Kammerflimmern (Kammerflattern)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. Oktober 2017
Startseite » Krankheiten » Kammerflimmern (Kammerflattern)

Das Kammerflimmern beziehungsweise Kammerflattern des Herzens, umgangssprachlich auch Herzflimmern oder Herzflattern genannt, ist ein höchst bedrohlicher Vorgang für das Leben des Menschen. Es bedeutet immer akute Lebensgefahr und bei Verdacht auf Kammerflimmern muss der Patient sofort in die Hände eines Arztes, der dann akute Notfallmaßnahmen einleitet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Kammerflimmern?

Wenn Kammerflimmern des menschlichen Herzens vorliegt, ist bei dem betroffenen Menschen kein Puls mehr zu fühlen. Es kommt zu unkontrollierten Kontraktionen und Zuckungen des Herzens, weil durch krankhafte Herzrhythmusstörungen kein geordneter Herzschlag mehr stattfindet.

Der Herzmuskel pumpt nur noch unregelmäßig und unbehandelt eventuell gar nicht mehr. Kammerflimmern kommt oft als Komplikation während eines Herzinfarktes vor. Wird der Patient nicht umgehend adäquat behandelt, kann er am Kammerflimmern sterben.

Ursachen

Die Ursachen des Kammerflimmerns sind vielfältig. Herz-Kreislauferkrankungen entstehen sehr oft durch jahrelanges Rauchen, aber auch durch andere organische Erkrankungen wie Leber- und Nierenschäden. Ebenso begünstigen eine ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel Herzerkrankungen.

Die Hauptursache für Kammerflimmern ist aber eine Erkrankung des Herzens selbst, die so genannte Koronare Herzerkrankung. Sie ist eine der häufigsten Ursachen für das Kammerflimmern und den plötzlichen Herztod.

Auch Kaliummangel bei Nierenversagen oder durch falsche, fettreiche Ernährung kann zu Kammerflimmern führen. Akute Schockzustände und elektrische Schläge können ebenfalls das akute Kammerflimmern verursachen.

In seltenen Fällen können auch übermäßiger Stress (meist verbunden mit einem Herzinfarkt) indirekt zu Kammerflimmern führen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Defibrillation ist eine Behandlungsmethode gegen Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern oder Herzrasen, Vorhofflimmern und Vorhofflattern bei der durch starke Stromstöße eine gesunde Herzaktivität wiederhergestellt werden soll.

Der Patient, der an akutem Kammerflimmern leidet, fällt schon nach wenigen Sekunden in eine tiefe Bewusstlosigkeit. Es treten schwere Krämpfe auf und die Pupillen sind auffällig erweitert. Das Gehirn wird nun nicht mehr mit Sauerstoff versorgt.

Unbehandelt oder zu spät behandelt kommt es beim Kammerflimmern des Herzens schon nach mehreren Minuten zu irreparablen Hirnschäden und kurz darauf tritt unvermeidlich der Tod ein. Beim geringsten Verdacht auf Kammerflimmern oder Herzinfarkt leitet der Notarzt Sofortmaßnahmen ein.

Daneben muss schnellst möglich ein EKG gemacht werden, um die Herztätigkeit des Patienten zu überwachen. Außerdem wird umgehend das Blut des Patienten untersucht, sobald er im Krankenhaus angekommen ist. Viele Städte und Landkreise verfügen über spezielle Krankenwagen, die für akute Herzpatienten ausgestattet sind und in denen alle Sofortmaßnahmen durchgeführt werden können. Aber auch halbautomatische Defibrillatoren, die sich inzwischen in vielen öffentlichen Einrichtungen befinden, können Zeit sparen und Leben retten.

Komplikationen

Beim Kammerflimmern handelt es sich um einen lebensgefährlichen Zustand für den Patienten. Sollte dieser Zustand nicht behandelt werden, so kann es im schlimmsten Falle zum Tode des Patienten kommen. In der Regel muss die Behandlung akut durch einen Notarzt oder direkt im Krankenhaus erfolgen.

Die weiteren Komplikationen und Beschwerden hängen in der Regel von der Ursache und von der Behandlung ab. Die Betroffenen können durch das Kammerflimmern auch das Bewusstsein verlieren und sich dabei eventuell bei einem Sturz auch verletzen. Ebenso kann der gesamte Kreislauf des Körpers versagen. Sollte der Betroffene das Bewusstsein verlieren, so können die inneren Organe und das Gehirn nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden.

Dabei kommt es zu irreversibel Schädigungen, sodass der Betroffene auch nach der Behandlung möglicherweise an Lähmungen oder an Störungen der Sensibilität leidet. Die Behandlung dieser Beschwerde erfolgt mit Hilfe eines Defibrillators und führt in der Regel nicht zu Komplikationen. Allerdings kann nicht jeder Patient dabei gerettet werden. Eventuell ist ein Herzschrittmacher notwendig, damit der Betroffene weiterhin überleben kann. In den meisten Fällen wird die Lebenserwartung des Patienten durch das Kammerflimmern deutlich verringert.

