Frostbeulen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 15. Oktober 2017
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Der Name Frostbeulen oder Perniones ist irreführend, denn mit einer echten Erfrierung haben sie nichts zu tun, und eine richtige Beule bildet sich auch nicht. Sie treten vielmehr eher bei feuchtkalter Witterung auf, wie z.B. im Frühjahr und im Herbst. Sie verursachen dunkelrote Flecken und teigig weiche Gewebsverdichtungen, die vor allem an den vorspringenden Körperteilen sitzen. Nase, Ohren, Finger, Zehen und die Außenränder der Hände und Fußsohlen werden bevorzugt befallen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Frostbeulen?

Die gute Nachricht vorweg: Auch wenn Frostbeulen unangenehm sind, sind sie im Gegensatz zu Erfrierungen zunächst recht ungefährlich. Frostbeulen, medizinisch Perniones genannt, sind juckende bis schmerzhafte Schwellungen unter der menschlichen Haut, die durch eine wiederholte Einwirkung von Umweltreizen wie Kälte und Nässe entstehen.

Im Grunde genommen fallen Frostbeulen unter das Krankheitsbild der Durchblutungsstörungen. Schließlich sind – wie auch bei Erfrierungen – von Frostbeulen zumeist die am wenigsten durchbluteten Körperpartien wie etwa Zehen, Finger, Ohren und Nase betroffen. Auch die Vorder- und Außenseiten der Unterschenkel können von Frostbeulen betroffen sein, ebenso die Dorsalseiten der Hände und Füße, also der Hand- und Fußrücken.

Ursache von Frostbeulen sind extreme Engstellungen bzw. Verschlüsse peripherer Arterien und Arteriolen unter starker Kälteeinwirkung mit konsekutiver Schädigung des Gewebes.

Ursachen

Primäre Ursache von Frostbeulen ist feuchtkalte Witterung, gepaart mit einer mangelhaften Durchblutung bzw. einer ungenügenden Funktion des Blutkreislaufes. Zwar verheilen Frostbeulen in der Regel innerhalb von ungefähr drei Wochen von selbst, doch sind sie zumindest unangenehm. Der Bereich um die Frostbeule herum ist in seiner Empfindung herabgesetzt, man spürt einen unbestimmten, dumpfen Druck.

Um Frostbeulen vorzubeugen, muss in erster Linie der Kreislauf angekurbelt werden. Wer beispielsweise weiß, dass er sich während einer winterlichen Wanderung viele Stunden im Freien aufhalten wird, sollte dafür sorgen, dass die Blutzirkulation nicht behindert wird. Einengende Strümpfe, Schuhe, Gürtel, ein zu enger Hosenbund, eine einschneidende Uhr oder ein festsitzender Ring, ja selbst einschnürende Handschuhe – all dies behindert die Blutzufuhr in die ohnehin schon schlechter durchbluteten Körperteile, die am entferntesten vom Herzen gelegen sind. Auch ein ausreichender Kälte- und Nässeschutz ist zur Prävention von Frostbeulen angeraten. Zudem kann man sein Gefäßsystem trainieren, beispielsweise mit klassischen Wechselduschen.

Kneift man sich in die mit einer Frostbeule verzierte Nase, dann spürt man nur einen dumpfen, unbestimmten Druck, das Gefühl ist also in einem solchen Bezirk herabgesetzt. Bekannt ist das heftige Jucken und Brennen, wenn man mit einer Frostbeule plötzlich einen gut geheizten Raum betritt.

Frostbeulen entstehen, wie bereits angemerkt, infolge ungenügender Funktion des Blutkreislaufs. Bei der Vorbeugung muss man also darauf bedacht sein, die Funktion des Kreislaufs zu heben. Auf keinen Fall darf die Blutzirkulation von außen behindert werden. Was geschieht nämlich, wenn die gefährdeten Körperabschnitte durch ein von außen wirkendes Hindernis nicht in genügender Menge vom Blut durchströmt werden können? Durch zu enge Strümpfe oder Schuhe z.B. wird die Blutzufuhr zu den Zehen gedrosselt, weil der Blutstrom das beengende Hindernis nicht vollends überwinden kann.

In die kleinen Gefäße des Fußendes und der Zehen kann also nicht mehr genügend frisches Blut einfließen, so dass infolge der mangelhaften Ernährung die Widerstandskraft des Gewebes herabgesetzt wird. Wenn jetzt in diesem schlecht ernährten Gewebe äußere Schädlichkeiten hinzutreten, wie z.B. nasskaltes Wetter, dann kann man fast regelmäßig mit dem Auftreten von Frostbeulen rechnen. Es kommt also weniger darauf an, möglichst viel anzuziehen, als vielmehr darauf, dass die Kleidungsstücke genügend weit sind.

Symptome & Krankheitsverlauf

Die Erste Hilfe bei einer Unterkühlung ist der Wärmeerhalt, d. h. Patienten mit einer Wolldecke zudecken oder einwickeln. Eine Rettungsdecke nie direkt auf die Haut bringen, diese ist dann wegen fehlender Isolationswirkung nutzlos. Klicken, um zu vergrößern.

Haben sich dennoch Frostbeulen gebildet, kann es neben den genannten Missempfindungen und einem allgemeinen Kältegefühl zu einer Blaufärbung der Körperanhänge wie Zehen, Finger, Ohren und Nase, einer sogenannten Akrozyanose, kommen. Die Haut fühlt sich kalt und feucht an, ihre Berührungs- und Drucksensibilität ist entweder vermindert (Hypästhesie) oder erhöht, sie kribbelt, prickelt, fühlt sich pelzig oder geschwollen an (Parästhesie). Auch neigt die Haut, nachdem Frostbeulen entstanden sind, zum Schwitzen.

Die Frostbeulen selbst sind zumeist klar begrenzte Hautveränderungen von rundlicher Gestalt. Sie ist teigig und bläulich-fahl, Mediziner bezeichnen dies als livide. In manchen Fällen kommt es zur Blasenbildung oder zu einem Hautdefekt, der von Laien als Geschwür, von Ärzten als Ulzeration bezeichnet wird. Erwärmt man die von Frostbeulen befallenen Körperstellen, treten juckende, brennende Schwellungen auf. Neben der Bläulichfärbung ist dies das klarste Symptom der Frostbeulen.

Komplikationen

Natürlich können auch Frostbeulen unterschiedliche Komplikationen hervorrufen, denen jedoch mit Hilfe einer entsprechenden Behandlung und den richtigen Medikamenten effektiv entgegengewirkt werden kann. Da es sich bei einer Frostbeule um eine Entzündung der Haut handelt, kann es besonders beim Heilungsprozess zu Komplikationen kommen. Die Entzündung klingt in vielen Fällen nicht richtig ab, sodass auf die Einnahme entzündungshemmender Medikamente zurückgegriffen werden muss.

Klingt eine Frostbeule nicht innerhalb weniger Tage vollständig ab, so liegt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein Durchblutungsproblem vor. Bleibt diese Komplikation ohne jegliche Behandlung, so kann sich das betroffene Gewebe schwer entzünden oder im schlimmsten Fall auch absterben. Begibt der Betroffene sich jedoch rechtzeitig in Behandlung, dann kann auch diese Komplikation mithilfe von durchblutungsfördernden Medikamenten effektiv behandelt werden.

Nicht selten weisen Frostbeulen auch diverse Erkältungserscheinungen auf, wie zum Beispiel ein Schnupfen, starker Husten und Fieber. Handelt es sich um einen grippalen Infekt, so sollte man definitiv auf die Einnahme entsprechender Medikamente zurückgreifen. Wird darauf gänzlich verzichtet, so besteht die Gefahr weiterer Komplikationen.

Im schlimmsten Fall kommt es zu einer Lungenentzündung oder auch zu einer richtigen Grippe, die einen Arztbesuch unerlässlich macht. Fest steht: Die möglichen Komplikationen einer Frostbeule sind sehr vielseitig und weitläufig, sodass eine genaue Prognose nur sehr schwer gestellt werden kann.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die Frostbeulen sind bei den meisten Betroffenen kein Grund für eine Konsultation eines Arztes. Unter normalen Umständen kommt es innerhalb von wenigen Tagen zu einer Linderung der Symptome. Die Hautveränderungen heilen ab und das gewohnte Hautbild erscheint wieder. Sind keine weiteren Beschwerden vorhanden, wird kein Arzt benötigt. Der Selbstheilungsprozess übernimmt eigenständig die Rückbildung der Frostbeulen und benötigt dafür keine weitere Unterstützung. Hilfreich ist dabei das Tragen von weiter Kleidung. Damit wird eine unnötige Reibung der Kleidungsstücke an den veränderten Hautpartien vermieden.

Leidet der Betroffene unter weiteren Beschwerden, benötigt er eine ärztliche Hilfestellung. Bei Durchblutungsstörungen, regelmäßig auftretenden Frostbeulen oder starken Empfindungsstörungen, sollte ein Arzt konsultiert werden. Kommt es zu Taubheitsgefühlen, Sensibilitätsstörungen oder kalten Fingern sowie Füßen, ist ein Kontrollbesuch anzuraten. Die Ursache der Durchblutungsstörungen muss gefunden werden, da sonst ein lebensbedrohlicher Zustand eintreten kann. Liegen Gefäßverengungen vor, kann es zu einem Blutstau kommen.

Bei einem ungünstigen Verlauf droht ohne eine medizinisch Versorgung ein Schlaganfall. Bei Schmerzen, Juckreiz oder dem Eintreten von offenen Wunden, sollte ein Arzt hinzugezogen werden. Krankheitserreger gelangen über eine nicht sterile Wunde in den Organismus und lösen weitere Erkrankungen aus. In schweren Fällen droht dem Betroffenen eine Blutvergiftung mit Todesfolge.

Behandlung & Therapie

Treten Frostbeulen wiederholt auf, kann es zu Gewebsschwund (Atrophie) und einer Vernarbung der betroffenen Gebiete kommen. Dies bedeutet, dass - auch wenn Frostbeulen eigentlich harmlos sind und von selbst verschwinden – es in schweren Fällen zu Gewebeschäden kommen kann. Vor allem für junge Frauen, die die Hauptrisikogruppe von Frostbeulen bilden, ist dies vor allem ein kosmetisch-ästhetisches Problem.

Auch aus diesem Grund wird zur Behandlung besonders schwerer Frostbeulen Nifedipin eingesetzt. Dieses Medikament aus der Gruppe der Calciumantagonisten bewirkt eine Erweiterung der glatten Gefäßmuskulatur und senkt somit den Blutdruck stark ab. Glücklicherweise ist dies wirklich nur in den seltensten Fällen notwendig. Im Allgemeinen gilt: Frostbeulen sind lästig, aber nicht gefährlich.

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Vorbeugung

Handschuhe, Strümpfe und Schuhe müssen den Gliedern genug Bewegungsfreiheit lassen. Mehr Beachtung als bisher verdienen übrigens die Strümpfe. Seltsamerweise werden noch immer Strümpfe hergestellt, die vorn einen spitzen symmetrischen Abschluss haben, denn durch diese Form werden nicht nur die Zehen zusammengepresst und aus ihrer natürlichen Lage gebracht, sondern auch die Blutzirkulation behindert. Strümpfe und Socken mit einem fußgerechten, breiten Abschluss sollte man daher gerade während der Übergangszeit bevorzugen.

Ganz falsch ist es aber, wenn man mehrere solcher spitz auslaufenden Strümpfe oder Socken übereinander zieht, denn dadurch wird die Bewegungsfreiheit der Zehen noch mehr eingeschränkt. Aber nicht nur an den Körperenden, sondern auch zentral darf der Blutkreislauf nicht durch zu enge Kleidungsstücke behindert werden. Einschürende Strumpfbänder oder zu enge elastische Ärmelverschlüsse können schuld sein, wenn man von einem Ausflug mit einer Frostbeule nach Hause kommt.

