Herzrasen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 15. November 2017
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Herzrasen, Herzklopfen, schneller Puls oder (med.: Tachykardie) ist ein anhaltend beschleunigter Puls auf über 90 Schläge pro Minute. Ab einem Puls von 150 Schlägen pro Minute spricht man von einer ausgeprägten Tachykardie. Anzeichen für Herzrasen sind, wie bei schnellem Vorhofflimmern, regelmäßiges oder unregelmäßiges Klopfen oder Pochen, das bis in den Hals bzw. an die Halsschlagader empfunden werden kann. Die Ursachen für Herzrasen können eine natürliche oder krankhaft bedingte Ursachen haben.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Herzrasen?

Als Herzrasen (med.: Tachykardie) wird ein beschleunigter Herzschlag im Brustraum bezeichnet. Manche Patienten beschreiben ihn auch als schnellen Puls, der sowohl rasend als auch pochend in Erscheinung treten kann. Nicht selten empfinden Betroffene dieses Gefühl bis in den Hals hinein.

Medizinisch determiniert ist die Tachykardie erst ab einem Plusschlag von über 100 Schlägen pro Minute. Bei der Sonderform des Herzrasens, der ventrikulären Tachykardie, entstammt die Ursache direkt den Herzkammern. In diesem Fall sollte rasch ein Arzt aufgesucht werden. Daneben gibt es die supraventrikuläre Tachykardie. Diese fühlt sich für den Patienten sehr unangenehm an, ist aber in der Regel ungefährlicher Natur. Hier ist die Ursache oberhalb der Herzkammern zu lokalisieren. Dennoch ist es ratsam bei Herzrasen, unabhängig von der Genese, den Hausarzt oder einen Kardiologen zu konsultieren.

In der Regel gilt Herzrasen als ein Symptom einer anderen, zugrundeliegenden, Erkrankung. Manchmal kann sie aber auch selbst eine Krankheit darstellen. Die gängigsten Gründe für Herzrasen sind jedoch meist profane Körperprozesse, wie Angst, Stress, Erregung, und Freude. Aber auch psychosomatische Ursachen können eine Tachykardie bedingen.

Ursachen

Herzrasen von über 100 Schlägen pro Minute sind in der Regel ganz natürlich. Besonders bei körperlicher Anstrengung und Sport ist diese Herzfrequenz schnell erreicht. Die Herzfrequenz bei Kleinkindern kann auch im Ruhezustand über 100 betragen, ohne dass dies krankhaft ist.

In den meisten Fällen ist Herzrasen ungefährlich und tritt bei Vorfreude, Aufregung oder in Stresssituationen auf. Nach einer Beruhigung verschwinden die Herzrasen jedoch wieder rasch.

Manchmal können Herzrasen bzw. ein schneller Herzschlag aber auch Anzeichen für eine weitergehende Krankheit sein, die in jedem Fall von einem Arzt untersucht werden sollte.

Besonders Erkrankungen des Herzes, wie Vorhofflimmern (siehe Koronare Herzkrankheit), Herzklappenerkrankungen, Herzmuskelerkrankungen oder Herzrhythmusstörung führen oft zu Herzrasen und sollten unbedingt klinisch diagnostierziert und behandelt werden. Hierbei wird das Herzklopfen bzw. Herzrasen durch das Herz selbst hervorgerufen, z.B. durch zusätzliche Leitungsbahnen, andere Störungen im Erregungsleitungssystem oder durch Durchblutungsstörungen im Herzmuskel.

Auch Krankheiten der Schilddrüse sowie Koffein, Nikotin und Medikamente können Herzrasen auslösen. Herzrasen bedingt durch eine Schilddrüsenüberfunktion wirken durch die Hormone bzw. Neurotransmitter auf das Erregungsleitungssystem oder den Herzmuskel ein. Weitere mögliche Ursachen für Herzrasen sind Bluthochdruck (Hypertonie), Blutdruckabfall, Unterzuckerung und Blutarmut (Anämie).

Ein spezieller Fall bei Herzrasen kann auch die angeborene bzw. vererbte Tachykardie sein. Hierbei kommt es zu einer gestörten Erregungsleitung am Herzen und kann durch eine Operation behandelt werden. Auch im Zuge von Angststörungen wird häufig Herzrasen beobachtet.

Herzrasen bzw. Herzklopfen können auch von weiteren Symptomen begleitet sein. Dazu gehören Schwindel, Herzstolpern, Benommenheit, Bewusstlosigkeit sowie Sprach- und Sehstörungen.

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Krankheiten mit diesem Symptom

Diagnose & Verlauf

Zu beachten ist, dass Herzrasen von über 100 Schlägen pro Minute normal ist. Besonders bei körperlicher Anstrengung ist diese Herzfrequenz schnell erreicht.

Die Ursache(n) von Herzrasen und ein möglicher Behandlungsbedarf werden durch einen Facharzt (z.B. ein Kardiologe) in verschiedenen Untersuchungsschritten diagnostiziert:

Zunächst erfragt der Mediziner in der Regel den Zeitpunkt eines erstmaligen Herzrasens, mögliche auslösende Situationen (bspw. Stress), Begleitbeschwerden, Vor- oder Grunderkrankungen (wie etwa Herzrhythmusstörungen) sowie aktuelle Medikamenteneinnahmen.

Weitere Untersuchungsschritte umfassen dann etwa Blutabnahmen, Puls- und Blutdruckmessungen sowie bei Bedarf EKGs (Elektrokardiogramme), Ultraschalluntersuchungen oder Röntgenaufnahmen.

Je nach Ursache des Herzrasens tritt Letzteres häufig plötzlich ein (oft unter Begleitung von Schwindel/Schweißausbrüchen). Körperlich bedingtes Herzrasen nimmt im Verlauf meist stetig zu oder besteht beständig fort, während psychische Ursachen sich oft in einem schubweisen Herzrasen äußern.

Diagnosedaten & Häufigkeit

Relative Häufigkeit je 100.000 Einwohner pro Bundesland (ICD-10: I47 Paroxysmale Tachykardie) (2015)
Quelle: GBE des Bundes (Diagnosedaten der Krankenhäuser)

Komplikationen

Ähnlich wie Erkrankungen des Kreislaufs und der Atemwege, verschlimmert sich auch das Herzrasen im Verlauf der Erkrankung. Da die Beschwerden nur in seltenen Fällen von selbst wieder verschwinden, kommt es zu einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes. Dazu kommen oft schwerwiegendere Probleme, die das Eingreifen eines Arztes notwendig machen.

Wird nicht rechtzeitig gehandelt, kann es etwa zu Schwindel und Schweißausbrüchen, einem Kreislaufzusammenbruch oder einem Herzinfarkt kommen. Körperlich bedingtes Herzrasen geht außerdem mit einer starken inneren Unruhe einher, bedingt durch den chronisch beschleunigten Puls und Begleitsymptome wie das bekannte Stechen im Bereich des Herzens und der Brust. Psychisch verursachtes Herzrasen tritt in Schüben auf, nimmt im Verlauf jedoch ebenfalls weiter zu. Der Verlauf ist zwar selten tödlich, allerdings schränken das schnell schlagende Herz und die Beschwerden, die damit einhergehen, die Lebensqualität mitunter stark ein.

Besonders belastend für die Betroffenen können Angstanfälle sein, die ihrerseits die Entstehung weiterer Krankheiten begünstigen. Bei einer frühzeitigen Diagnose ist ein beschleunigter Puls dagegen gut behandelbar. Die Beschwerden sind meist auf harmlosere Ursachen zurückzuführen und können diätische Maßnahmen und leichte Medikamente behandelt werden. Der Verlauf von Herzrasen hängt also maßgeblich davon ab, wann die Beschwerden erkannt werden und welche Ursachen ihnen zugrunde liegen. Bei der Behandlung selbst treten selten Komplikationen auf.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Herzrasen kann gutartig, aber auch bösartig sein. Auf jeden Fall sollte immer ein Arzt konsultiert werden.

