Struma (Kropf, Schilddrüsenvergrößerung)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. Oktober 2017
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Fast jeder zweite Deutsche leidet unter einer Vergrößerung der Schilddrüse, dem relativ unscheinbaren schmetterlingsförmigen Organ über der Luftröhre. Dabei sind die Gründe für eine Struma oder Kropf vielfältig und manchmal sogar vermeidbar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Struma (Kropf)?

Als Kropf - oder lateinisch Struma - bezeichnet man die Vergrößerung der Schilddrüse. Je nach Grad der Vergrößerung, wird die Struma in drei Kategorien eingeteilt:

Bei Grad 0 kann die Vergrößerung der Schilddrüse nur per Ultraschall festgestellt werden.

Grad I bedeutet, die Schilddrüse ist tastbar vergrößert.

Die Einstufung in Grad II weist darauf hin, dass die Schilddrüsenvergrößerung nicht nur zu ertasten, sondern der Kropf auch deutlich zu sehen ist.


Oft kann eine Struma auch entstehen, ohne dass eine Störung in der Schilddrüsenhormonproduktion vorliegt. Das ist der häufigste Fall, dann spricht man von einer euthyreoten Struma. In selteneren Fällen produziert die Schilddrüse entweder mehr Hormone, was als hyperthyreote Struma bezeichnet wird, oder bildet zu wenige Hormone, so dass von einer hypothyreoten Struma die Rede ist.

Die Struma kann sich gleichmäßig vergrößern (Struma diffusa) oder stellenweise Knoten bilden (Struma nodosa), was eine unregelmäßige Verformung der Schilddrüse zur Folge hat. Je nachdem ob sich ein oder mehrere Knoten gebildet haben, unterscheidet man die Begriffe Struma uninodosa sowie Struma multinodosa.

Ursachen

Die Ursachen für eine Schilddrüsenvergrößerung (Struma) können sehr unterschiedlich sein. Jedoch handelt es sich in 90 Prozent der Fälle um einen ernährungsbedingten Jodmangel.

Andere Gründe für für eine Kropfbildung können Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise Morbus Basedow, Hashimoto-Thyreoiditis oder aber auch strumigene – also eine Struma fördernde – Substanzen wie Lithium, Nitrate oder Thyreostatika sein.

Auch Zysten oder Tumoren können eine Struma hervorrufen. In einigen wenigen Fällen werden im Zuge dessen auch andere Organe und Gewebe von Metastasen befallen. Weitaus seltenere Ursachen einer Struma sind gutartige Tumoren der Hirnanhangsdrüse, aber auch Störungen der Schilddrüsenhormonsynthese sowie Erkrankungen wie Sarkoidose oder Amyloidose. In Verdacht, eine Struma zu fördern, stehen außerdem das Rauchen und der Mangel an Selen.

Symptome & Krankheitsverlauf

Schematische Darstellung zur Anatomie bei Schilddrüsenvergrößerung bzw. Kropf. Klicken, um zu vergrößern.
Infogramm zur Anatomie und Lage der Schilddrüse, sowie die Symptome bei Schilddrüsenüber- und Unterfunktion. Bild anklicken, um zu vergrößern.

Der Verlauf von Schilddrüsenerkrankungen ist oft recht unauffällig. Vorerst verursacht eine ernährungsbedingte Struma keinerlei Beschwerden. Erst die sichtbare Struma mit Luftnot bei erhöhter Belastung oder dem Abknicken des Kopfes sowie ein Druckgefühl beim Schlucken lassen eine Erkrankung erahnen.

Größere Strumen können so genannte „Kropfherzen“ bilden, das heißt, der Kropf entwickelt sich in Richtung Brustbein und sorgt so für eine spürbare Verengung der Luftröhre. Die Folgen sind pfeifende Atemgeräusche, Atemnot und Heiserkeit.

Andere Krankheitsbilder entstehen durch Knotenbildung. Die meisten Schilddrüsenknoten sind gutartiger Natur. Allerdings unterscheidet man kalte von heißen Knoten: Während heiße Knoten praktisch nie bösartig sind, stellen sich vereinzelte kalte Knoten bei guter Jodversorgung oft als Schilddrüsenkarzinome heraus.

Komplikationen

Eine Struma, die aufgrund von Jodmangel ausgelöst wurde, ruft keine merklichen Komplikationen hervor. Bei größeren Strumen kann der Druck auf die Luft- und Speiseröhre unter anderem Schluckbeschwerden, Luftnot und ein unangenehmes Druck- und Kloßgefühl hervorrufen. Dehnt sich der Kropf weiter aus, verengt sich die Luftröhre und die Atemnot nimmt zu.

Aufgrund der Luftnot und den Druck auf die Blutgefäße wird zudem das rechte Herz belastet – es bildet sich ein Kropfherz. In der Schilddrüse kann eine Struma Knoten hervorrufen, die sich im schlimmsten Fall entzünden und zu einer Sepsis führen. Bei der operativen Entfernung eines Strumas können ebenfalls Komplikationen auftreten. So kann es zu Nachblutungen, Wundheilungsstörungen und Infektionen des Operationsgebietes kommen.

Außerdem können sichtbare Narben entstehen. Werden wichtige Nerven geschädigt, kann es zu Heiserkeit und Atemnot kommen, unter Umständen muss der Patient künstlich beatmet werden. Eine Schilddrüsen-Operation kann zudem die Funktion der Nebenschilddrüsen beeinträchtigen. Dadurch gerät der Kalziumspiegel aus dem Gleichgewicht und es kommt zu unterschiedlichen Komplikationen. Zuletzt können verordnete Schmerz- und Betäubungsmittel Neben- und Wechselwirkungen hervorrufen oder allergische Reaktionen beim Patienten auslösen.

Behandlung & Therapie

Für die Behandlung einer Struma gibt es drei Möglichkeiten. Soll zum Beispiel eine Schilddrüsenvergrößerung gehemmt oder vermindert werden, ist eine medikamentöse Therapie möglich. Die Verkleinerung des Schilddrüsenvolumens kann durch die Verabreichung von jeweils Levothyroxin oder Jod erzielt werden oder aber einer Kombinationstherapie, in der die Vorzüge beider Wirkstoffe genutzt werden.

Bei einer Schilddrüsenautonomie oder Erkrankungen wie Krebs oder Morbus Basedow kommt eine Radiojodtherapie zum Einsatz. Zur Behandlung der Struma nutzt dieses nuklearmedizinische Verfahren radioaktives Jod, welches in der Schilddrüse angereichert wird und dort überschüssig hormonproduzierende Gewebe vernichtet. Häufig wird in der 1 bis 3-jährigen Therapie eine Kombination aus beiden Behandlungsmöglichkeiten genutzt.

Bei groben Einschränkungen der Lebensqualität durch eine Struma oder den Verdacht auf ein Schilddrüsenkarzinom, ist der operative Eingriff die effektivste Behandlungsmethode. Die gesamte Schilddrüse beziehungsweise jener Teil der Struma, der zu viele Hormone produziert, wird durch einen Schnitt entfernt. Die Operation ist somit auch eine schnelle Therapie zur Behandlung einer Überfunktion, da die verbliebenen Hormone im Blut zügig vom Organismus abgebaut werden.

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Vorbeugung

Eine Vorbeugung von Strumen kann vor allem durch eine grundlegende Jodversorgung gewährleistet werden. In vielen Ländern wurde zu diesem Zweck insbesondere das Speisesalz mit Jod angereichert, wodurch vor allem bei Kindern und Jugendlichen bereits ein deutlicher Rückgang an Strumabildungen verzeichnet werden konnte.

Bücher über Struma (Kropf, Schilddrüsenvergrößerung)

Quellen

  • Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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