Multiple Sklerose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. August 2017
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Multiple Sklerose oder kurz MS ist eine bisher unheilbare entzündliche und chronische Krankheit. Dabei kommt es zu einer Zerstörungen von Nervenfasern im zentralen Nervensystem, also im Gehirn oder Rückenmark. Typisch für die Erkrankung sind die Schübe mit ihren Beschwerden, die langfristig zu motorischen und gefühlsempfindlichen Störungen führt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose, kurz MS, ist eine Krankheit des zentralen Nervensystems. Dabei kommt es zu chronischen Entzündungen im Rückenmark und Gehirn, bei dem Teile der Nervenfasern (Markscheiden) zerstört werden. Ausserdem kommt es zur Schädigung von körpereigenen Abwehrzellen, die normalerweise körperfremde Erreger bekämpfen. Daher ist die Multiple Sklerose auch als eine Autoimmunerkrankung bekannt.

Seltsamerweise ist die Multiple Sklerose häufiger in Gebieten und Ländern, die weiter vom Äquator entfern sind. Aber auch innerhalb von verschiedenen Ländern gibt es markante Verteilungsmuster der Häufigkeit von Multiples Sklerose. Nach der Epilepsie, ist MS die häufigste chronische Entzündungskrankheit des menschlichen Nervensystems. In Deutschland sind ca. 0,15 Prozent der Bevölkerung an Multiples Sklerose erkrankt. Frauen in jüngeren Jahren sind häufiger betroffen als Männer.

Durch die Zerstörung der Nervenfasern leiden die Betroffenen fast immer an motorischen Problemen bzw. Störungen der körperlichen Bewegung. Ausserdem sind die körperlichen Empfindungen stark angegriffen.

Ursachen

Für die Ursachen einer Multiple Sklerose kommen bisher drei Hauptgründe in Betracht. Die erste Ursache kann eine Autoimmunerkrankung sein. Hierbei greift das Immunsystem das körpereigene Gewebe an. In der Folge werden Antikörper gebildet, die im Blut chronische Krankheiten auslösen können und sich gegen die eigenen Zellen richten. Bei einer Multiple Sklerose wenden sich diese Antikörper gegen das Nervengewebe von Gehirn und Rückenmark.

Die zweite Ursache für Multiple Sklerose stützt sich auf genetische bzw. erbliche Ursachen. So sind Menschen, deren enge Verwandte an dieser Erkrankung leiden, einem höheren Risiko auf MS ausgesetzt. Trotzdem gilt Multiple Sklerose nicht als Erbkrankheit. Auch Umweltfaktoren können auf den Menschen genetische Veränderungen herbeiführen, die dann im Rsultat ebenso zu dieser Krankheit führen kann.

Als letzte bekannte Ursache kommen auch Infektionen für eine Multiple Sklerose in Frage. Hierbei gelten vor allem Erreger, wie Chlamydien, Herpes Viren und Epstein-Barr Virus als mögliche Ursachen für eine Entzündung der Nervenfasern. Ist ein Patient bereits an Multiple Sklerose erkankt, so können auch verschiedene weitere Einflüsse zu den bekannten Schüben der Krankheit führen. Vor allem Stress, Hormonstörungen, Infektionen, Impfungen und Medikamente gelten dann als Auslöser.

Typische Symptome & Anzeichen

Krankheitsverlauf

Infogramm zur Symptomatik und Diagnose der Multiple Sklerose.

Der Verlauf einer Multiple Sklerose ist von einer frühzeitigen Erkennung und Behandlung durch einen Arzt abhängig. Leider kann man MS noch nicht gänzlich heilen. Da der Krankheitsverlauf einer Multiple Sklerose sehr individuell und unterschiedlich erfolgen kann, ist eine pauschale Beschreibung nicht ohne Weiteres möglich.

Dennoch kann man drei grosse Verlaufsformen oftmals ausmachen. Die erste typische Phase ist die wiederkehrende und schubförmige MS. Hierbei treten die Symptome bzw. Beschwerden mehrere Tage hintereinander auf. Dazwischen können manchmal mehrere Jahre ohne weitere Komplikationen verlaufen. Je länger ein Schub anhält desto höher ist hierbei die Wahrscheinlichkeit, dass Restschäden der Nervenfasern zurück bleiben,

Die zweite Phase bzw. Verlaufsform wird als fortschritend und chronisch bezeichnet. Hierbei treten die Symptome zumeist schleichend aber anhaltend auf. Schübe, wie in der wiederkehrenden Phase treten nicht auf. Die dritte Form ist ebenso fortschreitend und chronisch. Hierbei werden die Schübe immer weniger, obgleich die Störungen des Nervensystem gleichbleiben. Zusammenfassend kann eine Multiple Sklerose einen gutartigen Verlauf nehmen, bei dem der Betroffene zwar diverse Beschwerden hat, aber nicht daran stirbt. Es gibt aber in seltenen Fällen auch eine schwere Form der MS, bei der am Ende leider der Tod steht, da die Nervenfasern des Gehirns zu sehr geschädigt worden sind.

