Lebererkrankungen

Letzte Aktualisierung am 19. April 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Unter dem Oberbegriff Lebererkrankungen werden verschiedene Krankheiten der Leber zusammengefasst. Oftmals werden diese durch Toxine verursacht, mit deren Abbau das Organ überfordert ist. Sind durch eine Lebererkrankung erst einmal Schäden entstanden, lassen sich diese unter Umständen nicht mehr rückgängig machen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Lebererkrankungen?

Der Begriff Lebererkrankungen bezeichnet sämtliche Krankheiten, die im Zusammenhang mit der Leber auftreten können. Das Organ ist im menschlichen Körper maßgeblich am Stoffwechsel beteiligt und in diesem Rahmen unter anderem für den Abbau von Giftstoffen verantwortlich.

Durch eine übermäßige Zufuhr von Toxinen etwa durch Alkohol oder auch durch Viren kann die Leber erkranken und ihre wichtigen Aufgaben nicht mehr oder nur eingeschränkt erfüllen. Schreiten die Erkrankungen und somit die Funktionseinschränkung weiter fort, kann es zu irreparablen Schäden und/oder zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen.

Da sich Lebererkrankungen nicht durch spezifische Symptome äußern und das Organ selbst keine Nerven besitzt, d. h. auch keine Schmerzen verursachen kann, werden sie oftmals erst recht spät bemerkt. Statistiken besagen, dass ca. 5 Millionen Deutsche an einer Lebererkrankung leiden.

Ursachen

Lebererkrankungen können ganz unterschiedliche Ursachen haben. Häufig handelt es sich um einen übermäßigen Konsum von Genussgiften wie Alkohol oder zu fettigen Speisen, welche die Leber überfordern und so die Entstehung teils ernsthafter Erkrankungen begünstigen.

Auch eine Überernährung allgemein und das infolge entstehende Übergewicht kann dazu beitragen, dass sich eine Lebererkrankung bildet. Die langfristige Einnahme bestimmter Medikamente kann ebenfalls die Leber belasten und Krankheiten derselben nach sich ziehen. Nicht immer sind Lebererkrankungen aber durch den individuellen Lebensstil bedingt.

Virusinfektionen wie beispielsweise das Hepatitis-Virus in unterschiedlichen Ausführungen ist Verursacher vieler Lebererkrankungen. Stoffwechsel- oder Autoimmunerkrankungen wie eine Fettleber oder die Autoimmunhepatitis können ebenso Krankheiten der Leber hervorrufen oder mit einer solcher einhergehen wie auch Krebserkrankungen des Organs selbst.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Symptome einer Lebererkrankung sind nicht immer eindeutig. Oftmals ermöglichen erst mehrere Anzeichen einen Verdacht auf diese organische Erkrankung. Beschwerden treten außerdem in vielen Fällen erst nach einem längeren Krankheitsverlauf auf. Erkennbare Auswirkungen einer Fettleber, Leberzirrhose (Schrumpfleber) oder Hepatitis (Leberentzündung) können in verschiedenen Versionen auftreten.

Dies gilt auch für eine Erkrankung an Leberkrebs. Es kommt auch vor, dass die Entdeckung einer Lebererkrankung anhand fehlender Anzeichen nicht erfolgt. Dies liegt vorwiegend daran, dass im Gewebe einer Leber keine Nervenfasern vorhanden sind, die mit einer Leitfunktion für Schmerzen ausgestattet sind. Entzündungen sind daher schwierig zu erkennen. Grundsätzlich wird zwischen spezifischen und unspezifischen Symptomen unterschieden.

Es können folgende unspezifischen Anzeichen auftreten, die einzeln oder in Kombination als Hinweise auf Lebererkrankungen gelten: Leistungsschwäche, Antriebslosigkeit, Müdigkeit und Unverträglichkeit von Alkohol oder/und Fett. Häufiges Völlegefühl nach dem Essen, Durchfall, Blähungen und Appetitlosigkeit und übermäßiges Schwitzen.

Typische Symptome einer Lebererkrankung treten überwiegend bei einem bereits weit fortgeschrittenen Krankheitsverlauf auf. Außerdem spielt es eine Rolle, wie schwer die Leber aktuell in Mitleidenschaft gezogen ist. Ein spezifisches Symptom einer Leberschädigung ist eine gelbliche Hautfärbung, die auch in der Bindehaut der Augen auftritt.

Dieses Phänomen wird umgangssprachlich als Gelbsucht bezeichnet. Farbstoffe aus der ins Blut gelangenden Gallensäure verursachen die Gelbfärbung. Farbliche Veränderungen sind daher auch im Urin und Kot der von einer schweren Leberschädigung betroffenen Menschen feststellbar.

