Eingeklemmter Nerv

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Dezember 2017
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Ein sogenannter eingeklemmter Nerv kann verschiedene Formen annehmen. Ebenso vielfältig sind die Hintergründe, aus denen ein eingeklemmter Nerv resultieren kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein eingeklemmter Nerv?

Ein eingeklemmter Nerv zeigt sich bei vielen Betroffenen vor allem im Bereich von Schulter, Rücken oder Hals. Dabei wird die Bezeichnung Eingeklemmter Nerv umgangssprachlich, aber auch von Medizinern, für verschiedene Beschwerdelagen verwendet:

Hierzu zählen etwa Nervenreizungen oder Reizungen von angrenzenden Muskeln sowie entzündliche Prozesse der Nerven. Dabei ist ein eingeklemmter Nerv im Schulter-, Hals- und Rückenbereich meist von sehr starken Rückenschmerzen begleitet.

Typischerweise sind die Schmerzen, die ein eingeklemmter Nerv mit sich bringt, stechend oder brennend; außerdem kann ein solcher Schmerz einhergehen mit Taubheitsgefühlen oder starkem Schwitzen (diese Beschwerden können in einigen Fällen auch ohne begleitende Schmerzen auftreten). Schätzungen zufolge zeigt sich in der deutschen Bevölkerung ein eingeklemmter Nerv durchschnittlich bei jedem dritten Bewohner im Laufe seines Lebens.

Ursachen

Ein eingeklemmter Nerv kann verschiedene Ursachen haben; dabei ist ein eingeklemmter Nerv in den meisten Fällen die Folge eines längerfristigen Prozesses aus Fehlhaltungen oder unausgeglichenen Belastungen. Solche Fehlhaltungen oder einseitigen Belastungen können beispielsweise die Folge langjähriger Überkopftätigkeiten (wie sie unter anderem bei Malern und Lackierern anfallen) oder auch jahrelanger Tätigkeiten am PC sein.

Ein eingeklemmter Nerv kann des Weiteren verursacht werden durch das Tragen oder das falsche Anheben schwerer Lasten; und auch ungünstigen Bewegungsabläufen während des Sports kann ein eingeklemmter Nerv folgen.

Verursacht sein kann ein eingeklemmter Nerv außerdem durch Zerrungen, Verspannungen oder Fehlstellungen, die während des Schlafens eingenommen werden. Und schließlich können unter anderem auch Verletzungen, wie etwa einem Schleudertrauma oder Frakturen (Knochenbrüche), sowie Verschleißerscheinungen oder Funktionsstörungen der Wirbelsäule, ein eingeklemmter Nerv folgen.

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Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Typischerweise sind die Schmerzen, die ein eingeklemmter Nerv mit sich bringt, stechend oder brennend; außerdem kann ein solcher Schmerz einhergehen mit Taubheitsgefühlen oder starkem Schwitzen.

Die Schmerzen und Beschwerden (unter anderem können dies Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit sein), die ein eingeklemmter Nerv mit sich bringt, setzen in den meisten Fällen plötzlich ein. Art und Auftreten dieser Schmerzen können zunächst zu einer Verdachtsdiagnose führen.

Ob ein eingeklemmter Nerv vorliegt, kann dann beispielsweise geprüft werden anhand einer Messung der Nervenleitgeschwindigkeit; dies ermöglicht eine Aussage über eine Funktionseinschränkung des Nervs. Sogenannte bildgebende Verfahren, wie beispielsweise die Sonografie oder die Computertomografie, können etwa eine Verformung eines Nervs verdeutlichen, die ein eingeklemmter Nerv aufweisen kann.

Der Verlauf, den ein eingeklemmter Nerv nimmt, unterscheidet sich individuell unter anderem nach Ursache und nach Effizienz einer Therapie. Auch die Mitarbeit des Betroffenen an einer Behandlung wirkt sich meist positiv aus.

Diagnosedaten & Häufigkeit

Relative Häufigkeit je 100.000 Einwohner pro Bundesland (ICD-10: M79.2 Neuralgie und Neuritis) (2012)
Quelle: GBE des Bundes (Diagnosedaten der Krankenhäuser)

Komplikationen

Wird ein Nerv eingeklemmt, treten in vielen Fällen schwere Komplikationen auf. Fast immer kommt es zu starken Schmerzen und Taubheitsgefühlen in der betroffenen Körperregion, einhergehend mit motorischen Einschränkungen und Missempfindungen. Sind sensible Nerven betroffen, kommt es zu einem unangenehmen Kribbeln im gesamten Versorgungsgebiet rund um den eingeklemmten Nerv.

