Blaue Lippen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. Oktober 2017
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Die Blaufärbung von Körperteilen weist oft auf einen Sauerstoffmangel hin. Bei blauen Lippen handelt sich zwar nicht zwingend um einen gesundheitsgefährlichen Zustand, dennoch sollten die zugrunde liegenden Ursachen behandelt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind blaue Lippen?

Das Blut ist für den Transport verschiedener Stoffe im menschlichen Organismus verantwortlich. So bringt es zum einen Nährstoffe wie Vitamine in jede Zelle, zum anderen versorgt es alle Organe mit dem notwendigen Sauerstoff, damit der Körper seine Funktion aufrecht erhalten kann. Im Rahmen des Gasaustausches wird verbrauchter Sauerstoff konstant durch frischen ersetzt.

Dabei kümmert sich das Hämoglobin im Blut um die Bindung von Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid. Gleichzeitig ist dieses für die typische rote Farbe verantwortlich. Sobald das Blut mit Sauerstoff beladen ist, schimmert seine Farbe in einem helleren Ton. Kommt es zu einer Untersättigung von dem wichtigen Stoff, so erscheint das Blut bläulicher.

Besonders an den Lippen befinden sich die Gefäße in großer Nähe zur Hautoberfläche. Besteht ein Sauerstoffmangel, so macht sich dieser hier als erstes bemerkbar, weil die Gefäße unter der Haut hervor scheinen. Somit deuten blaue Lippen auf eine ungenügende Versorgung mit Sauerstoff hin.

Ursachen

Blaue Lippen durch einen Sauerstoffmangel werden auch als Zyanose bezeichnet. Letztendlich entsteht das Phänomen aufgrund mehrerer Auslöser, wie zum Beispiel einer Verlangsamung der Blutzirkulation. Unterschiedliche Faktoren sind dafür verantwortlich, dass sich die Gefäße zusammenziehen und der Blutfluss an Geschwindigkeit abnimmt. Sobald der menschliche Organismus an Temperatur verliert und friert, verengen sich die Gefäße. Auf diese Weise versucht der Körper, einen weiteren Verlust von Wärme zu vermeiden.

Weil die Haut an den Lippen besonders dünn ist, macht sich die Erscheinung hier bemerkbar. Durchblutungsstörungen werden zum Beispiel von Blutgerinnseln im Rahmen einer Thrombose ausgelöst. Diese stellt einen lebensbedrohlichen Zustand dar und gehört zügig unter medizinische Aufsicht. Gleichzeitig können Durchblutungsstörungen generell hinter dem Symptom stecken. Unterschiedliche Prozesse können die Eigenschaften des Blutes dahingehend verändern, dass dieses nicht mehr genügend Sauerstoff transportieren kann. Ausschlaggebend ist hier vor allem eine gesteigerte Konzentration von Methämoglobin.

Die Sauerstoffversorgung kann aber auch an anderen Stellen gestört sein, wie zum Beispiel bei dem Gasaustausch in der Lunge durch Lungenerkrankungen. Wenn das Herz seiner Funktion nicht mehr einwandfrei nachgeht, ist eine Unterversorgung ebenfalls nicht auszuschließen.

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Diagnose & Krankheitsverlauf

Besonders an den Lippen befinden sich die Gefäße in großer Nähe zur Hautoberfläche. Besteht ein Sauerstoffmangel, so macht sich dieser hier als erstes bemerkbar, weil die Gefäße unter der Haut hervor scheinen.

Bei der Diagnose muss es dem Arzt insbesondere gelingen, zwischen einer peripheren und zentralen Zynose zu differenzieren. Während bei einer zentralen Zynose das Blut durch Störungen nicht mit ausreichend Sauerstoff beladen wird, kommt es im Rahmen der peripheren Zynose zu einer Reduktion der Fließgeschwindigkeit.

Dabei betrachtet der Arzt zum Beispiel die Zunge. Eine bläuliche Verfärbung deutet auf das Vorliegen einer zentralen Zynose hin. Dennoch kann ein solcher Test keine hundertprozentige Zuverlässigkeit garantieren. Generell beinhaltet die Diagnose eine Blickuntersuchung mit dem Schwerpunkt Lippen, Nase, Ohrläppchen, Schleimhäute und Fingernägel. Durch die Analyse des Blutes des Patienten kann der Gehalt des Sauerstoffs gemessen werden, welchen die roten Blutkörperchen transportieren.

Die Sauerstoffsättigung lässt sich ebenfalls über die Pulsoxymetrie ermitteln. Dabei wird der Finger durch Infrarotlicht beleuchtet, wodurch die Farbe des Bluts einen Hinweis auf die Sauerstoffsättigung gibt. Hat der Arzt den Verdacht einer zentralen Zynose, so werden weitere Untersuchungen angeordnet, die vor allem die Prüfung des Herzen und der Lunge bezwecken. Der Verlauf der Krankheit hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab.

