Herzstolpern

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. Oktober 2017
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Als Herzstolpern wird umgangssprachlich eine unregelmäßige Folge von Herzschlägen, etwa in Form von Doppelschlägen oder Aussetzern, bezeichnet. Meist handelt es sich dabei um Herzrhythmusstörungen, sogenannte Arrhythmien, die auf eine Erkrankung hinweisen können, oft aber auch harmlos sind. Die genaue Diagnose kann nur gestellt werden, wenn das gefühlte Herzstolpern auch im EKG aufgezeichnet werden kann. Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Rhythmusstörungen – bei ungefährlichem Herzstolpern ist meist gar keine Behandlung erforderlich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Herzstolpern?

Hinter Herzstolpern verbergen sich meist Rhythmusstörungen des Herzens in Form von Extraschlägen, den sogenannten Extrasystolen. Diese werden je nach Herzregion, in der sie entstehen, in supraventrikuläre (vom Herzvorhof ausgehend) oder ventrikuläre Extrasystolen (von der Herzkammer ausgehend) unterteilt.

Bei den Extrasytolen handelt es sich Extraschläge, die von den Betroffenen als Herzstolpern empfunden werden. Verschiebt sich dadurch die natürliche Herzschlagfolge, spüren viele Menschen auch einen kleinen Aussetzer – die sogenannte kompensatorische Pause, die die Zeit bis zum nächsten normalen Herzschlag überbrückt.

Die Extraschläge kommen fast bei jedem Menschen vor, werden oft jedoch gar nicht wahrgenommen. Sie können Zeichen für eine Grunderkrankung des Herz-Kreislauf-Systems oder auch anderer Organe sein, oft hat Herzstolpern jedoch keinerlei Krankheitswert.

Ursachen

Ursachen für Herzstolpern können im physischen und psychischen Bereich liegen. Nicht selten wird überhaupt kein Auslöser dafür gefunden, dass ein gesundes Herz aus dem Takt gerät. Körperliche Gründe für die Rhythmusstörungen sind beispielsweise Erkrankungen im Bereich der Herzkranzgefäße, die Herzmuskelentzündung, angeborene Herzfehler oder Bluthochdruck.

Ein typischer Auslöser von Herzstolpern ist die Schilddrüse mit Über- oder Unterfunktion. Störungen im Elektrolythaushalt können ebenfalls Extraschläge auslösen. Vor allem ein Mangel an Magnesium oder Kalium kann für Extrasystolen verantwortlich sein. Oft ist Herzstolpern durch den Lebenswandel des Betroffenen verursacht. Hier spielen vor allem Genussmittel wie Kaffee und Alkohol, Drogenmissbrauch, aber auch Schlafmangel eine Rolle.

Im psychischen Bereich treten Herzrhythmusstörungen bei Stress und belastenden Situationen auf. Hier können sowohl akute Ereignisse wie ein Streit, aber auch längere Belastungsphasen wie ein fordernder Beruf das Herzstolpern auslösen.

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Diagnose & Verlauf

Zur Diagnose des Herzstolperns wird ein Elektrokardiogramm (EKG) geschrieben. Bei Patienten, die das Stolpern nicht regelmäßig haben, ist oft ein Langzeit-EKG über einen oder mehrere Tage nötig, um die Rhythmusstörung zu erfassen.

Eine weitere Möglichkeit ist der Event-Recorder: Fühlen die Betroffenen das Herzstolpern, können sie es aufzeichnen, indem sie das Gerät auf die Brust drücken.

Hinter Herzstolpern verbergen sich meist Rhythmusstörungen des Herzens in Form von Extraschlägen, den sogenannten Extrasystolen.

Daneben gibt es auch Recorder, die abnormale EKGs erfassen und manchmal sogar direkt an eine Notrufzentrale weiterleiten. Will man über einen langen Zeitraum den Herzrhythmus kontrollieren, kann der kleine Recorder auch unter die Haut gepflanzt werden.

Ist die Diagnose des Herzstolperns gesichert und die konkrete Rhythmusstörung erkannt, werden manchmal weitere diagnostische Schritte zur Ursachensuche eingeleitet. Im Bereich des Herz-Kreislauf-Systems sind das vor allem der Ultraschall von Herz und Gefäßen, Blutdruckmessungen, das Belastungs-EKG, die Stress-Sonografie, das CT oder das MRT. Mit Blutuntersuchungen oder dem Check anderer Organe wie beispielsweise der Schilddrüse, aber auch dem Besprechen der psychischen Situation des Betroffenen kann ebenfalls nach dem Grund für das Herzstolpern gesucht werden.

Komplikationen

Die Ausdrucksweise Herzstolpern wird von vielen Betroffenen für akute Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen) verwendet. Abhängig von der Ursache dieser Symptomatik kann es zu gravierenden Komplikationen kommen. Dazu gehören an erster Stelle die Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel, die weitergeschwemmt wurden. Medizinisch ist die Rede von einer Embolie.

Der Hirninfarkt (Apoplex), der im Volksmund auch heute noch Schlaganfall genannt wird, gehört genau wie der Myokardinfarkt (Herzinfarkt) zu den weitverbreiteten Komplikationen einer Herzrhythmusstörung. Wird das Herzstolpern ignoriert, ist eine Herzinsuffizienz (zunehmende Herzschwäche) als eine weitere Komplikation nicht auszuschließen. Diese Komplikation führt dazu, dass das Herz nicht mehr die erforderliche Menge Blut durch den Körper pumpen kann.

Luftnot und Müdigkeit sind eindeutige Indikatoren dieser Komplikation bei Patienten, die über Herzstolpern klagen. Im schlimmsten Fall kommt es zum Kammerflimmern. Wird nicht umgehend eine Defibrillation durchgeführt, kann das Kammerflimmern zum Kreislaufstillstand und damit zum plötzlichen Herztod führen.

Zu den temporären und meist harmlosen Komplikationen gehören Schwindel und Atemnot sowie kurzzeitige Synkope (Ohnmachtsanfälle). Ist das Herzstolpern darauf zurückzuführen, dass der Herzschlag in einer der beiden Herzkammern oder Vorhöfe zu früh erfolgt, handelt es sich um eine weniger gefährliche Komplikation. Allerdings können diese unregelmäßigen Palpationen die Lebensqualität mehr oder weniger stark beeinträchtigen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

In der Regel sind sogenannte Extrasystolen dafür verantwortlich, dass ein Herzstolpern wahrgenommen wird. Betroffene sind daher häufig in Sorge, dass Herzrhythmusstörungen oder eine andere schwere Erkrankung Ursache sein könnte. Liegt ein einmaliges Herzstolpern vor, das keine weiteren Nebenwirkungen mit sich bringt, ist ärztlicher Rat nicht zwingend erforderlich.

Zum Arzt gehen sollte aber, wer das Herzstolpern über einen längeren Zeitraum, Minuten oder gar Stunden, wahrnimmt. Insbesondere ist auch dann ärztlicher Rat gefragt, wenn weitere Nebenanzeichen hinzukommen: Kopfschmerzen, Schwindel, Bewusstseinstörungen oder Atemnot.

Der Arzt (meist der Kardiologe) wird ein EKG anordnen und den Blutdruck überprüfen. Hoher Blutdruck kann Ursache für häufig wiederkehrende Extrasystolen sein. Ein niedrig dosierter Betablocker oder die tägliche Gabe von Kalium können als Therapie hilfreich sein. Allerdings sollte das Herzstolpern unter keinen Umständen ohne Rücksprache mit dem Arzt erfolgen. Da Extrasystolen häufig stressbedingt auftauchen, sollte über einen Lebens- oder Ernährungswandel nachgedacht werden. Auch der Arzt wird dem Betroffenen zu mehr Bewegung und einer vollwertigen, gesunden Ernährungsweise raten.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung des Herzstolperns richtet nach Auslöser und Krankheitswert der Störung. Harmloses Herzstolpern bedarf keiner Behandlung. Liegt eine Grunderkrankung des Herz-Kreislauf-Systems vor, muss diese behandelt werden. Hier reicht die Palette vom Einsetzen eines Stents bei verengten Gefäße über die Einstellung eines ungesunden Blutdrucks bis zum Einsatz von Medikamenten, die das Herz wieder in den Takt bringen sollen.

Betablocker haben dabei gleichzeitig eine blutdrucksenkende und stabilisierende Wirkung, in manchen Fällen werden aber auch spezielle Antiarrhythmika eingesetzt. Birgt die festgestellte Rhythmusstörung die Gefahr des plötzlichen Herztodes durch Kammerflimmern, wird dem Patienten in der Regel ein kleiner Defibrillator eingepflanzt. Hier handelt es sich um ein Gerät, das lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen erkennt und selbstständig mit einem Stromstoß beendet.

Liegt die Ursache des Herzstolperns in einer Fehlfunktion der Schilddrüse wird diese medikamentös eingestellt. Fehlen dem Patienten Elektrolyte für einen physiologisch arbeitenden Stoffwechsel, werden die leeren Speicher durch Gabe von Kalium oder Magnesium wieder aufgefüllt. Wichtig ist, dass der Betroffene seine Ernährung und auch die Trinkmenge so gestaltet, dass es zu keinem erneuten Mangel kommt. Bei psychisch bedingten Extraschlägen helfen Sport, Entspannungsmethoden und eventuell eine psychologische Unterstützung zu arbeiten. Nicht selten geraten Patienten auch bei harmlosen Herzrhythmusstörungen in eine mitunter schwer kontrollierbare Panik. Hier hilft die Verhaltenstherapie, mit dem Herzstolpern umgehen zu lernen.

