Spastik

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 17. Oktober 2017
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Der Begriff Spastik oder Spastizität kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "Krampf". Eine Spastik ist demnach eine Verhärtung und Versteifung von Muskeln, was dazu führt, dass Bewegungen unkontrollierbar werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Spastik?

Unter einer Spastik bzw. Spastizität versteht man keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom einer Erkrankung beziehungsweise Verletzung des Zentralen Nervensystems. Dabei spielt immer eine Schädigung des Gehirns oder des Rückenmarks eine Rolle.

Die willkürlichen Bewegungen des Körpers werden vom Zentralnervensystem koordiniert; liegt hier eine Verletzung vor, wird die Signalübertragung von den Nerven zu den Muskeln beeinträchtigt. Die Folge davon ist eine unkoordinierbare Muskelkontraktion, was zu Verhärtungen und Versteifungen führt.

Diese Muskelanspannungen haben natürlich unangenehme Schmerzen zur Folge. Allerdings ist nicht jede Spastik gleich stark ausgeprägt bei den Betroffenen. Manche Menschen haben nur eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit, andere wiederum sind durch die Spastik völlig körperlich behindert. Das Muster einer spastischen Lähmung sieht also bei jedem Patienten anders aus.

Ursachen

Es können viele verschiedene Erkrankungen beziehungsweise Verletzungen verantwortlich für eine Spastik sein. Ursächlich für dieses Symptom ist eine Schädigung der absteigenden Nervenverbindungen vom Gehirn bis zum Rückenmark (Pyramidenbahn).

Es liegt aber auch immer eine Schädigung des unbewussten Teils des Nervensystems vor, dem sogenannten extrapyramidalmotorischen System. Dadurch werden beruhigende Signale an den Muskel unterbunden, was die Regulation der Eigenreflexe stört.

Die Folge sind schmerzhafte Muskelverkrampfungen. Eine der häufigsten Ursachen für eine Spastik ist ein Schlaganfall, der motorische Hirnregionen zerstört. Außerdem können Hirnblutungen, Tumore im Rückenmark oder im Gehirn, Verletzungen oder Entzündungen des Zentralen Nervensystems, Multiple Sklerose, Hirnschädigungen bei Kindern (meist schon durch Sauerstoffmangel bei der Geburt) sowie neurodegenerative Erkrankungen eine Spastik auslösen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Für die Diagnose einer Spastik ist eine ausführliche klinisch-neurologische Untersuchung notwendig. Diese konzentriert sich erst einmal auf die genaue Analyse der ursächlichen neurologischen Erkrankung. Da sich eine Spastik oft erst einige Wochen oder Monate nach einer Nervenschädigung herauskristallisiert, müssen auch Vorfälle aus der weiter zurückliegenden Vergangenheit bei der Befunderhebung mit einbezogen werden.

Das können Wirbelsäulenoperationen, Infektionen, Schlaganfälle oder nervenschädigende Unfälle sein. Bei einer Spastik können die unterschiedlichsten Körperregionen betroffen sein. Im Allgemeinen unterscheidet man zwischen einer Monospastik (die Spastik einer einzelnen Extremität), einer Tetraspastik (die spastische Lähmung aller Extremitäten), einer Hemispastik (die Spastik einer Körperhälfte) und einer Paraspastik (der spastischen Lähmung der Beine).

Auch die Augen-, die Schluck- und die Sprechmuskeln können durch eine Spastik beeinträchtigt sein, was zu weiteren Einschränkungen beim Patienten führt.

Komplikationen

Eine Spastik wirkt sich sehr negativ auf das Leben und den Alltag des Betroffenen aus. Der weitere Verlauf hängt allerdings sehr stark von der genauen Ausprägung der Spastik ab, sodass eine universelle Prognose in der Regel nicht gegeben werden kann. Die Patienten leiden allerdings an verschiedenen Lähmungen oder an Störungen der Sensibilität.

Dabei kann es auch zu Schluckbeschwerden kommen, sodass eine gewöhnliche Einnahme von Nahrung und Flüssigkeiten für die Patienten nicht ohne Weiteres möglich ist. Auch die Reflexe und Bewegungen der Muskeln sind deutlich verlangsamt und es kommt zu einem Muskelschwund. Vor allem bei Kindern kann eine Spastik auch zu Hänseleien oder zu Mobbing führen und damit auch psychische Beschwerden oder Depressionen verursachen. Die Betroffenen leiden häufig an unwillkürlichen Bewegungen und Zuckungen.

Auch Störungen der Koordination und Krämpfe in den Muskeln können dabei auftreten und den Alltag des Betroffenen deutlich erschweren. Eine kausale Behandlung der Spastik ist leider nicht möglich. Die Betroffenen sind auf verschiedene Therapien angewiesen, die den Alltag erleichtern sollen. Die Lebenserwartung wird durch eine Spastik in der Regel nicht verringert. Allerdings kann leider kein vollständig positiver Krankheitsverlauf erreicht werden.

Behandlung & Therapie

Die komplette Heilung einer Spastik ist zwar nicht möglich, jedoch können die einzelnen Krankheitszeichen symptomatisch behandelt werden. Da es sich um ein komplexes Krankheitsbild handelt, ist es von Vorteil, die Behandlung der Spastik unter Einbeziehung von Ärzten verschiedener Fachrichtungen durchzuführen.

Jeder Patient bekommt einen individuell auf seine Beschwerden ausgerichteten Therapieplan. Am wichtigsten hierbei ist, eine annähernde Wiederherstellung der durch die Spastik verloren gegangenen motorischen Fähigkeiten zu erreichen. Da unser Gehirn in der Lage ist, sich solche Dinge wieder neu anzutrainieren, kann zum Beispiel durch eine Ergotherapie, eine Physiotherapie oder ähnliche Maßnahmen eine Funktionswiederherstellung erlangt werden.

Durch die Bewegungstherapie sollen die betroffenen Muskelpartien gezielt trainiert werden, was zum Beispiel durch das Training an bestimmten Therapiegeräten erlangt werden kann. Teilweise werden bestimmte Bewegungsübungen auch durch den Einsatz von Schienen oder Gipsverbänden unterstützt. Auch das Therapeutische Reiten ist ein geeignetes Mittel, um einer Spastik entgegenzuwirken.

Natürlich gibt es auch verschiedene medikamentöse Behandlungen, die bei einer spastischen Lähmung eingesetzt werden. Ein bewährtes Mittel ist hierbei Botulinumtoxin, welches durch eine Injektion in den betroffenen Muskel verabreicht wird. Bei einer Spastik werden auch orale Medikamente zur Muskelentkrampfung und zur Hemmung der neuromuskulären Reizübertragung eingesetzt. Allerdings sind hierbei die unerwünschten Nebenwirkungen oft größer als der erhoffte Effekt zur Bekämpfung der Spastik.

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Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen zur Verhinderung einer Ausweitung der Spastik sind zum Beispiel operative Eingriffe, um einer Deformation vorzugreifen oder um einer Verschlimmerung der spastischen Bewegungsmuster entgegenzuwirken. Dazu zählen beispielsweise die Verlängerungen von Sehnen, Knochenumstellungen oder Muskelversetzungen.

Bücher über Spastik

Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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