Diagnose & Verlauf

Infogramm zur Anatomie und Aufbau der Leber. Klicken, um zu vergrößern.

Besteht der Verdacht auf eine Lebererkrankung, sollte zunächst ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten stattfinden. Dessen Lebensumstände und Krankengeschichte sind ebenso wichtig bei der Diagnose wie eine umfassende Blutuntersuchung.

Bei letzterer können sich erhöhte Leberwerte zeigen, die auf eine Erkrankung und/oder Fehlfunktion des Organs hindeuten. Zusätzlich ist eine Ultraschalluntersuchung der Leber selbst sinnvoll, um festzustellen, ob diese vergrößert ist oder anderweitige Veränderungen aufweist. Im Zweifelsfall kann eine Gewebeprobe entnommen werden, die genauere Auskunft über die Beschaffenheit des Organs gibt.

Bleiben Lebererkrankungen unbehandelt, kann es unter anderem zu einem vollständigen Versagen des Organs kommen. Oftmals bildet sich insbesondere infolge eines erhöhten Alkoholkonsums eine Leberzirrhose. Dieses Endstadium zahlreicher Erkrankungen führt zu einer langsamen Vergiftung des Körpers, die in einem komatösen Zustand enden kann.

Typische & häufige Lebererkrankungen

Komplikationen

Eine Fettleber kann sich entzünden, unbehandelt geht diese akute Hepatitis in vielen Fällen in eine chronische Verlaufsform über. Damit steigt auch das Risiko, eine Leberzirrhose (Schrumpfleber) oder Leberkrebs zu entwickeln. Als Komplikationen einer Leberzirrhose entstehen oftmals Krampfadern in der Speiseröhre, die aufbrechen und starke Blutungen auslösen können.

Häufig sammelt sich Wasser im Bauchraum an (Aszites), auch die Gehirnfunktion kann beeinträchtigt sein (hepatische Enzephalopathie). Wird die Leberzirrhose frühzeitig erkannt, können Folgeerkrankungen in vielen Fällen vermieden oder deren Auftreten hinausgezögert werden. Ohne Therapie führt die Erkrankung zum Leberversagen.

Gelbsucht, starke Gewichtsabnahme, Übelkeit und Oberbauchschmerzen zeigen sich im fortgeschrittenen Stadium von Leberkrebs. Kann das Organ seine Entgiftungsfunktion nicht mehr ausreichend erfüllen, gelangen Giftstoffe ins Gehirn und schädigen die Gehirnzellen, was sich durch Bewusstseinsstörungen und Persönlichkeitsveränderungen bemerkbar macht. Im schlimmsten Fall führt die schleichende Vergiftung des Körpers zum Leberkoma oder Nierenversagen.

Als eine weitere Komplikation von Leberkrebs können sich Metastasen in anderen Organen oder dem Skelettsystem bilden. Einige autoimmune Lebererkrankungen gehen mit einer Entzündung der Gallenwege einher, in deren Folge sich ein Gallengangskarzinom entwickeln kann. Die operative Entfernung eines Teil der geschädigten Leber birgt das Risiko von Nachblutungen oder Infektionen. Nach einer Lebertransplantation kann es zu Abstoßungsreaktionen, Thrombosen oder Verengungen der Gallengänge kommen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Lebererkrankungen bleiben im Anfangsstadium oft unbemerkt, da sie keine oder nur sehr unspezifische Symptome auslösen: Wer unter chronischer Müdigkeit und einem signifikanten Leistungsabfall leidet, sollte daher auch an ein Leberleiden denken und zur Abklärung der Leberwerte einen Arzt aufsuchen. Bei einer ungewollten Gewichtsabnahme, die nicht selten mit Übelkeit und Appetitlosigkeit einhergeht, empfiehlt sich ebenfalls eine ärztliche Untersuchung.

Kopfschmerzen, Juckreiz, eine Neigung zu blauen Flecken, die Unverträglichkeit fetter Speisen und ein Druckgefühl im rechten Oberbauch können ebenso auf eine Lebererkrankung hindeuten: Insbesondere beim Auftreten mehrerer der genannten Symptome in Kombination sollte ein Arztbesuch nicht länger aufgeschoben werden. Ernstzunehmende Alarmzeichen stellen einen Gelbverfärbung von Haut und Augen (Gelbsucht) und eine Wasseransammlung im Bauchraum (Aszites) dar – in diesem Fall muss bereits von einer fortgeschrittenen Leberschädigung ausgegangen werden, die umgehend ärztliche Behandlung erfordert.

Erster Ansprechpartner ist in der Regel der Hausarzt, der anhand der leberspezifischen Laborwerte eine Störung der Leberfunktion ausschließen oder bestätigen kann. Bei einem begründeten Verdacht auf eine Lebererkrankung sind weiterführende Untersuchungen beim Facharzt wie etwa eine Sonographie, eine Computertomografie oder eine Leberbiopsie nötig. Auch ohne vorliegende Symptomatik sollten Menschen, die übergewichtig sind, häufig größere Mengen Alkohol konsumieren oder in Kontakt mit leberschädigenden Schadstoffen kommen, regelmäßig ihre Leberwerte überprüfen lassen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung einer Lebererkrankung richtet sich nach der eigentlichen Ursache für die Beschwerden. Ein "Allheilmittel" für alle Lebererkrankungen gibt es nicht; was bei einer Krankheit nützlich ist, kann bei einer anderen dagegen große Schäden verursachen.

Viruserkrankungen wie Hepatitis werden mit virushemmenden Medikamenten behandelt. Zusätzlich wird das Immunsystem gestärkt, um den Viren entgegenwirken zu können. Ist eine Autoimmunerkrankung die Ursache für die Leberbeschwerden, muss das Immunsystem dagegen mithilfe geeigneter Medikamente (Immunsuppressiva) unterdrückt werden. Auf diese Weise wird die übersteigerte Reaktion des Körpers verhindert, was auch die jeweilige Lebererkrankung heilen oder zumindest lindern kann.

Lebererkrankungen, die durch Alkoholkonsum verursacht wurden, erfordern einen strengen Verzicht auf das Genussgift. Ein konsequenter Entzug ist oftmals die einzige Möglichkeit, weitere Schäden des Organs zu vermeiden. Durch Übergewicht und/oder den übermäßigen Verzehr von fettigen Nahrungsmitteln sind eine Gewichtsreduktion und eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten anzuraten.

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Vorbeugung

Einigen Lebererkrankungen kann durch eine gesunde Lebensweise und den maßvollen Konsum von Genussgiften und fettigen Speisen in gewissem Maße vorgebeugt werden. Manche Formen der Hepatitis entstehen durch mangelnde Hygiene oder den direkten Kontakt zu Infizierten. Hier kann besonders detaillierte Aufklärung helfen, weitere Ansteckungen und Verbreitungen der Infektionskrankheit zu vermeiden. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Arzt sind anzuraten, um eventuelle Lebererkrankungen rechtzeitig erkennen und behandeln zu können.

Das können Sie selbst tun

Bei allen Lebererkrankungen ist es äußerst wichtig, leberschädigende Substanzen so weit wie möglich zu meiden. Auf Alkohol sollte am besten vollständig verzichtet werden, die Einnahme von Medikamenten darf nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Falls eine Suchterkrankung besteht, ist eine Entwöhnungstherapie empfehlenswert. Fettreiches Essen belastet ebenfalls die Leber, schonender ist eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, magerem Fleisch und Fisch. Eine Leberzirrhose geht häufig mit einem Eiweißmangel einher, der eine an den Schweregrad angepasste spezielle Diät erfordert.

Zusätzlich zur vom Arzt verordneten Therapie können zahlreiche Hausmittel die Lebertätigkeit anregen. Bewährt haben sich dabei insbesondere Artischockenblätter, die als Gemüse verzehrt oder als Saft oder Tee getrunken werden können. Mariendistel, zwei- bis dreimal täglich als Aufguss getrunken, unterstützt die Bildung neuer Leberzellen, Löwenzahn fördert als Tee oder im Salat den Gallenfluss und entlastet damit die Leber. Als weitere Heilkräuter können Salbei, Schafgarbe, Wegwarte, Enzian und Wermut als Teezubereitung eingesetzt werden – nicht alle dieser Heilpflanzen eignen sich allerdings zur Anwendung bei jeder Art von Lebererkrankungen. Vor der Selbstbehandlung sollte daher ein Arzt zu Rate gezogen werden. Weiterhin fördert ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Bewegung, aber auch Erholungs- und Entspannungspausen den Heilungsverlauf bei Lebererkrankungen.

Quellen

  • Mader, F., Weißgerber, H.: Allgemeinmedizin und Praxis. Springer, Heidelberg 2014
  • Netter, F.H. et. al.: NETTERs Allgemeinmedizin. Thieme, Stuttgart 2006
  • Nixdorff, U.: Check-Up-Medizin. Thieme, Stuttgart 2009

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