Mykoplasmen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 7. August 2017
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Mykoplasmen sind kleine zellwandlose Bakterien, die zur Familie der Mycoplasmataceae gehören. Sie können beim Menschen unter anderem Atemwegserkrankungen hervorrufen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Mykoplasmen?

Mykoplasmen sind Bakterien aus der Klasse der Mollicutes. Sie sind die kleinsten Bakterien, die sich selbstständig vermehren können. Sie sind zwischen 0,3 und 2 Mikrometern groß. Normalerweise haben Bakterien eine Zellwand oder eine Mureinschicht. Den Mykoplasmen fehlt jedoch diese äußere Hülle. Sie werden deshalb auch als zellwandlose Bakterien bezeichnet. Auch das Genom, also die Gesamtheit aller Gene, ist bei den Mykoplasmen mit 600 kbp eher klein. Dadurch können die Mykoplasmen viele Stoffwechselreaktionen nicht durchführen, die bei anderen Bakterienarten selbstverständlich sind.

Mykoplasmen bevorzugen aerobe Lebensplätze. Unter Sauerstoffeinwirkung können sie am besten Energie gewinnen. Sie gehören aber auch zu den fakultativ anaeroben Bakterien, kommen also auch ohne Sauerstoff eine Zeit zurecht.

Die Bakterien sind pleomorph. Das bedeutet, dass sie ihre Gestalt je nach Entwicklungsstadium und Umweltbedingungen anpassen können. Normalerweise liegen sie aber in einer bläschenförmigen Gestalt vor. Zu den klinisch bedeutsamen Mykoplasmen gehören Mycoplasma pneumoniae, Mycoplasma genitalium, Ureaplasma urealyticum und Mycoplasma fermentans.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Das kleine Genom schränkt die Mykoplasmen in ihren Stoffwechselprozessen ein. Sie sind deshalb auf eine parasitäre Lebensweise angewiesen. Im menschlichen Körper leben die kleinen Bakterien als Parasiten auf der Oberfläche von Epithelzellen. Epithelgewebe kleidet die inneren und die äußeren Oberflächen des Körpers aus. Von den Epithelzellen erhalten die Bakterien gezwungenermaßen Nukleotide, Aminosäuren, Fettsäuren und Cholesterin. Diese Stoffe sind essenzielle Wachstumsfaktoren für die Mykoplasmen.

Der Erreger Mycoplasma pneumoniae kommt beim gesunden Menschen nicht vor. Es handelt sich um einen hochansteckenden Keim, der durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. Insbesondere in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten oder Schulen kommt es zu Epidemien. Kinder sind besonders gefährdet, sich mit dem Erreger zu infizieren. Ihr Immunsystem ist noch nicht so stark. Wenn der Keim in den Körper eindringt, kann er sich mithilfe von speziellen Organellen an das Flimmerepithel des Atemtrakts anhaften.

Der Erreger Mycoplasma hominis kommt hingegen auch beim gesunden Menschen vor. Er bewohnt den Magen-Darm-Trakt. Dort lebt er hingegen nur als Kommensale. Kommensalen sind Lebewesen, die sich von den Nahrungsrückständen in einem Wirtsorganismus ernähren. Im Gegensatz zum Parasiten schädigen sie den Wirt dabei jedoch nicht. Grundsätzlich ruft Mycoplasma hominis also keine pathogenen Reaktionen hervor. Wenn der Erreger jedoch in den Urogenitaltrakt gelangt, kann er Harnwegsinfektionen verursachen. Dasselbe gilt für das Bakterium Mycoplasma genitalium. Es bewohnt ebenfalls als Kommensale den Genital- und Respirationstrakt.

Über die Lebensräume des Mycoplasma fermentans ist noch nicht viel bekannt. Es wird allerdings auffallend häufig bei HIV-Patienten gefunden.

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Krankheiten & Beschwerden

Der Erreger Mycoplasma pneumoniae ist hochkontagiös. In der Regel führt eine Infektion mit dem Bakterium zu einer leichten Tracheobronchitis, also zu einer Entzündung der Luftröhre und der Bronchien. Typisches Symptom einer Tracheobronchitis ist Husten. Auch obstruktive Symptome, wie beispielsweise ein Stridor, können auftreten. Verursacht werden diese Symptome durch die Entzündung der Bronchialschleimhaut und die dadurch bedingte Schwellung und erhöhte Schleimproduktion. Der Husten ist zunächst trocken. Je mehr Schleim produziert wird, desto produktiver wird der Husten. Der Auswurf ist dann gelb-grünlich gefärbt. Er kann aber auch dünnflüssiger sein. Oft äußert sich eine Infektion mit Mycoplasma pneumoniae aber auch nur durch leichte Halsschmerzen, sodass häufig überhaupt keine Diagnose gestellt wird.

Bei kleineren Kindern kann sich eine atypische, interstitielle Pneumonie entwickeln. Bei der interstitiellen Pneumonie sind nicht die Alveolen, sondern das Interstitium betroffen. Die akute interstitielle Pneumonie äußert sich durch Husten und starke Abgeschlagenheit.

Der Erreger kann sich aber nicht nur in den Bronchien festsetzen, sondern sich auch extrapulmonal manifestieren. Dabei kann es beispielsweise zu einer Mittelohrentzündung kommen. Auch Bauchspeicheldrüsenentzündungen, Gelenkentzündungen und Erkrankungen des Zentralnervensystems wie Meningitis oder Myelitis können durch Mycoplasma pneumoniae hervorgerufen werden. Ebenso kann sich im Rahmen der Infektion eine hämolytische Anämie entwickeln. Auch Herzrhythmusstörungen, Ausschlag und Leberentzündungen sind möglich.

Das Bakterium Ureaplasma urealyticum kann verschiedene Entzündungen im Urogenitaltrakt verursachen. So ist das Bakterium der Erreger der unspezifischen Harnröhrenentzündung. Diese wird auch als non-gonococcal-Urethritis bezeichnet. Sie geht mit Schmerzen beim Wasserlassen und Ausfluss einher. Auch Blasen- und Prostataentzündungen können durch das Bakterium hervorgerufen werden. Typische Symptome einer Blasenentzündung sind Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang mit geringer Urinausscheidungsmenge, Blasenkrämpfe, Blutbeimengungen im Urin, Schmerzen im Unterleib und bei schweren Verläufen auch Fieber.

Die Entzündung der Prostata (Prostatitis) äußert sich ebenfalls durch Schmerzen beim Wasserlassen. Ebenso wie bei der Blasenentzündung leiden die Betroffenen unter häufigem Harndrang. Dazu kommen Harnabflussstörungen, Schmerzen in der Penis-, Hoden- und Dammgegend und Schmerzen während und nach der Ejakulation.

Das Bakterium Ureaplasma urealyticum kann ferner eine Neugeborenensepsis verursachen. Es handelt sich dabei um eine systemische Infektion des Neugeborenen. Vor allem Frühgeborene und Kinder mit einem niedrigen Geburtsgewicht können sich bei der Geburt mit den Bakterien infizieren.

Aufgrund der fehlenden Zellwand können Antibiotika, die an der Zellwand der Bakterien ansetzen, bei Mykoplasmen nicht wirken. Zur Therapie von Mykoplasmeninfektionen müssen deshalb Makrolide oder Chinolone zur Anwendung kommen. Auch, wenn die Nebenwirkungen von Chinolonen und Makroliden häufig gravierender sind als die Nebenwirkungen von antibiotischen Medikamenten.

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