Aussicht & Prognose

Die spontan auftretende und meist nur kurz anhaltende Herzrhythmusstörung wird von einer positiven Prognose begleitet, weil sich der Herzrhythmus in aller Regel selbst wieder stabilisiert. Falls sich das Herzstolpern häuft und mehrmals täglich eintritt, kann es auch als Vorbote einer manifesten Herzrhythmusstörung betrachtet werden. Beispielsweise kann sich daraus ein Vorhofflimmern entwickeln, das zwar nicht unmittelbar lebensgefährlich ist, das aber längerfristig zu irreversiblen Schäden am Myokard (Herzmuskel) führt, wenn das Vorhofflimmern nicht behandelt wird.

Falls bei einem gehäuft auftretenden Herzstolpern physiologische Gründe wie beispielsweise Kaliummangel festgestellt werden, heilt das Herzstolpern von selbst aus, sobald die Ursache behoben wird.

Falls das Herzstolpern mit anderen Symptomen wie Schwindel, Bewusstseinsstörungen, Bluthochdruck, Angina pectoris, oder ähnlichem assoziiert ist, empfiehlt sich eine Abklärung auf organische Probleme oder auf externe Störungen, die als Verursacher der Extrasystolen in Frage kommen. Es besteht die Gefahr, dass sich bei Vorliegen unbeachteter externer Faktoren aus dem Herzstolpern eine persistierende Herzrhythmusstörung entwickelt, die behandlungsbedürftig ist.

Entsprechend fallen dann auch die Aussichten und Prognosen für die gehäuft auftretenden Extrasystolen aus. Falls die wahrgenommenen Extrasystolen zu permanenten Ängsten und zu einem erhöhten Tonus des Sympathikus (Sympathikotonus) führen, kann sich eine Art vegetative Dystonie entwickeln. Bei Nichtbehandlung sind dann die Prognosen für das Herzstolpern als eher ungünstig einzustufen.

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Vorbeugung

Herzstolpern kann zahlreiche Auslöser haben, von denen man den meisten mit gesunder Lebensführung vorbeugen kann. Hierzu gehören regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung und eine ausreichende Trinkmenge sowie genügend Schlaf. Ein vernünftiger Umgang mit Kaffee und Alkohol ist ebenso wichtig wie der Verzicht auf Drogen. Stress im beruflichen und privaten Bereich sollte auf ein Minimum reduziert werden. Wichtig: Medikamente für Herz, Blutdruck oder Schilddrüse müssen konsequent eingenommen werden, damit sie ihre Wirkung gegen das Herzstolpern richtig entfalten können.

Das können Sie selbst tun

Tritt das Symptom häufig auf und führt zu Schmerzen, so muss dringend ein Notarzt oder ein Kardiologe aufgesucht werden. In jedem Fall hilft gegen das Herzstolpern eine gesunde Lebensweise. Dazu gehört regelmäßiger Sport und eine gesunde Ernährung. Auf fettiges und süßes Essen in hohen Maßen ist zu verzichten. Der Patient sollte auch Übergewicht vermeiden und abbauen. Ebenso kann der Konsum von Drogen das Herzstolpern fördern. Daher sollten Alkohol und andere Drogen komplett abgesetzt werden. Auch Rauchen ist schädlich für das menschliche Herz, der Patient sollte darauf verzichten, um das Herzstolpern zu bekämpfen.

Falls das Herzstolpern in stressigen oder panischen Situationen ausgelöst wird, sind diese zu vermeiden. Dies ist zwar nicht immer einfach, kann allerdings durch Selbstkontrolle relativ gut geübt werden. Zur Beruhigung des Herzens und des gesamten Kreislaufes empfiehlt sich Baldrian oder Brennnesseln. Beide können entweder in Form von Tabletten oder als Tee eingenommen werden.

Sollte es beim Herzstolpern zu Schmerzen oder einem starken Druck in der Brust kommen, so muss dringend ein Arzt aufgesucht werden. In diesem Fall kann es sich um einen Herzinfarkt handeln, welcher nicht selbst behandelt werden kann.

Bücher über Herzrhythmusstörung

Quellen

  • Braun, J., Dormann, A.J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2009
  • Erdmann, E.: Klinische Kardiologie. Springer, Heidelberg 2011
  • Ziegenfuß, T.: Notfallmedizin. Springer, Heidelberg 2011

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