Herzrasen als Symptom kann einen harmlosen, aber auch sehr ernsten Hintergrund haben. Sport, körperliches Arbeiten, Stress und Aufregung verursachen Herzrasen. Nach einiger Zeit legt es sich hier wieder von selbst. Anlass für einen Arztbesuch wäre hier erst dann gegeben, wenn das Herzrasen in solchen Situationen deutlich früher auftritt oder länger anhält als gewohnt.

Herzrasen kann aber auch an einer organischen Erkrankung liegen. Eine erhöhte Herzschlagfrequenz beziehungsweise Herzrasen laufen unter dem Fachbegriff Tachykardie. Medizinisch wird Herzrasen ab einer Schlagfrequenz von 150 Herzschlägen pro Minute aufwärts definiert.

Manche Menschen haben naturgemäß einen schnelleren Herzschlag. Häufig liegt dem Herzrasen allerdings eine Erkrankung zugrunde. Herzerkrankungen wie die Koronare Herzkrankheit sowie Erkrankungen des Herzmuskels oder der Herzklappen können ebenso Herzrasen verursachen wie eine Herzrhythmusstörung. Da das Herz quasi den Lebensmotor darstellt, sollte Herzrasen grundsätzlich ärztlich abgeklärt werden, sofern es hierfür keinen der Auslöser wie eingangs erwähnt gibt.

Außer am Herzen selbst kann die Ursache für Herzrasen an einer anderen Krankheit liegen. Vor allem hoher oder niedriger Blutdruck, Blutarmut, Unterzuckerung und eine Schilddrüsenüberfunktion sind häufig von Herzrasen begleitet. Herzrasen kann außerdem eine Wirkung von Koffein- und Nikotinkonsum sein sowie einer Medikamenteneinnahme. Sehstörungen, Schwindel, Benommenheit und Bewusstlosigkeit können Symptome von Herzrasen sein und Anlass für einen Arztbesuch.

Behandlung & Therapie

Zunächst einmal sollte, der Arzt herausfinden, ob es sich um harmloses Herzklopfen handelt oder ob die Ursachen krankheitsbedingt sind. Der Arzt wird dazu versuchen die Hintergründe der Herzrasen zu erfragen. Dabei geht er explizit auf familären Stress und berufliche Belastungen ein und erfragt auch potentielle Vorerkankungen und andere Beschwerden. Weiterhin lässt er sich Auskunft geben, welche Medikamente genommen werden und ob Herzrhythmusstörungen bzw. Herzstolpern vorkommen.

Danach wird in der Regel Blut abgenommen, Blutdruck und der Puls gemessen. Auch ein Elektrokardiogramm (EKG) wird durchgeführt. Sollten hierbei schon die Ursachen für das Herzklopfen erkennbar werden oder ist keine genaue Diagnose festzustellen, werden weitere Untersuchungen vorgenommen. Dazu gehören Langzeit EKG, Belastungs EKG, Ultraschalluntersuchung sowie eventuelle Langezeit Blutdruckmessung und Röntgenaufnahmen.

Stellt sich nun die Ursache für das Herzrasen heraus wird diese behandelt. Sind psychische Belastungen wie Stress die Ursache empfiehlt sich Entspannungsmaßnahmen und Stressvermeidung. Besonders das Autogene Training ist hierbei erfolgsversprechend. Auch natürliche Beruhigungsmittel, wie Baldrian, können unterstützend wirken. Sie sollten jedoch immer mit dem Bekämpfen des Stresses nur in Verbindung genommen werden und vom Arzt genemigt worden sein. Rauchen und viel Kaffee trinken sollte eingestellt werden.

Vorhofflimmern und Herzrhythmusstörungen sollten mit Medikamenten behandelt werden. Eventuell ist auch ein Herzschrittmacher angeraten. Bei Schilddrüsenüberfunktion ist diese zu behandeln, um das Herzklopfen zu beseitigen.