Behandlung & Therapie

Zuerst wird der Notarzt oder verfügbares medizinisches Personal sofortige Reanimationsmaßnahmen einleiten. Diese Reanimation soll eine Wiederbelebung des Herz-Lungensystems bewirken. Das akute Kammerflimmern wird anschließend mit einem so genannten Defibrillator behandelt. Dieser Apparat wird eingesetzt, um den normalen Herzrhythmus und Herzschlag wieder in Gang zu bringen.

Danach spritzt der Arzt dem Patienten noch zusätzlich Antiarrhythmika. Diese Medikamente stabilisieren das Herz-Kreislaufsystem und bewirken eine Normalisierung der elektrischen Erregungsleitung des menschlichen Herzens. Der Patient, der Kammerflimmern erlitten hat, wird im Krankenhaus auf die Intensivstation verbracht. Mit moderner Apparatemedizin wird er nahtlos überwacht, bis sein Zustand sich merklich stabilisiert hat und er auf einer Normalstation weiterbehandelt werden kann.

Wer einmal einen Anfall von Kammerflimmern oder einen Herzinfarkt erlitten hat, schwebt künftig in Gefahr, dass ihm das gleiche noch einmal passiert und er dies ein zweites Mal nicht überlebt. Deshalb wird der Arzt schon im Krankenhaus Vorsorgemaßnahmen treffen, um neuerliches Kammerflimmern zu vermeiden. Das eventuelle Einpflanzen eines Herzschrittmachers und dauerhafte medikamentöse oder operative Behandlung der ursprünglichen Ursachen sind meist unumgänglich.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Wer Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems vorbeugen möchte, sollte unbedingt die Vorsorgeuntersuchungen der Kassen in Anspruch nehmen. Schon Menschen ab 35 Jahren können sich regelmäßig untersuchen lassen. Wer bei sich selbst unregelmäßigen Herzschlag oder gar Schmerzen in der Herzgegend feststellt, sollte sich zudem umgehend vom Hausarzt oder einem Kardiologen untersuchen lassen. Ein 24 Stunden EKG kann bei unklaren Beschwerden Klarheit bringen, falls das normale EKG keine Auffälligkeiten anzeigt.

Das Rauchen und der übermäßige Konsum von Alkohol schaden allen Organen und somit auch dem Herzen. Wer sich viel bewegt, gesund ernährt und auf Genußgifte verzichtet, kann koronaren Herzerkrankungen und Kaliummangel vorbeugen. Sollte eine solche Erkrankung bereits vorliegen, so müssen Behandlungstermine penibel eingehalten und verordnete Medikamente unbedingt eingenommen werden.

Das können Sie selbst tun

Das Kammerflimmern (Kammerflattern) gehört als potenziell lebensbedrohliche Rhythmusstörung des Herzens in sofortige notärztliche Behandlung. Aufgrund der häufig rasch eintretenden Bewusstlosigkeit ist Selbsthilfe durch den betroffenen Patienten in der Regel nicht möglich.

Nach einem überstandenen Kammerflimmern gibt es jedoch einige Verhaltensweisen, die für den Patienten im Alltag wichtig sind. Je nachdem, was als Ursache für das Kammerflimmern oder Kammerflattern festgestellt wurde, kann der Patient in Rücksprachen mit dem behandelnden Hausarzt, Internisten oder Kardiologen aktiv zu seiner Herzgesundheit beitragen. Das betrifft insbesondere eine gesunde Ernährung sowie ein dosiertes Maß an sportlicher Bewegung, dass durch den meist implantatierten Defibrillator sowohl in Eigenregie als auch in Herzsportgruppen möglich ist. Auch die Stärkung des Immunsystems zur Abwehr von Infekten und eine Reduzierung eventuellen Übergewichts sind sinnvoll. Zudem liegt es am Patienten, den Stress in seinem privaten oder beruflichen Umfeld bestmöglich auf ein Minimum zu reduzieren.

Auch die seelische Verfassung gilt es Patienten nach einem bedrohlichen Kammerflimmern (Kammerflattern) zu stärken. Auch hier hilft moderates Training. Zudem ist eine psychische Stabilisierung durch die Aufarbeitung in Gesprächen ebenso möglich wie durch den Spaziergang mit dem Hund oder das Erlernen einer Entspannungsmethode wie etwa der Progessiven Muskelrelaxation nach Jacobsen. Auch sanfte Yogastile stabilisieren das innere Gleichgewicht der oft deutlich.

Bücher über Herzrhythmusstörung

Quellen

  • Erdmann, E.: Klinische Kardiologie. Springer, Heidelberg 2011
  • Müller, S.: Notfallmedizin. Thieme, Stuttgart 2011
  • Roskamm, H., et al.: Herzkrankheiten. Springer, Heidelberg 2004

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: