Neugeborenensepsis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. September 2017
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Bei der Neugeborenensepsis handelt es sich um eine bakterielle Infektion beim neugeborenen Kind, die bei 0,1 bis 0,8 Prozent aller Neugeborenen auftritt. Diese tritt vor allem dann auf, wenn das Immunsystem, wie bei Frühgeborenen, noch nicht vollständig ausgereift ist. Es wird je nach Ansteckungszeitpunkt zwischen einer Früh- und einer Spätsepsis unterschieden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Neugeborenensepsis?

Wenn die Ansteckung des Neugeborenen vor oder während der Geburt erfolgt, handelt es sich um eine Frühsepsis. Die führenden Krankheitserreger, die von der Mutter auf das Neugeborene übertragen werden sind Beta-hämolysierende Streptokokken und Escherichia coli. Diese gelangen über den Mastdarm in die Scheide, entzünden die Eihäute und können dadurch problemlos ins Fruchtwasser gelangen.

Alternativ dazu werden sie vom Kind unmittelbar während des Geburtsvorganges aufgenommen. Die Bakterien verteilen sich im Blut und verursachen überschießende Infektionsherde, die zu einem septischen Schock führen können. Bei der Spätsepsis sind die ersten Symptome erst nach der ersten Lebenswoche zu erkennen. Die Ansteckung mit dem Krankheitserreger erfolgte hierbei entweder vertikal während des Geburtsvorganges oder durch direkten Kontakt mit den Keimen.

Insbesondere wenn es unter der Geburt zu invasiven Methoden, wie dem Einsatz der Geburtszange kommt, kann die Haut des Säuglings verletzt werden und dadurch den Keimen einen direkten Zugang ermöglichen. Im Gegensatz zur Frühsepsis kann das Immunsystem die Infektion eine Zeit lang unterdrücken.

Ursachen

Die Ursache für eine Neugeborenensepsis ist ein nicht ausreichend ausgereiftes Immunsystem des Kindes. Dieses ist oft dann der Fall, wenn das Kind vor dem Erreichen der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommt. Es besteht eine direkte Korrelation zwischen einem geringem Geburtsgewicht und dem Risiko für eine neonatale Sepsis. Eine Infektion der Mutter mit Beta-hämolysierenden Streptokokken oder anderen Erregern ist Voraussetzung für eine Frühsepsis, zu der es bereits im Mutterleib kommen kann.

Auch das Vorliegen eines Amnioninfektionssyndroms, bei dem die Fruchtblase und die Eihäute infiziert sind, führt zu einer Neugeborenensepsis. Ein erhöhtes Risiko für die Blutvergiftung des Neugeborenen birgt ein frühzeitiger Blasensprung, durch den der Weg für sämtliche Bakterien direkt in die Gebärmutter frei wird.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome treten je nach Form der Sepsis entweder bereits am ersten Lebenstag oder erst nach der ersten Lebenswoche auf. Der Übergang von einem gesund wirkenden Kind zum schwer kranken Zustand verläuft zumeist sprunghaft, wobei der septische Schock, der zum Tode führen kann, bereits nach wenigen Stunden einsetzt. Je nach dem, an welcher Stelle die Erstinfektion erfolgt ist, können dort die ersten Veränderungen festgestellt werden.

Diese Infektionszeichen können an den Atmungsorganen, an der Haut oder im Bereich des Verdauungsapparates auftreten. Von außen macht sich die Infektion zuerst in diffusen Symptomen, wie einer Trinkschwäche, einer erhöhten Temperatur und einer Berührungsempfindlichkeit des Kindes sichtbar. Falls die Infektion am Atmungsapparat erfolgte, kann es zu einem Atemnotsyndrom kommen oder es können Atemaussetzer festgestellt werden.

Die Infektzeichen an der Haut äußern sich in Ödemen, Eiterbläschen, einer Entzündung der Nabelschnur oder einer Gelbfärbung der Augen. Wenn das Nervensystem betroffen ist, sind Apathie, Bewusstseinsstörungen, Schläfrigkeit, Krämpfe oder vorwölbende Fontanellen Warnhinweise auf eine Neugeborenensepsis.

Bei einer Spätsepsis sind die Kinder oft von einer Hirnhautentzündung betroffen. Eine Infektion des Verdauungstraktes geht mit Nahrungsverweigerung, Durchfall beziehungsweise Verstopfung und einer Vergrößerung von Leber und Milz einher.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zur Abklärung der Krankheitserreger erfolgt als erste diagnostische Maßnahme eine Blutabnahme, von der eine Blutkultur angelegt wird. Wenn der Befund einen Mangel an Leukozyten - eine Leukopenie ausweist, gilt dies zumeist als sicheres Anzeichen für eine Sepsis. Bei einer Spätsepsis werden Urinkulturen angelegt und beim Vorliegen einer Hirnhautentzündung werden die infektionsverursachenden Bakterien mittels einer Lumbalpunktion eruiert.

