Zungenbelag

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Oktober 2017
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Zungenbelag oder eine belegte Zunge kann harmloser Natur sein. Er kann aber auch auf Vergiftungen oder Erkrankungen der Verdauungsorgane hinweisen. Zungenbelag kann auch auf schlechte Mundpflege und falsche Ernährung hindeuten. Je nach Art, wie der Zungenbelag aussieht und unter welchen Umständen er auftritt, muss seine Ursache abgeklärt werden.

Inhaltsverzeichnis

Definition Zungenbelag

Unter einem Zungenbelag versteht man eine pelzige oder farblich veränderte Fläche auf der Zungenoberfläche. Diese befindet sich oft in der Zungenmitte.

Der Zungenbelag wird auch als belegte Zunge bezeichnet. Er besteht aus Ablagerungen der Zungenschleimhaut.

Ob der Zungenbelag ein Symptom für eine Organerkrankung des Verdauungstraktes ist, eine Folge schlechter Mundhygiene, einer Vergiftung oder ungesunder Ernährungsbedingungen sein könnte oder auf eine Erkrankung der Zunge hinweist, muss im Einzelfall festgestellt werden.

Oftmals weisen die Begleitsymptome darauf hin, ob der Zungenbelag harmlos ist oder nicht.

Ursachen

Als Ursachen für Zungenbelag kommen verschiedene Faktoren in Frage. Einige davon wurden bereits genannt. Ein harmloser Zungenbelag entsteht in der Regel durch Nahrungsreste und Keimbildung auf der Zungenoberfläche. Bei Aufnahme genügend fester Nahrung wird dieser Zungenbelag automatisch entfernt, sonst kann man dies mit geeigneten Mitteln tun. Ist der Zungenbelag aber Anzeiger einer inneren Erkrankung der Verdauungsorgane, einer Entzündung, eines Infektes oder gar von Vergiftungen, ist anders vorzugehen.

Oft kann die Ursache des Zungenbelages an Art und Farbe des Belags festgemacht werden. Ein weißer Zungenbelag kann beispielsweise auf Mundpilz hinweisen. Fieberhafte Infekte oder Magenerkrankungen führen ebenso zu einem typischen Zungenbelag wie bestimmte sexuell übertragbare Krankheiten. Die so genannte Glossitis ist durch einen glatten, roten Zungenbelag mit einem Brennen der Zunge gekennzeichnet. Ein Zungenbelag kann aber auch durch bestimmte Medikamente und Toxine wie Blei hervorrufen werden.

Zahn- und Zahnfleischerkrankungen wie Parodontitis, bestimmte Hautkrankheiten und vor allem innere Erkrankungen, die als Nebeneffekt Auswirkung auf die Mundschleimhaut nehmen, sind als Auslöser von Zungenbelag bekannt. Als Beispiele für solchen Zungenbelag kann man die Erkrankungen Lichen ruber oder Pemphigus vulgaris anführen. Bei einer so genannten Landkartenzunge kommt es ebenfalls zu fleckig aussehendem Zungenbelag, aber dieser ist harmlos. Man kennt die Ursache dieses Phänomens bisher nicht.

Ein schwarzer Zungenbelag tritt bei der so genannten Haarzunge auf. In anderen Fällen kann der Zungenbelag die Farbe der Nahrung annehmen. Man hat nach dem Verzehr von Blaubeeren dann dunkelroten, nach Grünkohl leicht grünlichen Zungenbelag. Ein Zungenbelag, der als Präkanzerose gilt, ist bei Morbus Bowen bekannt. Generell weist Zungenbelag aber fast nie auf eine Krebserkrankung der Zunge hin.

Diagnose & Verlauf

Unter einem Zungenbelag versteht man eine pelzige oder farblich veränderte Fläche auf der Zungenoberfläche. Diese befindet sich oft in der Zungenmitte.

Diagnose und Verlauf bei Zungenbelag hängen von der Farbe, Art und Ursache des Belags ab. Mancher Mensch hat lebenslang einen leichten Zungenbelag, ohne dass ihm eine bestimmte Ursache zugeordnet werden kann. In der Anamnese werden bei auffälligem und ungewöhnlichem Zungenbelag zunächst Fragen nach eventuellen Begleitsymptomen und der Dauer des Zungenbelags gestellt.

