Hirnwasseruntersuchung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Dezember 2017
Startseite » Behandlungen » Hirnwasseruntersuchung

Bei einer Hirnwasseruntersuchung wird dem Rückenmarkskanal, üblicherweise mittels einer Lumbalpunktion, Nervenwasser entnommen und anschließend untersucht. Die Analyse des Nervenwassers liefert im Vergleich zu den Blutwerten wertvolle diagnostische Hinweise.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Hirnwasseruntersuchung?

Bei der Hirnwasseruntersuchung, auch Liquorpunktion oder Lumbalpunktion genannt, wird dem Duralsack im Rückenmarkskanal Nervenwasser (Liquor cerebrospinalis) entnommen.

Die Punktion des Duralsacks ist die einfachste und auch häufigste Form der Entnahme von Liquor und wird mit Hilfe einer acht bis zehn Zentimeter langen Nadel durchgeführt. In der Regel wird die Hirnwasseruntersuchung ambulant durchgeführt und Bedarf keines stationären Aufenthalts.

Sollte eine Entnahme des Nervenwassers aus dem Duralsack nicht möglich sein, beispielsweise aufgrund von Tumoren, kann alternativ eine Zisternenpunktion durchgeführt und das Hirnwasser in Höhe des ersten Halswirbels entnommen werden oder eine Ventrikelpunktion, bei welcher der Liquor dem Hirnventrikel, einem mit Liquor gefüllten Hohlraum im Gehirn, direkt entnommen wird.

Funktion, Wirkung & Ziele

Bei einer Hirnwasseruntersuchung wird dem Rückenmarkskanal, üblicherweise mittels einer Lumbalpunktion, Nervenwasser entnommen und anschließend untersucht.

Die Hirnwasseruntersuchung wird unter anderem durchgeführt um Erkrankungen des Nervensystems oder der Hirnhäute, wie beispielsweise Hirnhautentzündung (Meningitis), Gehirnentzündung (Enzephalitis) , Borreliose, Neurosyphilis oder auch eine Multiple Sklerose zu diagnostizieren oder auszuschließen. Zudem können auch wichtige Hinweise auf eine eventuelle Krebserkrankung, beispielsweise einen Hirntumor, gewonnen werden.

Auch ein Krebsbefall der Hirnhäute im fortgeschrittenen Stadium, beispielsweise bei Leukämien oder Lymphomen kann im Hirnwasser nachgewiesen werden. Eine Subarachnoidalblutung, eine besondere Form des Schlaganfalls, bei welcher Blut in den Subarachnoidalraum gelangt, kann durch eine Hirnwasseruntersuchung nachgewiesen werden, da das Blut im Nervenwasser nachweisbar ist.

Durchgeführt wird die Lumbalpunktion im Sitzen oder im Liegen, mit vornübergebeugtem Oberkörper. Auf Wunsch kann der Eingriff unter örtlicher Betäubung erfolgen. Im Labor werden sodann dann die benötigten Untersuchungen durchgeführt.

Bereits durch eine einfach Sichtkontrolle kann häufig eine erste Diagnose gestellt werde. Normalerweise ist der Liquor klar wie Wasser, bei einer bakteriellen Infektion allerdings eher weißlich trüb, was durch die hohe Anzahl an Leukozyten im Liquor beeinflusst wird. Frischere Blutungen sind im Nervenwasser als rötliche Trübung ersichtlich. Zu einer gelblichen Trübung des Hirnwassers kommt es bei älteren Blutungen oder bei eitrigen Prozessen, wie beispielsweise einer eitrigen Hirnhautentzündung.

Unter anderem können Marker ermittelt werden für:

1. Bakterien

2. Pilze

3. Leukozyten

4. Liquorzucker

5. Immunglobuline

6. Enzyme

7. Elektrolyte

Da es aufgrund der Blut-Liquor-Schranke im Körper so gut wie keinen Austausch zwischen Blut und Hirnwasser gibt, können bei einigen Krankheiten Bestandteile des Blutes ins Hirnwasser übertreten. Deshalb wird der Liquor im Normalfall immer mit den Blutwerten verglichen, da nur so eine folgerichtige Beurteilung des Hirnwassers möglich ist.

Befinden sich beispielsweise Antikörper (Immunglobuline) im Liquor, kann dieses auf eine Störung der Blut-Liquor-Schranke hinweisen, wie beispielsweise bei einer Multiplen Sklerose, oder bedingt sein durch die Bildung von Immunzellen im Liquor selbst. Um Herauszufinden, wo die Ursache liegt wird ein Vergleich der Immunglobuline im Blut herangezogen.

Auch Eiweiß im Liquor kann bedingt sein durch eine Störung der Blut-Liquor-Schranke. Einblutungen ins Nervenwasser oder Entzündungen können allerdings auch zu einer erhöhten Eiweißkonzentration führen.

Ein Vergleich zwischen Glucose-Konzentration im Liquor mit dem Blutzucker liefert ebenso Hinweise auf eine Störung der Blut-Liquor-Schranke. Normalerweise ist der Glucose-Wert im Liquor in etwa halb so hoch, wie derjenige des Blutes. Eine erhöhter Wert im Liquor weist auf eine Störung der Blut-Liquor-Schranke hin, ein zu niedriger Wert hingegen auf entzündliche Prozesse.

Und auch die Anzahl der Zellen im Liquor liefert Informationen auf eine mögliche Erkrankung. Im Normalfall enthält das Nervenwasser nur 4 Zellen pro Mikroliter. Gibt es jedoch Infektionen im Bereich des Nervensystems, dann steigt die Anzahl der Zellen an. Die Art der Infektion, ob bakteriell oder viral bedingt, kann anhand des Zelltyps im Liquor ebenfalls bestimmt werden.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Nicht immer verläuft die Lumbalpunktion ohne Komplikationen. Die größte Gefahr bei einer Hirnwasseruntersuchung besteht bei einem erhöhten Gehirndruck, da es beim Abfließen des Liquors zu einer Quetschung des Gehirns kommen kann, die Blutungen zur Folge haben kann. Deshalb muss vor einer Lumbalpunktion ein erhöhter Gehirndruck mittels einer Computertomographie ausgeschlossen werden.

Patienten mit einer Störung der Blutgerinnung, auch wenn diese medikamentöser Art ist, beispielsweise durch Einnahme von Aspirin, dürfen ebenso nicht punktiert werden.

Während der Entnahme des Gehirnwassers kann es zu einem vorübergehenden Schmerz in Gesäß, Hüfte oder der Beine kommen, wenn die Nadel eine Nervenwurzel berührt. Normalerweise klingt der Schmerz aber recht schnell wieder ab. In den Tagen nach der Lumbalpunktion kommt es häufig zu den sogenannten postpunktionellen Kopfschmerzen, die mit starker Übelkeit und Schwindelgefühl einhergehen können. Im Allgemeinen nimmt dieser in liegendem Zustand ab und ist nach einigen Tagen abgeklungen. In seltenen Fällen kann der Kopfschmerz bei einer Hirnwasseruntersuchung auch bis zu 4 Wochen anhalten.

Bücher über Gehirntumor

Quellen

  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Dormann, A., Luley, C., Heer, C.: Laborwerte. Urban & Fischer, München 2005
  • Mumenthaler, M., Mattle, H.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: