Narzissmus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. August 2017
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Die narzisstische Persönlichkeitsstörung beziehungsweise der Narzissmus gehört zu den psychischen Störungen, die mit einer besonders stark ausgeprägten und nicht anpassungsfähigen Persönlichkeit verbunden sind. Der Narzisst scheint sehr selbstverliebt, hat tatsächlich jedoch ein sehr gering ausgeprägtes Selbstbewusstsein und ist stets auf der Suche nach Anerkennung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Narzissmus?

Die Persönlichkeitsstörung wurde nach der Sage des Narciss benannt, der so sehr in sein Spiegelbild verliebt ist, dass er die Liebe der Nymphe Echo weder erkennt noch erwidern kann. Er stirbt über seine Verzweiflung, sein Spiegelbild, nicht erreichen zu können.

Man könnte nun annehmen, dass der Narzisst durch eine große Selbstverliebtheit gekennzeichnet ist. So einfach ist es jedoch nicht, die narzisstische Persönlichkeitsstörung ist eine komplexe psychische Störung mit vielen Symptomen.

Betroffene leiden unter einer starken Ablehnung ihrer eigenen Person nach innen, verbunden mit einem sehr geringen Selbstbewusstsein. Nach außen wirkt dies aufgrund ihrer ständigen Suche nach Bewunderung und Anerkennung wie ein übersteigertes Selbstbewusstsein, Arroganz und als ob sich die Betroffenen sehr wichtig nehmen würden.

Ursachen

Die narzissistische Persönlichkeitsstörung ist eine komplexe psychische Störung, die in großen Teilen der Borderline-Symptomatik ähnlich ist.

Narzissten unterscheiden sich jedoch in wichtigen Punkten von Borderline-Betroffenen. So haben sie in der Regel eine sehr gute Impulskontrolle und leiden sie nicht unter selbstzerstörerischen Verhaltensweisen. Die Ähnlichkeit der beiden Störungen zeigt sich jedoch in ihren Ursachen.

Beide Störungen sind frühkindlich und entstehen aufgrund unzureichender oder übersteigerter elterlicher Zuwendung. Diese traumatischen Erlebnisse werden im Erwachsenenalter in einem mangelnden Selbstbewusstsein und übersteigerter Suche nach Anerkennung mit Leistungszwang wiederholt und an die Umwelt wiedergegeben.

Es muss jedoch gesagt werden, dass sich Betroffene ihres Verhaltens meist nicht bewusst sind und somit nicht von einer absichtlichen Handlung des Individuum gesprochen werden kann.

Typische Symptome & Anzeichen

nach außen:

  • Selbstüberschätzung
  • Selbstverliebtheit
  • Arroganz
  • angeberisch
  • Verleumdung von Fehlern und Tatsachen

nach innen:

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose der narzisstischen Persönlichkeitsstörung folgt dem Erhebungsmuster für alle psychischen Störungen und findet in der Ambulanz einer psychiatrischen Klinik statt.

Es sind zwar Selbsttests im Internet zu finden, deren Aussagekraft darf jedoch bezweifelt werden, zumal diese Tests nur wenige Facetten des Verhaltens und nur wenige Symptome abdecken können. Die ausführliche Diagnose einer Persönlichkeitsstörung dauert in der Regel mehrere Stunden und beinhaltet persönliche Gespräche mit einem Therapeuten genau so wie das Ausfüllen zahlreicher Fragebögen.

Diese genaue Diagnostik ist wichtig, um eine spezifische Diagnose erstellen, die individuell stark ausgeprägten Symptome und damit das genaue Störungsbild ausmachen zu können. Denn nur dann kann eine individuelle Therapie eingeleitet werden. Wie alle schweren Persönlichkeitsstörungen kann der Narzissmus nicht vollständig therapiert, dem Betroffene nur zu einem symptomfreieren Leben verholfen werden.

Komplikationen

Narzisstische Persönlichkeiten stellen hohe Ansprüche an sich und ihre Umwelt. Ihr grandioses Auftreten und die starke Empfindlichkeit gegenüber Kritik erschweren den Umgang mit anderen Menschen. Vor allem Betroffene mit der grandiosen Ausprägung des Narzissmus ecken oft an oder werden wütend, wenn sie die ersehnte Bestätigung und Anerkennung nicht von ihrem Umfeld erhalten.

Obwohl ein Wunsch nach Zugehörigkeit besteht, sorgt Empathiemangel für immer wieder auftretende soziale Konflikte. In der Folge erfahren Narzissten Ablehnung durch ihre Mitmenschen und geraten in Isolation. Betroffene mit vulnerablem Narzissmus sind hingegen häufig überangepasst und leiden an einem mangelnden Selbstwert. Auch für sie ist der Umgang mit anderen Menschen aufgrund sozialer Ängste und der Furcht vor Ablehnung eine Herausforderung. Sie legen ein eher vermeidendes Verhalten an den Tag.

Als Folge der sozialen Schwierigkeiten, die sich aufgrund dieser Persönlichkeitsstruktur ergeben, können Betroffene an Depressionen oder Angststörungen erkranken. Nicht selten neigen sie auch zu Suchtverhalten. Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Psychoanalyse verhelfen Betroffenen, mit ihren spezifischen Problemen besser umzugehen.

Ziel ist es, den Selbstwert zu stabilisieren. Die Verhaltensmuster sind jedoch tiefgreifend und schwer zu behandeln. Auch in der Therapie können Konflikte aufgrund von Kränkungserleben entstehen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der narzisstischen Persönlichkeitsstörung erfolgt mit psychotherapeutischen Maßnahmen und, abhängig von Schweregrad und Ausprägung der Symptome, Psychopharmaka. Wichtig ist zudem die Therapie begleitender Symptome und Probleme. Bei Betroffenen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung sind dies vor allem Depressionen und Drogenmissbrauch.

In der Regel kann der Patient bestimmen, welche Therapieform ihm am besten liegt: Stationär oder ambulant. Tiefenpsychologisch, psychoanalytisch oder behavioristisch. Eine große Rolle bei der Findung der passenden Therapie spielt jedoch die Diagnose und die dort getroffene Einschätzung der Therapiebedürftigkeit. Wird festgestellt, dass der Patient aufgrund der Schwere seiner Symptome einer mehrwöchigen stationären Therapie bedarf, so sind ambulante Maßnahmen meist nicht zielführend.

Erschwerend bei der Suche nach einem Therapeuten kommt hinzu, dass viele Psychologen sich mit schweren Persönlichkeitsstörungen als überfordert erleben und Betroffene nicht in ihre Patientenkartei aufnehmen, so dass diese tatsächlich einen viel kleineren Spielraum bei der Wahl der passenden Therapie haben als theoretisch möglich wäre.

Um eine erfolgreiche Therapie einleiten zu können, muss der Betroffene einen ausgeprägten Leidensdruck aufweisen, der ihn zur Mitarbeit motiviert. Eine Zwangstherapie oder eine psychologische Intervention gegen den Willen des Patienten oder bei unzureichender Motivation sind nicht Erfolg versprechend und werden insofern nicht durchgeführt.

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Vorbeugung

Der narzisstischen Persönlichkeitsstörung kann nicht aus eigener Kraft vorgebeugt werden. Elterliche Liebe und Zuwendung und eine gegebenenfalls rechtzeitige Intervention sind die wichtigsten Schlüssel zur Prävention.

Bücher über Narzissmus

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Köhler, T.: Medizin für Psychologen und Psychotherapeuten. Schattauer, Stuttgart 2014
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015

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