Bei einer rechtzeitigen Behandlung durch die Gabe von Antibiotika kann eine Neugeborenensepsis rasch geheilt werden. Manchmal bleiben eine pulmonale Hypertonie oder Schäden am Nervensystem zurück. Falls jedoch die ersten Alarmzeichen übersehen werden, kann die Infektion einen septischen Schock beim Neugeborenen verursachen, der binnen weniger Stunden zum Tod führt. Eine verspätete Behandlung liegt in 10 bis 25 Prozent der Fälle vor.

Komplikationen

Neugeborenensepsis kann als potenziell lebensbedrohliche Infektion zahlreiche Komplikationen nach sich ziehen. Bei einer symmetrischen, also sehr gleichmäßigen Verteilung von Toxinen oder Bakterien im Blutkreislauf, besteht auf jeden Fall Lebensgefahr ohne sofortige Behandlung. Betroffene Babys müssen dringen auf der Intensivstation überwacht werden, da sie über kein ausreichend ausgebildetes Immunsystem verfügen.

Ein Abbau von giftigen Substanzen oder die erfolgreiche Bekämpfung von Bakterien obliegt somit primär der ärztlichen Obhut. Nach den üblichen Eingangssymptomen kann das Neugeborene unspezifische und schwer einzuschätzende Komplikationen entwickeln. Im Laufe der Zeit zieht die Blutvergiftung immer mehr Organe in Mitleidenschaft. Ein erhöhter Herzschlag sowie Atemnot treten in Regel rasch auf. Eine Ablagerung der Mikroorganismen im Ohr kann in einer schweren Mittelohrentzündung mit Verschluss des Gehörganges münden.

Besonders hohes Gefahrenpotenzial geht von einer möglichen Meningitis (Hirnhautentzündung) aus. Eine geschwollene Fontanelle und sehr hochfrequentes Schreien sind als Merkmale dieser Komplikation zu nennen. Ebenso kann als Konsequenz einer Sepsis sich eine Lungenentzündung entwickeln. Typischerweise nehmen Babys während einer Sepsis nur wenig Flüssigkeit zu sich und drohen als Folge auszutrocknen. Langzeitschäden oder das Ableben des Nachwuchses durch septischen Schock mit Multiorganversagen bei zu spät begonnener Therapie sind nicht auszuschließen.

Dauerhaft neurologische Fehlfunktionen und hoher Blutdruck in den Lungengefäßen treten je nach Ausprägung und schwere des Verlaufs auf. Wird die Erkrankung rechtzeitig erkannt, bleibt die Gefahr, dass Unverträglichkeiten aufgrund antibiotischer Behandlungen entstehen können. Die Sterberate liegt unter diesen Bedingungen bei ungefähr bei vier Prozent.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der neonatalen Sepsis erfolgt mittels Antibiotika, die über eine Infusion verabreicht werden. Dabei greift man zu Beginn auf Breitbandantibiotika zurück, die eingesetzt werden, solange die Ergebnisse der Blut- und Urinkulturen noch ausstehen. Bei einer Frühsepsis wird Aminopenicellin oder eine Kombination aus Cephalosphorin/ Aminopenicellin verabreicht.

Neben der Behandlung der Infektion setzt man parallel ergänzende Maßnahmen zur Stabilisierung des Zustandes des Neugeborenen. Neben einer Flüssigkeitsgabe über eine Infusion, kann eine Beatmung notwendig sein. Auch eine mögliche Unterzuckerung oder Blutarmut werden behandelt.

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Vorbeugung

In vielen Ländern wird zwischen der 35. Und der 37. Schwangerschaftswoche bei der Mutter ein Abstrich aus der Scheide und dem Mastdarm entnommen. Dieser wird auf Beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe B untersucht, die vor allem für die Frühsepsis verantwortlich sind.

Bei einem positiven Befund wird der Mutter unmittelbar vor der natürlichen Geburt eine Infusion mit Antibiotika, wie Penicillin G oder Ampicillin, verabreicht. Durch diese Maßnahme wird das Ansteckungsrisiko deutlich gesenkt. Um eine Spätsepsis zu vermeiden, sind elementare Hygienemaßnahmen, wie das Händewaschen, im Umgang mit Kindern unumgänglich.

Bücher über Neugeborenensepsis und Kinderkrankheiten

Quellen

  • Kerbl, R. et al.: Checkliste Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2011
  • Koletzko, B.: Basiswissen Pädiatrie. Springer Medizin Verlag, Berlin 2009
  • Sitzmann, F.C.: Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012

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