Immundefekt

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 24. November 2017
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Von einem Immundefekt oder einer Immundefizienz spricht man in der Medizin, wenn das Immunsystem gestört ist und den Körper nicht mehr vor Krankheitserregern und Krebszellen schützen kann. Bei gesunden Menschen funktioniert die Immunabwehr recht gut, ist aber auch sehr störanfällig.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Immundefekt?

Man unterscheidet in der Medizin zwischen zwei Arten von Immundefekten. Zum einen kann der Immundefekt angeboren sein (Primärer Immundefekt) oder er kann im Laufe des Lebens erworben werden (Sekundärer Immundefekt).

Der Primäre Immundefekt tritt seltener auf und ist auf gestörte Gene zurückführen, die für die Bildung von Antikörpern zuständig sind. In den letzten Jahren haben sie entweder zahlenmäßig zugenommen oder sie werden heute besser erkannt.

Beim Sekundären Immundefekt handelt es sich um eine erworbene Störung auf Grund bestimmter Krankheiten oder Mangelzuständen. Dabei werden die Abwehrzellen und Antikörper durch Viren, chemischen Giften, schweren Krankheiten oder falsche Lebensweise zerstört.

Ursachen

Die Ursache von angeborenen Immundefekten ist wissenschaftlich noch nicht genau geklärt. Experten sind sich aber in den letzten Jahren einig geworden, dass ein bestimmtes Gen dafür verantwortlich ist, das die Funktion der Antikörper zerstört. Erworbene Immundefekte können eine Vielzahl von Ursachen haben.

Schwere Infektionskrankheiten, die das Abwehrsystem des Körpers schwächen oder gar zerstören (wie bei AIDS), Leukämie, Krebstherapien, große Operationen, Einnahmen von immunsupprimierenden Medikamenten (nach Transplantationen), anhaltende Stresssituationen, Drogen, Mangelernährung, Vergiftungen, chronische Krankheiten wie Zuckerkrankheit können Immundefekte auslösen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Eine frühzeitige Diagnose insbesondere bei angeborenen Immundefekten ist lebenswichtig. Deshalb sollten Patienten und Ärzte bei bestimmten Warnsignalen hellhörig werden. Wenn mehr als zwei Lungenentzündungen, mehr als vier schwere Infektionen pro Jahr, immer wiederkehrende Hautabszesse sowie Pilzbefall der Mundschleimhäute auftreten oder Impfkomplikationen und Wachstumsstörungen entstehen, sollte man unbedingt zur weiteren Diagnose zu einem Spezialisten.

Allgemein kann der Immundefekt bei einer Blutuntersuchung festgestellt werden. Dabei lassen sich die Antikörper im Blut exakt nachweisen und ein Mangel genau bestimmen. Die Ärzte können sofort erkennen, ob ein Immundefekt vorliegt oder nicht. Wenn in der Familie bereits ein Immundefekt vorgekommen ist, sollte sogar bereits im Bauch der Mutter eine Untersuchung stattfinden.

Komplikationen

Durch einen Immundefekt kann es zu verschiedenen Komplikationen und Beschwerden kommen. Im schlimmsten Falle verstirbt der Patient allerdings an einer Infektion oder an einer Krankheit, da sich der Körper gegen diese nicht wehren kann. Durch den Immundefekt kommt es zu einer verstärkten Anfälligkeit für Infekte und Entzündungen, weswegen der Patient öfter krank wird.

Die Betroffenen leiden dabei vor allem an Entzündungen der Ohren und der Lunge. Diese Entzündungen können im schlimmsten Falle lebensgefährlich sein und schränken die Lebensqualität extrem ein. In vielen Fällen führen die ständigen Krankheiten auch zu psychischen Beschwerden, sodass die Patienten an Minderwertigkeitskomplexen und an einem verringerten Selbstwertgefühl leiden.

In der Regel benötigt der Körper der Patienten auch einen längeren Zeitraum, um die Infekte und Entzündungen zu bekämpfen. Die Lebenserwartung kann durch den Immundefekt verringert sein. Bei der Behandlung des Defektes werden dem Patienten Antikörper verabreicht, wodurch Beschwerden und Symptome gelindert werden können.

Diese Behandlung muss meistens lebenslang erfolgen, damit es zu keinen Folgeschäden kommt. Sollte es bereits zu Infektionen oder Entzündungen gekommen sein, so werden diese mit Hilfe von Antibiotika behandelt. Dabei kommt es zu keinen Komplikationen. Psychische Beschwerden werden durch einen Psychologen behandelt.

