Persönlichkeitsstörung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. November 2017
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Der Begriff Persönlichkeitsstörung umfasst eine Vielzahl von unterschiedlichen psychischen Störungen, bei dem der Betroffene von "normalen" Verhaltensmustern stark abweichen kann. Oftmals wirken die Handlungen und Gedanken von Patienten situationsunangemessen und unpassend auf gesunde Menschen. Typische Formen der Persönlichkeitsstörung sind Paranoide Persönlichkeitsstörung und die Schizophrenie. Letztere wird jedoch als psychotische Störung klassifiziert.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Persönlichkeitsstörung?

Der Begriff Persönlichkeitsstörung bezeichnet in der Psychologie und Medizin eine Gruppe von psychischen Erkrankungen, die in der Kindheit oder Jugend beginnen und sich durch abweichende, als starr und unflexibel beschriebene Erlebens- und Verhaltensmuster besonders in für die Person konflikthaften Situationen auszeichnen.

Dadurch ist die Funktions- und Leistungsfähigkeit des Betroffenen stets im persönlichen und sozialen, mitunter auch im beruflichen Bereich teils erheblich beeinträchtigt. Persönlichkeitsstörungen werden in der klinischen Psychologie und der Psychiatrie nach den Diagnosesystemen ICD-10 und DSM-IV in durch charakteristische Merkmale definierte Subtypen unterteilt, wobei jedoch Überschneidungen und dadurch kombinierte Persönlichkeitsstörungen häufig sind.

Ursachen

Eine allgemein anerkannte Definition der Ursachen von Persönlichkeitsstörungen existiert nicht. Die Entwicklung einer Persönlichkeitsstörung wird als in einem komplexen Zusammenspiel von familiären und sozialen Wechselwirkungen und genetischen Anlagen bedingt angesehen. Unterschiedlich bewertet werden die psychosozialen Aspekte bei der Entwicklung von Persönlichkeitsstörungen von den einzelnen psychotherapeutischen Schulen.

Während die Tiefenpsychologie die Ursachen in Störungen der Kindheit wie ein problematisches soziales Umfeld (beispielsweise Elternhaus) oder frühen Psychotraumata sieht, fokussiert die Psychoanalyse individualpsychologische Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung.

Einen anderen Ansatz verfolgt die Verhaltensmedizin, die Persönlichkeitsstörungen als das Ergebnis der Verstärkung von in Kindheit oder Jugend angelegten Verhaltensgrundlagen durch operante Konditionierung (Verfestigung von Verhaltensschemata durch positive oder negative Verstärkung beispielsweise durch das soziale Umfeld) und des Modell-Lernens (Verfestigung allgemeinen Verhaltens durch Erlernen an einem bestimmten Beispiel) sieht.

Diese Theorie bildet die Grundlage für die Behandlungsmethoden der Verhaltenstherapie, die durch nachweisliche Erfolge bei der Behandlung von Persönlichkeitsstörungen, insbesondere auch der sogenannten Borderline-Persönlichkeitsstörung, gegenüber den klassischen psychotherapeutischen Methoden zunehmend an Bedeutung gewonnen hat.

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Krankheiten

Komplikationen

Persönlichkeitsstörungen können mit anderen psychischen Störungen einhergehen. Die Häufigkeit solcher Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) unterscheidet sich jedoch je nach vorliegender Persönlichkeitsstörung. Etwa 50 Prozent der Personen, die eine Essstörung haben, leiden gleichzeitig an einer Persönlichkeitsstörung. Bei der zwanghaften Persönlichkeitsstörung treten Angststörungen besonders häufig auf.

Eine häufige Komplikation sind depressive Störungen wie die Dysthymie und die (Major) Depression. Ihre Kernmerkmale sind der Verlust von Freude und Interesse sowie die depressive Verstimmung. Bei der Dysthymie handelt es sich gewissermaßen um eine schwächere, aber länger andauernde Form der Depression. Gleichzeitig sind jedoch auch schwerere depressive Episoden möglich.

Bei Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung besteht darüber hinaus ein erhöhtes Suizidrisiko, das bei verschiedenen Persönlichkeitsstörungen ebenfalls unterschiedlich hoch ausfällt. Personen, die unter einer Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden, besitzen beispielsweise ein Suizidrisiko von rund zehn Prozent. Wenn die Persönlichkeitsstörung mit [[[Selbstverletzendem Verhalten|selbstverletzendem Verhalten]] einhergeht, sind zudem verschiedene körperliche Komplikationen denkbar. Dazu gehören Blutverlust, Entzündung der Wunden und Schäden an betroffenen Nerven oder Muskeln.

Verletzungen und Narben können des Weiteren zur Stigmatisierung und Ausgrenzung der Betroffenen führen. Auch soziale Schwierigkeiten sind infolge einer Persönlichkeitsstörung möglich. Komplikationen am Arbeitsplatz und Beziehungsprobleme sind ebenso möglich wie finanzielle Schwierigkeiten. Solche Faktoren können sich wiederum negativ auf die Persönlichkeitsstörung auswirken und sie verstärken oder zu ihrer Aufrechterhaltung beitragen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Persönlichkeitsstörung kann zu unterschiedlichen Komplikationen führen und sollte daher immer von einem Arzt behandelt werden. In vielen Fällen bemerkt der Betroffene allerdings nicht, dass er an einer Persönlichkeitsstörung leidet. Aus diesem Grund ist dabei die Hilfe von Freunden und der Familie wichtig, um die betroffene Person in eine Behandlung zu begeben. In schwerwiegenden Fällen kann auch eine Behandlung in einer geschlossenen Klinik notwendig sein. Ein Arzt sollte allgemein dann aufgesucht werden, wenn es aufgrund der Persönlichkeitsstörung zu Beschwerden im Leben und im Alltag kommt.

Dazu gehört vor allem ein sozialer Rückzug und eine aggressive Grundhaltung des Patienten gegenüber anderen Menschen und Tätigkeiten. Ebenso können Wahrnehmungsstörungen, Kopfschmerzen und eine Schlaflosigkeit auf eine Persönlichkeitsstörung hinweisen und müssen behandelt werden. Ein Arzt muss auch dann aufgesucht werden, wenn es durch die Persönlichkeitsstörung zu Minderwertigkeitskomplexen oder zu Selbstmordgedanken kommt. Beide Symptome können das Leben stark bedrohen und sollten behandelt werden.

Falls die Persönlichkeitsstörung nach dem Konsum von Alkohol oder anderen Drogen auftritt, kann ein Arzt aufgesucht werden, wenn der Konsum nicht unterbrochen werden kann. In diesem Fall ist in der Regel ein Entzug notwendig.

Behandlung & Therapie

Die Entwicklung einer Persönlichkeitsstörung wird als in einem komplexen Zusammenspiel von familiären und sozialen Wechselwirkungen und genetischen Anlagen bedingt angesehen.

Für Persönlichkeitsstörungen sind psychotherapeutische Methoden die in erster Linie indizierten Behandlungsmethoden. Dabei gibt es wie bereits erwähnt zum einen die Möglichkeit tiefenpsychologischer und psychoanalytischer Behandlungsverfahren und zum anderen die verhaltenstherapeutischer Verfahren. Eine begleitende medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva oder Antipsychotika kann sinnvoll sein, bei einer komorbiden Depression ist sie sogar angezeigt.

Die Behandlung von Persönlichkeitsstörungen stellt an den Therapeuten sehr hohe Ansprüche und ist, abhängig vom Typ der Persönlichkeitsstörung, oft mit Komplikationen wie Suizidalität, selbstverletzendem Verhalten, Drogenmissbrauch oder auch Gewalttätigkeit und Delinquenz behaftet. Darüber hinaus ist eine Komorbidität mit Depressionen häufig, selten auch mit psychotischen Störungen. Die Behandlung einer Persönlichkeitsstörung dauert sehr lange und es ist zweifelhaft, ob eine Persönlichkeitsstörung mit den zur Verfügung stehenden Behandlungsmethoden vollständig geheilt werden kann.

Zwar sind Erfolge nachgewiesen, aber selbst in den Fällen, in denen nach der Behandlung die Diagnose Persönlichkeitsstörung nicht mehr gestellt hätte werden können, kann nicht von einer vollständigen Heilung einer Persönlichkeitsstörung gesprochen werden.

Aussicht & Prognose

Eine Persönlichkeitsstörung stellt eine sehr schwerwiegende Störung der Psyche dar und muss immer durch einen Arzt oder durch einen Psychologen behandelt werden. Es kann daher auch keine universelle Voraussage getroffen werden, ob eine Persönlichkeitsstörung geheilt werden kann oder nicht. Diese Erfolgschancen hängen stark von den persönlichen Eigenschaften der betroffenen Person ab.

