Sympathikotonus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. Februar 2017
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Unter Sympathikotonus wird der nicht genau messbare und sich laufend verändernde Erregungszustand des sympathischen Nervensystems zusammengefasst. Ein erhöhter Sympathikotonus versetzt den Körper in eine Art Reaktionsmodus wie Flucht oder Angriff. Er macht sich unter anderem durch einen Blutdruckanstieg, Herzfrequenzbeschleunigung, Engstellung der peripheren Blutgefäße und einer Abnahme der Darmtätigkeit bemerkbar. Als Hauptgegenspieler (Antagonist) wirkt das parasympathische Nervensystem, das für Entspannung und Regeneration sorgt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Sympathikotonus?

Mit dem Begriff Sympathikotonus wird der Erregungszustand des sympathischen Nervensystems zusammengefasst. Der Sympathikus wird zusammen mit seinem Antagonisten, dem Parasympathikus, dem vegetativen Nervensystem zugerechnet.

Der Sympathikotonus ist nicht genau messbar und verändert sich laufend, um sich der jeweiligen Situation anzupassen. Bei einem Anstieg des Sympathikotonus wird der Körper in einen erhöhten Reaktionsmodus und eine erhöhte körperliche und muskuläre Leistungsbereitschaft versetzt. Physiologisch wird der Körper optimal auf Flucht oder Angriff programmiert (Stressreaktion).

Allerdings geht der Flucht- oder Kampfmodus ein wenig zu Lasten anderer Funktionen, die für das Überleben wichtig sind, so dass sich nach einer Phase eines hohen Sympathikotonus eine Entspannungsphase anschließen muss, die durch eine erhöhte Ausschüttung des Neurotransmitters Acetylcholin über das parasympathische Nervensystem erreicht wird.

Bei einem gesunden Menschen ergänzen sich Sympathiko- und Parasympathikotonus und es besteht eine Balance zwischen den beiden Antagonisten. Phasenweise bestimmen jeweils der Sympathiko- oder der Parasympathikotonus das physiologische Geschehen im Körper.

Funktion & Aufgabe

Der Sympathikotonus, der ein Maß für den sympathischen Erregungszustand ist, hatte entwicklungsgeschichtlich eine hohe Bedeutung für den unmittelbaren Schutz des Menschen. Ein hoher Sympathikotonus, gleichbedeutend mit hohem Stresslevel, setzt eine Kaskade kurzfristiger physiologischer Veränderungen in Gang, die den Menschen optimal auf Flucht oder Angriff vorbereiten. Die Blutgefäße, die die Skelettmuskeln versorgen, reagieren mit Weitstellung, während Gefäße der Haut und die einiger Organe, wie z. B. der Nieren, enggestellt werden. Bei gleichzeitiger Steigerung des Blutdrucks und der Herzfrequenz wird eine verbesserte Versorgung der Muskeln erreicht und gleichzeitig die Blutungsgefahr an der Peripherie bei einer möglichen Verletzung verringert.

Zusätzlich wird die Darmperistaltik und die Urinproduktion verlangsamt, um eine längere Ausdauer auch auf dem Gebiet notwendiger Ausscheidungen zu erreichen. Durch eine verstärkte Glykolyse über den Abbau von Kohlenhydraten und durch eine gesteigerte Hirndurchblutung wird eine optimale körperliche Leistungsbereitschaft mit optimalen Hirnleistungen gekoppelt.

Unter Sympathikotonus wird der nicht genau messbare und sich laufend verändernde Erregungszustand des sympathischen Nervensystems zusammengefasst.

Der Hauptnutzen des Sympathikotonus bestand entwicklungsgeschichtlich wahrscheinlich in einem optimalem Schutz vor Angreifern, entweder durch Flucht oder durch Angriff. Für beide Möglichkeiten bietet ein hoher Sympathikotonus gleichermaßen die beste physiologische Vorbereitung.

Die veränderte Lebensweise in der industrialisierten Welt führt häufig dazu, dass Stressoren auftreten, die einen hohen Sympathikotonus auslösen, der die gesamte physiologische Kaskade in Gang setzt. In der Regel können aber die Stresshormone nicht durch eine körperliche Hochleistung oder eine Ausdauerleistung abgebaut werden, weil Flucht oder Angriff in der Situation kontraproduktiv wären und noch vor einem Abbau der Stresshormone bereits der nächste Stressor auftaucht. Häufig besteht daher die Gefahr, dass der Körper durch besondere Stressoren ständig in Alarmbereitschaft gehalten wird. Der ursprüngliche Schutzmechanismus kann sich dann zum Risiko für die Ausbildung eines kardiovaskulären Problems in Form von Bluthochdruck oder anderer Sekundärerkrankungen wandeln.

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Krankheiten & Beschwerden

Ein hoher Sympathikotonus, der an einer Konzentration von Stresshormonen (Adrenalin, Noradrenalin) über das Normalmaß hinaus kenntlich ist, bewirkt eine Reihe von kurzfristigen, physiologischen Veränderungen im Körper, die allesamt darauf abzielen, im Falle einer Bedrohung optimale Bedingungen für Flucht oder Angriff zu schaffen. Prinzipiell können krankheitsbedingte Funktionseinschränkungen an jeder Stelle der vielfältigen physiologischen Veränderungen eintreten.

Im direkten Zusammenhang mit dem Sympathikotonus steht eine mangelhafte Balance zwischen Sympathiko- und Parasympathikotonus. Sie führt häufig zu einer nahezu permanenten Dominanz des Sympathikus gegenüber dem Parasympathikus. Der Körper hat dadurch zu wenig Gelegenheit zur Regenerierung, weil sich der Körper ständig im Alarmzustand befindet und viele physiologische Vorgänge nicht mehr im Normalmodus stattfinden.

Typische Beschwerden, die sich daraus ergeben, sind Nervosität, Schlafstörungen mit Tagesmüdigkeit, Krämpfe und Verdauungsprobleme. Die relativ unspezifischen Symptome hatten in den 1950er Jahren und auch noch später dazu geführt, dass viele Ärzte eine vegetative Dystonie diagnostizierten. Der Begriff ist unter Fachärzten heute umstritten, da es sich vielfach „nur“ um eine Störung des Verhältnisses zwischen Sympathiko- und Parasympathikotonus zugunsten des Sympathikotonus handelt.

Das verschobene Verhältnis zwischen Sympathikus und Parasympathikus wird als Sympathikotonie bezeichnet. Sehr wahrscheinlich ist die Sympathikotonie darauf zurückzuführen, dass häufige Stressoren eine mehr oder weniger permanent hohe Konzentration von Stresshormonen bewirken, die nicht körperlich „abgearbeitet“ werden können, so dass einige physiologische Vorgänge nur noch im Alarmmodus ablaufen und Beschwerden verursachen.

Eine Sympathikotonie birgt auch Risiken für das Herz-Kreislauf-System. Der häufige Blutdruckanstieg aufgrund der häufigen Ausschüttung von Stresshormonen birgt die Gefahr, dass sich der erhöhte Blutdruck und meist auch eine erhöhte Schlagfrequenz des Herzens permanent einstellen und chronisch werden, sich also eine permanente Hypertonie mit allen Folgeerscheinungen entwickelt.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass genetische Faktoren dabei eine Rolle spielen. Die Erregbarkeit durch Stressoren ist sehr individuell. Die sympathischen Zentren im Rückenmark erhalten Impulse aus bestimmten Regionen im Zentralnervensystem und reagieren mit einer Erhöhung des Sympathikotonus. Das Grundmuster folgt dabei einer genetischen Fixierung und ist vermutlich nur zum Teil durch die Lebensumstände erworben.

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