Reizmagen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 17. Oktober 2017
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Ein Reizmagen oder auch funktionelle Dyspepsie ist eine Erkrankung des Magens. Hierbei kommt es zu einer Funktionsstörung, wobei durch äußere und innere Reize eine krankhafte Veränderung innerhalb des Magens auftreten kann. Typische Anzeichen für einen Reizmagen sind Völlegefühl, Magenschmerzen im Oberbauch, Übelkeit und gelegentlich auch Erbrechen. Die genauen Ursachen sind bisher noch nicht restlos geklärt. Man geht jedoch hauptsächlich von psychischen Ursachen und Belastungen aus.

Inhaltsverzeichnis

Definition Reizmagen

Ein Reizmagen, medizinisch auch Funktionelle Dyspepsie genannt, liegt vor, wenn die menschliche Verdauung gestört ist. Es handelt sich dabei um einen medizinischen Befund, der durch chronische oder wiederkehrende Schmerzen im oberen Bauchbereich gekennzeichnet ist.

Auch ein erhebliches Völlegefühl, selbst bei wenig Nahrungsaufnahme, deutet bei wiederholtem Auftreten auf einen Reizmagen hin. Begleitsymptome können Blähungen, häufiges Aufstoßen, Übelkeit oder Sodbrennen sein.

Ursachen

Der Reizmagen ist ein verbreitetes Phänomen und resultiert nicht selten aus gastroösophagealer Rückfluss-Erkrankung oder einer Gastritis. Falsche Gewohnheiten bei der Ernährung spielen ebenfalls eine große Rolle. Fette, scharfe oder mit künstlichen Zusatzstoffen versehene Speisen sowie Alkohol und Koffein gelten als häufige Auslöser. Gelegentlich können auch Medikamente einen Reizmagen verursachen, wie Kalziumantagonisten etwa, die bei Angina oder Bluthochdruck eingesetzt werden.

Auch Theophyllin bei Lungenerkrankungen, Bisphosphonate bei Osteoporose oder Kortikosteroide und andere Entzündungshemmer, die als Schmerzmittel eingesetzt werden, können bei Langzeitgebrauch Auslöser für einen Reizmagen sein, der Behandlungsbedarf erfordert. Manchmal liegt der Grund für einen Reizmagen auch im psychischen Bereich, z.B. wenn andauernder Stress den Betroffenen belastet oder Krisensituationen ihn überfordern.

Ein Reizmagen kann aber auch in manchen Fällen erstes Anzeichen für ein Magengeschwür und in seltenen Fällen von Magenkrebs sein. Das bedeutet, dass das erste oder unerwartete Auftreten eines Reizmagens durchaus Alarmzeichen sein und Anlass geben sollte für weitere Untersuchungen.

Symptome

Krankheitsverlauf

Charakteristisch für den Krankheitsverlauf beim Reizmagen ist eine Verstärkung der Schmerzen bei Anstrengung, übermäßiges Schwitzen sowie eine immer größere Empfindlichkeit beim Berühren oder Abtasten der Bauchdecke.

Gelegentlich kommen starke Schluckbeschwerden, Gewichtsverlust oder gastrointestinale Blutungen hinzu. In solchen Fällen ist bei einem Reizmagen das umgehende Aufsuchen eines Arztes angezeigt. Die Prognose bei Reizmagen ist im Allgemeinen gut. Jedenfalls besteht bei Menschen mit Reizmagen kein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Geschwürs oder einer bösartigen Magenerkrankung.

Komplikationen

Bleibt ein Reizmagen über einen längeren Zeitraum unbehandelt, können sich chronische Magenschmerzen und andere Magen-Darm-Beschwerden einstellen. Häufig kommt es beispielsweise zu Sodbrennen oder Durchfall, beides mit Risiken und möglichen Folgeerkrankungen (zum Beispiel Darminfekte und Speiseröhrenkrebs) verbunden. Bei der Infektion mit Helicobacter pylori kann sich später eine Magenschleimhautentzündung entwickeln.

Eine Gastritis ist mit einem erhöhten Risiko für Magenkrebs verbunden. Gelegentlich kann ein Reizmagen auch Schluckbeschwerden oder gastrointestinale Blutungen verursachen. Letzteres kann zu einer Blutarmut und in der Folge zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen. Der oftmals begleitend auftretende Gewichtsverlust kann Mangelerscheinungen und Dehydration nach sich ziehen.

Ein chronischer Reizmagen hat psychische Folgen und ruft unter Umständen etwa Depressionen oder Angststörungen hervor. Bei der Behandlung können ebenfalls Komplikationen auftreten. Medikamente wie Omeprazol oder Pantoprazol rufen häufig Magen-Darm-Beschwerden, Muskel- und Gliederschmerzen sowie eine Reihe anderer Neben- und Wechselwirkungen hervor.

Bei übermäßiger Einnahme dieser Präparate kann sich außerdem ein Suchtverhalten entwickeln. Im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs, der bei einer resultierenden Krebserkrankung notwendig ist, kann es zur Verletzung von Nerven, Blutungen, Nachblutungen, Wundheilungsstörungen, Infektionen und anderen Problemen kommen.

Behandlung & Therapie

Patienten, die jünger als 55 Jahre sind, können bei einem Reizmagen in der Regel ohne weitere Examination behandelt werden. Allenfalls eine Infektion mit Helicobacter pylori sollte ausgeschlossen werden. Bei Personen in einem Alter von mehr als 55 Jahren empfiehlt sich eine gastrointestinale Endoskopie des oberen Abdominalbereiches, um ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür bzw. andere seltene bösartige Erkrankungen auszuschließen, ebenso bei medikamenteninduzierten Reizmagen.

Die Behandlung beim Reizmagen richtet sich nach der genauen Erscheinungsform der Beschwerden, also danach, ob diese funktionaler oder subjektiv empfundener, unangenehmer Art sind. Protonenpumpen-Inhibitoren (PPIs) wie Omeprazol oder Pantoprazol bieten in der Regel rasche Abhilfe bei Sodbrennen, einem Hauptsymptom bei Reizmagen. H2-Antagonisten wie Cimetidin oder auch simple Kautabletten mit dem Wirkstoff Simeticon helfen bei Blähungen und Völlegefühl. Mit freiverkäuflichen Präparaten, die Ranitidin enthalten, lässt sich unangenehmen Erscheinungen wie Aufstoßen, Reflux oder Magenübersäuerung begegnen. Manchmal genügen auch bewährte Kräuter und Hausmittel wie Pfefferminze, Kümmel und Anis, um einem Reizmagen wirkungsvoll entgegenzutreten.

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Vorbeugung

Einem Reizmagen vorbeugen lässt sich, indem man die Ernährung entsprechend umstellt. Das heißt, scharfe Gewürze vermeiden, ebenso Kaffee oder andere „saure“ Nahrungsmittel. Von der Speisekarte nehmen sollten anfällige Menschen auch stark fetthaltige und blähende Speisen sowie Alkohol. Eine nachhaltige Stressreduzierung und Entspannungstechniken können die Behandlung von Reizmagen unterstützen.

Merke: Wichtig beim Reizmagen ist zu unterscheiden, ob es sich um eine harmlose Symptomatik handelt, die mit oder ohne ärztlichen Rat relativ leicht in den Griff zu bekommen ist, oder ob eine ernsthafte Erkrankung dahintersteckt, wie beispielsweise eine Gastritis. Einer akuten oder chronischen Entzündung des Magens bzw. Verdauungstrakts, die eine medikamentöse Behandlung mit Antibiotika erforderlich macht.

Bücher über Reizmagen

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

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