Herzfehler

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 1. Dezember 2017
Startseite » Krankheiten » Herzfehler

Ein Herzfehler oder Herzvitium ist eine allgemeine Bezeichnung für Störungen des Aufbaus und der Struktur des Herzens. Dabei unterscheidet man Herzfehler in erworbene Herzfehler (z.B. durch Infektionen oder Herzerkrankungen) und angeborene Herzfehler. Bei den angeborenen Herzfehlern liegen meist Herzfehlbildungen vor, die bereits im Mutterleib oder beim Neugeborenen entdeckt und behandelt werden können. Dennoch sind Herzfehler meist ein Leben lang zu therapieren.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Herzfehler?

Das Wort Herzfehler ist der Oberbegriff sowohl für angeborene Fehlbildungen des Herzens als auch für angeborene oder erworbene Herzklappenfehler. Im Weiteren gliedern sich die angeborenen Herzfehler in azynotische oder zyanotische Herzfehler. Als Zyanose bezeichnet man die blaurote Verfärbung der Haut und Schleimhäute infolge einer Abnahme des Sauerstoffgehaltes im Blut (zentrale Zyanose).

Der häufigste azynotische Herzfehler ist die Pulmonalstenose und den zweiten Platz teilen sich die Aortenklappenstenose (Verengungen) und die Aortenisthmusstenose. Eher selten treten Fehlbildungen des Aortenbogens auf. Zu den primär azynotischen Herzfehlern gehören Defekte der Vorhof- und/oder Ventrikelsepten sowie der Ductus arteriosus apertus. Zu den primär zyanotischen Herzfehlern zählen die Fallot-Tetralogie, Hypoplasien der rechten oder linken Kammern, Lungenvenenfehlmündungen u. a. Die Häufigkeit angeborener Herzfehler beträgt 6 – 10 Neugeborene auf 1000 Lebendgeburten.

Ursachen

Die embryonale Herz- und Gefäßentwicklung erfolgt zwischen dem 14. und 60. Tag der Schwangerschaft. Während dieser Entwicklungsphase reagiert das Herz- und Kreislauf-System sensibel auf äußere und genetische Faktoren. Häufig erzeugen bestimmte exogene, also äußere, Einflüsse bestimmte Herzfehler. So führt ein übermäßiger Alkoholkonsum während der Schwangerschaft häufig zu Septumdefekten und zur Fallot’schen Tetralogie (Pulmonalstenose, Vorhofseptumdefekt, Rechtherzhypertrophie und verlagerte Aorta).

Eine Medikamentengabe während der Schwangerschaft sollte stets abgewogen werden, da auch vielzählige Herzfehler entstehen können. Bestimmte Antiepileptika können eine Pulmonal- und/oder Aortenstenose verursachen. Bestehen bestimmte Krankheiten der Mutter während der Schwangerschaft – wie z.B Diabetes mellitus – besteht ein erhöhtes Risiko für Ventrikelseptumdefekte, v. a. dann, wenn eine schlechte Stoffwechsellage vorherrscht. Einige Infektionskrankheiten während der Schwangerschaft sind ebenfalls gefährlich und können einen Herzfehler bedingen - beispielsweise die Rötelnembryopathie, die zu einem persistierenden Ductus arteriosus führen kann.

Herzfehler treten gehäuft bei bestimmten genetischen Syndromen und Chromosomenfehlverteilungen auf (innerer oder endogener Faktor). Typisch bei einer Trisomie 21 oder Down-Syndrom sind Ventrikel- und/oder Vorhofseptumdefekte unterschiedlicher Schweregrade. Bei dem Marfan-Syndrom treten Mitral- und Trikuspidalklappenprolapse oder Aortenerweiterungen auf, da hier ein Substanzdefekt des Bindegewebes vorliegt.

Erworbene Herzfehler treten im Verlauf des Lebens auf. Infektiöse Entzündungen führen in der Regel zu Klappendefekten, die größtenteils operativ korrigiert werden müssen. Häufiger treten degenerative Klappenveränderungen auf, die vorerst beobachtet und ab einem gewissen Schweregrad operiert werden können.

Komplikationen

Herzfehler können zu diversen Komplikationen führen. Bei angeborenen Herzfehlern besteht grundsätzlich das Risiko einer Herzmuskelschwäche und einer Sauerstoffunterversorgung der Organe. Je nach Art und Ausprägung des Herzfehlers können im Verlauf des Lebens vielgestaltige Herzprobleme auftreten. So kann es zu Rhythmusstörungen und Schmerzen, aber auch zu schweren Organschäden oder Infarkten kommen.

Durch die vermehrte Produktion roter Blutkörperchen kann es außerdem zur Eindickung des Blutes kommen. Dadurch erhöht sich das Risiko für Schlaganfälle, Gefäßthrombosen und Herzinfarkte. Wird ein angeborener Herzfehler nicht behandelt, kann es außerdem zu schweren Entzündungen, Herzrhythmusstörungen oder Erkrankungen der Herzklappen kommen. Mitunter treten auch bleibende Lungenschäden und Erkrankungen der inneren Organe auf.

