Bulimie

Letzte Aktualisierung am 30. März 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Die Bulimie (Bulimia nervosa) ist eine Ess-Brech-Sucht und gehört damit zu den Essstörungen. Anders als bei der Magersucht sieht man den Bulimiekranken kaum an, dass sie an einer Essstörung leiden, da sie in der Regel ein normales Gewicht aufweisen. Typische Anzeichen sind stark kalorienreiche Essen, Erbrechen, Karies und ein mangelndes Selbstwertgefühl.

Inhaltsverzeichnis

Definition Bulimie

Bulimie (Bulimia nervosa) wird vom Griechischen abgeleitet und bedeutet eigentlich "Ochsenhunger". Im psychologischen und allgemeinen Sprachgebrauch ist die Bulimie allerdings mit der Ess-Brech-Sucht synonym. Dabei wird übermäßig viel gegessen (Heißhungerattacken), doch aus Angst der Gewichtszunahme, wieder erbrochen.

In fortgeschrittenen Fällen wird in der Bulimie nach dem Erbrechen weitergegessen und der Kreislauf beginnt von neuem. Mittlerweile gibt es allerdings auch Subarten der Bulimie, in denen nicht erbrochen wird, sondern zu viel Sport das Gegessene wegtrainieren soll (Sportbulimie) oder mit diversen Mitteln abgeführt wird.

Ursachen

Die Ursachen der Heißhungerattacken der Bulimie haben tiefenpsychologische Gründe, während das Erbrechen bei der Bulimie in Bezug zum Schönheitsideal festgemacht werden kann. Mögliche Gründe für eine Bulimie können Traumaerfahrungen sein, die der Betroffene psychisch nicht verarbeiten konnte. Darunter zählen Verlustängste, Missbrauch, Vergewaltigung, Vernachlässigung und/oder andere physische und psychische Gewalt.

Oft geht mit der Bulimie auch eine Co-Abhängigkeit einher. Diese wird auch als Beziehungssucht bezeichnet und beinhaltet das bedingungslose Umsorgen einer nahstehenden Person im Umfeld. Beispielsweise alkoholkranke oder drogensüchtige Eltern, Geschwister oder engste Freunde.

Dazu kommt die Angst vor Gewichtszunahme, die möglicherweise im Schönheitsideal der Medien und Allgemeinheit begründet liegt. Viele, an Bulimie erkrankte Personen, arbeiten aber auch in Berufen, in denen eine gute Figur wichtig ist (z.B. Modellbranche). Allerdings ist die Bulimie nicht am Beruf festzumachen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Von Bulimie betroffene Menschen sind zumeist normalgewichtig. Mitunter sind sie - entsprechend der gesunden Normalbevölkerung - auch über- oder untergewichtig. Insofern äußert sich Bulimie nicht im Äußerlichen Betroffener. Vielmehr ist die Krankheit geprägt von mehr oder minder regelmäßig stattfindenden Essattacken, die mehrmals täglich, oder auch nur alle paar Tage, auftreten können. Dabei geht die empfundene Kontrolle über das Essverhalten zurück. Bei den Essattacken spielen große Nahrungsmengen und ein schnelles Esstempo eine Rolle.

Dabei wird das Krankheitsbild Bulimie dadurch definiert, dass der Betroffen versucht, sein Essverhalten zu kompensieren. Hierfür kommt das selbstinduzierte Erbrechen besonders häufig in Betracht. Aber auch das Treiben von viel Sport, das Einleiten von extremen Diäten und der das Verwenden von Abführ- und Brechmitteln, erscheinen dem Betroffenen gute Maßnahmen zu sein. Auch Kombinationen aus diesen Maßnahmen kommen vor.

Heißhunger wird im Verlauf der Erkrankung noch dadurch weiter befördert, dass die Gegenmaßnahmen, die gegen das Essen eingeleitet werden, den Energiehaushalt des Körpers belasten. Insofern wird ein Teufelskreis aus Essattacken und zehrenden Gegenmaßnahmen eingeleitet.

Mögliche Spätfolgen betreffen die Zähne und Speiseröhre (durch Magensäure), den Magen, den Stoffwechsel und Darm (aufgrund von Abführmitteln) und vieles mehr. Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen sind besonders häufige und unspezifische Symptome, die bei Bulimiekranken häufig auftreten.

Die Krankheit tritt häufig mit circa 17 oder 18 Jahren auf und ist gelegentlich an eine Anorexie-Vergangenheit gekoppelt. Die Liste möglicher psychischer Komorbiditäten ist lang und umfasst zum Beispiel Substanzmissbrauch, Minderwertigkeitsgefühle und Impulskontrollstörungen.

Komplikationen

Bei der Bulimie handelt es sich um eine schwerwiegende Krankheit, die unbedingt von einem Arzt oder von einem Psychologen behandelt werden muss. Nicht selten müssen Patienten auch in eine Klinik zur Behandlung eingewiesen werden, damit sie sich selbst keinen Schaden mehr zufügen können. Falls die Bulimie nicht richtig behandelt wird, kann sie sehr starke gesundheitliche Schäden am Körper hinterlassen und im schlimmsten Falle zum Tode führen.

In der Regel treten bei der Bulimie verschiedene Symptome und Komplikationen auf. Die betroffene Person zeigt oft ein aggressives Verhalten und eine soziale Isolation. Hinzu kommen Depressionen und Minderwertigkeitsgefühle, die durch die soziale Ausgrenzung nicht weiter verstärkt werden.

Nicht selten tritt Bulimie auch mit dem Missbrauch von Alkohol und anderen Drogen auf und führt zur Einnahme von Medikamenten, die zum Erbrechen führen. Diese Medikamente sind in hohen Mengen schädlich für den Körper und führen zu Problemen mit dem Magen. Durch die aufsteigende Magensäure werden die Zähne dauerhaft geschädigt und müssen durch Kronen ersetzt werden.

Eine Behandlung findet in erster Linie auf der psychischen Ebene statt. Hinzu kommt die Behandlung der physischen Symptome, da sich der Körper an eine gewöhnliche Nahrungszufuhr wieder gewöhnen muss. In der Regel ist die Behandlung der Bulimie erfolgreich, schließt allerdings nicht aus, dass die betroffene Person wieder an der Krankheit erkrankt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einer Bulimie ist auf jeden Fall eine ärztliche Behandlung notwendig. Die Krankheit kann im schlimmsten Falle zum Tod führen. In schwerwiegenden Fällen müssend die Betroffenen in einer geschlossenen Klinik behandelt werden. Meist gestehen sich die Patienten selbst die Krankheit nicht ein, sodass vor allem Eltern und Freunde die Behandlung und Diagnose einleiten müssen.

Ein Arzt muss aufgesucht werden, wenn der Betroffene in kurzer Zeit viel Gewicht verliert. Auch ein dauerhaftes Erbrechen oder ein verringertes Selbstwertgefühl können auf die Erkrankung hindeuten. Ebenso leiden die Patienten häufig an Karies und nehmen kalorienreiches Essen zu sich. Zudem sollte ein Arzt aufgesucht werden, wenn es durch die Bulimie zu psychischen und sozialen Beschwerden kommt. In akuten Notfällen muss ein Notarzt gerufen werden. Eine umfassende Behandlung der Bulimie sollte in einer Klinik durchgeführt werden. Dafür müssen sich die Betroffenen allerdings die Krankheit eingestehen. Auch eine Behandlung in Selbsthilfegruppen ist möglich.

Behandlung

Bulimie ist eine Krankheit, die nur mit Hilfe eines auf Bulimie spezialisierten Arztes behandelbar ist. Dieser Arzt ist in der Regel Therapeut oder Psychologe. Die Behandlung der Bulimie kann in der Regel erst dann beginnen, sobald der Betroffene einsieht, Hilfe zu benötigen.

