Ureaplasma urealyticum

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Juni 2017
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Der Erreger Ureaplasma urealyticum gehört zu der Familie der Mycoplasmataceae und der Gattung der Ureaplasmen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Ureaplasma urealyticum?

Ureaplasma urealyticum ist ein Keim der Klasse der Mollicutes. Er zeichnet sich, wie andere Keime dieser Klasse, durch eine fehlende Zellwand und eine pleomorphe Gestalt aus. Durch die fehlende Zellwand ist der Erreger gramnegativ. Weitere Eigenschaften wie eine natürliche Penicillin-Resistenz und die Möglichkeit der Gestaltänderung (pleomorphe Form) werden durch die fehlende Zellwand ermöglicht.

Ureaplasmen sind im Gegensatz zu den Mykoplasmen in der Lage, Harnstoff zu spalten (Lyse) und abzubauen. Sie parasitieren wie andere Keime der Familie Mycoplasmataceae sowohl intra- als auch extrazellulär. Eine Ansiedlung im Urogenitalsystem und besonders in der Harnröhre bietet sich, aufgrund der charakteristischen Fähigkeit Urea abzubauen, an.

Die Eigenschaften des Erregers lassen sich gut über die Namensherkunft ableiten: Die Klassenbezeichnung "Mollicutes" bedeutet übersetzt "Weichhäutler"(Molli = mollig, weich) und weist auf die fehlenden Zellwände hin. Die Familienbezeichnung "Mycoplasmataceae" bedeutet übersetzt in etwa "Pilzartig" (Mycos = Pilz) und spielt auf die pleomorphe Form der Keime an, die zeitweise länglich ist und wie ein Pilz aussieht. Die Artbenennung Ureaplasma urealyticum weist auf die Fähigkeit des Erregers hin, Harnstoff, also Urea, abzubauen.

Keime der Mollicutes-Klasse wurden 1898 zum ersten Mal bei Rindern mit Lungenseuche (Pleuropneumonie) isoliert. Die Annahme, es handele sich um einen Ur-Keim, die auch durch das sehr kleine Genom (580kbp) bestärkt wurde, konnte erst durch eine genaue DNA-Sequenzierung widerlegt werden.

Bei Keimen der Mollicutes-Klasse handelt es sich um Produkte der degenerativen Evolution. Mollicutes sind degenerierte Formen einer Lactobacillus-Art. Die Art Ureaplasma urealyticum stellt eine Weiterentwicklung der ursprünglichen Mollicutes dar und ist der wichtigste Vertreter der Gattung Ureaplasma in der Humanmedizin. Eine genaue Untersuchung des Genoms ergab, das Mollicutes einen erheblichen Teil ihrer ursprünglichen DNA abgestoßen haben. Sie gehören mit 580– 2.300 kbp zu den Lebewesen mit dem kleinsten vorhandenen Genom. Zum Vergleich hat das Genom des Bakteriums E. Coli eine Größe von 4.500 kbp und das Genom des Homo Sapiens eine Größe von 3.400.000 kbp.

Aufgrund der geringen Größe von 200 Nanometern gelten Keime der Klasse Mollicutes als Laborkontaminanten. Die serielle Produktion von Sterilfiltern erlaubt lediglich eine Porendichte von 220 Nanometern, was eine effektive Filterung von Keimen der Klasse Mollicutes nicht gewährleistet.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Keime der Familie Mycoplasmataceae haben erhebliche Teile der ursprünglichen DNA abgestoßen und sind deswegen auf essentielle Stoffwechselkomponenten von anderen Zellen angewiesen. Aufgrund der abgestoßenen Teile des Genoms sind Mykoplasmen nicht in der Lage Aminosäuren, Nukleinsäuren und Fettsäuren selber herzustellen bzw. abzubauen und müssen diese von anderen Zellen ziehen.

Die Fähigkeit der Ureaplasmen, Urea abzubauen, bietet sich für eine parasitäre Besiedlung des Urogenitalsystems an.

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Krankheiten & Beschwerden

Die Bakterienart Ureaplasma urealyticum gilt als fakultativ pathogen und kann sich ohne Komplikationen in den Schleimhäuten des unteren weiblichen Genitaltrakts ansiedeln. Im männlichen Urogenitalsystem kommt es häufiger zu einer aggressiven und um sich greifenden Infektion. Angefangen in der Harnröhre, kommt es zu einer Blasenentzündung, die sich auf Hoden, Prostata und Nieren ausweiten kann. Die Entzündung verursacht starke Schmerzen und Fieber und kann unbehandelt zur Sterilität führen.

Der Keim siedelt sich unbemerkt in der Vaginalschleimhaut an und kann bei gynäkologischen Untersuchungen regelmäßig gefunden werden. In der Schwangerschaft und besonders während der Geburt kann es zur Infektion des Kindes kommen. Beim Säugling kann der Keim schwere Pneumonien auslösen und zu chronischen Infektionen des zentralen Nervensystems führen. In besonders schweren Fällen löst der Keim eine Neugeborenensepsis aus, die ohne Behandlung zum Tod des Säuglings führen kann.

Etwa 5% aller Todesfälle von Kindern unter 5 Jahren werden weltweit von der Neugeborenensepsis ausgelöst. Die Neugeborenensepsis wird begünstigt durch eine Immunschwäche und Mangelernährung des Säuglings und ist somit eine Erkrankung, die besonders in ärmeren Ländern auftritt. Die Neugeborenensepsis wird nicht ausschließlich durch Ureaplasmen ausgelöst, sondern kann auch durch Streptokokken, Staphylokokken und viele weitere Keime hervorgerufen werden.

Durch die große Auswahl an potenziellen Erregern ist von einer spontanen Antibiotikabehandlung abzuraten. Da Ureaplasma durch die fehlenden Zellwände eine natürliche Resistenz gegen Penicilin und andere Antibiotika, die an der Zellwand ansetzen, vorweisen kann und auch viele weitere Erreger mittlerweile mit einer großen Anzahl von Antibiotikaresistenzen ausgerüstet sind, scheint eine genaue Abklärung mithilfe labormedizinischer Befunde unabdingbar. Die genaue Art des Erregers inklusive einer Resistenzbestimmung ist ebenfalls wichtig, um eine persistierende Manifestation des Pathogens zu vermeiden.

Da bereits persistierende Formen von Erregern aus den Familien der Chlamydiaceae und Mycoplasmataceae durch eine Verabreichung von Penicillin beobachtet wurden, ist hier oberste Vorsicht geboten. Eine vorschnelle und instinktive Entscheidung für eine herkömmliche Antibiotikabehandlung begünstigt ernsthafte Folgebeschwerden und kann zur Ausbildung weiterer Resistenzen führen. Eine spontane Antibiotikatherapie ohne Abklärung der genauen Ursachen kann somit als grobe Fahrlässigkeit bewertet werden.

Zur Bekämpfung einer Entzündung, die durch Ureaplasma urealyticum ausgelöst wird, werden Antibiotika aus dem Bereich der Makrolide und Tetracycline empfohlen. Diese Antibiotikagruppen wirken innerhalb der Zelle und hemmen die Proteinbiosynthese des Erregers. Eine Auto-Replikation kann hierdurch gehemmt werden und eine kompetente Immunabwehr wird begünstigt.

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