Dieser muss zeitnah behandelt werden, ansonsten kommt es in Folge der Einschränkungen unter anderem zu Muskelschwund, unnatürlichen Bewegungsabläufen und weiteren Komplikationen. Später breiten sich die Beschwerden dann auf weitere Körperregionen aus und die Symptome nehmen zu. Tritt der eingeklemmte Nerv in Folge einer Stoffwechselerkrankung auf, etwa der Fall bei Schwellungen der Sehnenscheiden während der Schwangerschaft und in den Wechseljahren, können die Komplikationen mitunter stark davon abweichen. Nicht selten treten Komplikationen in Folge eines operativen Eingriffs auf.

Wird der eingeklemmte Nerv nicht vollständig befreit, kann es zu Nachblutungen, überschießender Narbenbildung oder einer Wundinfektion der Nerven kommen. Auch Verletzungen benachbarter Nerven, meist durch den Eingriff selbst verursacht, sind ein Risikofaktor. Im Anschluss an die Operation können außerdem Taubheitsgefühle im Bereich um den befreiten Nerv auftreten, die nach einigen Stunden bis Tagen allerdings abklingen sollten. Komplikationen wie Muskelschwund und anderweitige Einschränkungen der betroffenen Körperteile bilden sich auch nach einem operativen Eingriff nicht immer vollständig zurück.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei Befindlichkeitsstörungen oder sogar Schmerzen weiß ein medizinischer Laie nicht immer die Ursache dafür. Es ist ihm ein Rätsel, woher das Taubheitsgefühl im Arm kommt oder das Ziehen im Rücken. Liegt es am Sport? Hat er sich neulich bei der Gartenarbeit zu sehr verausgabt? An den wahren Grund – einen eingeplanten Nerv – denken viele Menschen bei solchen Beschwerden nicht. Häufig warten sie erst einmal ab, ob das Missgefühl von selbst wieder verschwindet. Geschieht es nicht, gehen die meisten zum Arzt, oft schon nach ein paar Tagen.

Es ist richtig, bei unklaren körperlichen Missempfindungen wie Schmerzen, Taubheitsgefühlen, Kribbeln, Ziehen, aber auch zum Beispiel unerklärlichem Schwitzen, möglichst bald einen Arzt aufzusuchen, wenn sich die Beschwerden nicht innerhalb ein paar Tagen wieder legen. Hinter diesen Beschwerden kann ein eingeklemmter Nerv stecken. Bei zu langem Warten mit dem Arztbesuch können am eingeklemmten Nerv irreparable Schäden entstehen. Der Hausarzt ist hierbei der optimale erste Ansprechpartner.

In seiner Anamneseerhebung wird er einen eingeklemmten Nerv als mögliche Ursache in die Diagnosefindung einbeziehen. Bei begründetem Verdacht wird der Hausarzt eine Überweisung zum Neurologen und eventuell auch noch zum Orthopäden veranlassen. Im Zweifel ist es immer besser, zum Arzt zu gehen. Für ihn gibt es keine „zu aufdringlichen" Patienten.

Behandlung & Therapie

Besteht der Verdacht, dass bei einem Betroffenen ein eingeklemmter Nerv vorliegt, ist häufig die Konsultation eines Arztes sinnvoll, der diesen Verdacht prüfen und den Patienten hinsichtlich einer individuell geeigneten Therapie beraten kann.

Bei plötzlich einsetzenden Schmerzen, die ein eingeklemmter Nerv mit sich bringt, können vom Betroffenen zunächst einige Sofortmaßnahmen beachtet werden: So kann es hilfreich sein, langsam und tief einzuatmen und zunächst für wenige Minuten in der Stellung zu verbleiben, in der die Schmerzen aufgetreten sind.

Ein eingeklemmter Nerv kann dann auf verschiedene Weise medizinisch behandelt werden: Eine medikamentöse Therapie kann beispielsweise schmerzlindernde oder entzündungshemmende Wirkstoffe umfassen. Physiotherapeutisch kann ein eingeklemmter Nerv parallel etwa durch Maßnahmen wie Massagen, gymnastische Übungen oder Wärmeanwendungen therapiert werden. In schweren Fällen kann ein eingeklemmter Nerv chirurgisch behandelt werden.