Komplikationen

Ein durch neurogene Blasenentleerungsstörung verursachter chronischer Harnwegsinfekt zählt zu den häufigsten Komplikationen der Multiplen Sklerose. Immer wiederkehrende Infekte der Harnblase, die nicht oder nicht ausreichend behandelt werden, können auf die Nieren übergreifen und im schlimmsten Fall zu einer Blutvergiftung (Urosepsis) führen. Durch die Erkrankung bedingte Gangunsicherheiten sind oft die Ursache von Stürzen, die Knochenbrüche zur Folge haben.

Bettlägrige oder auf den Rollstuhl angewiesene Patienten mit Multipler Sklerose leiden aufgrund der eingeschränkten Beweglichkeit häufig an Druckgeschwüren, Gelenkversteifung und Verkrampfungen der Muskulatur, auch das Thromboserisiko ist erhöht. Osteoporose und Erkrankungen der Atemwege wie Bronchitis oder Lungenentzündung sind in vielen Fällen ebenfalls die Folge einer durch die Multiple Sklerose bedingten Inaktivität.

Als weitere Komplikationen der Erkrankung können Verstopfung sowie Harn- und Stuhlinkontinenz auftreten. Eine verminderte Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnisstörungen und depressive Verstimmungen ziehen oftmals eine Veränderung der Persönlichkeit nach sich, die sich auch auf das Sozialverhalten auswirkt. Die zur Behandlung der Multiplen Sklerose notwendigen Medikamente schwächen unter Umständen das Immunsystem und machen den Organismus anfällig für Infektionen durch Viren, Pilze oder Bakterien.

Eine Therapie mit Interferon geht häufig mit grippeähnlichen Symptomen einher, auch allergische Reaktionen sind möglich. Schlafstörungen und Probleme im Sexualleben können als Folge der Erkrankung selbst oder der medikamentösen Behandlung auftreten.

Behandlung & Therapie

Wird im Rahmen einer Untersuchung beim Arzt eine Multiple Sklerose diagnostiziert, so sollte eine Therapie so schnell wie möglich begonnen werden. Da eine MS derzeit noch nicht heilbar ist, ist das Ziel der Behandlung, die Zerstörung der Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark zu verlangsamen oder aufzuhalten. Dabei ist die Therapie der Multiple Sklerose abhängig von seiner Verlaufsform.

Schubtherapie:

Bei der Schubtherapie sollen vor allem die Beschwerden bzw. Symptome bei den Schüben der MS bekämpft werden. Dabei werden Medikamente eingesetzt, die das Immunsystem stärken und versuchen, dass nicht körpereigenen Zellen angegriffen werden. Weiterhin werden auch Entzündungshemmer oder Kortison verabreicht. Nebenwirkungen hierbei sind oftmal: Schlafstörungen, Innere Unruhe, Herzklopfen und Heißhunger.

Basistherapie:

Die Basistherapie soll das Fortschreiten der Körpermotorik und der Sinne verlangsamen und aufkommende Schübe abschwächen oder verhindern. Ausserdem soll die Lebensqualität durch eine Behandlung der Beschwerdesymptome erhalten bleiben. Medikamente hierbei sind Glatirameracetat oder Interferon beta, die die Dauer und Häufigkeit der Multiple Sklerose Schübe verlangsamen.

Therapie der Symptome:

Neben der Basistherapie und Schubtherapie werden auch Begleitsymptome bzw. Beschwerden behandelt, um das Leiden der Betroffenen zu verringern und eine lebenswertes Leben zu ermöglichen. So sind hierbei vor allem Krankengymnastik, Massagen, Beckenbodentraining und Entspannungsmethoden sehr erfolgreich. Typische Beschwerdesymptome, wie Schwindel, Zittern, Häufiges Wasserlassen und Potenzprobleme können sowohl mit Medikamenten, als auch mit oben genannten Maßnahmen nachhaltig behandelt werden und führen oftmals zu einer Verbesserung der Lebensqualität der Multiple Sklerose Patienten.

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Quellen

  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Hacke, W.: Neurologie. Springer, Heidelberg 2010
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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