Zwangsstörung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 15. November 2017
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Zwänge oder Zwangsstörungen sind psychische Erkrankungen. Der Erkrankte leidet unter Zwangsgedanken und psychischen Belastungen, sodass er unbewusst Zwangshandlungen (z.B. ständiges Händewaschen) durchführen muss. Man spricht auch von einer psychischen Störung. Ihre Ursache zu bestimmen, ist nicht so einfach, denn diese kann sowohl im psychischen als auch im organischen Bereich liegen. Neben der Psychotherapie kann die Zwangsstörung auch medikamentös behandelt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Zwänge und Zwangsstörungen?

Bei der Zwangsstörung wird unterteilt in Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. Die Zwangsgedanken unterscheiden sich von normalen Gedanken in der Art, wie sie von dem Betroffenen erlebt und gedacht werden. Die Gedanken während der Zwangsstörung sind von der ständigen Angst begleitet, anderen Personen Schaden zuzuführen oder selbst in eine peinliche Situation zu geraten.

Sie können nicht bewusst abgestellt oder zu Ende gedacht werden, sodass sie, einem Kreislauf ähnlich, immer wieder auftauchen und schließlich in der Verzweiflung enden. Die Zwangsgedanken sind des Weiteren unterteilt in Zwangsvorstellungen, Zwangsimpulse und Grübelzwang. Bei den Vorstellungen und beim Grübeln durchlebt der Betroffene in Gedanken immer wieder eine negative Situation, z. B. dass dem Ehepartner etwas zustoßen könnte, oder dass er etwas falsch verstanden haben könnte.

Die Zwangsimpulse treiben ihn dazu an, bestimmte Handlungen durchzuführen, auch wenn sie für den Betroffenen selbst oder für Andere negative Auswirkungen haben können. Die Zwangsstörung wird zwar als unsinnig empfunden, doch jeder Versuch, sich dagegen zu wehren, löst noch mehr Angst und Anspannung aus.

Bei der Zwangsstörung kann der Betroffene sich auch gegen die Zwangshandlungen nicht wehren. Diese Handlungen sind Verhaltensweisen, die so oft wiederholt werden müssen, dass sie den Alltagsablauf beeinträchtigen. Ein Beispiel für das Verhalten während einer Zwangsstörung ist das ständige Überprüfen, ob der Herd ausgeschaltet wurde. Der Betroffene unterliegt in dem Fall dem Zwang, dies immer wieder nachsehen zu wollen und kommt so nicht dazu, andere Dinge zu erledigen.

Ursachen

Eine Zwangsstörung kann in unterschiedlicher Form und in verschiedenen Zusammenhängen auftreten. Mehrere Faktoren spielen für die Zwangsstörung eine Rolle. Zum einen kann die Zwangsstörung durch eine organische Fehlfunktion verursacht werden zum anderen durch psychische Störungen.

Die Zwangsstörung tritt häufig in Verbindung mit anderen Erkrankungen auf. Zum Beispiel in Verbindung mit multiple Sklerose oder Epilepsie, aber auch zusammen mit depressiven Störungen, Schizophrenie und Alkoholmissbrauch kann die Zwangsstörung vorkommen. Man spricht von einer Zwangsstörung allerdings nur dann, wenn sie besonders stark ausgeprägt ist und keine andere psychische Erkrankung besteht.

Aus medizinischer Sicht ist die Ursache für eine Zwangsstörung, dass bestimmte Regionen im Gehirn beschädigt sind. Das können die Basalganglien sein, das limbische System oder das Frontalhirn. Wenn in der Familie bereits eine Zwangsstörung vorliegt, ist dieser biologische Faktor als Ursache oft nicht ausgeschlossen.

Typische Zwänge

  • ständiges Händewaschen (Reinlichkeitszwang) nach dem Berühren von Gegenständen oder Personen
  • Kontrollzwänge, z.B. ob der Herd aus ist oder ob man die Tür wirklich abgeschlossen hat
  • Zählzwang - Der Betroffenen muss ständig irgendetwas in seiner Umwelt abzählen. Zum Beispiel die Platten auf dem Bürgersteig oder Stufen einer Treppe
  • Ordnungszwang - alles muss in der Wohnung auf seinem Platz stehen, nichts darf schmutzig oder anders angeordnet sein
  • Berührungszwang - Patienten müssen ständig einen bestimmten Gegenstand anfassen oder das Gegenteil, dass Patienten einen bestimmten Gegenstand gar nicht anfassen können
  • verbale und akkustische Zwänge - Beispielsweise müssen Patienten immer die gleiche Melodie singen oder pfeifen oder bestimmte Ausdrucksweisen wiederholen

