Appetitlosigkeit

Die Appetitlosigkeit, Anorexie, oder Inappetenz, welche aus dem lateinischen abgleitet, "das Verlangen" meint, sind Fachbegriffe für einen nicht normalen Appetit. Die Extremform der Appetitlosigkeit ist die Magersucht (Anorexia nervosa), welche als eigenständige psychische Krankheit gelten kann.

Inhaltsverzeichnis

Definition Appetitlosigkeit

Appetitlosigkeit ist in der Regel nicht an eine ernste Krankheit gebunden, doch wenn sie länger anhält oder psychisch bedingt ist, kann aus ihr schnell eine ernst zu nehmende Krankheit entstehen, die sogenannte Anorexia nervosa bzw. Magersucht. Bei dieser krankhaften Appetitlosigkeit handelt es sich um eine Ess-Störung, die dadurch gekennzeichnet ist, dass die Patientin (seltener der Patient) sich aufgrund eines gestörten Selbstbildes weigert, ein gesundes Körpergewicht aufrechtzuerhalten, und die zwanghafte Angst vor einer Gewichtszunahme in sich trägt.

Dieses beruht auf einer kognitiven Fehlvorstellung des eigenen Körpers, der Ernährung im Allgemeinen und des Essens im Besonderen. Diese Form der Appetitlosigkeit hat meist eine Reihe an Begleiterkrankungen wie z. B. Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen und gehört zu den psychiatrischen Störungen mit der höchsten Sterblichkeitsrate.

Während sich die Stereotypisierung hartnäckig hält, Appetitlosigkeit in Form einer Anorexie betreffe ausschließlich junge Frauen westlicher Kulturen, ist es wissenschaftlich belegt, dass diese Krankheit sowohl Frauen als auch Männer betreffen kann, und zwar aller Altersgruppen, Rassen und sozioökonomischer oder kultureller Gruppen. Appetitlosigkeit ist nicht genetisch bedingt.

Anzeichen und Symptomatik

Jemand, der unter Appetitlosigkeit leidet, legt zahlreiche verschiedene Symptome an den Tag. Diese können in ihrer Art und Ausprägung variieren und belasten den Betroffenen individuell und unterschiedlich stark. Anorexia nervose und die damit verbundene Fahl- bzw. Mangelernährung kann ernsthafte Komplikationen im menschlichen Organsystem verursachen und schlägt sich in erster Linie folgendermaßen nieder:

  • zwanghafte Beschäftigung mit Kalorien- und Fettgehalt von Nahrungsmitteln
  • Diätwahn trotz schlanker oder gar untergewichtiger Erscheinung
  • Narbenbildung auf dem Handdrücken durch wiederholten Kontakt mit den Zähnen beim permanenten Herbeiführen des Brechreizes
  • geschwollene Wangen durch häufiges Erbrechen
  • Hautschädigungen (Akne)
  • exzessiver Sport oder körperliche Betätigung
  • depressive, traurige Stimmung
  • Rituale wie unendliche Zerkleinerung von Nahrungsmitteln
  • Meiden von Familie, Freunden, und Bekannten (sozialer Rückzug) durch Appetitlosigkeit bei gemeinsamen Mahlzeiten

Ursachen für Appetitlosigkeit

Bei Appetitlosigkeit ist der normale menschliche Appetit auf Speisen oder das hungrige Verlangen nach Nahrung stark verringert. Wird die Nahrungsaufnahme über einen längeren Zeitraum stark eingeschränkt, kommt es zu körperlichen Schäden, die bis zum Tod durch Verhungern führen können.

In der Regel tritt die Appetitlosigkeit mit anderen Symptomen, wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sowie bei vielen anderen Infektionskrankheiten auf. Aber auch seelisch bedingte Einflüsse, wie der Tod eines Familienmitgliedes, lässt den Appetit stark abnehmen. Eher seltener tritt Appetitlosigkeit bei Tumoren auf.

Die Ursachen für krankhafte Appetitlosigkeit können auch körperlicher Natur sein, aber auch im gesellschaftlichen Umfeld zu finden sein. So können Komplikationen vor und bei der Geburt Grund dafür sein, eine genetische Prädisposition oder neurologische Dysregulation vorliegen oder auch Durchblutungsstörungen im Gehirn, Autoimmunerkrankungen oder Ernährungsdefizite wie Zinkmangel ursächlich für Anorexia nervosa (Magersucht) sein.

