Nervenleiden

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. November 2017
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Als Nervenleiden werden Störungen der Psyche bezeichnet, die in der Regel keine körperlichen Ursachen haben. Jedoch können Nervenleiden auch im Zusammenhang mit Erkrankungen auftreten, die durch ihre Symptomatik psychische Störungen auslösen können.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Nervenleiden?

Als Nervenleiden gelten allgemein neben diversen psychischen Störungen auch spezielle Formen, wie die Neurose und die Psychose. Sie werden umgangssprachlich oft auch als Geisteskrankheit oder Psychokrankheit bezeichnet. Der Begriff Nervenleiden wird daher als Sammelbegriff für viele Formen von psychischen Störungen bezeichnet. Dazu können auch extreme Formen der Nervosität und der inneren Unruhe gehören.

Im Gegensatz zu einer Neurose, bei der keine körperlichen Ursachen vorhanden sind, ist eine Psychose jedoch oft an körperliche Disfunktionen gekoppelt. Grob kann man sagen, dass bei Neurosen Angst- und Zwangsstörungen typisch sind, während Psychosen durch gestörte Realitätswahrnehmung ausgezeichnet sind.

Ein zusätzlicher Unterschied zwischen einer Psychose und einer Neurose ist, dass Patienten, mit neurotischen Zügen, sich ihres Nervenleidens bewusst sind, wohingegen sich ein Psychotiker für gesund hält.

Ursachen

Zumeist sind die Ursachen für Nervenleiden seelischer bzw. psychischer Natur. Besonders wenn die Ursachen durch starke Nervosität, innere Unruhe, Angst, Angststörung, Hysterie, Stress, Hypochondrie oder Zwänge hevorgerufen werden, spricht man häufig von Neurosen (z.B. Angstneurose, Herzneurose). Nervenleiden können aber auch aufgrund von langanhaltender Trauer (z.B. bei einem Todesfall oder Liebeskummer) ausgelöst werden.

Wenn auch mittlerweile veraltet hat besonders Sigmund Freud verschiedenste Theorien zu den Ursachen von Nervenleiden geliefert. Er führt die seelischen Störungen vor allem auf unterdrückte Ängste, frühkindliche Entwicklungsstörungen und sexuelle Probleme als Ursachen zurück. Besonders die Verarbeitung der Psyche im Unterbewusstsein soll nach Freud eine essentielle Bedeutung haben.

Nervenleiden können aber auch im Rahmen von Erkrankungen auftreten. Dabei können bestimmte Giftstoffe (z.B. Toxine) und Viren im Körper für Veränderungen der Nervenfasern bzw. Nervenzellen sorgen, die dann in der Folge nachhaltig Nervenleiden auslösen können.

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Krankheiten

Komplikationen

Nervenleiden führen zu schweren zwischenmenschlichen Komplikationen. Der Betroffene leidet unter Stimmungsschwankungen, einer Gereiztheit und häufig kommt es zu einem aggressiven Verhalten. Missverständnisse, Konflikte und Streitereien treten auf. In schweren Fällen kommt es zu Trennungen von liebgewonnen Menschen. Das führt zu einer weiteren Verminderung der Lebensfreude.

Trauer über den Verlust stellt sich ein. Apathie, Appetitlosigkeit oder eine melancholische Stimmung sind die Folgen. In einigen Fällen schlägt das Verhalten komplett um. Aus einer Zurückgezogenheit wird Wut. Eine Maßlosigkeit kann sich zu einem weinerlichen Verhalten entwickeln. Es ist nicht im Vorfeld zu sagen, welche Emotionen oder welches Verhalten von dem Betroffenen durch das Leiden ausgelöst werden.

Kommt es zu einer Behandlung des Nervenleidens, werden häufig Medikamente gegeben. Diese haben Nebenwirkungen, die ebenfalls eine Verhaltens- und Gemütsveränderung auslösen. Während einer Therapie beschäftigt sich der Betroffene oft mit Themen und Ereignissen seines Lebens. Sehnsüchte, emotionale Verletzungen oder Traumata können aufgedeckt werden und zu weiteren Gefühlsschwankungen oder Launenhaftigkeit führen.

In einigen Fällen kommt es zu einer Berufsunfähigkeit, dem sozialen Rückzug oder einer Isolation. Weitere psychische Erkrankungen können sich entwickeln, die parallel behandelt werden. In schweren Fällen tritt ein Nervenzusammenbruch ein. Der Patient wird zu seiner eigenen Sicherheit für einige Zeit stationär behandelt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die Frage, wann Symptome eine ärztliche Behandlung erforderlich machen, kann nur dem konkreten Einzelfall nach beantwortet werden. Ein Patient sollte sämtliche Belange ermitteln. Es gilt, eine bedarfsorientierte und umfassende Risikoabwägung durchzuführen. Dabei ist es durchaus ratsam, sich in Zweifelsfällen für einen Arztbesuch zu entscheiden. Allerdings macht nicht jedes Symptom eine Behandlung notwendig. Aus medizinischer Sicht sind zahlreiche Leiden nicht behandlungsbedürftig.

Beim Verdacht eines Nervenleidens ist zunächst zu berücksichtigen, dass keine körperlichen Ursachen bestehen. Ein Arztbesuch ist deshalb nicht zwingend angezeigt. In der Regel ist stattdessen der Besuch eines Psychotherapeuten anzuraten. Dieser ist in der Lage, die beschriebenen Beschwerden einzuordnen und kann somit den Verdacht entkräften oder erhärten. Ein Psychologe kann ebenfalls eine Diagnose stellen, indem er fachmännische Testverfahren durchführt.

