Autogenes Training

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. September 2017
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Dieser Artikel beschreibt die Entspannungstechnik Autogenes Training, die auch als Autosuggestion bekannt ist. Ursprünglich wurde das Autogene Training in der Psychotherapie eingesetzt, um eine Verbesserung der psychischen und physischen Lebensqualität zu erlangen. Unter diesem Aspekt gilt das Autogene Training auch als konzentrative Selbstentspannung. Geist und Körper arbeiten dabei zusammen und versuchen durch die Techniken des Autogenen Training Ruhe und Entspannung herzustellen.

Inhaltsverzeichnis

Funktionelle Störungen des Körpers & Geistes

Wie jede Wissenschaft ordnet auch die Medizin die vielfältigen Erkrankungen in kleinere und größere Gruppen. So fasst der Arzt Krankheiten, die durch Kleinstlebewesen, Bakterien oder Viren hervorgerufen werden und übertragbar sind, als Infektionskrankheiten zusammen. Eine andere Gruppe umfasst beispielsweise die Geschwülste, eine weitere Verletzungen und so weiter. Im Gegensatz zu diesen organischen Erkrankungen stehen die sogenannten funktionellen Störungen. Der Unterschied gegenüber den organischen Erkrankungen besteht darin, dass bei den letzteren die kleinsten Bausteine, die Zellen, in Mitleidenschaft gezogen sind, bei den funktionellen Leiden dagegen die Tätigkeit, die Funktion, meist noch ohne wesentliche Veränderung der Zellstruktur, beeinträchtigt ist.

Die Ursache für die Funktionsstörungen liegt in einer zeitweise fehlerhaft gesteuerten Tätigkeit der einzelnen Organe. Diese Regulierung erfolgt durch das Nervensystem mit seinen Steuerinstanzen und den mehrere hundert Kilometer langen Nervenbahnen. Die oberste Regelinstanz ist dabei das Gehirn. Hier werden sowohl die Reize aus der Außenwelt durch die Sinnesorgane als auch Temperatur-, Schmerz- und Lageempfindungen aus der Körpersphäre aufgenommen, analysiert und in geeignete Impulse umgesetzt.

Das sehr feine Zusammenspiel der einzelnen Organe und Organteile mit der Umwelt kann gestört sein. Dieser Zustand äußert sich in Erscheinungen wie Schlaflosigkeit, Beklemmungsgefühlen in der Brust oder Herzgegend, in Kreislaufstörungen und anderem, gegebenenfalls auch in vorwiegend psychischen Beschwerden, wie Angst vor dem Erröten, Angst, die Straße zu überqueren, Angst in engen Räumen, Grübelsucht oder niedergedrückter Stimmung.

Autogenes Training als psychotherapeutische Behandlung

Diese Krankheiten können unter anderem mit psychotherapeutischen Verfahren behandelt werden. Eine dieser Behandlungsarten ist das autogene Training. Von der Erkenntnis ausgehend, dass funktionelle Störungen durch Konfliktsituationen im zentralen Nervensystem entstehen, kommt es darauf an, dem Nervensystem und dem ganzen Organismus wieder zu einer zweckentsprechenden Regulationstätigkeit zu verhelfen. Auch beim gesunden Menschen sinkt die Kraft im Verlauf des Tages ab. Durch den Schlaf wird sie aber wieder vollständig regeneriert. Zum bildhaften Vergleich kann hier an die Stromentnahme aus einer Batterie und deren anschließendes Wiederaufladen gedacht werden, ohne dass dieser Vergleich die tatsächlichen Vorgänge richtig widerspiegelt.

Leidet ein Mensch unter Schlafstörungen, so wird die Reabtionsbereitschaft seines Nervensystems nur mangelhaft aufgefrischt. Schläft man allerdings nur gelegentlich einmal schlecht ein oder wacht man nachts auf, so ist das nicht weiter schlimm. Anders jedoch bei lang anhaltenden Schlafstörungen. In vielen dieser Fälle hilft das autogene Training. Es dient sowohl dazu, dem erschöpften Nervensystem die fehlende Ruhe zu geben, als auch einen gesunden Wechsel von anspannender Tätigkeit und entspannender, erholsamer Ruhe zu schaffen, um der Erschöpfung vorzubeugen.

Funktionsweise

Beim Autogenen Training arbeiten Geist und Körper zusammen und versuchen durch Techniken Ruhe und Entspannung herzustellen.

Worauf basiert nun diese Methode? Sie geht von den Erfahrungen aus, die bei der Hypnose gewonnen werden konnten. In der Hypnose versetzt der Arzt den Patienten durch beruhigende Worte in einen schlafähnlichen Zustand. Die Muskeln entspannen sich, die Arme und Beine werden schwerer als sonst empfunden, die Durchblutung ist gleichmäßig und verstärkt, was als wohltuende Wärme empfunden wird. Da die Hypnose einen schlafähnlichen Zustand darstellt, beobachtet man unter ihrer Wirkung auch eine ruhigere und langsamere Atemfolge. Das Herz schlägt ruhiger. Während des Schlafes sind die meisten Gebiete des Gehirns zur Ruhe gekommen. So dringen Umweltreize nicht mehr an den tief Schlafenden heran. Nur die lebensnotwendigen Zentren, die zur Aufrechterhaltung der Atmung, des Kreislaufs, der Herztätigkeit dienen, arbeiten mit "Sparflammenschaltung" weiter.

Dass es möglich ist, diese schlafähnlichen Veränderungen in der Hypnose durch beruhigende Worte des Arztes herbeizuführen, erklärt sich aus der Einheit aller Lebensprozesse eines Organismus.

Zur Erläuterung zwei Beispiele: Wenn wir in einem Restaurant hungrig die Speisekarte studieren, geschieht es häufig, dass uns der Speichel vermehrt im Munde zusammenläuft. Die geschriebenen Worte erregen in unserem Gehirn die gleichen Zellen wie die Speisen selbst, wodurch die vermehrte Speichelabgabe entsteht. Der gleiche Prozeß lässt sich durch reine Vorstellung auslösen. Wenn wir sehr intensiv daran denken, in eine Zitrone zu beißen, erleben wir als Folge davon Speichelbildung. Intensive Vorstellung löst also körperliche Erscheinungen aus.

Während der Arzt dem Patienten bei der Hypnose die Vorstellungen suggeriert, ist der Übende beim autogenen Training Arzt und Patient in einer Person. Er selbst schafft sich die entsprechenden Vorstellungen, so dass sie für ihn bildhaft werden und er sie zur gleichem Zeit erlebt. Das Ziel des autogenen Trainings ist, wie bereits beschrieben, die Erholung des Nervensystems. Der Weg dazu führt über die körperliche Entspannung. Als Behandlungsverfahren gehört das autogene Training in die Hand des erfahrenen Arztes und Psychotherapeuten, der es erst dann anwendet, wenn sich nach gründlicher Untersuchung ergeben hat, dass der Patient dafür geeignet ist.

Wir möchten deshalb vom "Selbstprobieren" ohne ärztliche Anleitung und Kontrolle dringend abraten. Zweifler an der Wirksamkeit dieser Behandlungsmethode wenden fast immer ein, dass es sich dabei nur um ein eingebildetes Erleben handeln könne, bei dem sich in Wirklichkeit im Körper nichts verändert. Durch exakte wissenschaftliche Untersuchungen konnte jedoch eindeutig bewiesen werden, dass eine echte körperliche Umschaltung eintritt, die sich unter anderem im Absinken der Muskelaktionsströme nachweisen lässt.

Noch deutlicher wird die Umschaltung beim Wärmeerlebnis durch die Vortsellung, dass der rechte Arm und später der ganze Körper warm seien, wobei eine stärkere Durchblutung erfolgt, die im Ansteigen der Hauttemperatur deutlich zu erkennen ist. Wegen des wichtigen Einwandes sei jedoch noch eine weitere Erscheinung angeführt, die wahrscheinlich jeder schon an sich beobachten konnte, das Erlebnis der Angst. Hat jemand das Gefühl intensiver Angst, reagiert der Körper gleichzeitig mit Verengung der Blutgefäße. Die Haut wird blass, die Pupillen weiten sich, die Hände beginnen mehr oder weniger stark zu zittern, die Poren sondern vermehrt Schweiß ab.

Gelingt es dem Betreffenden, die Angst zu überwinden, verlieren sich die körperlichen Erscheinungen nach einer Zeit. Andererseits verliert sich aber auch die Angst, zumindest wird sie wesentlich abgeschwächt, wenn die körperlichen Erscheinungen gedämpft oder verdrängt werden können.

Die Zeitspanne in der die Übung des autogenen Trainings erlernt werden, ist sehr unterschiedlich. Sie hängt von Art und Dauer der funktionellen Störungen ab, die zu beseitigen sind. Vor allem aber von der Eigenart des Betreffenden und von der Intensität des Übens. Autogenes Training ist, wie der Name sagt, ein Training.

Im Prinzip sind für die Behandlung mit dieser Methode alle funktionellen Störungen geeignet. Dazu gehören die anfangs erwähnten Schlafstörungen, Herzbeschwerden (z.B. Herzneurose, psychosomatische Herzrhythmusstörungen und Herzstolpern sowie Herzrasen), Atembeklemmungen, Kopfschmerzen, Kreislaufstörungen aber auch Angstzustände (z.B. Angststörung, Panikattacken) und Konzentrationsstörungen, soweit sie nicht durch andere psychotherapeutische oder medizinische Verfahren behandelt werden müssen.

Das autogene Training dient nicht nur dazu, bereits aufgetretene Störungen zu beseitigen, es beugt ebensogut als Mittel der Prophylaxe Erschöpfungszuständen (z.B. Burnout-Syndrom) vor. Darüber hinaus bietet es dem Gesunden die Möglichkeit, durch wohldosierte Entspannungspausen seine allgemeine körperliche und geistige Leistungsfähigkeit zu steigern.

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Bücher über Autogenes Training

Quellen

  • Federspiel, F., Herbst, V.: Die andere Medizin. Stiftung Warentest, Berlin 2005
  • Kraft, K., Stange, R. (Hrsg): Lehrbuch Naturheilverfahren. Hippokrates, Stuttgart 2010
  • Möller, H.-J. (Hrsg.): Therapie psychischer Erkrankungen. Thieme, Stuttgart 2006

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