Aussicht & Prognose

Gutartiges Herzrasen kann der Patient meist selbst positiv beeinflussen, andernfalls kann eine medikamentöse Behandlung für Abhilfe sorgen. Bei der Behandlung bestimmter Formen der Tachykardie hat sich die Verabreichung von Betablockern bewehrt. Gleiches gilt für eine Verödung mittels Katheterablation. Ist das Herzrasen auf ein Flimmern des Herzvorhofs zurückzuführen, lässt sich der Herzschlag mithilfe von Betablockern oder Antiarrhythmika herabsetzen. Das erhöhte Thromboserisioko wird mit Blutgerinnungshemmern bekämpft.

Ist Kammerflimmern für das Herzrasen verantwortlich, besteht akute Lebensgefahr. Ein Defibrillator, der einen starken elektrischen Impuls aussendet, oder ein Faustschlag auf den Brustkorb können die hyperaktive Reizleitung unterbrechen und so wieder einen langsameren Herzschlag generieren. Der Patient muss sich in diesen Fällen in aller Regel zeitnah einem operativen Eingriff unterziehen.

Ist die Psyche der Auslöser für das Herzrasen, können Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine helfen, die dann allerdings meist langzeitig eingenommen werden müssen. Mit Hilfe von Entspannungstechniken wie Yoga oder autogenem Training kann der Patient lernen, in emotionalen Ausnahmesituationen gelassen zu bleiben. Er wird dann in Stresssituationen nicht mehr sofort mit Herzrasen reagieren.

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Vorbeugung

Herzrasen, die nicht krankhaft bedingt sind, kann man durch ein gesundes, stressfreies Leben mit viel Bewegung, frischer Luft, gesunder Ernährung und den Verzicht auf Rauchen und Alkohol gut vorbeugen. Vorbeugend ist ebenso das Autogene Training, welches nicht nur zur Beruhigung dient sondern auch insgesamt mehr Entspannung im Alltag bringen kann. Bei manchen Patienten, die an psychosomatischen Symptomen, wie dem Herzrasen leiden, hat die dauerhafte Einnahme von Baldriantinktur nachhaltig geholfen.

Das können Sie selbst tun

Bei plötzlichem Herzrasen kann eine leichte Massage am Hals zu einer Verbesserung der Symptome führen. Mit Zeige- und Mittelfinger werden an beiden Seiten des Halses jene Punkte sanft massiert, an denen der Puls der Halsschlagader zu spüren ist.

Dabei sollte der Patient sitzen oder liegen, denn durch die Massage kann nicht nur das Herzrasen verschwinden, sondern auch der Blutdruck sinken. Bei dem Vorgang wird der Karotissinusnerv an der inneren Halsschlagader stimuliert, dessen Druckrezeptoren für die Messung des Blutdrucks in der Arterie zuständig sind. Durch die Druckerhöhung werden elektrische Impulse an das Gehirn geleitet, worauf der Kreislauf mit der Drosselung der Herzfrequenz und dem Absinken des Blutdrucks reagiert.

Hilfreich kann auch das Zuhalten der Nase und des Mundes bei gleichzeitigem Ausatmen sein. Mediziner bezeichnen diese Methode als "Valsalva-Manöver", erforscht vom gleichnamigen italienischen Mediziner. Es kommt dabei zu einer starken Spannung im Bereich der Atem- und Bauchmuskulatur sowie zu erhöhtem Luftdruck in den Atemwegen. Die Folge ist ein geringeres Blutvolumen in der rechten Herzkammer, was zu einem niedrigeren Schlagvolumen führt. Das Verfahren darf nur zehn Sekunden lang durchgeführt werden, ansonsten droht ein Kreislaufkollaps. Allerdings sollte hierzu zuvor ein Arzt konsultiert werden.

Klagt der Patient häufig über Herzrasen, ist der Verzicht auf Kaffee und Nikotin ratsam. Zudem sollte Stress vermieden werden, stattdessen lohnen lange Spaziergänge in der freien Natur, sowie nach Absprache mit dem behandelnden Arzt viel Sport und Bewegung.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2015
  • Braun, J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Heidelberg 2013

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