Leberversagen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. Oktober 2017
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Als Leberversagen oder Leberinsuffizienz wird der gänzliche Funktionsausfall der menschlichen Leber bezeichnet, die je nach konkreter Form und Ursache bereits nach wenigen Wochen zum Tod der betroffenen Person führen kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Leberversagen?

Die Leber als eines der größten, für den Stoffwechsel zuständigen Organe des Menschen hat mehrere, überlebenswichtige Funktionen. Dazu gehören beispielsweise die Speicherung von essenziellen Stoffen wie fettlösliche Vitamine, die Entgiftung des Körpers sowie die Umwandlung von Zuckermolekülen.

Leberversagen hätte somit gravierende Folgen für die Funktionstüchtigkeit des menschlichen Körpers. Angesichts der unterschiedlichen Ursachen, die infrage kommen, werden unterschiedliche Formen differenziert; namentlich sind das das akute und chronische Leberversagen sowie als Zwischenform die subakute Form. Die akute Form tritt schlagartig ein und führt bereits wenige Tage nach dem Ausbruch zu schweren Funktionsausfällen der Leber.

Als Faustregel gilt, dass Patienten, die nicht schnell genug behandelt werden, bereits nach vier Wochen ihre Leber verlieren mit der Folge, dass sie chirurgisch entfernt werden muss. Daneben existiert noch das chronische Leberversagen, die sich über einen längeren Zeitraum einstellt. Mitunter können mehrere Jahre vergehen, bis erste, bemerkbare Funktionsstörungen und schließlich ihr Versagen der Leber in Erscheinung treten.

Da aufgrund der unterschiedlichen Ursachen und Auslöser des Leberversagens die jeweiligen Verläufe unterschiedlich ausfallen können, ist als Zwischenform des akuten und chronischen Leberversagens noch die subakute anerkannt.

Ursachen

Als mögliche Ursachen kommen unterschiedlichste Gründe infrage. Bei akutem Leberversagen ist oftmals eine Infizierung mit speziellen Viren schuld am Ausbruch der Erkrankung. Zu diesen zählen die Hepatitis-Viren sowie einige Herpes-Simplex-Viren.

Allerdings sind es nicht immer nur krankheitserregende Viren, die eine Rolle spielen. Vielmehr kommt als weitere Ursache auch eine Vergiftung des Körpers mit Drogen in Betracht. Vor allem übermäßiger Genuss von alkoholischen Getränken und solche Alkoholarten, die nicht für den Verzehr geeignet sind, können zu schweren Schädigungen der Leber bis zum Leberversagen führen.

Chronisches Leberversagen hat dagegen selten seinen Grund in akuten Vireninfektionen. Hier liegt oftmals eine Grunderkrankung vor, die sich auch auf die Leber auswirkt und im Extremfall zum Funktionsausfall der Leber führen kann.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Liegt begründeter Verdacht auf Leberversagen oder auch nur auf Störung der Leber vor, stehen dem behandelnden Arzt eine Reihe von Diagnosemaßnahmen zur Verfügung. Die einfachste und auch nebenwirkungsärmste Maßnahme ist das Abtasten der rechten Bauchseite, wo die Leber liegt, sowie die Verbildlichung der Leber mittels strahlungslosen Ultraschalls.

Da im Falle eines Leberversagens die Leber sich deutlich vergrößert, kann dieser Umstand für den Arzt ein Anlass dafür sein, weitere Untersuchungen vorzunehmen. Sollte die Ursache eine Hepatitisinfektion sein, vergilbt die Haut des Betroffenen, was ebenfalls als Anknüpfungspunkt für den Arzt in Betracht kommt. Bekannt ist ferner, dass die Leber für die Umwandlung von Zuckermolekülen zuständig ist.

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass wenn das Blutbild des Patienten auf eine Unterzuckerung hindeutet, von einer Funktionsstörung der Leber in der Regulierung der Zuckerumwandlung vorliegen könnte, was den Verdacht auf Leberversagen weiter erhärten würde.

Komplikationen

Im schlimmsten Fall kann ein Leberversagen zum Tode des Betroffenen führen. Die Betroffenen leiden bei dieser Beschwerde in erster Linie an einer starken Gelbsucht und an einer Gallenstauung. Dabei färben sich Augen und Haut gelb und deuten direkt auf das Leberversagen hin. Aus diesem Grund kann in den meisten Fällen auch eine schnelle Diagnose erfolgen.