Wer ohnehin schon zu Durchblutungsstörungen neigt, hat naturgemäß besonders häufig mit solchen Erscheinungen zu tun. In solchen Fällen empfiehlt es sich daher, die Vorbeugung nicht nur auf eine zweckmäßige Bekleidung zu beschränken, sondern auch die allgemeine Reaktionsfähigkeit der Gefäße zu heben. Wenn es nämlich gelingt, das Gefäßsystem so weit zu trainieren, dass es sich ohne weiteres auf schnell wechselnde Temperaturen einstellen kann (Übergang vom beheiztem Raum ins Freie, Zugluft, usw.), dann bedeutet das nicht nur die beste Prophylaxe gegen Frostbeulen, sondern gegen Durchblutungsstörungen überhaupt.

Wie aber fängt man das an? Die Mittel sind ganz einfach. Man braucht einen Schwamm oder einen Lappen und dazu kühles und heißes Wasser. Dann geht man so vor, dass man zunächst mit heißem, dann mit kaltem Wasser einen Körperteil abwäscht, dann abtrocknet und darauf zum nächsten übergeht. Zum Abschluss dieser wechselwarmen Ganzabwaschung frottiert man den Körper kräftig und erzielt mit dieser Prozedur eine wohltuende Anregung des Blutkreislaufs. Man kann aber auch wechselwarme Teilbäder machen. Dazu benötigt man einen Eimer mit kaltem Wasser (etwa 25 Grad Celsius) und einen zweiten Eimer mit heißem (37-40 Grad) Wasser.

Anfangs wähle man nicht zu große Temperaturunterschiede. Nun stellt man die Beine zuerst ½ bis ¾ Minute in heißes, darauf wenige Sekunden in kaltes Wasser und wechselt etwa fünfmal, schließt mit kaltem Wasser ab und reibt zum Schluss alles trocken. Diese einfachen Maßnahmen sind ein ausgezeichnetes Mittel, um die Gefäßmuskulatur zu trainieren. Sie haben nur einen Nachteil, nämlich den, dass sie fünf Minuten mehr an Zeit kosten als etwa das Einnehmen einer Tablette.

Aber dafür ist die Wirksamkeit solcher Anwendungen weit intensiver, dauerhafter, angenehmer und oft auch schneller. Mit einem gut trainierten Gefäßsystem vermeidet man aber während der nasskalten Übergangszeit nicht nur die unschönen und lästigen Frostbeulen, sondern schützt auch vor den drohenden Erkältungs- und Grippekrankheiten.

Das können Sie selbst tun

Frostbeulen sind in den meisten Fällen harmlos und können von den Betroffenen selbst austherapiert werden. Tritt die Frostbeule erstmals oder sehr selten und ohne Begleitsymptome auf (grippale Symptome), können Betroffene vor dem Gang zum Arzt selbst handeln.

So ist es am wichtigsten, dass die betroffene Stelle stets warm gehalten wird. Bestenfalls wird auch darauf geachtet, dass die Körpertemperatur konstant bleibt. Die Kälte sollte daher ohne ausreichend warme Kleidung - insbesondere an den Extremitäten - einige Tage gemieden werden.

Im Falle einer frisch aufgetretenen Pernionis ist es wichtig, dass ein Erwärmen des Körpers zügig erfolgt. Keinesfalls sollte dafür die entsprechende Stelle geföhnt oder anderweitig stark erhitzt werden. Ein Einschlagen in Kleidung (und des Körpers in eine luftige Decke) genügt völlig. Die Bewegungsfreihet der betroffenen Stelle ist zu erhalten, damit die Durchblutung nicht zusätzlich gestört wird.

Ein Kratzen der juckenden Stellen sollte nicht erfolgen. Verschiedene pflanzliche oder pharmazeutische Präparate unterbinden den Juckreiz.

In der Regel klingt die Frostbeule binnen weniger Tage oder Wochen ab und bedarf auch keiner Nachbehandlung mehr. Die entsprechende Stelle ist lediglich zu beobachten, da eine Frostbeule auch immer auf ein vorliegendes Durchblutungsproblem hinweisen kann.

Bücher über Frostbeulen & Erfrierung

Quellen

  • Emminger, H., Kia, T. (Hrsg.): Exaplan – Das Kompendium der klinischen Medizin. Urban & Fischer, München 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

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