Soziokulturelle Studien haben jedoch auch gezeigt, dass andere Faktoren Auslöser für eine derartige Appetitlosigkeit sein können, wie etwa das von Medien propagierte Schönheitsideal der Schlankheit, Berufs(vor)bilder wie Models und Tänzer oder aber auch Entwicklungs- bzw. Verhaltensstörungen mit autistischen Charakterzügen.

Krankheiten mit Appetitlosigkeit

Behandlung von Appetitlosigkeit

Diagnostiziert wird krankhafte Appetitlosigkeit von einem erfahrenen Spezialisten, der zunächst ernsthafte andere Erkrankungen wie Infektionen, Hormonstörungen, neurodegenerative Krankheiten, Tumore oder eine ganze Reihe anderer, psychiatrischer Störungen auszuschließen hat, die dieselbe oder ähnliche Symptomatik hervorrufen können. Hierfür steht ein ganzes Arsenal an Diagnosekriterien zur Verfügung. Auch die Abgrenzung von anderen Formen der Ess-Störungen (wie Bulimie) muss gesichert sein.

Die Therapie der Anorexia nervosa richtet sich nach dem individuellen Befinden und dem Schweregrad der Erkrankung und zielt auf drei Hauptgebiete ab: die Wiederherstellung eines gesunden Mindestgewichts, die Behandlung der zugrundeliegenden oder begleitenden psychiatrischen Störung sowie die Eliminierung der Zwangsgedanken, die ursprünglich zu dem gestörten Essverhalten geführt hatten bzw. die Aufrechterhaltung der Appetitlosigkeit immer wieder triggern.

Eine medizinische Ernährungstherapie mit Nahrungsergänzung durch Zink, Omega-3-Fettsäuren und andere Mikronährstoffe sowie eine Erziehung zum verantwortungsvollen Umgang mit dem eigenen Körper bildet die Basis. Medikamentös hat sich der Wirkstoff Olanzapin, ein atypisches Neuroleptikum, bewährt, um den Body-Mass-Index zu erhöhen und die Zwangsgedanken zu reduzieren. Auch der selektive Serotonin-Wiederaufnehmehemmer (SSRI) Fluvoxamin wird zur Behandlung von Zwangsstörungen eingesetzt. Einen weiteren Therapiepfeiler bildet die kognitive Verhaltenstherapie, die evidenzbasiert arbeitet und gute Erfolge bei Appetitlosigkeit verspricht.

Die Prognose bei Anorexia nervosa (Magersucht) ist gut und verläuft, sofern behandelt, nicht chronisch. Die durchschnittliche Dauer einer Periode liegt bei knapp zwei Jahren. Ein vollständiges Abklingen gelingt bei bis zu 90 Prozent der Erkrankten, die Rückfallrate bei psychisch bedingter Appetitlosigkeit liegt bei 30 Prozent.

Rezeptfreie Medikamente gegen Appetitlosigkeit

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Vorbeugung von Appetitlosigkeit

Prophylaktisch kann der Einzelne durchaus etwas gegen drohende Appetitlosigkeit tun: wichtig ist, feste Mahlzeiten einzuhalten und nicht ständig irgendetwas „im Vorbeigehen“ zu sich zu nehmen, sondern sich auf die Essenszeit zu freuen. Fast Food sollte vermieden werden. Es gilt, jedes Essen wertzuschätzen, sich Zeit für die frische Zubereitung abwechslungsreicher Speisen zu nehmen und langsam zu essen. Appetitanregend kann auch sein, zusammen mit Freunden einkaufen zu gehen, anschließend gemeinsam zu kochen und das Mahl ausgiebig zelebrieren. Ebenso helfen lange Spaziergänge und viel Bewegung in der Natur und an der frischen Luft.

Hausmittel und Kräuter gegen Appetitlosigkeit

  • Bei Appetitlosigkeit und Appetitmangel und Blähungen hilft ein Aufguss aus Anis.
  • Engelwurztee hilft bei Appetitlosigkeit und Katarrhen oder oberen Luftwege.
  • Enzian hilft bei Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen und Magenleiden.
  • Bei Appetitlosigkeit einen Tee aus Kümmel und Schafgarbe trinken.

Bücher über Appetitlosigkeit

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