Vorhofflimmern

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. November 2017
Startseite » Krankheiten » Vorhofflimmern

Vorhofflimmern ist die wohl häufigste Rhythmusstörung des Herzens, die im Alter deutlich zunimmt. 10 % der über 70-Jährigen besitzen diese „supraventrikuläre Tachyarrhythmie“.

Inhaltsverzeichnis

Definition Vorhofflimmern

Das heißt, es besteht ein unregelmäßiger und schneller Herzschlag, der im linken Vorhof entsteht. Vergleichend besitzt nur 1 % der über 50-Jährigen diese Herzrhythmusstörung. Im Weiteren wird auf die Ursachen, Untersuchungsmethoden, Behandlungs- und Verlaufsmöglichkeiten sowie auf vorbeugende Maßnahmen eingegangen.

Das Herz besitzt ein eigenes Reizbildungs- und -leitungssystem. Bei Vorhofflimmern existieren Areale im Vorhof, die sich zusätzlich elektrisch erregen.

Dies führt zu sehr schnellen Bewegungen der Herzwände mit einer Vorhofflimmerfrequenz zwischen 350 – 600/min. Dadurch fehlt eine hämodynamisch wirksame Vorhofkontraktion, die insgesamt das Herzzeitvolumen (Blutvolumen, welches innerhalb einer Minute vom Herzen in den Kreislauf gepumpt wird) senkt. Aufgrund des AV-Knotens wird nur ein kleiner Teil der Vorhofaktionen auf die Herzkammern übergeleitet.

Ursachen

Bei ca. 15 % der Vorhofflimmerpatienten besteht ein primäres Vorhofflimmern bei Herzgesundheit. Die häufigsten Ursachen sind kardial bedingt.

Dazu gehören zu 50 % der Fälle die koronare Herzerkrankung, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und Mitralklappenerkrankungen. Weitere Herzerkrankungen, die Vorhofflimmern verursachen können, sind Kardiomyopathie, Herzmuskelentzündung, Herzoperationen. Auch extrakardiale Ursachen sind bekannt, wie beispielsweise Schilddrüsenerkrankungen, Bluthochdruck, Lungenembolie und bestimmte Medikamente.

Betroffene klagen über Herzklopfen mit Schwindelgefühl, kurzzeitiger Bewusstlosigkeit (Synkopen) und Luftnot bei abnehmendem Herzzeitvolumen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Defibrillation ist eine Behandlungsmethode gegen Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern oder Herzrasen, Vorhofflimmern und Vorhofflattern bei der durch starke Stromstöße eine gesunde Herzaktivität wiederhergestellt werden soll.

Die Diagnose von Vorhofflimmern erfolgt nach Aufzeichnung von Vorhofflimmern mittels Ruhe-EKG oder während der Aufzeichnung eines Langzeit-EKGs. Je nach Verlauf bzw. Dauer des Vorhofflimmerns erfolgt eine weitere Einteilung.

Es gibt:

1.) Ein erstmalig diagnostiziertes Vorhofflimmern.

2.) Ein paroxysmales Vorhofflimmern, welches sich meistens innerhalb 48 Stunden bis maximal 7 Tagen selbstlimitiert.

3.) Ein persistierendes bzw. anhaltendes Vorhofflimmern, welches wieder in den Sinusrhythmus überführt werden soll.

4.) Ein langanhaltendes Vorhofflimmern über 1 Jahr, welches aber in den Sinusrhythmus überführt werden soll.

5.) Ein permanentes Vorhofflimmern, bei dem Vorhofflimmern akzeptiert wurde und frequenzkontrolliert wird.

Die häufigste Komplikation von Vorhofflimmern ist die Bildung von Blutgerinnseln, die eine Embolie verursachen können. 20 % aller Schlaganfälle sind auf Vorhofflimmern zurückzuführen. Das Risiko ist umso größer, je länger das Vorhofflimmern anhält.

Komplikationen

Ein unbehandeltes Vorhofflimmern führt in seinem Verlauf zu verschiedenen Beschwerden und gesundheitlichen Komplikationen. Ist die Erkrankung mit einem Abfall der Herzfrequenz verbunden, gehören Schwindel, Schwäche und Synkope, eine kurze Bewusstlosigkeit, zu den möglichen Folgen. Begleitend dazu können Beschwerden wie Herzrasen und Luftnot auftreten.

