Kaffee
Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Friedrich (Facharzt für Innere Medizin)Anzeige
Manch einer trinkt nur ab und zu eine Tasse Kaffee (auch Café), andere kommen ohne ihren täglichen Mokka oder Espresso nicht aus. Die einen regt er an, die anderen auf. Widerstrebende Meinungen herrschen über Wirkung und Verträglichkeit des duftenden Gebräus. Die Einwände sind so alt wie der Kaffee in Europa bekannt ist. Bestehen sie zu Recht?
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Symptome nach übermäßigem Kaffeegenuss
Mindestens dreimal am Tag brauchen die Betreffenden ihren Kaffee, um einigermaßen fit und arbeitsfähig zu sein, so behaupten sie. Ohne Zweifel hat Kaffee eine anregende Wirkung. Diese Erfahrung wurde schon vor Jahrhunderten gemacht. Man sammelte nicht nur die Teeblätter in Asien, die Bohnen des Kakaobaums in Amerika und die Blätter vom Paraguay-Tee, sondern auch die Früchte des Kaffeestrauchs in Afrika. Außer dem Koffein sind im Kaffee noch andere Stoffe enthalten, die, obwohl sie eine ganz andere Struktur aufweisen, den Körper beleben.
Wirkung von Kaffee und Koffein
Vergleicht man jedoch die Wirkung einer Tasse Kaffee mit der einer Koffeintablette, den gleichen Gehalt von 0,1 Gramm Koffein vorausgesetzt, fällt ein Unterschied auf. Das Kaffeetrinken muss also noch andere Wirkungsmechanismen im Körper auslösen. Trinken wir eine Tasse Kaffee, spüren wir, wie wir angeregt werden. Je öfter sich dieser Vorgang wiederholt, desto fester wird die Erinnerung an die Begleiterscheinungen. Die Erinnerung wird schließlich zu einem Reflex, das heisst, auf dem Nervenweg kommt es zum gleichen Effekt, bevor der Stoff in unserem Körper überhaupt wirksam werden kann. So fühlen wir uns schon belebt, wenn wir den Kaffeeduft nur einatmen.
Positive Effekte von Kaffee-Trinken
An die angenehmen Begleitumstände, die bis zur Kaffeehausatmosphäre reichen, erinnern wir uns, wenn eine Tasse köstlichen Kaffees vor uns steht, ganz gleich, ob uns diese Erinnerung bewusst wird oder nicht. Ganz andere Gefühle stellen sich ein, wenn wir eine Tablette nehmen. Unwillkürlich taucht der Gedanke an Kopfschmerzen oder Migräne auf. Keineswegs ist dies ein lustbetonter, allenfalls ein farbloser Vorgang. Die pharmakologischen Reaktionen, die das Koffein hervorruft, sowie der bedingt reflektorische Mechanismus ergeben also eine sehr komplexe Wirkung beim Kaffeetrinken.
Aber noch ein Faktor kommt hinzu. Der Ablauf biologischer Reaktionen in unserem Körper ist von der Ausgangslage des Nervensystems abhängig. Die Reaktionsbereitschaft unseres Nervensystems schwankt zwischen zwei Polen, dem Zustand der Wachheit und Leistungsfähigkeit und der Ruhelage, dem Schlaf. Aber nicht nur im Zwölf-Stunden-Rhythmus von Tag und Nacht schwankt unser Körper zwischen diesen beiden Einstellungen, auch im Laufe des Tages kommt es zu kaum bewusst werdenden Schwankungen, die einmal als vorübergehende Müdigkeit, einmal als besondere Leistungsspitze registriert werden. Von dieser Ausgangslage sind nun die Wirkungen aller Stoffe im Organismus in gewisser Weise abhängig.
