Angststörung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. Juli 2017
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Eine Angststörung, Angstneurose ist eine psychosomatische Erkrankung, bei der Betroffene vor allem von Angstattacken oder Panikattacken betroffen sind. Zumeist begleiten körperliche Symptome eine Angststörung, ohne das tatsächlich eine physische Erkrankung vorliegt.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Angststörung?

Angst ist ein natürliches Gefühl für Gefahr. Ist die Bedrohung vorbei, verschwindet auch die Angst. Als eine Störung wird der Zustand erst bezeichnet, wenn der Betroffene eine übermäßige Angstreaktion zeigt, ohne dafür einen objektiven Grund zu haben, die fast immer mit körperlichen Symptomen einhergehen. Früher auch Angstneurose genannt, gibt es unterschiedliche Formen der Angststörung.

Am bekanntesten sind so genannte Phobien, die sich auf bestimmte Objekte oder Situationen beziehen. Des Weiteren gibt es die Panikstörung, die sich in plötzlich auftretenden Angst- und Panikattacken äußert, ohne erkennbaren Grund. Bei der generalisierten Angststörung steht eher das Gefühl einer ständigen Bedrohung im Vordergrund. Die Betroffenen können nicht lokalisieren, woher die Angst kommt.

Ursachen

Die Ursachen der Angststörung sind bis heute noch nicht eindeutig geklärt. Viele Faktoren kommen zusammen, die erst gemeinsam und in Wechselwirkung die Krankheit auslösen. Es wird angenommen, dass eine der Ursachen innere Konflikte sind. Besonders in der Psychoanalyse konzentriert man sich darauf. Der Betroffene hat nicht gelernt, mit normaler Angst umzugehen. Experten verschiedener Fachrichtungen suchen und erforschen andere Ursachen.

Angststörungen und Depressionen können sich gegenseitig fördern. Ein depressiver Mensch, der sich über alles Sorgen macht, wird schnell an Zukunftsängsten leiden. Andererseits kann die Beeinträchtigung der Lebensqualität zu einer Angststörung führen.

Andere Ursachen können bestimmte Krankheiten sein, wie zum Beispiel eine Schilddrüsenfehlfunktion. Man geht auch davon aus, dass im Gehirn bestimmte Botenstoffe, so genannte Neurotransmitter, aus dem Gleichgewicht geraten sind. Angststörungen treten oft nach extremen Belastungen oder nach dem Genuss bestimmter Substanzen auf, wie Drogen, Koffein oder Alkohol.

Typische Symptome & Anzeichen

Krankheitsverlauf

Der Krankheitsverlauf hängt davon ab, um welche Form der Angststörung es sich handelt. Unbehandelt besteht die Erkrankung oft über Jahre oder Jahrzehnte, wobei sich Phasen mit heftigen und weniger starken Symptomen abwechseln. Nur in seltenen Fällen kommt es zu einer „spontanen Heilung“ der Angststörung (bei Panikstörungen betrifft dies ca. 10 - 30% der Betroffenen).

Wo es möglich ist, meidet der Betroffene die angstauslösende Situation. Bei der generalisierten Angststörung ist dies natürlich nicht möglich. Solche Patienten entwickeln oft Begleiterkrankungen, die psychosomatisch bedingt sind. Häufig gehören Magen-Darm-Erkrankung dazu.

Viele Angststörungen gehen mit Vermeidungsverhalten einher. Daraus können sich soziale Komplikationen ergeben, die möglicherweise rückkoppelnd zur Verschlechterung der Angststörung beitragen. Beispiele dafür sind Spott, Mobbing, Unverständnis und fehlende Geduld von engen Angehörigen.

Im Verlauf einer Angststörung kann es zur Agoraphobie kommen. Betroffene meiden dann Plätze und Situationen, in denen sie in einem Notfall nur erschwert Zugang zu Hilfe hätten. Die Angst kann außerdem dazu führen, dass sich Betroffene in ihre Wohnung zurückziehen und das Haus nicht mehr verlassen – oder sie nur noch geringe Strecken zurücklegen, zum Beispiel zum nächsten Supermarkt oder zur Bank. Je nach Art der Angststörung kann die Vermeidung sich auf viele Lebensbereiche ausweiten. Auch berufliche Einschränkungen sind möglich.

Im Rahmen einer Psychotherapie ist es notwendig, die Ängste und Sorgen zu besprechen und sich ihnen in einem geschützten Rahmen auszusetzen. Diese Konfrontation stellt für viele Patienten eine Belastung dar und kann die Therapiemotivation beeinträchtigen.

Komplikationen

Darüber hinaus können Angststörungen mit verschiedenen anderen psychischen Beschwerden einhergehen. Viele Menschen, die unter einer Generalisierten Angststörung (GAS) leiden, suchen erst spät Hilfe. Dadurch entwickelt sich bei der Mehrheit der GAS-Patienten eine weitere psychische Erkrankung. Dafür kommen unterschiedliche psychische Störungen in Frage.

Häufig sind zum Beispiel weitere Angststörungen, Depressionen und Schlafstörungen. Weitere Komplikationen können durch Selbstmedikation, Drogen, Alkohol, problematisches Essverhalten und andere Versuche, die Angst eigenständig zu bewältigen, entstehen.

Ab wann sollte man zum Arzt gehen?

Da eine Angststörung die Lebensqualität des Patienten gravierend verschlechtern kann, ist der Besuch beim Arzt vor allem bei einem schweren Verlauf empfehlenswert. Vor allem wenn angstauslösende Situationen im Lebensalltag nicht mehr vermieden werden können, sollte der Gang zum Arzt unbedingt vollzogen werden. Die typischen Symptome einer Angststörung, wie zum Beispiel Atemnot, Herzrasen und innere Anspannung, bringen den Körper des Patienten in einen Alarmzustand und gefährden so auch die physische Gesundheit.

Wenn sich neben den belastenden seelischen Zuständen, wie Hilflosigkeit und Angst, auch körperliche Schmerzzustände und weitere körperliche Symptome bemerkbar machen, sollte der Arzt eine umfassende Untersuchung des Patienten durchführen. So kann einer eventuell hinter der Symptomatik liegenden körperlichen Ursache auf den Grund gegangen werden. Wenn die Angststörung nur in mildem Ausmaß auftritt und mit keinerlei Einschränkungen für das alltägliche Leben einhergeht, muss der Patient selbst entscheiden, ob er einen Besuch beim Arzt für sinnvoll hält.

Die erste Anlaufstelle kann bei einer Angststörung der Hausarzt sein, der dann eine Überweisung an die Spezialisten schreiben kann. Zur Behandlung einer Angststörung empfiehlt sich der Besuch eines Psychiaters, der bei Notwendigkeit auch Medikamente verschreiben kann. Bei einem milderen Verlauf empfiehlt sich die alleinige Behandlung mittels Gesprächstherapie, die meist von einem Psychologen durchgeführt wird.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der Angststörung beruht auf zwei Säulen. Zum einen werden Medikamente eingesetzt, die eine sofortige Linderung verschaffen. Das können Antidepressiva sein, die die Botenstoffe im Gehirn wieder ins Gleichgewicht bringen sollen und angstlösend wirken. Benzodiazepine sind Psychopharmaka, die bei Spannungs-und Angstzuständen eingesetzt werden. Sie wirken dämpfend, entspannend und krampflösend und weitaus schneller als Antidepressiva.

Jedoch kann es schnell zu einer Abhängigkeit kommen, weshalb sie nur vorsichtig verschrieben werden. Andere Medikamente für die Behandlung von Angststörungen können Johanniskrautpräparate, Neuroleptika oder Betablocker sein. Um längerfristig eine Verbesserung zu erzielen, werden psychotherapeutische Maßnahmen durchgeführt, da die Angststörung häufig psychische Ursachen hat. Für spezielle Phobien bietet sich eine Konfrontationstherapie an, in der der Betroffene mit Hilfe des Therapeuten lernt, die Situation auszuhalten.

Bei einer generalisierten Angststörung wird häufig eine kognitive Therapie angewandt. Der Patient soll lernen, seine Denkmuster, die zu der Angststörung führen, zu erkennen und zu korrigieren. Dazu gehört noch das Erlernen von Entspannungstechniken als Hilfe zur Selbsthilfe.

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Vorbeugung

Angststörungen lassen sich nicht direkt vorbeugen. Allerdings helfen Entspannungstechniken, wie Autogenes Training, viele Alltagsprobleme besser zu meistern und somit weniger Angst vor Situationen zu entfalten. Ebenso helfen Kräuterextrakte, wie Johanniskraut, Baldrian und Melisse.

Das können Sie selbst tun

Eine Angststörung gehört zu den Erkrankungen, in denen Betroffene aktiv an einer Verbesserung oder gar Beseitigung der Symptome mitarbeiten können. Dies ist im Rahmen der Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe, aber auch alleine möglich.

Bei der Angststörung stehen vielfach körperliche Symptome wie Herzrasen oder Schwindelattacken im Vordergrund, die die Patienten auf den Gedanken bringen schwer krank zu sein. Nach einer ärztlichen Abklärung ist es wichtig, auf die Diagnose Angststörung zu vertrauen und nicht ständig nach weiteren organischen Ursachen zu suchen. Oft führt die Angststörung zu einem Vermeidungsverhalten im Hinblick auf Situationen, in denen die unangenehmen Symptome aufgetreten sind. Es ist wichtig, über die bewusste Konfrontation mit diesen angstauslösenden Situationen wieder neu zu lernen, dass die Angst unbegründet ist und nichts Schlimmes passiert. Dies können Betroffene allein üben, indem sie beispielsweise mit für sie eher leichten Konfrontationen anfangen und Schritt für Schritt Selbstvertrauen wiederfinden.

Zudem können Patienten mit einer Angststörung an ihrer inneren Ausgeglichenheit arbeiten, indem sie regelmäßig Ausdauersport betreiben oder eine der vielen Entspannungsformen wie die Progressive Muskelrelaxation oder das Autogene Training erlernen. Auch regelmäßiges Yoga kann hier einen wertvollen Beitrag leisten, weil es dabei hilft, den Atemfluss zu regulieren, und über Meditation und Tiefenentspannung für mehr Ruhe und Gelassenheit zu sorgen.

Bücher über Angststörungen

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Möller, H.-J.: Therapie psychischer Erkrankungen. Thieme, Stuttgart 2006
  • Schneider, D., Richling, F.: Checkliste Arzneimittel A-Z. Thieme, Stuttgart 2013

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Dolor 13 kommentierte am 12.09.2013 um 13:58 Uhr

ich habe nach einigen Fußoperationen im Zeitraum von 2006 bis heute mit zunehmenden Einschränkungen und sich steigernden Schmerzen ab ca. April 2013 eine Angststörung entwickelt. Ich war immer ein Mensch, der sich gerne bewegt hat und darüber auch Stress abbauen konnte. Seit mir diese Möglichkeit genommen ist, leide ich unter permanenter Unruhe. Obwohl ich ein starkes Schmerzmedikament einnehme, kann ich die Schmerzen allenfalls lindern. Das ist ein Teifelskreis.

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