Ohne eine Behandlung wird die Persönlichkeitsstörung in der Regel nicht von alleine verschwinden. Sie entwickelt sich oft noch weiter und wird immer stärker. Die betroffene Person zieht sich immer mehr zurück und grenzt sich dabei sozial aus. Es kommt zu starken Depressionen, Schlafstörungen und zu einem aggressiven Verhalten. Auch ein Realitätsverlust tritt relativ häufig auf. Im schlimmsten Falle kann die Persönlichkeitsstörung so stark sein, dass sie zum Selbstmord führt.

Eine Behandlung findet in der Regel mit Medikamenten und durch einen Psychologen statt. Beim Psychologen wird vor allem versucht, die Gründe für die Persönlichkeitsstörung zu ermitteln. Sie kann auch nach einem Unfall auftreten, welcher dem Gehirn Schaden zugefügt hat. In diesen Fällen ist eine Behandlung nur sehr eingeschränkt möglich.

Die Lebensqualität sinkt mit der Persönlichkeitsstörung. In den meisten Fällen führt eine Therapie zum Erfolg und kann die Persönlichkeitsstörung weitestgehend eindämmen. Sie kann allerdings wieder auftauchen, wenn es zu unangenehmen Situationen für den Patienten kommt.

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Vorbeugen

Da sich erste Anzeichen einer Persönlichkeitsstörung oft bereits in der Kindheit oder Jugend manifestieren, sollte bereits hier eine Behandlung beispielsweise durch einen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten einsetzen.

In vielen Fällen lässt sich so die Ausbildung einer Persönlichkeitsstörung im Erwachsenenalter verhindern oder zumindest abmildern.

Eine Prävention im eigentlichen Sinne gibt es jedoch nicht, da die Ursachen (noch) nicht ausreichend geklärt sind.

Man kann aber davon ausgehen, dass bei einer möglichst ungestörten persönlichen Entwicklung in Kindheit und Jugend ohne allzuviele schädliche Einflüsse eine Persönlichkeitsstörung eher nicht entstehen wird.

Das können Sie selbst tun

Der Alltag mit einer Persönlichkeitsstörung führt in vielen Fällen zu Spannungen mit Mitbewohnern, Familie oder Freunden. Aus diesem Grund ist es hilfreich, nahestehende Personen über die psychische Krankheit zu informieren. Offen über Wünsche und Bedürfnisse zu sprechen hilft anderen, angemessen auf diese einzugehen. Das betrifft auch den Umgang mit der Krankheit.

Eine klare Struktur kann im Alltag helfen. Dabei kommt es jedoch auf die Art der Persönlichkeitsstörung und auf eventuelle andere psychische Probleme an: Jemand, der zu Zwanghaftigkeit neigt, profitiert unter Umständen gerade davon, loslassen zu lernen.

Eine Arbeit oder Hobbys wirken in der Regel stabilisierend und sind eine gute Möglichkeit zur praktischen Selbsthilfe bei Persönlichkeitsstörungen. Wer mit einer vollen Arbeitsstelle überfordert ist, kann sich auch über die Möglichkeiten für Praktika oder ehrenamtliche Tätigkeiten informieren. Möglicherweise ist eine geförderte Maßnahme möglich, die solche Bemühungen unterstützt, zum Beispiel im Rahmen der beruflichen Rehabilitation oder als Maßnahme des Arbeitsamts.

Da Persönlichkeitsstörungen oft mit einem hohen Suizidrisiko einhergehen, sind entsprechende Sicherheitsmaßnahmen im Alltag sinnvoll. Wichtig ist dabei vor allem, frühe Warnzeichen zu erkennen. Diese Warnzeichen können bei jeder Person unterschiedlich sein – eine Therapie kann dabei helfen, sie individuell zu identifizieren. Oft ist es darüber hinaus sinnvoll, einen Vertrauten einzuweihen und rechtzeitig um Hilfe zu bitten, sobald suizidale Gedanken auftauchen.

Bücher über Persönlichkeitsstörung

Quellen

  • Davison, G.C., Neale, J.M., Hautzinger, M.: Klinische Psychologie. Beltz PVU, München 2007
  • Fiedler, P.: Integrative Psychotherapie bei Persönlichkeitsstörungen. Hogrefe, Göttingen 2003
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013

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