Danach ist ein wochenlanger psychosomatischer Kuraufenthalt der beste Grundstein, um wieder zu einem gesunden Leben zurückzufinden. In dieser Therapie wird versucht, die Ursachen der Bulimie herauszufinden, um diese dann aufzuarbeiten. Wer an Bulimie erkrankt ist, muss anstelle des übermäßigen Essens Alternativmöglichkeiten anwenden lernen.

Ein an Bulimie erkrankter Mensch wird sein Leben lang auf sein Essverhalten achten müssen, wie ein trockener Alkoholiker darauf achten muss, keinen Alkohol mehr zu trinken. Der Bulimiker hat hier allerdings den Nachteil, dass er essen muss, um zu überleben, und nicht abstinent leben kann.

Der richtige Umgang mit dem Essen ist ein ebenso wichtiger Punkt in der Bulimie-Therapie wie verschiedene Methoden mit den Ursachen zurecht zu kommen. Nach der Intensivtherapie ist eine ambulante, regelmäßige Gesprächstherapie fortzuführen, um auch im Alltag bestehen zu können und mit Rückfällen umgehen zu lernen, ohne wieder in die Bulimie zurückzufallen.

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Aussicht & Prognose

Die Essstörung kann mit der richtigen Therapie und der wesentlichen Mitarbeit des Patienten geheilt werden. Ungefähr die Hälfte aller Patienten erreichen nach einem mehrjährigen Verlauf eine Beschwerdefreiheit. Bei ca. 30% wird nur teilweise eine Besserung des Krankheitsbildes beobachtet und 20% aller Patienten zeigen keine Heilung der vorhandenen Beschwerden. Je früher die Erkrankung diagnostiziert wird, desto besser ist insgesamt die Heilungsaussicht. Gleichzeitig spielt das Alter des Patienten bei Eintritt der Behandlung eine wesentliche Rolle bei der Prognose. Jüngere Patienten im Teenageralter haben eine deutlich bessere Heilungschance als erwachsene Menschen.

Mit der Inanspruchnahme einer Therapie verbessern sich die Heilungsaussichten erheblich als ohne die Hilfe eines Arztes oder Therapeuten. Viele Patienten erleiden trotz einer medizinischen Betreuung häufig innerhalb des Genesungsprozesses einen oder mehrere Rückfälle. Besonders junge Patienten sind davon betroffen. Darüber hinaus besteht das Risiko, dass die Erkrankung in einen chronischen Verlauf übergeht und über viele Jahre bestehen bleibt.

Gleichzeitig stiegt damit die Wahrscheinlichkeit für das Ausbrechen einer Folgeerkrankung. Patienten einer Bulimie erleiden oftmals eine Depression, Zwangsstörung, Sucht oder Störung der Impulskontrolle. Patienten, die zusätzlich an einer Borderlineerkrankung leiden, haben eine deutlich schlechtere Prognose. Bei ihnen sind die Suizidrate und die Wahrscheinlichkeit für einen Alkoholmissbrauch deutlich erhöht.

Vorbeugung

Einer Bulimie vorzubeugen ist sehr schwierig, da die Ursachen der Bulimie sich zumeist unterbewusst festsetzen. Bevor der Betroffene merkt, dass er in einer bulimischen Gedankenspirale festsitzt, ist er meist gar nicht mehr fähig, selbst zu erkennen, dass er Hilfe benötigt. Wichtig ist eine gute Selbstreflexion und ein gesundes Selbstwertgefühl, um annähernd vorbeugen zu können.

Eine Bulimie ist, wie alle Süchte, der Ausdruck eines seelischen Leidens, das unverarbeitet ist. Wer Schlimmes erlebt hat, sollte sich daher immer in therapeutische Hilfe begeben, auch wenn er glaubt, diese nicht zu benötigen. Das Bewusstmachen dessen ist überlebenswichtig, denn Bulimie kann, wie andere Süchte auch, tödlich enden.