Komplikationen

Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass "blaue Lippen" lediglich ein Symptom und keine Erkrankung darstellen. Die blauen Lippen an sich können demnach auch nicht für Komplikationen sorgen. Die Erkrankungen, die für das Symptom der blauen Lippen sorgen hingegen, können sehr wohl auch durchaus schwere Komplikationen nach sich ziehen. Treten die blauen Lippen als Folge von Kälte auf, besteht kein Grund zur Sorge. Es handelt sich um eine normale Reaktion des Körpers auf die Kälte. Das Blut wird langsamer transportiert und das sauerstoffarme Blut, das sich in den Venen befindet, scheint bläulich durch die recht dünnen Lippen. Dies stellt, wenn überhaupt, höchstens ein kosmetisches Problem dar.

Treten die blauen Lippen jedoch im Rahmen einer Lungen- oder Herzerkrankung auf, sind sie nicht mehr harmlos, sondern das Symptom einer ernstzunehmenden Erkrankung. Komplikationen dieser Erkrankungen können eine dauerhafte Herzinsuffizienz, eine chronische Unterversorgung mit Sauerstoff, und andere Erkrankungen des Herzens und der Lunge sein. Im Rahmen einer Unterversorgung mit Sauerstoff kann es zum Beispiel zu einer Bewusstlosigkeit kommen. Zu den weiteren möglichen "Komplikationen" zählt unter anderem auch der Tod. Steht hinter den blauen Lippen eine Durchblutungsstörung aufgrund eines Blutgerinnsels, kann dieses zum Tode führen.

Im Normalfall können blaue Lippen jedoch auf Kälte zurückgeführt werden und sind harmlos. Lediglich wenn diese öfter und nicht im Zusammenhang mit Kälte auftreten, müssen Komplikationen befürchtet werden. Das Aufsuchen eines Arztes ist anzuraten.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Blaue Lippen zählen zum medizinischen Phänomen der Zyanose, die durch Sauerstoffmangel oder Kälteeinfluss entsteht. Weniger bedrohlich ist meistens das Auftreten blauer Lippen durch Kälteeinfluss. Hier hilft meistens schon das Aufsuchen warmer Räume. Ein Arzt wird selten benötigt. Beim Syndrom der blauen Lippen handelt es sich um eine Unterversorgung mit Sauerstoff. Die Farbe der Lippen wird maßgeblich vom darin fließenden Blut bestimmt. Sauerstoffreiches Blut ist frisch rot, die Farbe sauerstoffarmen Blutes hingegen weist eine dunklere und ins Bläuliche gehende Farbe auf.

Somit zeigen blaue Lippen wegen ihrer dünnen Haut deutlich eine Sauerstoffunterversorgung an, und zwar keineswegs nur direkt im Lippenbereich, sondern dazu im weiteren Körper, da das Blut schließlich fließt, wenn auch bei einer Zyanose eventuell langsamer als sonst.

Für das Symptom der blauen Lippen kommen viele Ursachen infrage, darunter lebensbedrohende Körperzustände. So können blaue Lippen auf eine drohende Thrombose hinweisen, was das Herbeirufen eines Notarztes rechtfertigt. Häufig sind auch Lungenerkrankungen und Herzerkrankungen wie eine Herzschwäche Auslöser blauer Lippen.

Auch hier kann es besser sein, gleich den Notarzt zu rufen und so womöglich ein Leben zu retten. Nach der ersten Notfalltherapie übernehmen später der Hausarzt, Internist, Kardiologe oder Pulmologe die weiteren Kontrolluntersuchungen. Diese sollten unbedingt stattfinden, um weitere Notfälle zu vermeiden.

Behandlung & Therapie

Die Therapie richtet sich nach dem Auslöser. Im Mittelpunkt steht die Behandlung der Ursache, die zu dem Sauerstoffmangel geführt hat. So muss zum Beispiel eine Thrombose, Herzinsuffizienz oder Asthma therapiert werden. Auf diese Weise gelingt es ebenfalls, die blaue Verfärbung der Lippen zu kontrollieren. Immerhin stellen diese keine eigenständige Erkrankung dar, sondern lediglich das Symptom einer anderen.

Somit kann eine Therapie aus Medikamenten, Bettruhe oder auch Operationen bestehen. Herzinsuffizienz wird beispielsweise durch verschiedene Komponenten behandelt. Somit sollten Betroffene zunächst schwere körperliche Arbeit vermeiden, sich salzarm ernähren und ihr Normalgewicht erreichen beziehungsweise halten. Gleichzeitig wird eine medikamentöse Therapie eingeleitet. Diese besteht oft aus Betablockern und entwässernden Mitteln.

Haben sich schwere Herzrhythmusstörungen entwickelt, so kann das Einsetzen eines Schrittmachers notwendig werden. Asthma wird mit hauptsächlich zwei Mitteln gemildert. Diese sind dazu in der Lage, die Bronchien zu weitern oder aber bestehende Entzündungen zu lindern. Darüber hinaus wird auf medikamentöse Weise eine Abschwellung der Schleimhäute herbei geführt. Betroffene müssen die Behandlung in der Regel während ihres gesamten Lebens fortsetzen.

Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) erfordert vor allem die Kooperation des Patienten bezüglich von Tabakkonsum. Um die Auslöser der Krankheit zu vermeiden, darf nicht geraucht werden. Ansonsten sorgen bestimmte Sprays dafür, dass die Bronchien sich vergrößern.

Aussicht & Prognose

Blaue Lippen sind ein bekanntes Phänomen, das darauf hindeutet, dass es an der Zeit ist, sich ins Warme zu begeben. Dass sie allerdings auch gefährlich sein können, wissen die wenigsten Menschen. Vor allem Eltern achten bei ihren Kindern darauf, ob sie Anflüge blauer Lippen bekommen, wenn sie beispielsweise im Sommer im Schwimmbecken oder im Winter draußen im Schnee spielen.

Wenn bereits blaue Lippen auftreten, ist es allerhöchste Zeit, den Körper wieder aufzuwärmen, denn sie sind das erste vermeintlich harmlose Anzeichen einer Unterkühlung. Solange jetzt schnell etwas unternommen wird, wird das Auftreten blauer Lippen keine weiteren Folgen nach sich ziehen. Bei schlechter Verfassung des Immunsystems könnte die Unterkühlung aber schon ausgereicht haben, um Bazillen Tür und Tor zu öffnen. Eine Erkältung ist nicht mehr unwahrscheinlich.

Wird der Körper nicht wieder aufgewärmt, wenn blaue Lippen auftreten, geht die Unterkühlung ungehindert weiter. Dass das im sommerlichen Schwimmbad passiert, ist natürlich äußerst unwahrscheinlich. In anderen Situationen werden aus blauen Lippen dagegen ernste Unterkühlungen, die in allen möglichen weiteren Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen, Herz- und Atemstillstand und im Extremfall im Tod des Patienten enden können.

In diesen Fällen geht es aber schon nicht mehr nur um blaue Lippen, sondern um Fälle, in denen der Patient nicht schnell genug aus der Unterkühlung herausgeholt werden konnte.

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Vorbeugung

Blaue Lippen können begrenzt vorgebeugt werden. Im Mittelpunkt steht hier vor allem ein gesunder Lebensstil ohne Zigaretten und mit ausreichend Bewegung. Bestehendes Übergewicht sollte abgebaut werden. Um Ablagerungen zu vermeiden, empfiehlt sich eine ausgewogene Ernährung mit wenigen tierischen Fetten und viel pflanzlicher Kost.

Nach Operationen kann eine Spritze gegen eine eventuelle Thrombose notwendig werden. Generell sollten insbesondere Menschen, die zu Durchblutungsstörungen neigen, keine langen Episoden im Stehen oder Sitzen verbringen. Die Zyanose lässt sich lediglich durch eine präventive Behandlung der zugrunde liegenden Ursachen vorbeugen.

Das können Sie selbst tun

Blaue Lippen sind immer ein früher Indikator für eine mangelhafte Sauerstoffversorgung des Blutes. Eine Reihe von Selbsthilfemaßnahmen steht für eine Behandlung zur Verfügung. Es sollte dabei allerdings sichergestellt sein, dass die Symptome nicht durch schwerwiegende organische Erkrankungen oder durch eine Vergiftung verursacht wurden, die schnellstmögliche medizinische Versorgung erfordern.

In den vielen Fällen, in denen ungenügender Schutz vor kalten Temperaturen blauen Lippen verursacht hat, hilft eine behutsame Wärmezufuhr von außen und von innen. Heißer Tee oder andere Heißgetränke – auch heißes Leitungswasser – führen direkt Wärme in das Innere des Körpers. Von außen kann ebenfalls vorsichtig aktiv mittels Wärmflasche oder anderer geeigneter Mittel Wärme zugeführt werden. Wenn derartige Gegenstände nicht zur Hand sind, helfen eine Wolldecke oder eine Wärmefolie, die dazu führen, dass die Wärme, die der Körper erzeugt, nicht nach außen abgestrahlt wird.

Zur generellen Unterstützung der Durchblutung sind ätherische Öle oder Franzbranntwein geeignet, mit denen beispielsweise Beine und Arme eingerieben werden. Besonders kreislaufanregend wirken auch kalte Armgüsse, die am Handrücken des rechten Arms beginnen und langsam bis zur Schulter ausgeführt werden. Anschließend wird der linke Arm auf gleiche Weise behandelt. Für die Erzeugung zusätzlicher innerer Wärme sorgen Muskelbewegungen, weil ein Teil der Energie, die aus der Umwandlung von ATP in ADP in Wärme umgewandelt wird.

Bücher über Durchblutungsstörungen

Quellen

  • Braun-Falco, O. et al.: Dermatologie und Venerologie. Springer Medizin Verlag, Berlin 2005
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2015
  • Schweitzer, R.: Dermatologie. Urban & Fischer bei Elsevier, München 2011

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