Eine zu geringe Pumpleistung kann eine Lungenstauung hervorrufen, durch die sich lebensbedrohliche Lungenödeme entwickeln können. Langfristig geht das akute Vorhofflimmern in ein permanentes Vorhofflimmern über. Ein solch schwerer Verlauf erhöht das Risiko für Folgeschäden erheblich: Es kann zu Embolien und somit auch zu Schlaganfällen und kardiovaskulären Begleiterkrankungen kommen.

Im schwersten Fall tritt ein Herzinfarkt auf, an dessen Folgen der Patient verstirbt. Personen mit einer koronaren Herzkrankheit können einen Angina-pectors-Anfall oder einen akuten Herzinfarkt erleiden. Auch bei der Behandlung des Vorhofflimmerns gibt es Risiken. Die Implantation eines Defibrillators kann mit Verletzungen oder Infektionen verbunden sein, und auch eine Abstoßung des Geräts ist nicht auszuschließen.

Eine elektrische Kardioversion kann im Fall eines unerkannten Herzklappenfehlers oder einer Schilddrüsenunterfunktion Herzrhythmusstörungen hervorrufen oder einen Herzanfall verursachen. Weitere Risiken gehen von den Narkosemitteln aus, die bei einigen Patienten Nebenwirkungen hervorrufen können.

Behandlung & Therapie

Therapeutisch gibt es einerseits die Frequenzkontrolle und andererseits die Rhythmuskontrolle, die prognostisch gleichwertig sind.

Die Frequenzkontrolle erfolgt medikamentös durch Betablocker, Verapamil (seltener) oder Digitalis-Präparate. Es wird eine Senkung der Herzfrequenz angestrebt. Es gibt Formen von Vorhofflimmern mit einer sehr niedrigen Herzfrequenz, welche dann auch nur gering unter Belastung ansteigt. Das ist häufig eine Indikation zur Schrittmacher-Implantation.

Die Rhythmuskontrolle von Vorhofflimmern beinhaltet das Überführen des Herzrhythmus in einen Sinusrhythmus. Dies kann ebenfalls medikamentös oder durch eine EKG-getriggerte Elektrokardioversion erfolgen. Bei der medikamentösen Therapie muss zwischen Patienten mit und ohne Herzerkrankungen unterschieden werden. Patienten ohne Herzerkrankung können auf Klasse-I-Antiarrhythmika wie Flecainid oder Propafenon eingestellt werden.

Bei paroxysmalem Vorhofflimmern kann ein pill-in-the-pocket-Konzept mit einer Einzeldosis von Antiarrhythmika versucht werden. Patienten mit Herzerkrankungen werden auf Amiodaron unter stationären Bedingungen eingestellt. Amiodaron ist das wirksamste Antiarrhythmikum, hat aber auch viele Nebenwirkungen.

Weiterhin kann eine EKG-getriggerte elektrische Kardioversion unter Kurznarkose erfolgen. Dabei wird ein Stromstoß von außen abgegeben. Zuvor muss die Dauer des Vorhofflimmerns beachtet werden. Besteht dieses länger als 48 Stunden müssen unbedingt Thromben im Herzen mittels transösophagealer Echokardiographie (Schluck-Ultraschall des Herzens) ausgeschlossen werden. Oder man nimmt blutverdünnende Mittel (Anikoagulanzien) für mindestens vier Wochen ein und führt anschließend die elektrische Kardioversion durch.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Je nach Thrombembolierisiko erfolgt zusätzlich zeitweise oder lebenslang eine blutverdünnende Therapie. Dadurch wird das Schlaganfallrisiko reduziert. Hierfür stehen Marcumar bzw. Falithrom und seit geraumer Zeit auch Dabigatran und Rivaroxaban zur Verfügung.

Es besteht eine hohe Vorhofflimmer-Rezidivrate von 30 % innerhalb einer Woche und 75 % nach einem Jahr bei Patienten nach elektrischer Kardioversion. Daher werden häufig Antiarrhythmika zur Vermeidung von Vorhofflimmern längerfristig rezeptiert. Daneben gibt es Katheterablationsverfahren in Form von Hochfrequenzstrom oder Kälte, bei denen die Orte der Erregungsbildung von Vorhofflimmern aufgesucht und verödet werden.

Bücher über Vorhofflimmern

Quellen

  • Erdmann, E.: Klinische Kardiologie. Springer, Heidelberg 2011
  • Roskamm, H., et al.: Herzkrankheiten. Springer, Heidelberg 2004
  • Ziegenfuß, T.: Notfallmedizin. Springer, Heidelberg 2011

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: