Sensibilitätsstörungen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. November 2017
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Sensibilitätsstörungen äußern sich in der veränderten Wahrnehmung körperlicher Empfindungen, wie beispielsweise Taubheitsgefühle oder undefinierbarer Schmerz. Die Ursachen dafür können zahlreiche sein und müssen sehr genau diagnostiziert werden, damit eine Heilung erfolgen kann.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Sensibilitätsstörungen?

Nervenenden, Rezeptoren und Sensoren nehmen Reize über den ganzen Körper wahr und geben Informationen darüber ans Gehirn weiter, wo sie zu Empfindungen und Eindrücken verarbeitet werden. Reize unterscheiden sich in mechanische Reize, wie Druck oder Vibration, Empfindungen von Temperatur und Schmerz und Bewegungsempfindungen.

Liegt eine Sensibilitätsstörung vor, so werden diese Reize als unangenehm, verstärkt oder nicht vorhanden empfunden. Typisch für eine solche Störung sind Kribbeln, Brennen, Jucken, ein Gefühl der Taubheit, undefinierbarer Schmerz oder eine übertriebene Wahrnehmung von Kälte und Wärme, auch Hyperalgesie genannt.

Es kann vorkommen, dass sich Patienten mit Sensibilitätsstörungen verletzen ohne dies zu bemerken, folglich die Wunde nicht versorgen und sich mit schweren Infektionen infizieren. Länger anhaltende Sensibilitätsstörungen müssen in jedem Fall von einem Arzt behandelt werden.

Ursachen

Die Ursachen für eine Sensibilitätsstörung können sich zwischen vorübergehenden Reizungen der Nerven, bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen des Nervensystems bewegen.

Im speziellen können folgende Ursachen vorliegen:

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Diagnose & Verlauf

Die Ursachen für eine Sensibilitätsstörung können sich zwischen vorübergehenden Reizungen der Nerven, bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen des Nervensystems bewegen.

Die Untersuchung durch einen Arzt ist bei Sensibilitätsstörungen aufgrund der zahlreichen möglichen Ursachen unerlässlich. Es muss festgestellt werden ob eine harmlose Nervenreizung oder eine ernsthafte Erkrankung vorliegt. Untersuchungen dieser Art werden von einem Neurologen vorgenommen.

Manchmal werden Taubheitsgefühle einzelner Gliedmaßen nicht ernst genommen, obwohl sie durch Erkrankungen, wie einen Schlaganfall ausgelöst werden können. Die Diagnose erfolgt zunächst über eine Befragung des Patienten. Der Arzt muss abklären seit wann der Patient unter den vorliegenden Beschwerden leidet, welche auslösenden Ereignisse zugrunde liegen könnten, ob sonstige Beschwerden oder Vorerkrankungen vorhanden sind und ob Medikamente regelmäßig eingenommen werden.

Zusätzlich zur Befragung erfolgt eine eingehende körperliche Untersuchung, eine Blutuntersuchung und eine neurologische Untersuchung. Mittels Sensibilitätsprüfung testet der Arzt, ob das Druckempfinden geschädigt ist, ob der Betroffene eine gestörte Empfindung von Temperatur und Schmerz hat und ob das Bewegungsempfinden beeinträchtigt ist.

Eine konkrete Diagnose muss nach Eingrenzung der Symptome durch Computertomographie, Kernspintomographie, Elektroneurographie, Elektroenzephalographie, Hirnwasseruntersuchung, Röntgen, differenzierte Blutuntersuchungen, Angiographien, Allergietests und orthopädische Untersuchungen gestellt werden.

Diagnosedaten & Häufigkeit

Relative Häufigkeit je 100.000 Einwohner pro Bundesland (ICD-10: R20 Sensibilitätsstörungen der Haut) (2012)
Quelle: GBE des Bundes (Diagnosedaten der Krankenhäuser)

Komplikationen

Je nach Sensibilitätsstörung sind verschiedene körperliche und psychische Komplikationen möglich. Insbesondere beim vollständigen Ausfall der Sensibilität besteht die Gefahr, dass Verletzungen oder andere Erkrankungen übersehen werden, da der Betroffene sie nicht wahrnimmt. Das Risiko ist erhöht, wenn außerdem die Körperpflege vernachlässigt wird.

