Cholestase

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 16. November 2017
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Eine Cholestase, Gallenstau, Gallenstauung oder Cholestasesyndrom ist eine krankhafte Störung der Abflusswege der Galle. Es kommt zu einer Stauung der Körpergifte, die von der Leber gebildet wurden und durch den Darm ausgeschieden werden müssen. Typisches Anzeichen für eine Cholastase ist die Gelbsucht. Weiterhin kommt es zur Braunfärbung des Urins und zur Stuhlentfärbung. Auch Bauchschmerzen und Juckreize sind häufige Begleiterscheinungen. Eine Cholestase sollte rasch von einem Arzt untersucht und behandelt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Cholestase?

Die Gallenflüssigkeit wird in der Leber produziert und dann in der Gallenblase gespeichert.

Bei Bedarf (vor allem durch Nahrungsreize) wird der Verdauungssaft nun über die Gallenwege in den Zwölffingerdarm abgegeben. Klinisch relevant ist auch die enge Nachbarschaft zu der Bauchspeicheldrüse.

Kommt es nun im Bereich des Galleabflusses zu einem Stau, spricht der Mediziner von einer Cholestase bzw. Gallenstau. Dieser Gallenstau lässt sich schon früh im Labor nachweisen (durch die so genannten Cholestaseparameter Gamma-GT, alkalische Phosphatase (AP) und den gelben Blutfarbstoff Bilirubin). Symptome treten erst deutlich später auf.

Ursachen

Die häufigste Ursache für eine Cholestase ist ein verklemmter Gallenstein. Dieser entsteht in der Regel in der Gallenblase und kann dann auf Wanderschaft gehen. Setzt dieser sich in einem Gallengang fest, so kommt es neben den typischen kolikartigen Schmerzen zu einer Cholestase. Risikofaktoren sind die oft zitierten "5xF": Frauen (female), um die 40 Jahre alt (forty), übergewichtig (fat), fruchtbar (fertile) und helle Hautfarbe bzw. blond (fair).

Eine schmerzlose Cholestase ist leider nicht selten die Folge eines bösartigen Tumors der Bauchspeicheldrüse. Da dieser Krebs meist im oberen Bereich wächst, verlegt er dann rein mechanisch die Gallengänge und führt so zum Gallenstau.

Andere Ursachen sind seltener. Beispiele hierfür sind entzündliche Erkrankungen (z.B. die primär sklerosierende Cholangitis, welche meist mit rheumatischen oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen vergesellschaftet ist), narbige Verwachsungen nach Operationen (z.B. nach Gallenblasenentfernung) oder Tumore des Gallengangsystems (z.B. der so genannte Klatskin-Tumor mit extrem schlechter Prognose).

Typische Symptome & Anzeichen

Krankheitsverlauf

Cholestase

Je nach Ursache ist die Cholestase ggf. begleitet von massiven Schmerzen, z.B. wenn der Gallengang plötzlich (vor allem durch Gallensteine) verlegt wird. Cholestase auf Grund von Tumoren (welche den Gang über einen längeren Zeitraum verschließen) sind dagegen meist schmerzlos.

Unabhängig von der Ursache führt die Cholestase zu einem Gallerückstau in die Leber. Über die Gallenflüssigkeit können nun keine Gallensalze mehr abgegeben werden, welche sich in der Haut ablagern. Dies führt zu einem quälenden Juckreiz.

Das Bilirubin, welches der Galle seine Farbe verleiht, wird nun alternativ über die Nieren ausgeschieden (dunkelbrauner Urin) und nicht mehr über den Stuhl (hellgelber bis weißer Stuhlgang).

Auch kann die Leber unter den Umständen ihrer Funktion nur noch eingeschränkt nachgehen. Weitere Störungen (zum Beispiel im Bereich der Blutgerinnung oder im Eiweißhaushalt) können dadurch hinzukommen.