Sind Vorerkrankungen im Verdauungstrakt bekannt, müssen diese gegebenenfalls genauer untersucht werden. Auch Fragen zur Ernährung oder den Rauchgewohnheiten können die Diagnose erleichtern. Gegebenenfalls nimmt der Arzt einen Zungenabstrich vor, um den Zungenbelag auf Keime und Pilze zu untersuchen.

In manchen Fällen kann ein Zungenbelag eine Blutuntersuchung, eine Magenspiegelung oder zahnärztliche Untersuchungen nötig machen. In diesen Fällen kann man davon ausgehen, dass der Zungenbelag Symptom einer Erkrankung sein könnte.

Komplikationen

Wer einen Zungenbelag hat und damit zum Zahnarzt geht, wird von diesem nur selten ein Medikament verschrieben bekommen. Der Zungenbelag kann simpel von der Zunge abgekratzt oder mit der Zahnbürste entfernt werden. Wenn der Zungenbelag nicht behandelt oder nicht entfernt wird, so führt das in der Regel zu einer relativ schlechte Mundhygiene.

Dies äußert sich oft in einem schlechten Atem oder auch Mundgeruch, welcher für die Menschen um einen sehr abstoßend wirken kann. Falls der Zungenbelag weiterhin nicht entfernt wird, so können Entzündungen auf der Zunge auftreten, welche sich auch auf die Zähne und das Zahnfleisch übertragen können. Diese haben dann meist mit einer schlechten Hygiene zu tun, sodass hier einfaches Putzen und das Verwenden einer Mundspülung hilfreich ist.

Wenn der Zungenbelag mit Hilfe von Medikamenten und Spülungen behandelt wird, so kann es auftreten, dass die Zunge nach der Behandlung brennt oder wehtut. Die meisten Medikamente sind hier relativ aggressiv und enthalten Alkohol, sodass die Zunge danach gereizt sein kann. Diese Reizungen können sich auch auf den Hals und auch auf das Zahnfleisch übertragen. Diese Komplikation sollte aber verschwinden, sobald die Behandlung beendet ist und wieder eingestellt wird.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Zungenbelag bedarf nicht immer einer medizinischen Abklärung. Oftmals werden Ablagerungen und Verfärbungen durch bestimmte Lebensmittel, Nikotin oder oder eine Erkältung ausgelöst und klingen von selbst wieder ab. Ein Arztbesuch empfiehlt sich, wenn die Zunge ungewöhnlich stark verfärbt ist oder der Belag über einen langen Zeitraum bestehen bleibt. Kommen dann noch Begleitsymptome wie Schwellungen oder Juckreiz hinzu, sollte ein Arzt konsultiert werden.

So deutet eine dunkelrote Zunge mit dicklichem Belag auf Scharlach hin, während bei weißem Belag womöglich ein Pilzbefall der Mundschleimhaut (Mundsoor) vorliegt. Bläuliche Verfärbungen weisen auf einen Sauerstoffmangel im Blut hin, der umgehend abgeklärt werden muss. Sollte der Zungenbelag Mundgeruch oder anderweitige Begleiterscheinungen hervorrufen, muss der Zahnarzt die Ursachen abklären. Selbiges gilt, wenn sich Blasen oder Entzündungen im Mundraum und speziell auf der Zunge bilden.

Generell gilt also: Zungenbelag, der keine Beschwerden verursacht, bedarf keiner ärztlichen Abklärung. Sobald allerdings Beschwerden hinzukommen oder der Verdacht auf ein ernstes Grundleiden besteht, empfiehlt sich fachlicher Rat. Wird der Zungenbelag frühzeitig behandelt, lassen sich weitere Komplikationen in der Regel zuverlässig vermeiden.

Behandlung

Bei einem auffälligen Zungenbelag sollte sich die Therapie nach Ursache richten. Die Mundhygiene kann mit Mundwässern, weichen Zahnbürsten und speziellen Zungenschabern verbessert werden.

Außerdem sollte man die Ernährungsgewohnheiten überprüfen. Zu wenig feste Nahrung kann Zungenbelag auslösen.

Handelt es sich bei dem Zungenbelag aber um Pilzinfektion bzw. Kandidose, kann man den Zungenbelag nur mit Antimykotika beheben.

Magenschleimhautentzündungen oder Darmerkrankungen bedürfen einer Diät oder medikamentöser Behandlung. Auch bei anderen Ursachen muss der Belag der Zunge an der Wurzel behandelt werden - also durch Therapie der Grunderkrankung, die den Zungenbelag ausgelöst hat.

Aussicht & Prognose

In den meisten Fällen ist ein Zungenbelag nur ein harmloses Symptom und bedarf keiner besonderen Behandlung oder Untersuchung durch einen Arzt. Im schlimmsten Falle kann der Zungenbelag allerdings auf eine Vergiftung hinweisen. Sollte der Belag auf der Zunge ungewöhnlich aussehen oder mit Schmerzen oder einem Brennen verbunden sein, so ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen.

Beim Zungenbelag ist vor allem die Farbe des Belages entscheidend und kann Hinweise auf bestimmte Erkrankungen geben. In der Regel bildet sich nach der Einnahme von Mahlzeiten oder nach dem Schlafen ein weißer Belag auf der Zunge. Dieser ist vollkommen gewöhnlich und kann beim Zähneputzen entfernt werden. Raucher können dabei an einem andersfarbigen Belag leiden, welcher meistens verschwindet, wenn der Betroffene mit dem Rauchen aufhört.

Komplikationen oder weitere Beschwerden können dann auftreten, wenn mit dem Zungenbelag auch ein unangenehmer Mundgeruch verbunden ist. Dieser kann die sozialen Kontakte beeinträchtigen und deutet in der Regel auf eine Erkrankung der Zähne oder des Magens hin. Bei Vergiftungen erhält der Zungenbelag eine andere Farbe, die von der Art der Vergiftung abhängt. In solchen Fällen muss ein Arzt oder ein Krankenhaus aufgesucht werden.

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Vorbeugung

Die beste Vorbeugung gegen Zungenbelag ist es, eine gute Mundhygiene zu betreiben, gesund und ballaststoffreich zu essen und auf das Rauchen zu verzichten.

Das können Sie selbst tun

Eine belegte Zunge ist ganz normal. Bei einer dünnen, weißen Schicht sind Sorgen unangebracht. Erst wenn der Belag dicker ist und/oder eine andere Farbe innehat, ist dies ein Krankheitsindiz.

Um Zungebelag loszuwerden und mit ihm das pelzige Mundgefühl oder gar Mundgeruch, gibt es gute Selbstbehandlungsmöglichkeiten. Betroffene sollten auf Tabakwaren und Alkohol verzichten, feste Nahrung bevorzugen, Vitaminmangel vermeiden und probiotische Lebensmittel wie Sauerkraut, Kefir oder Kimchi verzehren. Das Abreiben des Belags kann mit einer weichen Zahnbürste beziehungsweise eines Schabers oder unter Verwendung eines Zungen-Peeling-Instruments erfolgen. Auch die Einnahme von Anti-Pilz-Mitteln ist oft hilfreich.

Es gibt ferner wirksame Hausmittel. Nachdem beispielsweise ein Teelöffel Salz in ein Glas mit warmem Wasser gerührt wurde, ist mit der gut vermischten Lösung der Mund gründlich auszuspülen und zu gurgeln. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist, dass ein halber Teelöffel Backpulver in einem Glas Wasser aufgelöst und damit zweimal täglich eine Mundspülung vorgenommen wird.

Zungenbelag kann zudem bekämpft werden, indem ein Esslöffel Aloe vera-Saft drei Minuten lang im Mund behalten wird. Eine andere Behandlungsmöglichkeit besteht darin, einen Esslöffel kalt gepresstes Kokosöl vor dem Zähneputzen im Mund zu verflüssigen und die Schmelzmasse circa eine Viertelstunde lang durch den gesamten Rachen zu ziehen. Dann sollte mit warmem Wasser nachgespült werden.

Bücher über Mundhygiene

Quellen

  • Greten, H., Rinninger, F., Greten, T. (Hrsg.): Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2010
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016

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