Man kann annehmen, dass der Kaffee, am Morgen genossen, andere Mechanismen in der Körperregulation auslöst als am Abend. So wird derjenige, der langsam erwacht und nur mühsam in Gang kommt, durch Kaffee besonders belebt werden. Wer sich ohnehin schnell im leistungsbereiten Zustand befindet, wird durch Kaffeegenuss frühzeitig ermüden, weil er unökonomisch mit seinen Kräften umgeht. Und am Abend? Der Lebhafte wird nicht zur Ruhe kommen, weil er überreizt ist. Der Ruhige wird dagegen zu nochmaliger Leistung angeregt, ohne dass er sich dabei verausgabt. So lässt sich erklären, warum so viele Menschen am späten Nachmittag keinen Kaffee mehr vertragen, und dass man vom Kaffee müde werden kann, was von der Kaffeerunde immer ungläubig vermerkt wird.
Nebenwirkungen und Schäden durch Kaffee-Trinken
Hier ist unser Körper mit einem Ofen zu vergleichen, der zuviel Zug bekommt. Die Energie wird unökonomisch verbrannt, und die Kraftvorräte nehmen zu schnell ab. Darf man nun Kaffee anbieten? Wer darf ihn trinken, und für wen ist er schädlich? Die Antwort ist eigentlich leicht, denn jeder, der es versteht, ihn in Maßen und mit Genuss zu trinken, wird ihn vertragen. Das Maßhalten ist dabei das Wichtigste. Der Kaffee darf kein Antriebsmittel zu vermehrter Arbeit, zum Aufpushen sein, besonders des Nachts nicht. Er darf keine Peitsche werden, mit der wir unserem Körper immer mehr Leistung abverlangen, ohne an seine Reserven zu denken.
Damit soll jedoch nichts gesagt sein gegen ein Tässchen Kaffee nach dem Mittagessen, um die Lebensgeister wieder zu wecken. Unter bestimmten Voraussetzungen können auch Herzkranke Kaffee trinken; nämlich dann, wenn dadurch die Ökonomie der Herzarbeit gefördert wird. Da der Kaffee die Arbeit der Nieren fördert, kommt es zu vermehrter Wasserausscheidung, was beim Herzkranken ja erreicht werden soll. Außerdem ruft er eine bessere Durchblutung des Herzens, aber auch des Gehirns hervor und wirkt dadurch wie ein Medikament. Es ist jedoch ratsam, mit dem Arzt darüber zu sprechen. Das gilt auch für Patienten mit erhöhtem Blutdruck. Bei ihnen können die Anregung der Hirntätigkeit und die bessere Durchblutung sehr erwünscht sein und viele Beschwerden lindern. Auch bei zu niedrigem Blutdruck mindert Kaffee die Beschwerden.
Auf die Dauer kann aber das künstliche Anregungsmittel nicht helfen. Es muss vielmehr versucht werden, die Ursache der Erkrankung zu ergründen. Und wie steht es mit einer Tasse Kaffee, wenn man schon zur älteren Generation gehört? Zweifellos ist sie in diesem Lebensabschnitt eine Hilfe für den Kreislauf. Man muss aber berücksichtigen, dass die Gefahr, sich über die eigenen Kräfte zu täuschen und sich dadurch zu überanstrengen, im Alter besonders gross ist. Es sei noch hervorgehoben, dass alte Menschen, die unter Schlafstörungen leiden, dem mit einer Tasse Kaffee abhelfen können.
Im allgemeinen empfindet man bereits die vermehrte Magensaftproduktion als unangenehm, Aufstoßen und Sodbrennen melden sich. Jeder, der einen empfindlichen Magen hat, sollte das beachten. Da der Kaffee Röstprodukte enthält, die die Gallenblase ebenfalls reizen, sollte auch der Gallenkranke den Kaffee meiden. Wer sich gut beobachten kann, hat sicher eigene Erfahrungen gemacht und richtet sich danach.
Sicher ist es also übertrieben, den Kaffee als ein Übel unserer Zeit zu bezeichnen. Zwar wird er zu den Genussmitteln wie Tabak und Alkohol gezählt, aber die echte Giftwirkung fehlt ihm, und wird er in Maßen genossen, überwiegen die Vorzüge.
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Weblinks
Quellen: Herold, G.: Innere Medizin, Köln 2012; Andreae, S.: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Stuttgart 2008; Ruß A., Endres S.: Arzneimittel pocket plus 2012, Grünwald 2012, Greten H., Rinninger F.: Innere Medizin, Stuttgart 2010.
Von Dr. med. Albrecht Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin).
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