Aus diesem Grund ist es wichtig, die betroffene Körperregion regelmäßig visuell zu kontrollieren. Eine gute Gelegenheit bietet sich beim täglichen Waschen. Offene Wunden, die nicht rechtzeitig entdeckt werden, können sich entzünden. Wenn die Sensibilitätsstörung auf Diabetes mellitus zurückgeht, sind zusätzlich Wundheilungsstörungen möglich. Dadurch entsteht ein hohes Risiko für Infektionen und Entzündungen.

Infolgedessen sind in schweren Fällen weitere medizinische Komplikationen wie Blutvergiftung, Abszesse oder das Absterben von Körpergewebe möglich. Sensibilitätsstörungen stellen darüber hinaus eine potenzielle psychische Belastung dar. Vor allem bei verstärktem Schmerzempfinden sind verschiedene mentale Komplikationen möglich. Oft führen die Sensibilitätsstörungen zu einem diffusen psychischen Leiden. Allerdings können sich auch spezifische Krankheiten wie Depressionen entwickeln.

Darüber hinaus führen Sensibilitätsstörungen in einigen Fällen zu Einschränkungen im Alltag und im Beruf. Die veränderte Wahrnehmung ist häufig gewöhnungsbedürftig. Zum Teil werden Bewegungen unsicher, wenn das übliche Feedback der Sensorik ausbleibt. Dadurch können auch sekundäre motorische Probleme entstehen. Insbesondere mit der erhöhten Schmerzempfindlichkeit (Hyperalgesie) müssen sich auch nahestehende Menschen (zum Beispiel Partner) erst arrangieren, da auch normale Berührungen Schmerzen hervorrufen können.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

In der Regel sollte immer dann ein Arzt aufgesucht werden, wenn die Sensibilitätsstörungen ohne besonderen Grund plötzlich auftreten. Der Betroffene kann allerdings einige Tage warten, da die Störungen in vielen Fällen wieder von alleine verschwinden. Sollten diese allerdings permanent anhalten und nicht von alleine gehen, so ist der Besuch beim Arzt notwendig. Ebenso ist bei einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit ein Besuch bei einem Arzt ratsam. Dabei kann es sich um eine Grunderkrankung handeln, die auf jeden Fall untersucht werden muss.

Schmerzmittel sollten dabei möglichst nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, da sie dem Magen Schaden zufügen. Falls die Sensibilitätsstörungen nach einer Entzündung oder nach einem Infekt auftreten, so ist es ebenfalls ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Dadurch können Folgeschäden und weitere Komplikationen vermieden werden. Falls neben den Störungen auch Rötungen auf der Haut auftreten, so kann nach einigen Tagen ohne Besserung ebenfalls ein Arzt aufgesucht werden. In einigen Fällen treten die Sensibilitätsstörungen auch nach dem Konsum von Alkohol und anderen Drogen auf. In diesem Fall verschwinden die Symptome in der Regel nach einer kurzen Zeit wieder von alleine. Gegebenenfalls ist ein Entzug für den Patienten notwendig.

Behandlung & Therapie

Je nach Ursache kann die Behandlung einer Sensibilitätsstörung unterschiedlich ausfallen und entweder an der Ursache oder an den Symptomen ansetzen. Erkrankungen des Nervensystems machen meist eine medikamentöse Therapie notwendig. Eingeklemmte Nerven lassen sich manuell oder durch Operationen beseitigen.

Liegt ein Schlaganfall vor, müssen umgehend intensivmedizinische Maßnahmen ergriffen werden. Ein unbehandelter Schlaganfall zieht Schäden nach sich und kann tödlich enden. Bei medikamentösen Ursachen, dürfen Medikamente nur unter der Kontrolle eines Arztes abgesetzt werden. Bakterielle Infektionen machen eine Gabe von Antibiotika notwendig, Alkoholismus einen Entzug und gleichzeitig die Gabe von Vitamin B1. Bei Diabetikern kann eine Optimierung des Blutzuckerspiegels und die Gabe von Alpha-Liponsäure Abhilfe schaffen.

Die Behandlung der Ursachen einer Sensibilitätsstörung kann durch eine Abschwächung der Symptome unterstützt werden. Sinnvoll ist dies im Bereich der Schmerzlinderung durch Gabe von Schmerzmitteln, Krampflösern oder Antidepressiva. Die Transkutane elektrische Nervenstimulation ergänzt oder ersetzt die medikamentöse Schmerztherapie.

Aussicht & Prognose

Die Prognose bei Sensibilitätsstörungen ist abhängig von der vorliegenden Grunderkrankung. Treten die Beschwerden aufgrund einer zu großen Kälteeinwirkung oder Überlastung des Körpers auf, verschwinden die Störungen meist ohne eine Behandlung wieder. Der Organismus ist dann mit ausreichender Wärme und Ruhe zu versorgen. Innerhalb einiger Stunden sowie einem erholsamen Schlaf ist in diesen Fällen eine vollständige Genesung möglich.

Beruhen die Sensibilitätsstörungen auf Problemen der Durchblutung, muss eine Behandlung eingeleitet werden, da sonst eine Zunahme der Beschwerden eintritt. Je eher eine medizinische Versorgung erfolgt, desto besser sind die Heilungschancen. Bei starken Durchblutungsstörungen kann es zu einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall kommen. Bei beiden besteht akute Lebensgefahr.

Überlebende leiden oftmals an dauerhaften Beeinträchtigungen. Lähmungen, Herz-Rhythmus-Störungen oder Einschränkungen bestimmter Funktionen sind häufig noch viele Jahre nach dem Vorfall vorhanden.

Bei Sensibilitätsstörungen, die von Muskel- oder Nervenschäden verursacht werden, ist die Prognose gut. Entzündungen oder Infektionen können durch die Gabe von Medikamenten geheilt werden, so dass die Störungen innerhalb einiger Wochen vollständig verschwinden. Ein eingeklemmter Nerv kann durch orthopädische Techniken oder einen operativen Eingriff gelöst werden. Die Beschwerden lindern sich innerhalb kurzer Zeit, so dass sie bereits nach Tagen vollständig verschwunden sind. Häufig wird begleitend eine Krankengymnastik empfohlen, damit der Betroffene auch langfristig beschwerdefrei bleibt.

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Vorbeugung

Eine generelle Möglichkeit, Sensibilitätsstörungen vorzubeugen gibt es nicht. Empfohlen wird eine ausgewogene Ernährung, durch die der Körper mit allen wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen versorgt ist, viel Bewegung, ein gesundes Maß an Entspannung und die Eingrenzung von Stress. Bei orthopädischen Erkrankungen kann auch eine längerfristige Physiotherapie vorbeugend wirken.

Das können Sie selbst tun

Die Behandlung einer Sensibilitätsstörung kann ergänzt werden durch Maßnahmen, welche die Genesung unterstützen. Eine umfangreiche ärztliche Therapie ist jedoch in jedem Fall nötig. Bei Einschränkungen der Wahrnehmung oder einem verminderten Schmerzempfinden werden die Sensoren durch eine äußere Reizgebung stimuliert. Dies können Betroffene selbst durchführen, angefangen mit einem leichten Streichen mit einer Feder über die Haut bei leichter Einschränkung. Im fortgeschrittenen Stadium empfiehlt es sich, mit einem Holzhammer leicht bis mittelstark auf die betroffenen Körperstellen zu klopfen. Ist die Störung stark fortgeschritten, können auch Stromschläge durch entsprechende Geräte eingesetzt werden. Dies sind jedoch nur Beispiele für eine äußere Reizgebung.

Ebenso kann man mit Gegenständen verschiedener Formen oder Oberflächen arbeiten, oder durch Massagen. Massagen werden entweder von dem Betroffenen selbst oder einer anderen Person ausgeführt. Bei letzterem kann zum Beispiel erraten werden, welche Körperstellen gerade berührt werden. Sind andere Sinne von einer Störung betroffen, gibt es ebenfalls Möglichkeiten zur Stimulation. Den Geruchssinn betreffend empfiehlt sich Ammoniak oder starkes Parfum. Ist der Geschmack eingeschränkt, können Zitrone, Meerrettich, scharfer Senf, Wermuttee oder Chili behilflich sein. Das Gehör wird durch laute Musik oder andere Geräusche stimuliert.

Allgemein kann der Betroffene im Alltag versuchen, seine Sinne zu schulen, sei es durch eine aktive Wahrnehmung seiner Umgebung oder jedwede Aktivitäten, welche die Haut, Geruch, Geschmack und Gehör stark reizen.

Bücher über Sensibilitätsstörungen

Quellen

  • Bewermeyer, H.: Neurologische Differenzialdiagnostik. Schattauer, Stuttgart 2010
  • Gleixner, C., et al.: Neurologie und Psychiatrie für Studium und Praxis. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2013
  • Grehl, H., et al.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2016

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