Nachsorge

Im Regelfall ist eine intensive Nachsorge bei einer Bulimie notwendig. Besonders nach einer stationären Therapie empfiehlt es sich, einen ambulanten Psychotherapeuten aufzusuchen und die Behandlung fortzusetzen. Dieser kann die Betroffenen dabei unterstützen, in den Alltag zurückzufinden und etwaigen Rückfällen vorbeugen. Zudem kann der Besuch von Selbsthilfegruppen in den meisten Fällen hilfreich sein.

In den meisten Kliniken werden bereits vor der Entlassung die individuellen Nachsorgekonzepte in Absprache mit den behandelnden Ärzten vereinbart. An derartige Anweisungen sollten sich die Patienten unbedingt halten. In einzelnen gravierenden Fällen können Betroffene nach der stationären Therapie für den Zeitraum der Nachsorge in spezielle betreute Wohngruppen für ehemalige Bulimie-Patienten ziehen.

Außerdem bieten viele medizinische Einrichtungen bei Patienten mit Essstörungen die Möglichkeit der onlinegestützten Nachsorge an. Eine ambulante Psychotherapie empfiehlt sich insbesondere auch bei jenen Betroffenen, die zuvor nicht in einer Klinik behandelt wurden. Diese sollte auf jeden Fall fortgesetzt werden, selbst wenn die Betroffenen eine deutliche Besserung der Erkrankung wahrnehmen. Über den gesamten Zeitraum der Nachsorge sollten Familienmitglieder und Angehörige in den Prozess eingebunden werden. Kommt es zu einem Rückfall, sollten die Patienten immer einen Arzt aufsuchen.

Das können Sie selbst tun

Bulimie ist eine ernsthafte Essstörung, die beträchtliche körperliche und psychische Schäden nach ziehen kann, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und professionell behandelt wird. Von einer Selbsttherapie sollte deshalb unbedingt Abstand genommen werden. Die Betroffenen können aber dazu beitragen, den Genesungsprozess zu unterstützen.

Je früher die Krankheit erkannt wird, desto geringer ist das Risiko, dass Betroffene Langzeitschäden davontragen. Deshalb sollte bereits bei den ersten Anzeichen einer Ess-Brech-Sucht ein Arzt konsultiert werden. Neben einer medikamentösen Behandlung sollten die Patientinnen und Patienten unbedingt eine begleitende Psychotherapie in Anspruch nehmen. Sofern der behandelnde Arzt dies nicht von sich aus anregt, muss die Therapie von den Betroffenen aktiv eingefordert werden. Insbesondere kognitive Verhaltenstherapien sind bei Bulimie sehr häufig erfolgreich.

Wichtig ist außerdem, dass die Betroffenen sich für ihr Leiden nicht schämen und zumindest ihr soziales Nahfeld wie Eltern, Mitbewohner und gegebenenfalls Kollegen oder den Vorgesetzten über ihre Krankheit informieren. Vielen Patienten hilft auch der Beitritt zu einer Selbsthilfegruppe oder der Austausch mit anderen Betroffenen in Online-Foren für Bulimiker.

Zudem ist ein Bulimie-Tagebuch empfehlenswert. Solche Aufzeichnungen können helfen, den Überblick über das Essverhalten zu bewahren und die Trigger der Krankheit zu identifizieren. Fress-Attacken, die vorwiegend nachts auftreten, können außerdem durch das Konsumverhalten gesteuert werden. Statt Lebensmittel für die ganze Woche zu lagern, sollte nur der tägliche Bedarf eingekauft werden.

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Davison, G.C., Neale, J.M., Hautzinger, M.: Klinische Psychologie. Beltz PVU, München 2007
  • Möller, H.-J.: Therapie psychischer Erkrankungen. Thieme, Stuttgart 2006

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