Behandlung & Therapie

Die Therapie bei primären Immundefekten erfolgt meistens durch eine regelmäßige lebenslange Einnahme von Antikörpern (Immunglobuline von gesunden Spendern). So können viele Patienten erfolgreich behandelt werden. Die Immunglobulin-Therapie kann auf zwei Wegen erfolgen. Entweder werden die Immunglobuline direkt in die Vene gespritzt oder unter die Haut.

Bei einer schweren Infektion wird eine höhere Dosis gegeben als bei einer leichteren Infektion. Im Idealfall erreicht man auf diesem Weg die Infektionsrate von gesunden Menschen. Die Patienten müssen zusätzlich mehrere Medikamente und Antibiotika gegen Bakterien und Pilze nehmen, da Immunglobine nicht so stark den Körper schützen können wie richtige Antikörper.

Wenn der Immundefekt durch die Lebensumstände der Patienten verursacht wird, sollte neben Medikamenten und Vitaminen eine Lebensberatung oder Psychotherapie angeboten werden. Diese kann in Form einer Ernährungs-, Drogen- oder Stressvermeidungs-Beratung oder aber auch in Form einer Gesprächstherapie stattfinden. Wenn der Defekt auf Grund einer Erkrankung entstanden ist, sollte die Grunderkrankung therapiert werden, die die Hauptursache für die Störung des Immunsystems darstellt.

Bei einigen Patienten mit angeborenen Immundefekten können Stammzellen- oder Knochenmarktransplantationen eine dauerhafte Heilung verschaffen. Diese Therapie wird nur bei schweren Immundefekten durchgeführt, ohne diese der Patient sonst sterben würde. Eine neue Form der Therapie ist die Gentherapie, wobei in die Erbsubstanz (DNA) ein intaktes Gen eingesetzt wird, um die Funktion des gestörten Gens wieder herzustellen. Diese Therapie wird nur Patienten mit Immundefekten durchgeführt, bei denen alle anderen Behandlungsmaßnahmen versagt haben.

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Vorbeugung

Als vorbeugende Maßnahmen bei angeborenen Immundefekten sind die Frühwarnsysteme von Bedeutung, um eine rechtzeitige Behandlung zu ermöglichen. Bei erworbenen Immundefekten gilt, wegen der höheren Infektanfälligkeit, das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten. Eine gesunde Lebensweise mit viel Bewegung im Freien, ausreichend Schlaf, Stressvermeidung und gute Ernährung kann viele Immundefekte positiv beeinflussen oder gar verhindern.

Das können Sie selbst tun

Es gibt eine ganze Reihe von Selbsthilfegruppen, die Erwachsenen, aber besonders auch Kindern mit Immundefekten und ihren Eltern, Unterstützung anbieten. In Deutschland gibt es zum Beispiel die Patientenorganisation für angeborene Immundefekte e.V. Die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen NAKOS stellt eine Datenbank zur Verfügung, in der Interessierte nach regionalen Selbsthilfegruppen suchen können.

Ausgrenzungen durch eine solche Erkrankung, gerade bei Kindern, erschweren den normalen Alltag. In Kindergarten und Schule können ein offenes Gespräch und der entsprechende Umgang damit Hilfe bieten. Der Lehrkörper sollte informiert sein, dass es bei dem entsprechenden Kind zu häufigen Fehlzeiten kommen kann. Dadurch wächst das Verständnis und Lehrer und Mitschülern nehmen Rücksicht.

Ein erkranktes Kind sollte so früh wie möglich Verantwortung für bestimmte Bereiche seiner Therapie übernehmen. Es kann erlernte Entspannungstechniken anwenden und Atemübungen durchführen. Gesangsunterricht, bzw. die Mitgliedschaft in einem Chor stabilisiert das Selbstwertgefühl und ermöglicht, genauso wie sportliche Aktivität, soziale Kontakte zu knüpfen. Vielfach angebotene Patientenschulungen eignen sich für einen kompetenten Umgang mit der eigenen Erkrankung und helfen den Alltag zu erleichtern.

Bücher über Infektanfälligkeit & Immunschwäche

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Peter, H.-H., Pichler, W.J. (Hrsg.): Klinische Immunologie. Urban & Fischer, München 2012
  • Schütt, C., Bröker, B.: Grundwissen Immunologie. Spektrum, Heidelberg 2011

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