Schilddrüsenüberfunktion

Letzte Aktualisierung am 25. September 2017 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) ist eine Störung der Funktion der Schilddrüse. Dabei kommt es aufgrund von diversen Ursachen zu einer erhöhten Bildung von Hormonen in der Schilddrüse. Diese Überversorgung durch die Hormone führt dann im Verlauf zu Beschwerden und Symptomen. Typisch für eine Schilddrüsenüberfunktion sind demnach Gewichtsabnahme, Haarausfall und starkes Schwitzen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Schilddrüsenüberfunktion?

Mit der Bezeichnung Schilddrüsenüberfunktion wird eine hohe Zentralisation von Schilddrüsenhormonen im Körper bezeichnet. Die wichtigste Hormondrüse im menschlichen Körper ist die Schilddrüse. Neben den Schilddrüsenhormonen Thyroxin und Trijodthyronin produziert sie ebenfalls Calcitonin.

Alle Schilddrüsenhormone sind jodhaltig und wirken zudem in fast allen körperlichen Zellen. Der Energiestoffwechsel wird durch diese Schilddrüsenhormone angeregt. Bildet die Schilddrüse vermehrt die Hormone Thyroxin und Trijodthyronin, erfolgt eine überschießende Hormonwirkung an den einzelnen Organen.

Die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) kann hier nicht mehr regulierend eingreifen. In diesem Fall wird von einer Schilddrüsenüberfunktion bzw. Hyperthyreose gesprochen.

Ursachen

Die Formen der Schilddrüsenüberfunktion haben in der Regel unterschiedliche Ursachen. Bei der Autoimmunerkrankung bildet das Immunsystem fälschlicherweise Antikörper, die zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen. Diese Autoimmunerkrankung wird in medizinischen Kreisen als Morbus Basedow bezeichnet. Frauen sind hierbei häufiger betroffen als Männer. Die genauen Ursachen dieser Schilddrüsenüberfunktion sind nicht bekannt. Jedoch wird vermutet, dass diese Form der Schilddrüsenüberfunktion vererbt werden kann.

Als weitere Form der Schilddrüsenüberfunktion ist die autonome Hyperthyreose zu nennen. Einer der häufigsten Gründe für diese Schilddrüsenüberfunktion ist ein Jodmangel. Dieser Mangel führt zu einer Vergrößerung der Schilddrüse und oft treten hier knotige Veränderungen auf, die Hormone ohne jegliche Kontrolle entstehen lassen. Bei dieser Art der Schilddrüsenüberfunktion kommt es also zu einer Verselbstständigung der Hormonproduktion. Die Steuerung und Kontrolle der Hirnanhangsdrüse entfällt hier.

Die eher seltenen Ursachen einer Schilddrüsenüberfunktion können zum Beispiel die Entzündung der Schilddrüse oder Tumore an der Hirnanhangsdrüse sein. Ebenso sind Unempfindlichkeiten gegen Schilddrüsenhormone oder die Einnahme von jodhaltigen Medikamenten die Schilddrüsenüberfunktion verursachen.

Morbus Basedow

Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung. Besonder auffällig sind hierbei die hervortretenden Augen, Herzrasen und eine vergrößerte Schilddrüse. Gründe für diese Autoimmunerkrankung sind vor allem genetische Ursachen, Infektionen durch Viren und äußere Einflüsse (z.B. Umweltbedingungen, Nahrung).

Warum die Schilddrüse aber vermehrt Hormone produziert ist noch nicht so genau erforscht. Man weiss bisher nur, dass Autoantikörper gebildet werden, die die Horme der Schilddrüse nachzuahmen versuchen.

Schilddrüsenautonomie

Eine gesunde Schilddrüse wird zu ihrer Hormonbildung vom Gehirn gesteuert. Bei einer Schilddrüsenautonomie findet diese Steuerung nicht mehr statt und die Schilddrüse verwaltet sich sozusagen selbstständig. Die häufigste Ursache dafür ist wiederum der Jodmangel. Nicht immer ist jedoch die ganze Schilddrüse davon betroffen. Auch einzelne Areale können von einer Schilddrüsenautonomie betroffen sein.

Typische Symptome & Anzeichen

Krankheitsverlauf

Der Verlauf ist abhängig von den Ursachen der Schilddrüsenüberfunktion. Morbus Basedow bildet sich meist selbst wieder zurück, kann aber auch nach einigen Jahren wieder erneut auftreten. Dennoch sollte in jedem Fall der Arzt konsultiert werden.

Die Schilddrüsenautonomie bildet sich nicht zurück und die Schilddrüse vergrössert sich immer mehr. Da hierbei eine lebensbedrohliche Situation entstehen kann ist eine soforte medizinische Behandlung notwendig. Hält die Überfunktion der Schilddrüse längere Zeit an, steigt das Risiko von Komplikationen. Diese können sich auch auf andere Körperregionen auswirken.

Komplikationen

Zu den häufigsten Folgeerscheinungen der Schilddrüsenüberfunktion zählt die Bildung eines Kropfes. Dabei handelt es sich um das Vergrößern der Schilddrüse. Wird der Kropf nicht medizinisch behandelt und wächst ungehindert weiter, drohen physische Beeinträchtigungen. Des Weiteren besteht die Gefahr, dass Knoten entstehen, die im Extremfall zu bösartigen Tumoren entarten. Deswegen müssen sie stets von einem Arzt untersucht werden.