Komplikationen

Eine Cholestase geht meist mit verschiedenen Komplikationen und Risiken einher. Zunächst kommt es durch den Rückstau der Gallenflüssigkeit zu einer Überlastung der Leber, welche im Extremfall zu dauerhaften Leberschädigungen oder zum Leberversagen führen kann. Die Cholestase geht außerdem meist mit einer Entzündung der Gallenwege und der umliegenden Organe einher, die das Risiko für Perforationen, Gallensteine oder Tumore erhöht.

Ist bei der Cholestase auch der Abfluss der Galle in den Dünndarm gestört, kann in der Folge ein sogenanntes Gallenblasenhydrops auftreten, das wiederum zur Perforation der Gallenblase führen kann. Beim Zerreißen der Gallenblase sind schwere Komplikationen zu erwarten. So kommt es durch die Entleerung in die Bauchhöhle oftmals zu einer Entzündung des Bauchfells, Pankreatitis und anderen schweren Erkrankungen, die ihrerseits mit verschiedenen Beschwerden und Risiken verbunden sind.

Bei der Behandlung kann es durch eine Gallenblasenentfernung zu Komplikationen kommen. So treten im Rahmen des Postcholeszystektomie-Syndroms mitunter Bauchbeschwerden, Magen- und Darmgeschwüre oder Magenschleimhautentzündungen auf, die unerkannt zu weiteren Beschwerden führen können. Durch eine frühzeitige Abklärung von Gallenblasen-Beschwerden kann die Entstehung der meisten Komplikationen allerdings zuverlässig unterbunden werden.

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Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Cholestase ist eine sehr ernstzunehmende Störung, die unbedingt zeitnah von einem Arzt abgeklärt werden muss.

In den eher harmlosen Fällen ist ein verklemmter Gallenstein der Auslöser für den Gallenstau. Besonders häufig betrifft dies Frauen um die 40 Jahre, die noch fruchtbar sind, an Übergewicht leiden und häufig eine sehr helle Hautfabe aufweisen. Da ein verklemmter Gallenstein neben einem Gallestau auch sehr schmerzhafte Choliken verursachen kann, sollten Patientinnen, die zu dieser Risikogruppe gehören, bereits bei den ersten Anzeichen für Gallenbeschwerden einen Arzt aufsuchen.

Geht eine Cholestase nicht mit Schmerzen einher, ist ein Arztbesuch umso dringender erforderlich, da es sich beim Auslöser dann um einen bösartigen Tumor der Bauchspeicheldrüse handeln kann. Je früher dieser durch einen Spezialisten behandelt wird, desto besser ist die Prognose für den betroffenen Patienten.

Wird eine Cholestase nicht rechtzeitig behandelt, kommt es unabhämgig von der Ursache der Störung, oftmals zu einem Gallenrückstau in die Leber. Die Gallensalze, die nicht mehr ausgeschieden werde können, beginnen sich dann in der Haut anzusammeln, was mit unerträglichem Juckreiz verbunden ist. Patienten könne dies durch die rechtzeitige Konsultation eines Arztes in der Regel vermeiden. Erster Ansprechpartner ist bei Verdacht auf Cholestase der Hausarzt. Bei einer akuten Cholik kann auch gleich das nächste Krankenhaus aufgesucht werden.

Behandlung & Therapie

Die kausale Therapie von Cholestase bzw. Gallenstau ist abhängig von der Grundkrankheit. Bei Gallensteinen wird z.B. der Ausgang in den Zwölffingerdarm geweitet (Papillotomie), so dass der Stein abgehen kann. Reicht dies nicht aus, so wird der Stein mittels Körbchen endoskopisch geborgen. Im Verlauf sollte die Gallenblase als Verursacher entfernt werden. Liegt ein Bauchspeicheldrüsentumor vor, so kann dieser operativ entfernt werden (so genannte Whipple-Operation). In vielen Fällen ist der Tumor doch bereits inoperabel, wenn die ersten Symptome auftreten.

Lebensverlängernd (aber nicht heilend) kann eine Chemotherapie durchgeführt werden. Ähnlich Therapieansätze werden bei einem Gallengangstumor genutzt. Bei entzündlichen Ursachen können Antibiotika und Steroide erfolgreich eingesetzt werden. Wichtig ist jedoch auch die symptomatische Therapie. So leiden die Patienten vor allem unter dem quälenden Juckreiz. Harnstoffhaltige Lotionen und kühle Waschungen können hier Linderung verschaffen. Die gestörte Fettverdauung kann durch Verdauungsenzyme in Form einer Tablette oder Kapsel unterstützt werden.