Diagnose & Verlauf

Die Zwangsstörung kann dann diagnostiziert werden, wenn der Erkrankte mindestens zwei Wochen lang mit den Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen lebt und diesen Zustand auch als Leiderfahrung schildert und durch diese Situation eine verringerte Lebensqualität erleben muss, sprich: die Zwangsstörung seinen Alltag erheblich beeinträchtigt.

Ein weiterer Aspekt der Zwangsstörung ist, dass der Betroffene Zwangsgedanken als seine eigenen erkennt, und diesen keinen Widerstand leisten kann. Die Vorstellung von der Ausführung des Gedankens oder der Ideen bzw. Impulse sind mit unangenehmen Gefühlen gekoppelt. Bei einer Zwangsstörung kann es auch zu körperlichen Schäden kommen, z. B. beim häufigen Händewaschen bilden sich Ekzeme. Bei starker Ausprägung der Zwangsstörung sind auch Selbstmordgedanken möglich.

Komplikationen

Komplikationen im Zusammenhang mit einer Zwangsstörung können sehr divers sein. So hängt das Ausmaß möglicher Komplikationen unter anderem davon ab, ob die Zwangsstörung auch andere Menschen in Mitleidenschaft zieht oder gar selbstverletztende Elemente aufweist. Eine Therapie senkt das Risiko für Komplikationen.

So sind Zwangsstörungen oftmals ein Grund für eine soziale Isolation, da Betroffene mitunter berufsunfähig werden oder sozial sehr eingeschränkt sind. In Kombination mit der hohen Korrelation an depressiven Verstimmungen, Depressionen und weiteren Persönlichkeitsstörungen, die mit einer OCD einhergehen, steigert sich das Risiko für suizidale Gedanken und die entsprechende Handlung zunehmends.

Weiterhin führt gerade der Waschzwang zu Hautschäden (meist zu Ekzemen), was noch andere gesundheitliche Probleme mit sich führen kann. Zwangsneurosen bergen immer das Risiko, dass der Betroffene andere Lebensbereiche zugunsten seiner Störung vernachlässigt (besonders beim Drang, bestimmte Dinge ständig zu kontrollieren) und so in negative Situationen gerät. Dies ist auch der Fall, wenn es sich um Zwangsgedanken handelt, die vor allem das nähere Umfeld betreffen.

Gerade solche Gedanken, die in Gewaltphantasien oder unangebrachten sexuellen Phantasien bestehen, belasten das Verhältnis zwischen dem Betroffenen und seinem Umfeld ungemein. Zwar besteht kein nennenswertes Risiko, dass diese Gedanken rein aufgrund der OCD umgesetzt werden, aber zahlreiche andere Persönlichkeitsstörungen können zu einem Verlust der Impulskontrolle führen.

Behandlung & Therapie

Eine frühzeitige Behandlung der Zwangsstörung ist empfehlenswert. Zunächst sollte der Hausarzt oder ein Neurologe aufgesucht werden, denn eine Schädigung der Hirnregionen kann mit Medikamenten, die die Aufnahme von Serotonin hemmen, behandelt werden. Das sind in aller Regel Antidepressiva oder Neuroleptika.

Des Weiteren hilft es dem Betroffenen, als auch den Angehörigen, mit der Zwangsstörung besser umgehen zu können, wenn sie therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Eine konginitive Therapie, in der der Betroffene auf das Ziel, seine Gedankenmuster zu verändern, hinarbeitet, ist sehr verfolgsverprechend.

In diesem Zusammenhang lernt der Erkrankte mit Stresssituationen umzugehen, eine passende Strategie für die Bewältigung des Alltags sowie u. a. auch im zwischenmenschlichen Bereich neue Verhalensmuster.

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Vorbeugung

Eine Zwangsstörung kommt meistens unerwartet. Wenn sich der Erkrankte zusammen mit den Angehörigen jedoch intensiv über die Zwangsstörung informiert, ist einer Wiedererkrankung bestens vorgebeugt, dazu sollte die Zwangsstörung allerdings akzeptiert werden.

Bücher über Zwänge

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015

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