Herzfehler, die sich in Folge einer Entzündung, Stress oder von übermäßigem Drogenkonsum entwickeln, können abhängig von der jeweiligen Ursache eine Reihe von weiteren Komplikationen hervorrufen. Bei der chirurgischen Behandlung eines Herzklappenfehlers kann es ebenfalls zu Komplikationen kommen. So kann die Herz-Lungen-Maschine die Blutgerinnung verändern, vorübergehend eine Niereninsuffizienz hervorrufen und mitunter auch zu lebensbedrohlichen Aderverschlüssen führen. Nach dem Eingriff kann es unter anderem zu Blutungen und Infektionen, aber auch zu vorübergehenden psychologischen Komplikationen kommen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Personen, die ohne erkennbaren Grund an häufiger Müdigkeit und Abgeschlagenheit leiden, sollten einen Arzt konsultieren. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Beschwerden im Laufe der Zeit zunehmen. Eine schleichende Abnahme der Leistungsfähigkeit, oft verbunden mit Atemnot und Schwäche, deutet auf einen erworbenen Herzfehler hin. Ein Mediziner muss die Symptome abklären und gegebenenfalls direkt eine Therapie einleiten, um die Gefahr ernster Komplikationen zu reduzieren. Sollten sich Anzeichen einer Mitralstenose bemerkbar machen, muss umgehend ein Arzt konsultiert werden.

Vor allem blutiger Husten und äußere Anzeichen wie bläuliche Lippen und bläulich-rote Wangen bedürfen einer Untersuchung. Auch mit Wasseransammlungen und anderen ungewöhnlichen Beschwerden, die auf keine bestimmte Ursache zurückzuführen sind, muss zum Arzt gegangen werden. Ein angeborener Herzfehler bedarf ebenfalls einer sofortigen Abklärung, sobald erste Symptome bemerkt werden. Herzrhythmusstörungen, Schmerzen und Krämpfe sind umgehend untersuchen zu lassen. Sollte es zu einem Infarkt kommen, muss der Rettungsdienst gerufen werden. Begleitend sind Erste-Hilfe-Maßnahmen zu leisten. Ein diagnostizierter Herzfehler bedarf einer engmaschigen Überwachung durch einen Kardiologen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung von angeborenen oder erworbenen Herzfehlern bedarf einer lebenslangen speziellen kardiologischen Betreuung. Trotz nötiger operativer Korrekturen bestehen meist Rest- und Folgezustände.

Diese treten in der Regel dann auf, wenn Herzfehler in frühen Kindheitstagen korrigiert wurden. Diese Herzchirurgie unterscheidet zwischen palliativen und korrigierenden Operationen zur Beseitigung von Herzfehlern.

Durch eine korrigierende Operation soll der normale Funktionszustand wiederhergestellt werden. Dadurch kann sich die Lebenserwartung normalisieren. Palliativoperationen von Herzfehlern werden bei schwerwiegenden Anomalien durchgeführt.

Hierzu gehören aber auch Herz- oder Herz-Lungen-Transplantationen. Heutzutage werden am häufigsten Klappenoperationen durchgeführt. Dabei werden biologische Klappen (vom Schwein, Rind oder Pferd) oder mechanische Kunst-Prothesen eingesetzt.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Eine wichtige vorbeugende Maßnahme bei korrigierten oder bestehenden angeborenen oder erworbenen Herzfehlern ist die Endokarditisprophylaxe bei Eingriffen mit möglicher Infektionsgefahr, z. B. bei zahnärztlichen Eingriffen. Dadurch können Entzündungen und folgende Defekte der Herzklappen verhindert werden, v. a. bei vorbestehenden Herzfehlern.

Jeder Patient mit Herzfehlern sollte stets einen Herzpass bei sich tragen und bei jedem Arztbesuch vorlegen. Ebenso sollte man während einer Schwangerschaft auf einen Alkoholkonsum verzichten und auf einen ausreichenden Impfstatus vor Beginn der Schwangerschaft achten, um Herzfehler des neugeborenen Kindes zu vermeiden.

Das können Sie selbst tun

Menschen, die an einem Herzfehler leiden, müssen sich im Alltag nicht unbedingt einschränken. Je nach Art der Beschwerden sollten jedoch ein paar Dinge beachtet werden, um Komplikationen zu vermeiden.

Zunächst gilt es, im Hinblick auf die Art des Herzfehlers gemeinsam mit dem Arzt eine individuelle Therapie zu erstellen, die körperliche Bewegung, diätetische Maßnahmen und die medizinische Behandlung umfasst. Die Ernährung sollte sich so zusammensetzen, dass das Herz nicht noch zusätzlich belastet wird. Eine gesunde Diät mit vielen ballaststoffreichen Lebensmittel und mehrfach ungesättigten Fettsäuren ist zu empfehlen. Vermieden werden sollte viele Zucker, Weißmehl und tierisches Fett. Betroffene sollten außerdem auf das Rauchen verzichten und auch andere Genussmittel wie Kaffee oder Alkohol nur in Maßen genießen.

Daneben profitieren Herzkranke von einem individuell abgestimmten Bewegungstraining und regelmäßigem Stressabbau. Empfehlenswert sind zum Beispiel Übungen aus dem Yoga und Atemübungen. Bei Bedarf kann ein Physiotherapeut oder ein Ergotherapeut hinzugezogen werden. Auch Hilfe von anderen Menschen – etwa in einer Selbsthilfegruppe – kann sinnvoll sein, um die Erkrankung zu akzeptieren und neue Strategien für einen besseren Umgang mit dem Herzfehler zu erlernen. Begleitend dazu ist natürlich auch immer eine engmaschige ärztliche Überwachung angezeigt. Das erkrankte Herz muss regelmäßig untersucht werden, vor allem bei ungewöhnlichen Symptomen oder Beschwerden.

Bücher über Herzfehler

Quellen

  • Erdmann, E.: Klinische Kardiologie. Springer, Heidelberg 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Roskamm, H., et al.: Herzkrankheiten. Springer, Heidelberg 2004

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: