Schilddrüse

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 12. November 2016
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Die Schilddrüse ist neben dem Hypothalamus und der Hypophyse ein wichtiger Bestandteil des thyreotropen Regelkreises. Störungen dieses hormonellen Regelkreises können zu schwerwiegenden Beeinträchtigung bis bin zu einer lebensbedrohlichen Stoffwechselentgleisung (thyreotoxische Krise) führen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Schilddrüse?

Die Schilddrüse (Glandula thyreoidea) ist eine endokrine Drüse, die einen lappigen, schmetterlingsförmigen Aufbau aufweist und unterhalb der Larynx (Kehlkopf) halbkreisartig die Trachea (Luftröhre) von hinten nach vorn umfasst.

Im Durchschnitt wiegt die Schilddrüse zwischen 20 bis 60 Gramm und spielt eine wesentliche Bedeutung innerhalb des menschlichen Metabolismus (Stoffwechsel). Die Schilddrüse besteht hauptsächlich aus mikroskopisch sichtbaren Schilddrüsenfollikeln, in denen das Protein Thyreoglobulin, eine Vorstufe der Schilddrüsenhormone, gespeichert wird und zwischen denen sich die sogenannten C-Zellen (Calcitonin produzierende Zellen) befinden.

Für eine regelgerechte Funktionsweise, insbesondere für die Synthese der Schilddrüsenhormone, benötigt die Schilddrüse ausreichend Jod, ein essentielles Spurenelement, das als Jodid aus dem Blut in die Hormondrüse gelangt (Jodination) und dort zu elementarem Jod oxidiert und eingelagert wird (Jodisation).

Anatomie & Aufbau

Die Schilddrüse setzt sich aus den zwei Seitenlappen Lobus dexter und Lobus sinister zusammen, die ungefähr zwischen dem 2. und 4. Trachealring über den sogenannten Isthmus, einer Art Gewebebrücke, vor der Trachea verbunden sind und eine schmetterlingsartige Form bilden.

Oftmals ist an dieser Gewebebrücke ein weiterer Fortsatz festzustellen, der pyramidenförmig zum Schildknorpel (größter Kehlkopfknorpel) hin ein funktionsloses Rudiment aus der Embryonalentwicklung darstellt (Lobus pyramidalis). Darüber hinaus wird die Schilddrüse von einer inneren und äußeren Bindegewebskapseln umschlossen, über die die Verbindung mit den umliegenden Strukturen wie den versorgenden Gefäßen und Nerven gewährleistet wird.

Zudem verankert das Bindegewebe die beiden Lappen der Schilddrüse mit der Trachea. Die Schilddrüse weist eine sehr hohe Vaskularisation (große Anzahl an Blutgefäßen) und Durchblutungsrate auf.

Funktionen & Aufgaben

Infogramm zur Anatomie und Lage der Schilddrüse, sowie die Symptome bei Schilddrüsenüber- und Unterfunktion. Bild anklicken, um zu vergrößern.

Die wichtigste Funktion der Schilddrüse besteht in der Speicherung von Jod zur Synthese und Sezernierung (Sekretion) der jodhaltigen Schilddrüsenhormone sowie in der Produktion des Peptidhormons Calcitonin.

In den sogenannten Follikelepithelzellen (Thyreozyten) der Schilddrüse werden die Hormone Thyroxin bzw. Tetrajodthyronin (T4) und Trijodthyronin (T3) synthetisiert, die über eine Erweiterung der Gefäße den Energieumsatz erhöhen, die Zellen des Nervensystems stimulieren sowie einen Anstieg von Herzfrequenz, Blutdruck und Körpertemperatur bewirken.

Außerdem steigern die Schilddrüsenhormone die Talg- und Schweißdrüsenaktivität, die Kollagensynthese und Darmmotorik und spielen eine wesentliche Bedeutung für die organische Entwicklung von Neugeborenen. Durch ihre Wirkung auf die Wachstumshormone IGF-1 (Insulinlike Growth Factor) und Somatropin steuern sie das Wachstum und die Zellentwicklung. Sie fördern ferner die Myelinisierung (Umscheidung) und Differenzierung der Nervenzellen.

Die Funktion der Schilddrüse wird über die übergeordnete Hypophyse (Hirnanhangdrüse) und den Hypothalamus (Bereich des Zwischenhirns) gesteuert. In den zwischen den Follikelepithelzellen liegenden parafollikulären Zellen bzw. C-Zellen wird darüber hinaus das Hormon Calcitonin produziert. Calcitonin wirkt reduzierend auf die Kalziumkonzentration im Blut, da es in den Knochen die Kalzium- und Phosphatfreisetzung hemmt, während es gleichzeitig den Einbau dieser Substanzen stimuliert (Mineralisierung).

Zudem regt das Hormon die Ausschüttung von Phosphat, Natrium, Kalzium, Kalium und Magnesium aus der Niere an.

Krankheiten

Erkrankungen der Schilddrüse sind vergleichsweise häufig und können allgemein in drei verschiedene Unterformen eingeteilt zu werden. Liegt ein normaler Schilddrüsenhormonspiegel vor, wird von einer Euthyreose gesprochen.

Bei einer gestörten Schilddrüsenhormonstoffwechsellage ist der Hormonspiegel entweder infolge einer Schilddrüsenüberfunktion erhöht (Hyperthyreose) oder durch eine Schilddrüsenunterfunktion erniedrigt (Hypothyreose). Bei einer Hyperthyreose steigt der Energieumsatz des Körpers, so dass sich eine Überfunktion in vielen Fällen durch eine Gewichtsabnahme manifestiert.

Herzrasen und/oder Nervosität sind weitere Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion. Eine Hypothyreose wird in primäre Unterfunktionen, die auf Beeinträchtigungen der Schilddrüse selbst zurückzuführen sind, und sekundäre Unterfunktionen infolge einer Störung der die Schilddrüse steuernden Strukturen (Hypophyse, Hypothalamus) differenziert. Eine Unterfunktion der Schilddrüse äußert sich in aller Regel anhand von Bradykardie, Antriebslosigkeit, Konzentrationsstörungen, Kälteempfindlichkeit, Obstipation und Gewichtszunahme.

Unabhängig von der spezifisch vorliegenden Stoffwechsellage kann die Schilddrüse infolge einer Strumabildung (Kropf) vergrößert sein oder eine normale Größe aufweisen. So sprechen Mediziner bei einer Vergrößerung des Organs mit normaler Hormonstoffwechsellage von einer euthyreotischen Struma, die mit einer Inzidenz von 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung eine der häufigsten Erkrankungen darstellt.

Eine ausgeprägte Struma kann die Luftröhre einengen und Atembeschwerden verursachen. Zudem ist das Risiko für eine Schilddrüsenautonomie stark erhöht. Entzündungen der Schilddrüse (Thyreoiditis) sind in vielen Fällen auf Autoimmunerkrankungen (Hashimoto-Thyreoiditis, Morbus Basedow) oder Noxen (Medikamente, Chemotherapien) zurückführbar. Maligne Neoplasien (Karzinome) entwickeln sich in der Schilddrüse in aller Regel ausgehend von den Thyreozyten oder C-Zellen.

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