Aussicht & Prognose

Je nach Ursache kann die Cholestase ganz unterschiedlich verlaufen. Grundsätzlich hat ein Gallenstau eine positive Prognose. Wird die Behandlung frühzeitig eingeleitet, verschwinden die Symptome nach einigen Tagen wieder. Langzeitfolgen gibt es bei einer Cholestase in aller Regel nicht.

Sollte den Beschwerden allerdings ein ernstes Leiden wie zum Beispiel ein Tumor zugrunde liegen, ist die Prognose weniger positiv. Eine Tumorerkrankung ist immer mit gewissen Risiken verbunden, zum Beispiel Metastasierungen, chronischen Schmerzen und den Folgen einer Strahlenbehandlung.

Der Gallenstau selbst kann mit Hilfe von Medikamenten und konservativer Maßnahmen wie Schonung und Bettruhe gelindert werden, die Ursache bedarf jedoch meist einer weitergehenden Untersuchung und Behandlung. Die Prognose ist positiv, wenn dem Gallenstau lediglich ein verklemmter Gallenstein, Übergewicht oder eine Schwellung zugrunde liegt. In diesen Fällen klingen die Beschwerden ab, sobald das Grundleiden zurückgegangen ist.

Liegt den Beschwerden ein Klatskin-Tumor oder sogar ein bösartiger Tumor der Bauchspeicheldrüse zugrunde, ist die Prognose schlecht. Die Lebenserwartung ist in der Regel stark reduziert. Der Behandlungserfolg hängt von der Konstitution des Patienten, der gewählten Therapieform und zahlreichen anderen Faktoren ab.

Das können Sie selbst tun

Empfohlenes Verhalten im Alltag und Selbsthilfemaßnahmen, die im Falle einer Cholestase oder Gallenstau angewandt werden können, hängt von den Ursachen der Erkrankung ab. Bei ersten Anzeichen des Gallenstaus, der sich meist in gelbsuchtartigen Symptomen zeigt, sollte unbedingt ein Facharzt aufgesucht werden. Er kann im Regelfall die Ursachen abklären.

In den meisten Fällen handelt es sich um Gallensteine, die die Gallengänge blockieren und eine sehr schmerzhafte Cholestase auslösen. In weniger häufigen Fällen können die Gallengänge durch einen Tumor der Bauchspeicheldrüse allmählich schmerzfrei verlegt werden. Das bedeutet, dass ein schmerzfreier Gallenrückstau besonders zügiger Abklärung bedarf, weil der Verdacht auf einen aggressiven Bauchspeicheldrüsentumor besteht, der nur in der Anfangsphase operabel ist.

Begleitend zu einer Therapie, die auf die Ursachenbeseitigung der Cholestase abzielt, können die Anwendung von harnstoffhaltigen Lotionen auf der Haut und kühlende Umschläge oder Kompressen den meist vorhandenen starken Juckreiz lindern. Der Juckreiz entsteht durch aufgestaute Gallensalze, die in Form winziger Kristalle in die Haut ausgeschieden werden.

Parallel dazu können als weitere Selbsthilfemaßnahmen eine fettarme Ernährung und die Einnahme von Verdauungsenzymen die Auswirkungen der gestörten Fettverdauung lindern. Jegliche Selbsthilfemaßnahmen sollten immer nur begleitend stattfinden. Von elementarer Bedeutung ist die Ursachenbeseitigung des Gallenstaus, um die möglichen schädlichen Auswirkungen in Grenzen zu halten.

Bücher über Gallensteine

Quellen

  • Baenkler, H.-W., et al.: Kurzlehrbuch Innere Medizin. Thieme Verlag, Stuttgart 2010
  • Messmann, H.: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Renz-Polster, H., Krautzig, S. (Hrsg.): Basislehrbuch Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2012

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