamin oder Ergotamin eingenommen wird. So besteht dadurch das Risiko einer starken Verengung der Blutgefäße. Weiterhin drohen durch das gemeinsame Verabreichen des Makrolids mit Astemizol, Pimozid, Terfenadin und Cisaprid lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen.

Als nicht geeignet gilt Roxithromycin zudem für Menschen, bei denen ein niedriger Magnesium- oder Kaliumspiegel im Blut besteht. So drohen auch ihnen Herzrhythmusstörungen.

Ein sorgfältiges Abwägen zwischen Risiko und Nutzen von Roxithromycin ist im Falle von Leberfunktionsstörungen erforderlich. Gleiches gilt für die Anwendung des Makrolids während der Schwangerschaft und Stillzeit. So ließ sich die Unbedenklichkeit des Mittels in diesen Phasen nicht nachweisen. Außerdem kann Roxithromycin in die Muttermilch übergehen, wodurch das Antibiotikum auf das Baby übertragen wird.

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