Häufiges Wasserlassen

Letzte Aktualisierung am 13. März 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Häufiges Wasserlassen, Blasenschwäche, Häufiges Urinieren, Häufiger Harndrang sind umgangssprachliche Begriffe für Pollakisurie und Polyurie. Dabei ist es häufig so, dass lediglich ein verstärkter Harndrang besteht, ohne tatsächlich eine erhöhte Menge an Urin in der Blase zu habe. Dabei gibt es unterschiedliche Formen bei einem häufigen Urinieren. Die Polyurie ist eine krankhaft erhöhte Urinausscheidung bei vermehrtem Durst. Bei der Pollakisurie ist häufiges Wasserlassen in kleinen Mengen kennzeichnend, bei der die Gesamtmenge des Urins ist dabei nicht erhöht ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist häufiges Wasserlassen?

Häufiges Wasserlassen lässt sich als erhöhte Ausscheidung von Urin definieren, wobei innerhalb von 24 Stunden mindestens 2 Liter erreicht werden (Polyurie). Um die Flüssigkeitsverluste ausgleichen zu können, verspüren Betroffene einen erhöhten Durst.

Vor allem bei Diabetes mellitus tritt dies auf. Müdigkeit und Gewichtsverlust können begleitende Symptome sein. Findet das häufige Wasserlassen eher in kleineren Mengen statt, sprechen Ärzte von Pollakisurie. Der Unterschied zur Polyurie besteht darin, dass die Urinmenge im Vergleich zum Normalzustand nicht erhöht ist. Blasenentzündungen können dafür verantwortlich zeichnen.

Dabei treten häufig ein Brennen und Schmerzen beim Urinieren auf. Auch Druckschmerzen können auftreten, was den Gang zum Arzt bedeuten sollte, um Blasenkrebs ausschließen zu können.

Ursachen

Dass der Mensch täglich ca. eineinhalb Liter Urin produziert ist völlig normal. Der Urin selbst bildet sich in den Nieren und sammelt sich dann in der Harnblase. Mit dem Urin werden auch konzentrierte Giftstoffe und Abbauprodukte ausgeschieden. Sobald die Blase voll ist, spürt man den bekannten Harndrang zum Urinieren.

Nimmt der Mensch mehr Flüssigkeit zu sich, als er benötigt, steigt auch die Urinmenge an. Dabei gibt es unterschiedliche Formen des unnatürlichen Wasserlassens.

Bei Polyurie kommt es zu einer krankhaft erhöhten Urinausscheidung mit wesentlich mehr als 2 Liter in 24 Stunden. Dabei entsteht auch ein dranghaft vermehrter Durst (Polydipsie) zum Ausgleich der Flüssigkeitsverluste. Häufig findet sich dennoch eine sogenannte Exsikkose (Austrocknung). Ursachen hierfür sind zumeist Diabetes mellitus, akute Nierenversagen, Medikamente, Alkohol, Kaffee und Herzinsuffizienz. Die Nykturie ist eine Unterform der Polyurie, die jedoch meist nur Nachts auftritt.

Als Pollakisurie bezeichnet man häufiges Wasserlassen in kleinen Mengen. Die ausgeschiedene Gesamtmenge des Urins ist dabei nicht erhöht. Die Pollakisurie ist ein häufiges Symptom von Krankheiten des Harntraktes. Eine Pollakisurie kann unter anderem ausgelöst werden durch Infektionen der Harnwege, wie Blasenentzündung, eine Nierenbeckenentzündung, eine Prostataentzündung, Stresssituationen oder eine Schwangerschaft.

Nicht verwechseln sollte man die Pollakisurie mit der Überlaufinkontinenz, welche bei einer Auslassbehinderung der Harnblase auftreten kann, zum Beispiel bei der gutartigen Prostatavergrößerung. Im Gegensatz zur Pollakisurie ist die Blase maximal gefüllt und es kommt zu einem passiven Verlust kleiner Urinmengen, ohne dass die Blase sich ausreichend entleert.

