Borderline-Syndrom

Das Borderline-Syndrom oder Borderline-Störung ist eine psychische Erkrankung aus dem Bereich der Persönlichkeitsstörungen. Die Betroffenen leiden an einem Mangel sozialer Kompetenzen. Besonders sind die zwischenmenschlichen Beziehungen zu anderen Menschen von einer krankhaften Instabilität gekennzeichnet. Auch starke Stimmungsschwankungen treten häufig auf. Der Blick auf sich selbst (Selbstbild) ist starken Verzerrungen ausgesetzt. Angststörungen, Wut und Verzweiflung treten hinzu.

Inhaltsverzeichnis

Definition Borderline-Syndrom

Das Borderline-Syndrom ist eine psychische Erkrankung, bei der die Betroffenen in extremen psychischen Spannungen leben, die quälend und diffus sind. Die genaue Klassifizierung des Syndroms ist bis heute umstritten. Borderline-Syndrom bezeichnet allgemein "Grenzlinie" oder "grenzwertig" und entstand als Begriff zunächst einmal, weil damit Symptome zusammengefasst wurden, die Ärzte zwischen der neurotischen und psychotischen Störung ansiedelten.

Zunächst als Verlegenheitsdiagnose verstanden, ist das Borderline-Syndrom aber mittlerweile als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt. Demnach handelt es sich beim Borderline-Syndrom um eine spezifische Persönlichkeitsstörung, die eben durch Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen und extremer Impulsivität, Stimmungsschwankungen und verzerrtem Selbstbild gekennzeichnet ist.

Neben dem Begriff Borderline-Syndrom werden auch die Bezeichnungen emotional instabile Persönlichkeitsstörung oder Borderline-Persönlichkeitsstörung (kurz: BPS) im Fachjargon verwendet.

Ursachen für Borderline-Syndrom

Die Hintergründe für das Borderline-Syndrom sind nicht genau geklärt. Die Forschung hat bislang feststellen können, dass sich das Syndrom vor allem bei Personen entwickelt, die über längere Zeit sexuell missbraucht wurden, starke Ablehnung als Kind erfahren haben, emotional vernachlässigt wurden oder körperlicher Gewalt ausgesetzt waren. Insofern sind Borderliner schwer traumatisierte Menschen, die extremen Angstzuständen ausgesetzt sind.

Wer und wie viele Menschen mit solchen Traumata ein Borderline-Syndrom aufweisen ist nicht gesichert, weil das Krankheitsbild nach wie vor nicht immer erkannt oder genau diagnostiziert wird. Allerdings gehen Schätzungen davon aus, dass 1 bis 2 Prozent einer Bevölkerung im Schnitt betroffen sind. Rund 70 Prozent aller Betroffenen sind Frauen. Auf Grundlage dieser Schätzung wäre Borderline häufiger verbreitet als andere psychische Krankheiten wie die Schizophrenie. Auch genetische Ursachen können das Borderline-Syndrom hervorrufen.

Symptome

Krankheitsverlauf Borderline-Syndrom

Die Spannungszustände bei Personen mit Borderline-Syndrom sind durch Depressionen, die bei fast allen Borderlinern auftauchen, und dem Gefühl innerer Leere auf der einen Seite und starker Impulsivität gekennzeichnet. Borderliner haben kein Gefühl von "Normalität", sie schwanken zwischen emotionelen Extremen, leben in instabilen sozialen Beziehungen und neigen dazu, den starken inneren Druck, der plötzlich und unbegründet auftreten kann, durch extreme Verhaltensweisen zu ventilieren. In solchen Fällen kommt es dazu, dass sich Betroffene selbst verletzen oder sich in Extremsituationen begeben.

Typische Verhaltensweisen sind exzessiver Drogenkonsum, waghalsiges Autofahren oder das Balancieren auf Brückengeländern. Solches Hochrisikoverhalten dient dazu, Ohnmachtsgefühle wieder zu stabilisieren und eine Selbstermächtigung herzustellen.

Borderliner sind ihren Stimmungsschwankungen oft hilflos ausgeliefert. Das Sozialverhalten von Menschen mit Borderline-Syndrom ist damit wenig einschätzbar, da es immer wieder zu affektiven Kurzschlüssen kommt und keinerlei Impulskontrolle vorhanden ist, die für die Außenwelt oftmals überhaupt nicht nachvollziehbar ist.

Rezeptfreie Medikamente gegen Stimmungsschwankungen

Hier Informieren:

Behandlung von Borderline-Syndrom

In der Medizin und Psychologie ist man sich nicht einig, wie man das Borderline-Syndrom behandeln soll. Psychotherapeutischen Zugängen werden allgemein keine besonders großen Resultate bescheinigt. Erfolgreicher haben sich verhaltentherapeutische Ansätze erwiesen, bei denen den Patienten aufgezeigt wird, wie sie in Extremsituationen neue Verhaltensmuster ausbilden können und diese langfristig verinnerlichen.

Dabei gibt es wiederum unterschiedliche Schulen, die eher unterstützend oder konfrontativ ausgerichtet sind. Da beim Borderline-Syndrom traumatische Erfahrungen der Kindheit zum Ausdruck kommen werden spezielle Traumatherapien auch empfohlen, wobei sich die Wissenschaft einig ist, dass es dabei nicht zu Re-Traumatisierungen kommen sollte.

Die Wahl der richtigen Therapiemethode beim Borderline-Syndrom ist letztlich jedoch abhängig vom Betroffenen selbst. Standardisierte Vorgehensweisen zeigen selten die gewünschte Wirkung. Daneben wird es immer als besonders hilfreich angesehen, das soziale Umfeld in eine Therapie einzubeziehen. Behandlungen mit Arzneimitteln, die so genannte Medikation, kann das Borderline-Syndrom als Ganzes nicht therapieren, sondern höchstens einzelne Symptome bekämpfen.

Bücher über Borderline-Syndrom

Weitere Infos

War der Artikel hilfreich oder lesenswert? Bewerten Sie hier!

Rating: 3.6/5 (7 Stimmen abgegeben)

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Borderline-Syndrom?

Name oder Pseudonym:
E-Mail (optional):
(Wird nicht angezeigt. Nur notwendig, wenn Antwort erwünscht wird.)
Kommentar:
(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Rockminka kommentierte am 05.02.2012 um 19:48 Uhr

Ich bin 54 Jahre alt und habe seit früher Kindheit Borderline. Meine Erfahrung ist, dass durch Medikamente nichts besser, sondern eher schlechter wird. Selbsthilfe nach Lineham, Notfallkoffer, Achtsamkeitstraining haben mir nach dem Absetzen aller Medikamente so weit geholfen, dass ich mich nicht mehr verletzen muß. Was bleibt ist leider die Unfähigkeit zu Lebe. Und leider werde ich immernoch nicht verstanden. Weiß jemand Rat?

Borderline-Syndrom