Leukoplakie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. November 2017
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Leukoplakie ist eine in Deutschland selten anzutreffende Erkrankung der Schleimhäute, die sich symptomatisch anhand atypischer weißer, nicht abwischbarer Veränderungen des betroffenen Zellgewebes manifestiert. Aufgrund des hohen Entartungsrisikos sollte eine Leukoplakie frühzeitig diagnostiziert und therapiert werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Leukoplakie?

Als Leukoplakie (auch Weißschwielenkrankheit) werden nicht abwischbare, weiße Veränderungen der Schleimhaut bezeichnet. Dabei verhornen die Zellen der äußersten Schleimhautschicht und quellen durch die feuchte Gewebeumgebung auf, wodurch diese eine weiße Färbung erhalten.

Am häufigsten ist eine Leukoplakie im Bereich der Mundschleimhaut, an Lippen, Gaumen und Zunge anzutreffen (orale Leukoplakie). Leukoplakie wird in unterschiedliche Stadien unterteilt. So sind bei einer homogenen, einfachen Leukoplakie die betroffenen Gewebeareale regelmäßig verfärbt und weisen eine glatte, lokal gut abgrenzbare Oberfläche auf.

Bei einer warzenförmigen (verrukösen) Leukoplakie ist die Oberfläche hingegen rau, während die offene (erosive) Leukoplakie durch eine unregelmäßige Begrenzung sowie rote Schleimbereiche infolge von Verletzungen gekennzeichnet ist. Hierbei weisen die betroffenen Zellen, insbesondere bei der verrukösen und erosiven Form der Leukoplakie, ein erhöhtes Entartungsrisiko auf und können in ein Plattenepithelkarzinom (maligner Tumor der Haut und Schleimhaut) übergehen.

Ursachen

Eine Leukoplakie ist in der Regel auf dauerhafte exogene Reizeinwirkungen zurückzuführen. Diese Reizeinwirkungen können mechanischer oder physikalischer Natur sein und durch schlecht angepasste Zahnprothesen, -klammern sowie kariöse Zähne bedingt werden.

Daneben kann Leukoplakie durch chemische Noxen (krankheitserregende Substanzen), insbesondere Nikotin und Alkohol, verursacht werden. Eine schlechte Zahn- und Mundhygiene, ein Mangel an den Vitaminen A und B sowie an Eisen begünstigen ebenfalls eine Leukoplakie.

Darüber hinaus wird Leukoplakie mit genetisch bedingten Erkrankungen wie Dyskeratosis congenita (Zinsser-Cole-Engman-Syndrom) und Darier-Krankheit (Erkrankung mit Haut- und Schleimhautveränderungen) sowie erworbenen Erkrankungen wie Lichen ruber (flache Knötchenflechte), der kutanen Form von Lupus erythematodes (Autoimmunerkrankung) assoziiert.

Aber auch Infektionskrankheiten wie tertiäre Syphilis, HIV oder Pilzerkrankungen (Candida albicans) können eine Leukoplakie verursachen.

Typische Symptome & Anzeichen

  • weiße Flecken auf der Schleimhaut (Mund- und Lippenbereich)

Diagnose & Verlauf

Eine Leukoplakie kann in der Regel bereits anhand der charakteristischen Veränderungen der Schleimhaut diagnostiziert werden. Da sich eine Leukoplakie darüber hinaus in der überwiegenden Zahl der Fälle anhand keiner weiteren Symptome manifestiert, wird die Erkrankung oftmals zufällig bei einer Kontrolluntersuchung durch den Haus- oder Zahnarzt festgestellt.

Die Diagnose wird durch eine Probeexzision (Gewebeentnahme) aus der betroffenen Region mit anschließender mikroskopischer Analyse gesichert, bei welcher gegebenenfalls die zugrundeliegende Erkrankung (Infektion oder erblich bedingte Erkrankung) festgestellt werden kann.

Im Rahmen adäquater Therapiemaßnahmen ist Leukoplakie gut therapierbar. Unbehandelt weist eine Leukoplakie im fortgeschrittenem Stadium allerdings ein erhöhtes Entartungsrisiko auf und kann sich zu einem Plattenepithelkarzinom (maligner Tumor des Haut- und Schleimhautgewebes) entwickeln, weshalb atypische Veränderungen im Bereich der Schleimhäute in jedem Fall von einem Arzt auf eine mögliche Leukoplakie untersucht werden sollten.

Komplikationen

In der Regel leiden die Betroffenen durch die Leukoplakie an weißen Flecken, die vor allem an den Schleimhäuten auftreten. Dabei kommt es vor allem im Gesicht, im Bereich des Mundes und der Lippen zu ästhetischen Beschwerden. Nicht selten fühlen sich die Betroffenen nicht mehr wohl und leiden an Minderwertigkeitskomplexen und an einem verringerten Selbstwertgefühl.