Durch verschiedene Maßnahmen kann eine Therapie vom Betroffenen unterstützt werden: Liegt ein eingeklemmter Nerv vor, kann ein Patient etwa schweres Heben vermeiden, eine vom Arzt empfohlene Schonung einhalten und, wenn möglich, zu schnelle und plötzliche Bewegungen verhindern.

Aussicht & Prognose

Ein eingeklemmter Nerv löst sich zumeist von selbst wieder. Werden die Beschwerden zeitnah und adäquat behandelt, ist die Aussicht auf eine rasche Genesung gegeben. Typische Begleitsymptome wie Kopf- oder Brustschmerzen lassen sich durch verschiedene Maßnahmen meist unmittelbar lindern.

Kommt es während des Genesungsprozesses allerdings zu Komplikationen wie Entzündungen oder einer weiteren Reizung des eingeklemmten Nervs, kann die vollständige Abheilung mehrere Wochen oder Monate andauern.

Abhängig ist die Prognose auch davon, welcher Nerv eingeklemmt ist. Ist es etwa der Ischias-Nerv, kann es zu einem Karpaltunnel-Syndrom kommen, welches zumeist nur durch operative Eingriffe und Krankengymnastik behoben werden kann. Bei eingeklemmten Nerven im Bereich der Halswirbelsäule können vorübergehende Lähmungserscheinungen und weitere Komplikationen die Aussicht verschlechtern; im Allgemeinen ist die Prognose jedoch relativ gut. Die Betroffenen sind nach wenigen Wochen meistens bereits vollständig genesen und haben keine Langzeitfolgen zu befürchten.

Wird der eingeklemmte Nerv nicht oder nur unzureichend behandelt, kann es zu einer dauerhaften Fehlhaltung mit einer weiteren Verschlechterung der Beschwerden kommen. Langfristig erhöht sich dadurch auch das Risiko für ähnliche Beschwerden. Die abschließende Prognose für einen eingeklemmten Nerv kann nur der zuständige Arzt stellen.

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Vorbeugung

Damit ein eingeklemmter Nerv bereits im Vorfeld verhindert werden kann, ist es unter anderem hilfreich, verschiedene Risikofaktoren zu vermeiden; so kann ein eingeklemmter Nerv beispielsweise begünstigt werden durch falsche Körperhaltungen, falsches Tragen von Lasten und mangelnde körperliche Bewegung. Ein eingeklemmter Nerv kann vorbeugend etwa bekämpft werden, indem monotone Körperhaltungen (wie beispielsweise bei der PC-Arbeit) in regelmäßigen Abständen unterbrochen oder verändert werden.

Das können Sie selbst tun

Alltags- und Selbsthilfemaßnahmen bei einem eingeklemmten Nerven bestehen in dem Versuch, die Ursachen für den komprimierten Nerv zu mildern, damit eine gewisse Druckentlastung erreicht wird. In der Regel helfen Wärmeapplikationen auf der betroffenen Stelle.

Wärme, die von außen in das Gewebe eindringt, lockert die Muskelpartien und das Bindegewebe. Im Erfolgsfall wird die Wärmebehandlung durch ein Nachlassen des Schmerzes und eine Rückkehr des Gefühls belohnt, weil der komprimierte Nerv in der Regel bei nachlassender Kompression sehr rasch regeneriert. Die Wärmeanwendung kann mit einfachen Mitteln wie Wärmflasche oder wärmende Umschläge erfolgen. Für eine über Stunden anhaltende Wärme können auch Wärmepflaster sorgen, die in jeder Apotheke erhältlich sind.

Zusätzlich und parallel zu den Wärmebehandlungen sind Bewegungsübungen ohne Belastung zu empfehlen. Die Bewegungen unterstützen die Auflösung von Blockaden und Muskelverhärtungen. Eine Schonhaltung und die völlige Vermeidung von Bewegungen sind in diesen Fällen meist kontraproduktiv, weil sich die Blockaden dadurch nicht lösen. Unterstützend wirken aktive Entspannungs-, Meditationsübungen und Atemübungen, die dem parasympathischen Nervensystem dazu verhelfen, Stresshormone des Sympathikus einzukassieren und den Stoffwechsel auf Regeneration und Wachstum einzustimmen. Wenn die Einklemmung des Nervs keine organischen Ursachen hat, bestehen weitere Maßnahmen in gezielter Massage, die darauf ausgerichtet ist, die fühlbaren Muskelblockaden zu lösen.

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Quellen

  • Diener, H.-C., Putzki, N.: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Grehl, H. Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Klingelhöfer, J., Berthele, A.: Klinikleitfaden Neurologie. Urban & Fischer, München 2009

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