Im Gegensatz zu einem Psychotherapeuten ist es ihm in Ermangelung einer Approbation allerdings nicht gestattet, eine Behandlung einzuleiten. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, einen Psychotherapeuten aufzusuchen, der sowohl psychologisch als auch therapeutisch tätig werden darf. Denn nur so ist sichergestellt, dass Behandlung und Diagnose aus einer Hand erfolgen.

Da sich ein Nervenleiden von Laien nicht diagnostizieren lässt und zunächst keine körperlichen Symptome aufweist, gehen die meisten Patienten zunächst zum Hausarzt. Dieser fungiert als erste Anlaufstelle. Er wird, sofern er den Verdacht eines Nervenleidens hegt, an einen Therapeuten, Psychologen oder Psychiater verweisen.

Behandlung & Therapie

Nervenleiden sollten unbedingt vom Arzt bzw. Facharzt (Psychologe) untersucht und behandelt werden. Der Arzt wird dabei viele Fragen zu den Umständen stellen und auch Tests zur genauen Ursachenfindung durchführen. Da die Ursachen für Nervenleiden so mannigfaltig sein können, sind auch die Therapie- bzw. Behandlungsmöglichkeiten sehr vielfältig. Zumeist wird der Allgemeinarzt sie an einen Psychologen oder Psychotherapeuthen weiter vermitteln. Dieser wird dann speziell auf ihren Fall ausgerichtete Therapien einleiten. Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung werden zumeist in der Psychotherapie erfolgreich eingesetzt.

Von Medikamenten sei zunächst abgeraten. Der behandelnde Arzt wird jedoch bei Bedarf auch Psychopharmaka (z.B. Antidepressiva, Neuroleptika oder Psychostimulantien) einsetzen. Vorzuziehen sind jedoch zunächst pflanzliche Mittel, wie Baldrian, Melisse und Hopfen.

Aussicht & Prognose

Der Verlauf vom Nervenleiden hängt immer von den physischen und psychischen Eigenschaften des Patienten und natürlich von der Ausprägung des Symptoms ab. In der Regel zeichnet sich das Nervenleiden vor allem durch eine innere Unruhe aus, die durch bestimmt Faktoren wie Stress verstärkt werden kann. Hinzu kommt eine ständige Nervosität, die zu einer Erschöpfung und Reizbarkeit führt. Nicht selten führt das Nervenleiden damit zu einem Burnout, wenn es nicht behandelt wird.

Bei einem schweren Verlauf können auch weitere Symptome eintreten, wie zum Beispiel Panikattacken oder Zwangsstörungen. Der Patient leidet an einer verminderten Lebensqualität und kann möglicherweise seine Arbeitsstelle nicht mehr ohne Weiteres aufsuchen.

Die Behandlung erfolgt mit Medikamenten und durch Gespräche mit einem Psychologen. Allerdings kann die Behandlung mehrere Monate in Anspruch nehmen, wenn das Nervenleiden relativ stark ausgeprägt ist. Ob die Behandlung wirklich zum Erfolg führt, kann nicht universell vorausgesagt werden. Hier muss auch der Patient selbst sich anstrengen und seinen Willen zeigen. Sollten die Gespräche erfolglos verlaufen, so können Antidepressiva und andere Medikamente eingesetzt werden.

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Hausmittel & Kräuter gegen Nervenleiden

Giftstoffe und Viren im Körper können für Veränderungen der Nervenzellen sorgen.
  • Tees und Bäder aus Melisse und Hopfen beruhigen die Nerven und stabilisieren die Stimmung. Auch bei Schlafstörungen sind sie hervorragend geeignet.
  • 10 Tropfen Baldriantinktur zur Nacht in einem lauwarmen Glas Wasser aufgelöst, beruhigt Geist, Seele und Körper auf Dauer. Allerdings kann der beruhigende Effekte auch bis zu zwei Wochen dauern. Dafür hält er aber auch länger an.

Das können Sie selbst tun

Bei Nervenleiden stehen einige Möglichkeiten zur Verfügung, selbst tätig zu werden. Selbsthilfe kann allerdings eine medizinische Behandlung niemals ersetzen, sondern diese allenfalls ergänzend begleiten. Nervenleiden stellen die Betroffenen vor eine schwierige Aufgabe. Es ist deshalb wichtig, den Körper optimal mit Nährstoffen zu versorgen. Hierbei spielt die Ernährung eine wichtige Rolle. Nahrungsmittel wie Fisch, Nüsse oder Rapsöl sind reich an Omega-3-Fettsäuren. Diese stärken die Nervenzellen des Körpers, sodass sie verstärkt zu sich genommen werden sollten.

Darüber hinaus ist auch auf eine angemessene Vitaminzufuhr zu achten. Vitamin A unterstützt den Körper dabei, sich gegen freie Radikale zu wehren. Vitamin C unterstützt die Produktion von Adrenalin und stärkt das Immunsystem. Es ist in frischem Obst und Gemüse enthalten. Besonderer Bedeutung kommt auch den B-Vitaminen zu. Diese gelten als „Nerven-Vitamine“ und sind in Linsen, Joghurt, Bohnen, Eiern, Sonnenblumenkernen und Walnüssen enthalten.

Neben einer ausgewogenen Ernährung sollte auch auf einen gesunden Lebensstil geachtet werden. Die Betroffenen eines Nervenleidens sollten ausreichend Schlafen, ihr Stresslevel reduzieren und auf den Konsum von Suchtmitteln wie Alkohol oder Zigaretten weitestgehend verzichten.

Bücher über Nervenleiden, Stress & Entspannung

Quellen

  • Gleixner, C., Müller, M., Wirth, S.: Neurologie und Psychiatrie. Für Studium und Praxis. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2013
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Duale Reihe Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Rudolf, G.: Psychodynamische Psychotherapie. Schattauer, Stuttgart 2014

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