Diphtherie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 30. November 2017
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Diphtherie ist eine schwere Infektionskrankheit, die unbehandelt tödlich enden kann. Früher waren vor allem Kinder von dieser Krankheit bedroht, die durch Tröpfcheninfektion wie Niesen und Husten rasch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Typische Anzeichen sind Fieber, Atemnot und Krankhafte Atemgeräusche.

Inhaltsverzeichnis

Definition Diphtherie

Als Diphtherie wird eine Infektionskrankheit durch Bakterienbefall bezeichnet. Es handelt sich um das Bakterium Corynebacterium diphtheriae.

Die Besonderheit dieses Bakteriums ist allerdings, dass es nur ausbrechen kann, wenn es Toxine (Giftstoffe) produzieren kann. Toxine sind in der Lage die Stabilität von der Membran in den Zellen zu beeinflussen und somit eine Zerstörung dieser herbeizuführen.

Die Krankheit äußert sich immer lokal in den infizierten Bereichen des menschlichen Organismus und führt dort zu Entzündungen, die als Endresultat das Absterben des Gewebes zur Folge haben.

Ursachen

Als Ursache für Diphtherie sind immer Erreger zu sehen, die eine Infektion herbeiführen. Der Erreger ist auch die Ursache dafür, dass Gift gebildet wird und die infizierten Zellen absterben lässt. Eine Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch ist dafür verantwortlich, dass der Erreger weitergegeben werden kann. Dies geschieht immer durch Niesen oder auch durch Husten.

Meist geht einer Diphtherie eine Erkältung voraus. Grundsätzlich sind aber die Toxine (Giftstoffe) die Ursache für den Ausbruch der Krankheit, denn die produzieren die Entzündung der oberen Luftwege und treiben diese akut voran. Sie schädigen dadurch auch die Schleimhäute und so entsteht die weißliche Pseudomembrane aus abgestorbenem Gewebe der geschädigten Zellen. So kommt es vermehrt zu den lebensbedrohlichen Atembeschwerden und es kommt nicht selten zu Schädigungen am Herzen und auch an den Nieren, an Nerven und an Gefäßen.

Symptome

Krankheitsverlauf

Der Verlauf einer Diphtherie geht mit flächigen Belägen einher, den oben genannten Pseudomembranen. Diese befinden sich grundsätzlich an den Mandeln, am Gaumen, dem Zäpfchen und auch an der Nasenschleimhaut. Bei einem sehr schwerem Verlauf der Diphtherie breiten sich die Beschwerdebilder sehr schnell aus und die Patienten klagen über starke Atemnot, infolge von hohem Fieber und starkem Erbrechen.

Eine Lymphknotenschwellung ist auch eine häufige Erscheinung der Diphtherie, auch Leber- und Nierenschädigungen treten in manchen Fällen während des Verlaufs auf. Es kann auch zu Komplikationen kommen, wenn die Diphtherie nicht rechtszeitig behandelt wird, hierzu zählen auch eine Gaumensegellähmung und die Herzmuskelentzündung.

Komplikationen

Aufgrund der verschiedenen Formen und der Intensität der meldepflichtigen Diphtherie, sind auftretende Komplikationen recht verschieden. Bei der gefährlichsten Form, der toxischen Diphtherie, tritt eine Verengung der Atemwege trotz Behandlung in Kraft. Die Infektion kann sich dabei schnell auf andere Organe ausweiten und Leber und Nieren befallen.

Das Gift führt dabei zur Entzündung des Herzmuskels, auch Myokarditis genannt, und kann ohne Behandlung schnell zum Tod führen. Nicht selten greift das Gift auch das Nervensystem an. In diesem Fall äußern sich die Komplikationen durch Lähmungen verschiedener Muskeln.

Sind die Augenmuskeln betroffen, treten Sehstörungen auf, beschädigte Gesichtsnerven äußern sich durch eine starre Mimik. Liegt eine Rachen- oder Kehlkopfdiphtherie vor, werden die Komplikationen durch Schluck- und Sprechstörungen ersichtlich. Die hervorgerufenen Entzündungen der Infektion können trotz ärztlicher Behandlung mehrere Wochen andauern.

Ferner kann die Diphtherie auch zu Komplikationen der Nieren führen, sogar das Gehirn und die Herzklappen können sich dadurch entzünden, auch wenn diese Vorkommnisse eher selten sind. Schon beim geringsten Verdacht auf Diphtherie muss mit der Behandlung begonnen werden, um die Ausbreitung und Komplikationen so gering wie möglich zu halten.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Diphtherie, die vor der Entwicklung moderner Antibiotika auch als Würgeengel bezeichnet wurde, ist eine hochansteckende und sehr gefährliche bakterielle Infektionskrankheit. Bei Verdacht auf Diphtherie muss sofort ein Arzt aufgesucht werden. Dies gilt auch deshalb, weil die Krankheit in Deutschland meldepflichtig ist. Die behandelnden Ärzte müssen sowohl Verdachtsfälle als auch tatsächliche Erkrankungen und durch die Krankheit bedingte Todesfälle dem Gesundheitsamt melden.

An Diphtherie erkranken vorwiegend Kinder, die sich im Kindergarten oder der Schule infizieren. Da die aggressiven Erreger bereits durch Husten oder Niesen übertragen werden, kommt es sehr schnell zu einer Ansteckung, wenn das Kind nicht geimpft worden ist. Da die Bakterien, die Diphtherie auslösen, gefährliche Toxine bilden, die die inneren Organe schädigen können, wenn nicht zeitnah eine adäquate Behandlung erfolgt, sollten Eltern oder Erzieher rasch handeln.

Allerdings wird die in Deutschland mittlerweile eher seltene Krankheit im Frühstadium oft mit einer vergleichsweise harmlosen Mandelentzündung verwechselt, da sich bei der Diphterie weißlich-gelbe Pseudomembranen auf den Mandeln bilden. Hinzutreten meist Fieber, Husten, Heiserkeit und fauliger Atmen, was auch für Mandelentzündungen nicht ungewöhlich ist. Da eine verkannte Diphtherie lebensgefährlich werden kann, sollten Eltern bei entsprechenden Symptomen immer zeitnah einen Arzt zuziehen. Grund zur Panik besteht aber nicht, da die Krankheit mittlerweile wirklich nur mehr sehr selten auftritt.

Behandlung

Schon der reine Verdacht auf Diphtherie muss den behandelnden Arzt dazu veranlassen, eine geeignete Therapieform einzuleiten. Diesem stehen dabei verschiedene Therapieformen zur Verfügung, wie beispielsweise das Isolieren der erkrankten Patienten. Weiter wird mit einem Gegengift, dem Diphtherie-Antitoxin therapiert, welches bereits bei einem bestehenden Verdacht verabreicht werden sollte.

Die Therapie mit Antibiotika ist zwingend notwendig, wenn die vorhergehenden Therapieformen nicht mehr greifen sollten. Es wird in der Regel mit Penicillin oder auch mit Erythromycin behandelt, diese Medikamente sollen die Erreger abtöten und die Toxinbildung verhindern. Wenn die Luftröhre durch die akute Schleimbildung sehr stark angeschwollen sein sollte, wird die Atmung der Patienten stark eingeschränkt, hier wird dann mit der maschinellen Beatmung therapiert.

Hierzu müssen die Patienten allerdings in ein künstliches Koma versetzt werden. Jegliche Therapieformen dürfen auf keinen Fall zu früh beendet werden. Es gilt hier der Regelsatz, dass eine Behandlung des Krankheitsbildes Diphtherie nicht unter 50 Tagen liegen darf. Besonderes Augenmerk legen die behandelnden Ärzte immer auf das Herz, welches während der gesamten Therapie besonders überwacht wird. Diese kontinuierliche Bewachung ist deshalb von Nöten, weil trotz früh eingeleiteter Therapie, die Sterblichkeit auch heute noch zwischen fünf und zehn Prozent der Betroffene liegt.

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Aussicht & Prognose

Insbesondere in den Industrieländern ist die Diphtherie durch den zur Verfügung stehenden Impfstoff selten geworden. Betroffen sind hier in der Regel lediglich Impfverweigerer. Entscheidend für die Prognose und den Verlauf einer Diphtherieerkrankung ist zum einen der Zeitpunkt zu dem die Diagnose gestellt wird und zum anderen der allgemeine Gesundheitszustand der Betroffenen. Je früher die Erkrankung diagnostiziert und antibiotisch behandelt wird, desto höher sind auch die Heilungschancen.

Bei rechtzeitiger Behandlung ist eine folgenlose Ausheilung der Diphtherie möglich. Ohne Behandlung sind die Überlebenschancen der Diphtherie schlecht. Allgemein sterben in etwa 5-10 % der an Diphtherie erkrankten Menschen trotz einer erfolgten Behandlung. Gefährlich ist es im Verlauf insbesondere wenn es unter der Erkrankung zu Komplikationen kommt. Durch die Verlegung der Atemwege kann es dabei zum Ersticken kommen, wenn nicht rechtzeitig eine operative Schaffung eines künstlichen Atemweges erfolgt.

Auch die Ausbreitung der Bakteriengifte kann unter anderem am Herzmuskel zu Entzündungen führen. In der Folge kann es auch nach Abheilung der Diphtherie zu Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herz-Kreislauf-Stillstand kommen. Eine weitere Gefahr droht durch Nervenschädigungen von wichtigen Hirnnerven. Seltener können durch Nierenschädigungen, Entzündung des Gehirns oder Schlaganfälle bleibende Schäden entstehen.

Das können Sie selbst tun

Um Diphtherie vorzubeugen, hilft nur eine Schutzimpfung. Diese enthält als Wirkstoff die abgeschwächte Form des Diphtheriegiftes. Auch wenn die Krankheit selten geworden ist, besteht die Gefahr, dass die Erreger aus Endemiegebieten mitgebracht werden und zur Erkrankung bzw. Verbreitung führen.

Die meisten Eltern lassen daher ihre Kinder bereits im Säuglingsalter grundimmunisieren. Die Zeitabstände sind im Impfkalender aufgeführt. Die Impfungen beginnen im dritten Lebensmonat des Kindes und werden im vierten, fünften sowie im 12. und 15. Lebensmonat fortgesetzt. Im 5./6. Lebensjahr wird die erste Auffrischimpfung fällig. Da es in Deutschland keinen Impfzwang gibt, empfiehlt die Ständige Impfkommission STIKO für Jugendliche im Alter von 9-17 Jahren eine erneute Auffrischimpfung. Erwachsene sollten sich alle 10 Jahre ihre Auffrischimpfung holen. Viele vernachlässigen dies im Erwachsenenalter. Die Auffrischung des Schutzes ist jedoch notwendig, da mit den Jahren die vorhandenen Antikörper im Blut abnehmen. Das Immunsystem kann nicht mehr adäquat auf Erreger reagieren. Wer sich und seine Familie impfen lässt, schützt zudem Kinder, die Impfungen nicht vertragen oder aus medizinischer Sicht nicht erhalten dürfen. Dadurch wird vermieden, dass sie sich insbesondere in öffentlichen Einrichtungen bei erkrankten Personen anstecken.

Selbsthilfemaßnahmen bei Diphtherie sind nicht möglich. Besteht ein Krankheitsverdacht, ist umgehend ein Arzt aufzusuchen, wobei die Kontaktpersonen mitzubehandeln sind.

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Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004
  • Thomas, C. (Hrsg.): Atlas der Infektionskrankheiten. Schattauer, Stuttgart 2010

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