Als schwerste Auswirkung der Schilddrüsenüberfunktion gilt die thyreotoxische Krise. Sie führt zu einer lebensgefährlichen Verschlimmerung der Hyperthyreose und macht sich mit Erbrechen, hohes Fieber, Durchfall, Schweißausbrüche, beschleunigten Pulsschlag, Unruhe und Muskelschwäche bemerkbar. Werden diese Beschwerden nicht behandelt, drohen weitere Komplikationen wie Verwirrtheit und Bewusstseinsstörungen.

Im schlimmsten Fall versagt das Kreislaufsystem des Patienten und er fällt in ein Koma. Aus diesem Grund stellt die thyreotoxische Krise eine lebensgefährliche Notfallsituation dar, sodass sofort eine intensivmedizinische Betreuung erfolgen muss. Die Ursachen für die thyreotoxische Krise sind unterschiedlich.

Meist entsteht sie aufgrund eines Übermaßes an Jod, wie zum Beispiel in Röntgenkontrastmittel. Weitere Gründe können zusätzliche Erkrankungen, Narkosen, ausgeprägte Infektionen oder Unfälle sein. Eine zusätzliche Folgeerscheinung der Hyperthyreose stellt der Schlaganfall dar, der aufgrund einer abrupt einsetzende Minderdurchblutung des Gehirns ausgelöst wird.

Behandlung & Therapie

In der Regel werden bei einer möglichen Schilddrüsenüberfunktion die Hormone im Blut bestimmt. Eine spätere Behandlung wird dann mit Medikamenten, die die vermehrte Hormomnbildung hemmen soll. Nicht selten wird auch eine Operation durchgeführt, bei der die Schilddrüse verkleinert wird und somit weniger Hormone gebildetet werden können. Auch eine Radiojodtherapie hat gute Erfolge gezeigt.

Je nach Form und Stärke der Schilddrüsenüberfunktion existieren verschiedene Behandlungsansätze. In der Regel sind alle Therapien gegen eine Schilddrüsenüberfunktion gut verträglich und bessern die entstehenden Symptome der Schilddrüsenüberfunktion wirkungsvoll. Durch die Gabe von Medikamenten, wie zum Beispiel Thyreostatika kann die übermäßige Schilddrüsenhormonproduktion gehemmt werden.

Durch Einnehmen der Thyreostatika bei einer Schilddrüsenüberfunktion beruhigt sich die Schilddrüsenfunktion und es kommt zu einer leichten Gewichtszunahme, die durch die Schilddrüsenüberfunktion verhindert war. In einigen Fällen werden dem Patienten bei einer Schilddrüsenüberfunktion Betablocker verordnet. Diese sollen unangenehme Symptome, wie zum Beispiel Zittern, Herzrasen, Ängste, etc. unterdrücken.

Infogramm zur Anatomie und Lage der Schilddrüse, sowie die Symptome bei Schilddrüsenüber- und Unterfunktion. Bild anklicken, um zu vergrößern.

In etwa ein bis zwei Monaten kann sich der Stoffwechsel normalisieren. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen bzw. Überprüfung der Schilddrüsenwerte sind sinnvoll.

Bei einer schweren Schilddrüsenüberfunktion oder im Falle einer nicht vorhandenen Wirkung der Thyreostatika können Bestrahlungen, Radiojodtherapien oder sogar Operationen notwendig sein. Bei der Radiojodtherapie erhält der Patient individuell dosiert eine Radiojod-Gelatinekapsel. Durch die ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit bleibt das Radiojod länger im Körper.

Wird bei einer Schilddrüsenüberfunktion die Radiojodtherapie angewendet, existieren hierfür spezielle Zentren oder Praxen, die diese Art der Therapie ausführen. In ganz besonders schweren Fällen einer Schilddrüsenüberfunktion kann ein operativer Eingriff empfohlen werden. Hier wird dann von einer Schilddrüsenresektion gesprochen. Kommt es bei einer Schilddrüsenüberfunktion zu einem operativen Eingriff, wird die Schilddrüse zum Teil oder ganz entfernt.

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Vorbeugung

Die Ursachen für eine Schilddrüsenüberfunktion sind nicht vorhersehbar. Daher sind vorbeugende Maßnahmen prinzipiell nicht vorhanden. Liegen die Ursachen der Überfunktion in einer Überdosierung durch Jod oder anderen Hormonen, sollte hier die genaue Menge überprüft und angepasst werden.

Da die Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) unterschiedliche Ursachen haben kann, gibt es nur begrenzt wirksame Maßnahmen zum Vorbeugen einer solchen Funktionsstörung.

Eine ausreichende Jodversorgung kann zur Vorbeugung einer Schilddrüsenüberfunktion sinnvoll sein. In der Regel ist dies die beste Prävention gegen Knotenbildungen oder dem hohen Schilddrüsenwachstum. Im Falle der Schilddrüsenüberfunktion Morbus Basedow existiert keine ausreichende Prävention.

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Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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