Defibrillation

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 9. Oktober 2017
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Mit der Defibrillation beheben Ersthelfer durch einen Gleichstromimpuls eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung, die bei nicht rechtzeitiger Gegeneinwirkung in einem tödlich verlaufenden Herzinfarkt enden kann. Eine Entflimmerung erfolgt ausschließlich durch eine erfolgreiche Schockgabe. Das Synonym für Defibrillation lautet Entflimmerung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Defibrillation?

Der Gleichstromimpuls am Patienten erfolgt mittels Schockgabe. Der Defibrillator fungiert als Schockgeber zur Defibrillation und Kardioversion. Es handelt sich dabei um eine kontrollierte Abgabe von Elektroschocks an den Herzmuskel. Der European Resuscitation Council (ERC) definiert das Fehlen der ursprünglichen Herzrhythmusstörung fünf Sekunden nach Schockgabe als erfolgreiche Defibrillation.

Eine Defibrillation wird bei Vorliegen einer Reanimation bei Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern, Kammerflattern und Pulsloser Ventrikulärer Tachykardie (lebensbedrohliche, von den Herzkammern ausgehende Rhythmusstörung) durchgeführt. Inzwischen werden vermehrt sogenannte AED-Defibrillatoren eingesetzt. Diese Geräte übernehmen die EKG-Diagnostik und führen mittels optischen und akustischen Signalen durch die Maßnahmen zur Herz-Lungenwiederbelebung.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die Kontraktion, das Zusammenziehen des Herzmuskels, erfolgt durch die Depolarisation (Entladung) der Muskelfasern, wobei die Repolarisation ein elektrisches Phänomen ist, bei dem der ursprüngliche Ladungszustand des Herzens wieder hergestellt wird. Herzrhythmusstörungen und damit manchmal lebensbedrohliche Zustände, die zum tödlichen Herzinfarkt führen können, treten immer dann auf, wenn die Herzmuskelzellen nicht mehr koordiniert zusammen arbeiten und die Blutversorgung des Körpers nicht gewährleistet ist.

Das Herz bleibt zwar weiterhin aktiv, zeigt jedoch keine geordnete Pumpfunktion. Klinisch gesehen zeigen sich die ersten Anzeichen eines lebensbedrohlichen Kreislaufstillstandes. Liegt eine derartige Situation beim Patienten vor, prüfen die Mediziner mittels EKG den zugrundeliegenden Herzrhythmus. Anhand dieser Daten entscheiden die Kardiologen, ob ein defibrillierbarer Rhythmus vorliegt oder nicht. Um einen Patienten mit der lebensrettenden Defibrillation zu behandeln, legen die Ersthelfer eine Elektrode über die Herzspitze und eine zweite über die Herzbasis.

Das Setzen der Elektroden erfolgt über Klebeelektroden oder durch sogenannte Paddles. Paddles sind großflächige Plattenelektroden, deren Anbringung im Gegensatz zu den Klebeelektroden einen geringeren Zeitaufwand erfordert. Die Paddles werden rechts, parasternal unterhalb der Clavicula (Schlüsselbein) und links in Höhe des fünften Interkostalraumes (Raum zwischen zwei benachbarten Rippen) in der vorderen Axillarlinie angebracht. Im Falle einer ventrikulären Tachykardie (Kammerflimmern) werden die Paddles im sogenannten Cross-Check in ihrer Position getauscht, um eventuelle Störungen im EKG auszuschließen, die einen defibrillierbaren Rhythmus vortäuschen können, obwohl zum Beispiel eine Asystolie (fehlende Kontraktion des Herzmuskels) vorliegt.

Eine ideale Situation liegt vor, wenn vor der Schockgabe die Herzrhythmusmassage ausschließlich über einen sehr kurzen Zeitraum, weniger als fünf Sekunden, unterbrochen wird. Im Fall der Anwendung sogenannter manueller Defibrillatoren ist dies jedoch nur mit einem gut eingespielten und geübten Team möglich. Anschließend versuchen die Mediziner, eine möglichst große Masse der Herzmuskelzellen zu depolarisieren, sie werden „auf Null“ gesetzt. Durch diese lebensrettende Maßnahme werden die zuvor im Ventrikel (eine der beiden unteren Herzkammern) kreisenden Erregungszustände vollständig unterbrochen und das Herz hat nun die Chance, die Erregungsbildung wieder in einem natürlichen Ablauf erfolgen zu lassen (Reizleitungssystem).

