Vegetative Dystonie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 24. November 2017
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Vegetative Dystonie bezeichnet vielfältige Symptome von Fehlfunktionen des vegetativen Nervensystems. Betroffen sind Nerven, die nicht willkürlich angesteuert werden und gesundheitliche oder psychische Symptome auslösen. Von Betroffenen wird die vegetative Dystonie als sehr belastend empfunden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine vegetative Dystonie?

Die vegetative Dystonie zeigt sich unterschiedlich. Eigentlich ist sie eine fehlgeleitete Spannung, die durch das vegetative Nervensystem Einfluss auf den Herzschlag, die Verdauung oder die Atmung nimmt. Dabei können Beschwerden vom Herz bis zum Kreislauf, Kopfschmerzen oder Durchfall auftreten.

Die vegetative Dystonie ist bei Ärzten umstritten, weil die unterschiedlichen Symptome eine konkrete Diagnose erschweren. Sie reichen von Kopfschmerzen, starkem Schwitzen über Schlafstörungen oder Schwindel. Es kommt zu einem höheren oder niedrigeren Pulsschlag und die Hände des Betroffenen zittern.

Viele Symptome treten oft gleichzeitig auf. Das vegetative Nervensystem ist auch mitverantwortlich für eine Reizblase, die ständiger Harndrang kennzeichnet. Treten chronische Schmerzen auf, deren Ursache nicht geklärt werden kann, wird eine Erkrankung des vegetativen Nervensystems vermutet, eine vegetative Dystonie.

Ursachen

Die Ursachen für eine vegetative Dystonie sind oftmals körperliche und seelische Faktoren, aber auch das Soziale übt Einfluss auf das Wohlbefinden aus. Seelische Belastungen beeinträchtigen dieses sensible Gleichgewicht.

Der Verlust des Partners oder Probleme bei der Arbeit verursachen körperliche Beschwerden, die vom Arzt als vegetative Dystonie diagnostiziert werden könnten. Auch Risikofaktoren wie Stress, ungesunde Ernährung, Alkohol und das Rauchen schaden. Ein Ungleichgewicht zwischen dem Sympathikus und dem Parasympathikus kann eine vegetative Dystonie verursachen.

Der Sympathikus sorgt für die Anspannung, beschleunigte Atmung und er lässt den Körper wie den früheren Jäger und Sammler auf Flucht oder Kampf verharren. Ganz anders der Parasympathikus, der für die Regeneration und die notwendige Entspannung sorgt. Das vegetative Nervensystem, dem der Sympathikus und der Parasympathikus untergeordnet sind, kontrolliert alle automatisierten Funktionen des menschlichen Körpers.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Diagnosestellung über eine vegetative Dystonie braucht eine genaue Abklärung in Form eines Gesprächs mit dem Arzt. Bei der Erhebung der Krankengeschichte werden mögliche Risikofaktoren, verschriebene Medikamente und aufgetretene Beschwerden abgeklärt.

Durch eine körperliche Untersuchung können die Symptome eingehender betrachtet werden. Blutdruckmessungen und eine Blutuntersuchung schließen mögliche Entzündungen im Körper und Kreislaufschwankungen aus. EKG oder Röntgen sowie Ultraschalluntersuchungen klären ebenfalls weiter ab. Vielleicht liegt ein Nährstoffmangel oder eine Hormonstörung vor, die sich in körperlichen Symptomen zeigt.

Gibt es keine Anzeichen für tatsächliche körperliche Ursachen, bleibt oft der Schluss, dass es sich um eine vegetative Dystonie handeln. In der Regel ist eine solche Diagnose vom Arzt nicht eindeutig zu beweisen, aber auch nicht auszuschließen aufgrund des Mangels an körperlichen Befunden.

Diagnosedaten & Häufigkeit

Relative Häufigkeit je 100.000 Einwohner pro Bundesland (ICD-10: R45.1 Ruhelosigkeit und Erregung) (2012)
Quelle: GBE des Bundes (Diagnosedaten der Krankenhäuser)

Komplikationen

Diese Erkrankung führt zu verschiedenen Beschwerden. Sie wirken sich alle sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen aus und können diese erheblich verringern. In der Regel leiden diese dabei an einer starken inneren Unruhe und an einer Reizbarkeit.