Weiterhin kann es auch zu Beschwerden oder Schmerzen an den Zähnen kommen. Bei Kindern kann die Leukoplakie daher zu Mobbing oder zu Hänseleien führen, sodass es zur Ausbildung psychischer Beschwerden oder Depressionen kommen kann. Weiterhin kann die Leukoplakie auch einen Tumor hervorrufen, welcher zur Verringerung der Lebenserwartung des Betroffenen führen kann. Die Lebensqualität des Patienten wird durch diese Beschwerde erheblich eingeschränkt.

Die Behandlung der Leukoplakie muss frühzeitig beginnen, um verschiedenen Komplikationen vorzubeugen. Vor allem bei Kindern ist daher eine frühe Behandlung durch den Zahnarzt notwendig. Dabei treten in der Regel keine Komplikationen ein und die Beschwerden können relativ gut gelindert werden. Auch die Lebenserwartung des Patienten wird bei einer erfolgreichen Behandlung nicht beeinflusst oder verringert.

Behandlung & Therapie

Die Therapie einer Leukoplakie zielt in erster Linie auf die zugrundeliegenden Ursachen. So sollte beispielsweise eine schlecht sitzende Zahnprothese entsprechend vom Zahnarzt angepasst oder kariöse Zähne behandelt werden. Ebenso müssen die eventuell vorliegenden Infektionskrankheiten, die die Leukoplakie bedingen, therapiert werden.

Oftmals heilt eine Leukoplakie innerhalb von wenigen Wochen von selbst ab, nachdem die verursachenden Faktoren beseitigt worden sind. Sollte dies nicht der Fall sein, werden die von Leukoplakie betroffenen Bereiche der Schleimhaut in der Regel im Rahmen eines minimalinvasiven Eingriffs operativ entfernt. Als Operationstechniken kommen hier eine elektrokaustische Abtragung sowie ein kryochirurgisches Verfahren zum Einsatz.

Innerhalb einer elektrokaustischen Abtragung werden die betroffenen Gewebeareale mit Hilfe einer kleinen Nadel, Schlinge oder Kugel, die an die Spitze eines Gerätes befestigt sind, das mit Schwachstrom betrieben wird, zielgenau erhitzt und zerstört. Wenngleich postoperativ Schmerzen auftreten können, die entsprechend therapiert werden müssen, heilt die durch den Eingriff entstandene Wunde innerhalb von ein bis drei Wochen gut ab. Daneben können die von Leukoplakie betroffenen Gewebeareale im Rahmen eines kryochirurgischen Eingriffs durch lokale Vereisung zerstört werden (physikalisch-destruierende Methode, Kryonekrose), indem diese durch flüssigen Stickstoff auf unter -40 C° abgekühlt werden.

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Vorbeugung

Einer Leukoplakie kann durch die Vermeidung der auslösenden Faktoren vorgebeugt werden. Zu den Risikofaktoren einer Leukoplakie gehören Nikotin- und Alkoholkonsum, eine unzureichende Mundhygiene sowie schlecht angepasste Zahnprothesen und -klammern. Da die Erkrankung eine vergleichsweise hohe Rezidivquote (Rückfallquote) aufweist, sollten bereits von Leukoplakie Betroffene regelmäßige Nachuntersuchungen durchführen lassen.

Das können Sie selbst tun

Bei einer Leukoplakie können die Betroffenen verschiedene Maßnahmen ergreifen, um die ärztliche Behandlung zu unterstützen. Im Allgemeinen müssen zunächst die Ursachen für die Beschwerden ermittelt werden.

Liegt der Leukoplakie Karies zugrunde, müssen die kariösen Zähne gezogen werden. Dabei handelt es sich um einen Routine-Eingriff, nach dem die Betroffenen für einige Stunden bis Tage keine feste Nahrung zu sich nehmen dürfen. Begleitend zur zahnärztlichen Behandlung muss die Zahnhygiene verbessert werden, um das Risiko für weitere Beschwerden zu reduzieren. Sollte die Leukoplakie durch chemische Noxen wie Nikotin oder Alkohol ausgelöst worden sein, muss der Lebensstil umgestellt werden. Die auslösenden Substanzen sind strikt zu meiden. In den meisten Fällen müssen die Betroffenen hierzu eine Therapie beginnen oder sich an eine Selbsthilfegruppe wenden.

Einfacher ist ein ursächlicher Vitamin- oder Eisenmangel zu behandeln. In diesem Fall reicht es aus, die Ernährung umzustellen und dem Körper die notwendigen Stoffe zuzuführen. Liegt der Erkrankung eine ernste Infektionskrankheit wie HIV, Syphilis oder eine Pilzerkrankung zugrunde, besteht die wichtigste Maßnahme darin, diese umgehend diagnostizieren und behandeln zu lassen. Der Patient kann die Genesung am besten unterstützen, indem er die Vorgaben des Arztes einhält und diesen über ungewöhnliche Symptome informiert.

Bücher über Mundhygiene

Quellen

  • Kochen, M.M.: Duale Reihe. Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Thieme, Stuttgart 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

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