Ist die Defibrillation erfolgreich, übernimmt der Sinusknoten (primäres Schrittmacherzentrum des Herzens) wieder die Kontrolle über die Arbeit des Herzmuskels. Die Schockgabe alleine ist jedoch nicht ausreichend. Die Mediziner müssen anschließend mit der manuellen Reanimation fortfahren, um den Patienten nicht zu „verlieren“. Dabei bleibt keine Zeit, den Puls zu ertasten oder auf den EKG-Monitor zu schauen, alle Maßnahmen müssen sehr schnell erfolgen. Das Myokard (Herzmuskel, der den größten Teil der Herzwand bildet) benötigt eine gewisse Zeit, um sich von dem Stress, den diese lebensbedrohliche Situation mit sich bringt, zu erholen.

Mit der Defibrillation beheben Ersthelfer durch einen Gleichstromimpuls eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung, die bei nicht rechtzeitiger Gegeneinwirkung in einem tödlich verlaufenden Herzinfarkt enden kann.

Die elektrische Kardioversion ist keine reguläre Notfallmaßnahme und erfolgt in der Regel EKG-gesteuert, wobei der Gleichstromstoß in die nichtvulnerable Phase (Zeitraum, in dem während des Herzzyklus ein außergewöhnlicher Impuls kein Kammerflimmern oder Kammerflattern auslöst) der Herzaktion getriggert wird. Sie wird bei Vorhofflimmern und (supra)ventrikulärer Tachykardie angewendet. Eine optimale Situation liegt vor, wenn neben der EKG-Ableitung II, die über die Geräte-Paddles am Sternum (Brustbein) und Appex (Herzspitze) erfolgt, ein Ruhe-EKG aufgezeichnet wird.

Die Kardioversion erfolgt mittels R-zacken-synchronen Elektroschocks, ein bedeutender Unterschied zu der nicht synchron erfolgenden Defibrillation. Die synchrone Abgabe der Elektroschocks bedeutet, dass die Stromabgabe zwar durch den Anwender ausgelöst wird, das Gerät diese jedoch solange verzögert, bis die R-Zacke wieder geschlossen werden kann. Durch diese Methode vermeiden die Mediziner, dass die Stromabgabe während der Refraktärphase (Entspannungsphase) der Erregungsausbreitung folgt.

Würde während dieser Phase eine Stromabgabe erfolgen, besteht das Risiko von Kammerflimmern und einem Herz-Kreislauf-Stillstand. Die elektrische Kardioversion arbeitet mit einer geringeren Joulestärke (50 – 100) als die Defibrillation. Bei der Kardioversion muss den Patienten ein Benzodiazepin (Midazolam) und ein Hypnotikum (Etomidat) verabreicht werden.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Im Fall von Kontraindikationen und ungünstigen Umgebungsverhältnissen bringt die Defibrillation Gefahren mit sich. Eine Kontraindikation liegt vor, wenn der Patient eine Körpertemperatur von weniger als 27 Grad Celsius, also starke Unterkühlung, aufweist. Weitere Gegenanzeigen sind Digitalis Intoxikation (Vergiftung durch Digitalis), bestehende Thromben mit Gefahr einer Embolie, Hyperthyreose (krankhafte Überfunktion der Schilddrüse) sowie veränderte Herzmorphologie.

Ungünstig und damit risikobelastet sind die Umgebungsverhältnisse, wenn der Untergrund nass ist oder ein metallischer Kontakt zwischen Patient und Ersthelfer vorliegt. Auch im Fall einer Explosionsgefährdung muss auf eine Defibrillation verzichtet werden. Hat sich der Patient durch eine Patientenverfügung gegen jegliche Wiederbelebungsmaßnahmen ausgesprochen, müssen die Mediziner von einer Defibrillation absehen. Sowohl bei der Defibrillation als auch bei der Kardioversion darf niemand den Patienten oder das Bett berühren, da sich der Elektroschock auf diese Personen überträgt und sie in Lebensgefahr bringt. Aufgrund der Verbrennungsgefahr darf der Patient keine metallischen Gegenstände wie Ringe oder Gürtel tragen.

Auch eine Zahnprothese ist nicht ungefährlich, da sie den während der Reanimation ausgelösten Krampf unterbrechen oder bei Lockerung die Atmung verlegen kann. Aufgrund der Aspirationsgefahr muss der Patient während der Kardioversion nüchtern sein. Bei der elektrischen Kardioversion wird der Patient drei Wochen vor und drei Wochen nach der Behandlung antikoaguliert (Vergabe eines Medikaments zur Hemmung der Blutgerinnung). Mögliche Komplikationen können Lungenembolie durch das Loslösen von Thromben, zusätzliche Herzrhythmusstörungen, Anaphylaxie (allergische Reaktion auf die Medikamentenvergabe) und Hautreaktionen im Bereich der Elektroden auftreten.

Bücher über Herzrhythmusstörung

Quellen

  • Braun, J., Preuss, R.: Klinikleitfaden Intensivmedizin. Urban & Fischer, München 2012
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013
  • Stierle, U., Hartmann, F.: Klinikleitfaden Kardiologie. Urban & Fischer, München 2013

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