Auch eine Schlaflosigkeit und eine dauerhafte Nervosität können auftreten und zu deutlichen Beschwerden im Alltag des Patienten führen. Die meisten Betroffenen leiden dabei auch an Schwindelgefühlen und weiterhin an Erbrechen oder an einer Übelkeit. Ebenso kommt es zu Kopfschmerzen und zu einer dauerhaften Müdigkeit und Abgeschlagenheit des Patienten.

Aufgrun der verschlechterten Durchblutung kommt es zu kalten Händen, Verstopfungen oder zu Blähungen. In einigen Fällen kann die Erkrankung auch zu einer sexuellen Unlust führen und damit zu Beschwerden oder zu Komplikationen mit dem eigenen Partner begünstigen. Sollte die Erkrankung nicht behandelt werden, treten häufig auch Herzbeschwerden auf, die im schlimmsten Fall zum Tode des Betroffenen führen könne.

Die Behandlung wird mit Hilfe von Medikamenten und verschiedenen Therapien durchgeführt. In der Regel kommt es dabei nicht zu weiteren Komplikationen. Eine vollständige Heilung wird dabei nicht immer garantiert. Eventuell wirkt sich die Erkrankung auch negativ auf die Lebenserwartung des Betroffenen aus und verringert diese.

Behandlung & Therapie

Über die Behandlung für eine vegetative Dystonie entscheidet der Arzt. Bleiben die Beschwerden bestehen, wird unter Umständen angeraten, eine Psychotherapie zu beginnen. Abhängig vom tatsächlichen Auslöser für eine vegetative Dystonie spricht diese Erkrankung in der Regel gut auf psychotherapeutische Maßnahmen an.

Sinn ist es dabei, dem Betroffenen Mittel und Wege anzubieten, die auftretenden Beschwerden leichter zu handhaben und den Alltag trotzdem zu bewältigen. In einer kognitiven Verhaltenstherapie finden solch unterstützende Prozesse statt. Oft sind die Symptome nur Warnzeichen für andere Vorgänge, die es gilt aufzulösen und zu verarbeiten. Betroffene vermeiden auslösende Situationen erneut zu erleben, was einen Teufelskreis in Gang setzt. Ein geschulter Psychotherapeut versucht, Betroffenen Wege zur Bewältigung anzubieten und die vegetative Dystonie zu beherrschen. Auch Entspannungstechniken wie Qigong, Autogenes Training und Spaziergänge helfen, eine vegetative Dystonie leichter zu verarbeiten.

Medikamente finden für die vegetative Dystonie nur dann zum Einsatz, wenn sie den Druck auf Betroffene mindern. Das sind zum Beispiel Schmerzmittel, aber auch Antidepressiva, die der Arzt nach Absprache mit dem Patienten verschreibt. Damit wird die vegetative Dystonie nur kurzfristig behandelt. Medikamente sind nicht für den längerfristigen Behandlungsweg für eine vegetative Dystonie gedacht.

Mehr als die Hälfte der an vegetativer Dystonie erkrankten Personen erlebt die auftretenden Symptome leicht und die Situation bessert sich auch wieder. Lediglich ängstliche oder negativ eingestellte Personen leiden länger unter dieser Symptomatik und vermeiden weiter bestimmte Situationen. Hinzu kommen oftmals Depressionen oder Angststörungen, die die Prognose einer vegetativen Dystonie verschlechtern.

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Vorbeugung

Zur Vorbeugung einer vegetativen Dystonie helfen eine positive Lebenseinstellung und ein gesunder Lebensstil, kombiniert mit nährstoffreicher Ernährung und Bewegung. Vom Rückzug aus Familie und Freundeskreis ist bei einer vegetativen Dystonie abzuraten, da sie den Verlauf ungünstig beeinflusst. Eine vegetative Dystonie ist kein Endurteil. Auch bei schwerem Verlauf mit stärker werdenden Symptomen, teils chronisch auftretend, besteht natürlich Hoffnung. Generell kann sich eine vegetative Dystonie zurück entwickeln.

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Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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