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Krankheiten mit diesem Symptom

Diagnose & Verlauf

Häufiges Wasserlassen lässt sich als erhöhte Ausscheidung von Urin definieren, wobei innerhalb von 24 Stunden mindestens 2 Liter erreicht werden (Polyurie).

Häufiges Wasserlassen ist keine Krankheit, sondern ein Merkmal einer solchen. Damit ein Arzt die Erkrankung feststellen kann, muss er zunächst mit dem Patienten in ein Gespräch eintreten, um Beginn und Auftreten des vermehrten Wasserlassens in Erfahrung zu bringen. Blut- und Urinuntersuchungen sowie Harnwegs- und Prostata-Ultraschalluntersuchungen führen in der Regel neben Blasenspiegelungen zu einer Diagnose.

Häufiges Wasserlassen zeigt sich in einem stark erhöhten Drang, urinieren zu müssen. Dabei kann die Menge an Urin im Vergleich zu einem gesunden Menschen erhöht sein (zum Beispiel 2 Liter innerhalb eines Tages), doch auch eine gleichbleibende Menge ist möglich.

Dass dennoch sehr viel häufiger die Empfindung, urinieren zu müssen, auftritt, lässt sich bei einer Blasenentzündung entdecken. Jene ist mit Schmerzen und einem brennenden Gefühl verbunden. Bereits ab 8-maligem Wasserlassen pro Tag ist von einem krankhaften Symptom die Rede, Fälle mit 100 Mal sind ebenfalls bekannt.

Diagnosedaten & Häufigkeit

Relative Häufigkeit je 100.000 Einwohner pro Bundesland (ICD-10: N39.4 Harninkontinenz) (2012)
Quelle: GBE des Bundes (Diagnosedaten der Krankenhäuser)

Komplikationen

Beim häufigen Wasserlassen (Polyurie) kommt es innerhalb von 24 Stunden zu mehr als vier Litern Ausscheidung von Harn. Dies kann verschiedene Ursachen haben, die verschiedene Komplikationen mit sich ziehen. Allgemein geht beim häufigen Wasserlassen sehr viel Flüssigkeit verloren, der Körper kann dadurch austrocknen, es kommt zur Exsikkose.

Vor allem alte Menschen sind davon betroffen, da diese nicht genügend trinken. Die Exsikkose führt leicht zu einem erhöhten Blutdruck, da das Blutvolumen verringert ist und dies kann im schlimmsten Falle zu einem Herzinfarkt führen. Weiter kann die Polyurie zu einer Oligurie führen, das heißt ein verringerter Harnfluss, was weiter zum Nierenversagen führen kann.

Speziell findet sich häufiges Wasserlassen beispielsweise bei der Erkrankung Diabetes. Diabetes kann unbehandelt die unterschiedlichsten Komplikationen haben, zum Einen kommt es aufgrund der Verstopfung der Gefäße zu Minderversorgungen vor allem im Bereich von Nerven, im Auge oder am Fuß. Diabetische Polyneuropathien mit Missempfindungen, Erblindung oder ein diabetischer Fuß können die Folgen sein.

Ein Harnwegsinfekt zieht ebenfalls ein häufiges Wasserlassen mit sich. Diese können spontan abheilen, wenn sie unkompliziert sind oder müssen medikamentös behandelt werden bei komplizierteren Harnwegsinfekten. Unbehandelt kann der bakteriell ausgelöste Harnwegsinfekt zu einer systemischen Ausbreitung der Bakterien kommen, die Sepsis, welche in über 60 Prozent der Fälle zum Tode führt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Häufiges Wasserlassen fällt vielen Menschen anfangs kaum auf. Es kann sehr viele Ursachen haben, die teilweise völlig unbedenklich sind. Getränke wie Kaffee und manche Tees treiben, weswegen kaum jemand einen Arzt aufsucht. Es gibt aber auch Diagnosen, die so unterschiedlich sein können wie Diabetes und Blasenschwäche. Insofern ist ein Arztbesuch durchaus ratsam, wenn das vermehrte Wasserlassen zum ständigen Begleiter wird.

Eine eigene Untersuchung der Häufigkeit ist für den Arzt hilfreich. Wie lange dauert das häufige Wasserlassen schon? Wie oft am Tag müssen Betroffene auf die Toilette? Der Hausarzt ist in der Regel der erste Ansprechpartner und wird sich ein genaues Bild machen. Auch ein Internist kann darauf angesprochen werden. Der Urologe ist der Spezialist für die Blase und wird, sofern sich kein anderer Grund findet, sicher vom Allgemeinmediziner zurate gezogen.

Das häufige Wasserlassen dürfte dem Betreffenden selbst unangenehm sein. In Gesellschaft fällt es dem Partner oder Freunden auf, dass der Betroffene sehr oft zum stillen Örtchen eilt. Wer auf Fragen nach der Ursache keine plausible Antwort geben kann, sollte bei häufigem Wasserlassen unbedingt zum Arzt gehen.

Behandlung & Therapie

Zunächst sollte einmal der Arzt aufgesucht werden. Dieser wird nun Fragen zur Tageszeit (Tags - Nachts), erhöhte oder gleichgebliebene Urinmenge, erhöhter Durst, Einnahme von Medikamenten und zum Alkohol- und Kaffeekonsum stellen. Damit kann der Arzt den Typ des erhöhten Harndrangs feststellen und dessen Ursache diagnostizieren. Gegebenenfalls fordert er auch die Betroffenen auf ein Tagebuch über das Wasserlassen zu führen. Darin sollte aufgeführt sein wann und in welchen Situationen der vermehrte Harndrang besteht, was getrunken und gegessen wurde.

Neben dem Gespräch wird der Arzt auch Blut abnehmen lassen, um Blutzucker, Elektrolytkonzentration und Hämatokritwert messen zu können. Weiterhin werden die Urinwerte bestimmt. Steht nun eine Ursache fest, kann es zu weiterführenden Untersuchungen kommen. Dazu können eine Blasenspiegelung sowie eine Ultraschalluntersuchung der Prostata und der Harnwege gehören. Zusätzlich wird gemessen, wieviel Urin in der Blase gespeichert werden kann, ob die Harnröhre richtig verschließt und ob die Beckenmuskulatur ordentlich arbeitet.

Im Falle von Herzinsuffizienz und anderen Herzursachen, werden diese primär behandelt.

Da die Ursachen sehr unterschiedlich sein können, ist eine Therapie des erhöhten Wasserlassens immer individuell. Ein Blasentraining kann helfen, wenn keine organischen Ursachen vorliegen. Hierbei wird ein Protokoll über die Toilettenaufenhalte geführt und der unnatürliche Harndrang wird unterdrückt. Dabei ist es da Therapieziel, die Blase an ihre ursprüngliche Füllmenge zu gewöhnen. Weiterhin gibt es auch Medikamente die das häufige Urinieren behandeln können.

  • Männer: Alphablocker, die die Muskelzellen der Prostata entkrampfen und den Harnausgang vergrößern
  • Frauen: Östrogene, z.B. Salben oder Zäpfchen
  • Anticholinergika und Spasmolytika, zur Herabsetzung der Kontraktionsfähigkeit der Blasenmuskulatur
  • Phytotherapeutika wie echte Goldrute oder Kürbissamen

Eine Psychotherapie kann helfen, wenn das Urinieren psychische Ursachen hat. Selbst die Erlernung von Entspannungstechniken wie Progressive Muskelentspannung, Akupunktur oder Autogenem Training können den Betroffenen helfen.

Sind andere Ursachen wie Diabetes oder Prostatavergrößerung Ursache des erhöhten Wasserlassens, so sollte bei diesen Erkrankungen eine Therapie begonnen werden.

Aussicht & Prognose

Häufiges Wasserlassen kann verschiedene Ursachen haben und genau dies ist ein Kriterium im Hinblick auf die damit verbundene Prognose. So gibt es einige Gründe für den gehäuften Gang zur Toilette, die eher harmlos sind und daher mit positiven medizinischen Aussichten verbunden sind. Die übermäßige Trinkmenge im Sommer oder beim Sport ist ebenso ein klassischer Grund wie eine Schwangerschaft, die schon kurz nach der Empfängnis häufiges Wasserlassen als eines der Erstsymptome mit sich bringt. Eine Behandlung ist hier natürlich nicht nötig. Auch die Reizblase und selbst die Blasenentzündung hat ohne therapeutische Einwirkung oft eine günstige Prognose.

Die Blasenentzündung in hartnäckigen Fällen kann jedoch auch einen negativen Verlauf nehmen und bei wiederkehrenden bakteriellen Ansiedlungen oft nur schwer behandelbar sein. Ähnliches gilt für die Prostatitis beim Mann. Unbedingt ist eine Behandlung erforderlich, wenn die Häufigkeit des Wasserlassens mit der gutartigen (benignen) Prostatavergrößerung in Zusammenhang steht. Hier ist eine Operation die einzige Option, die das Symptom zuverlässig beseitigt.

Schwer einzuschätzen ist die Prognose des häufigen Wasserlassens, das durch eine Herzinsuffizienz oder die Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ausgelöst wird. Hier hängt der Erfolg einer Therapie vom Fortschreiten der Grunderkrankung, möglichen weiteren Erkrankungen sowie Alter und allgemeinem Gesundheitszustand des Patienten ab.

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Hausmittel & Kräuter gegen Häufiges Wasserlassen

  • Ein Bärentraubenblättertee wird bei Blasenentzündung verwendet.

Das können Sie selbst tun

Um nächtlichen Harndrang zu reduzieren, genügt es oft bereits, den Alkohol- und Kaffeegenuss zu reduzieren und auf sonstige Genussmittel zu verzichten. Außerdem hilft Beckenbodentraining und die Vermeidung von Stress und harntreibenden Aktivitäten. Auch die Blase selbst kann trainiert werden, indem viel und regelmäßig getrunken wird. Sport und eine gesunde Ernährung tragen zu einer gesunden Blasenfunktion bei und gehören so zu den wirksamsten Mitteln gegen häufiges Harndrang.

Häufiges Wasserlassen im Rahmen einer Reizblase sollte zunächst mit Hilfe eines Miktionstagebuchs festgehalten und anschließend gemeinsam mit dem Hausarzt analysiert werden. Daneben gibt es eine Reihe natürlicher Helfer: Kürbiskerne helfen bei allen Arten von Prostata-Beschwerden, Präparate mit Bärentraubenblättern beruhigen die Blase und reduzieren nächtlichen Harndran. Goldrutenkraut wirkt treibend und kann zu einer besseren Steuerung des Harnverhaltens beitragen und Kamille beugt einer Reizblase vor.

Daneben heißt es bei häufigem Wasserlassen immer, zunächst die möglichen Grundleiden wie etwa Diabetis mellitus auszuschließen und Buch über den Harndrang zu führen. Bleiben die Beschwerden trotz allem weiterhin bestehen, sollte zur Abklärung der Ursachen ein Internist oder Urologe hinzugezogen werden.

Quellen

  • Eichenauer, R., Sandmann, J., Vanherpe, H.: Klinikleitfaden Urologie. Urban & Fischer, München 2003
  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Heidelberg 2011
  • Haag, P., Hanhart, N., Müller, M.: Gynäkologie und Urologie für Studium und Praxis 2014/15. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014

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