In der Bauchhöhle kommt es zu einer Ansammlung von Flüssigkeit. Weiterhin kann das Leberversagen auch zu einem Nierenversagen führen, bei welchem der Betroffene in der Regel ebenfalls nach einigen Tagen verstirbt, wenn dieses nicht behandelt wird. Die Patienten sind dann auf eine Dialyse oder auf eine Transplantation einer Niere angewiesen. Ebenso können Beine und Arme zittern und die Betroffenen leiden nicht selten an Fieber. Die Lebensqualität des Patienten nimmt durch das Leberversagen erheblich ab.

In der Regel ist bei einem Leberversagen die Transplantation einer Leber notwendig. Bis dahin werden die Funktionen der Leber mit künstlichen Maschinen aufrechterhalten. Dabei treten in der Regel keine besonderen Komplikationen auf. Allerdings kommt es auch bei einer Transplantation nicht in jedem Falle zu einem vollständig positiven Krankheitsverlauf. In vielen Fällen ist die Lebenserwartung der Betroffenen durch das Leberversagen deutlich verringert.

Behandlung & Therapie

Das Wichtigste an der Behandlung von Leberversagen ist in erster Linie, dass sie unverzüglich erfolgen muss. Hat die Leber bereits ihre Funktionen vollständig aufgegeben, dreht sich jede Behandlung um den Erhalt des Lebens.

Denn einmal geschädigtes Lebergewebe kann nicht mehr regeneriert werden. Es geht somit allein darum, die lebensnotwendigen Funktionen der Leber so lange durch medizinische Instrumente künstlich aufrechtzuerhalten, bis der Betroffene eine Ersatzleber von einem Spender transplantiert bekommt. Um den Organismus zu schonen, muss der Patient auf gewöhnliche Nahrung verzichten.

Da der menschliche Magen-Darm-Trakt eng mit der Leber verbunden ist, würde jeder Verdauungsvorgang die Leber strapazieren, die ohnehin nicht mehr funktionsfähig ist und deshalb den Krankheitsverlauf nur weiter verschlimmern würde. Essenzielle Stoffe, die der Körper benötigt, bekommt der Betroffene durch Infusionen direkt in die Blutlaufbahn gespritzt. Durch die regulierte Versorgung durch Infusionen kann auch der Zuckerhaushalt auf ein normales Niveau gehalten werden, wofür sonst die Leber zuständig ist.

Wichtig ist ferner, dass bei Leberversagen sich Hirnödeme bilden können, Wasseransammlungen am zentralen Nervensystem. Deshalb muss auch das Gehirn des Patienten permanent kontrolliert werden.

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Vorbeugung

Leberversagen gehört zu den Krankheiten, die sich verhältnismäßig gut vorbeugen lassen. Dazu gehören beispielsweise Hepatitis-Impfungen, um auch bei Infektion mit Hepatitisviren den Ausbruch der Erkrankung zu verhindern. Ferner lässt sich durch Verzicht auf Drogen sowie verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol Schädigungen der Leber und somit auch Leberversagen erfolgreich vorbeugen.

Das können Sie selbst tun

Damit es gar nicht erst zum Leberversagen kommt, sollte auf Substanzen und Lebensmittel verzichtet werden, die der Leber schaden könnten. Wer bereits an einer Leberkrankheit leidet, sollte Medikamente meiden, die das Organ schädigen. Beim Pilze sammeln gilt: Keine unbekannten Pilze essen.

Sollte die Leber dennoch erkranken, muss sich der Erkrankte schonen. In Zusammenarbeit mit dem Arzt oder einem Ernährungsmediziner kann eine Entlastungsdiät ausgearbeitet werden. Der Ernährungsplan sollte vor allem pflanzliche Lebensmittel wie Artischocken, Löwenzahn, Rosenkohl und Salbei enthalten. Auch dunkle Schokolade darf mit Zustimmung eines Mediziners gegessen werden, denn Kakao senkt den Blutdruck und lindert die typischen Beschwerden nach einer Erkrankung der Leber.

Trotz all dieser Maßnahmen kann es zum akuten Leberversagen kommen. Dann gilt: Sofort den Rettungsdienst alarmieren. Der Betroffene muss anschließend in einem spezialisierten Zentrum behandelt werden. Bei einem guten Verlauf kann durch Operationen, eine strenge Diät und physiotherapeutische Maßnahmen langsam wieder in den Alltag zurückgekehrt werden. Da es sich bei akutem Leberversagen um einen lebensbedrohlichen Zustand handelt, bleiben immer Folgeschäden zurück – hier hilft das Gespräch mit einem Therapeuten und anderen Betroffenen.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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