Beta-Carotin

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 15. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Beta-Carotin ist ein Stoff aus der Gruppe der Carotinoide. Carotinoide sind natürliche Farbstoffe, die in Obst und Gemüse vorkommen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Beta-Carotin?

Beta-Carotin ist der bekannteste Pflanzenstoff aus der Gruppe der Carotinoide. Er sorgt dafür, dass Obst und Gemüse leuchtend gelb oder orange sind.
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Beta-Carotin ist ein Naturfarbstoff, der in vielen Pflanzen vorkommt. Besonders farbige Früchte, Blätter und Wurzeln enthalten viel Beta-Carotin. Carotine gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen.

Sekundäre Pflanzenstoffe sind chemische Verbindungen, die von Pflanzen produziert werden. Sie sind für die Pflanzen nicht lebensnotwendig, dienen aber dem Schutz vor Fressfeinden. Die Naturstoffe haben für den Menschen einen hohen Stellenwert. Beta-Carotin ist die Vorstufe von Vitamin A. Deshalb wird der Pflanzenstoff auch als Provitamin A bezeichnet. Vitamin A ist auch unter dem Namen Retinol bekannt. Die Aufnahme von Beta-Carotin gestaltet sich allerdings deutlich schwieriger als die Aufnahme von Vitamin A. Dafür kann Beta-Carotin im Gegensatz zum Vitamin A auch nicht überdosiert werden.

Funktion, Wirkung & Aufgaben

Beta-Carotin ist der bekannteste Pflanzenstoff aus der Gruppe der Carotinoide. Er sorgt dafür, dass Obst und Gemüse leuchtend gelb oder orange sind. Beta-Carotin kann den Cholesterinspiegel senken. Aufgrund der cholesterinsenkenden und der antioxidativen Wirkung schützt Beta-Carotin vor Gefäßerkrankungen, Herzinfarkt und Schlaganfall. In den Gefäßen verhindert Beta-Carotin die Oxidation des Cholesterins und damit auch die Anlagerung in den Gefäßen. Dadurch beugt das Carotinoid der Arteriosklerose vor.

Insbesondere die Zellen der Magenschleimhaut profitieren von Vitamin A und damit auch vom Beta-Carotin. Beta-Carotine haben eine krebshemmende Wirkung. Dies ist auf die starke antioxidative Wirkung zurückzuführen. Antioxidantien können freie Radikale unschädlich machen. Freie Radikale entstehen im Körper bei zahlreichen Stoffwechselprozessen. Chemisch betrachtet handelt es sich bei den Radikalen um Moleküle, denen ein Elektron fehlt. Sie versuchen dieses Elektron bei anderen Zellen zu stehlen und schädigen so die Zellmembran und unter Umständen auch die gesamte Zelle. Freie Radikale stehen in Verdacht Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebserkrankungen und vorzeitige Alterung zu begünstigen.

Als Antioxidans beeinflusst Beta-Carotin auch die Hirnfunktion positiv. Es verbessert die Kommunikation zwischen den Hirnzellen und nimmt in Form von Vitamin A auch Einfluss auf den Verarbeitungsprozess des Beta-Amyloids. Bei Störungen in diesem Prozess kann sich der Morbus Alzheimer entwickeln. Studien haben gezeigt, dass ein erhöhter Interleukin-6-Spiegel mit einem niedrigen Carotinoid-Spiegel im Blut einhergeht. Wenn der Caritinoid-Spiegel steigt, sinkt gleichzeitig der Interleukin-6-Spiegel. Interleukin-6 wird von weißen Blutkörperchen (Leukozyten) bei Entzündungsprozessen freigesetzt.

Je höher der Interleukin-6-Spiegel im Blut ist, desto größer ist in der Regel auch die Entzündung. Beta-Carotin wirkt demnach entzündungshemmend. Eine besondere Rolle spielen Vitamin A und Provitamin A für die Augen. Vitamin A ist wichtig für den Sehvorgang. Ein Mangel an Vitamin A kann zu Nachtblindheit oder Sehschwäche führen.

Bildung, Vorkommen, Eigenschaften & optimale Werte

Beta-Carotin ist die Vorstufe von Retinol. Tiefgelbe bis orangefarbene Früchte und Gemüsesorten enthalten am meisten Beta-Carotin. Aber auch dunkelgrüne Gemüsearten beinhalten den Farbstoff. Reich an Beta-Carotin sind somit Karotten, Kürbisse, Süßkartoffeln, Sanddorn, Aprikosen, Mangos, Papayas, Nektarinen, Pfirsiche, Brokkoli, Kresse, Sauerampfer, Portulak, Spinat, Endivien, Rote-Bete-Blätter, Löwenzahn, Spargel, Kohl, Mais, Pflaumen, Sauerkirschen und Erbsen.

Beta-Carotin wird über den Darm aufgenommen. Die Aufnahme ist schlechter als von Vitamin A. Um dem Körper dieselbe Menge Vitamin A zur Verfügung zu stellen, muss sechsmal so viel Beta-Carotin aufgenommen werden. Die Umwandlung zu Vitamin A ist begrenzt. Sie ist unter anderem von der Beta-Carotin-Zufuhr und der Zufuhr von Proteinen abhängig. Auch die Vitamin-E-Versorgung und die Anzahl der zugeführten Fette spielt bei der Resorption eine Rolle. Auch der Vitamin-A-Status muss beachtet werden. Je besser die Versorgung mit Vitamin A, desto geringer ist die Enzymtätigkeit und desto weniger Provitamin A wird in Vitamin A umgewandelt.

Ein Großteil der aufgenommenen Carotinoide wird in unveränderter Form transportiert. In der Leber, in den Hoden, im Gelbkörper und in den Nebennieren finden sich im menschlichen Körper die höchsten Konzentrationen an Beta-Carotin. Lunge, Muskeln, Herz, Gehirn und Haut zeigen hingegen nur einen geringen Beta-Carotin-Gehalt.


Krankheiten & Störungen

Ein Überschuss an Beta-Carotin macht sich durch eine Gelbfärbung der Haut bemerkbar. Diese Gelbfärbung wird auch als Carotinodermie oder als Karottenikterus bezeichnet. Dabei färbt sich zunächst der Bereich um die Nasolabialfalte gelb.

Es folgen die Unterseiten der Hände und die Fußsohlen. Sobald die Überversorgung eingestellt wird, geht auch die Gelbfärbung zurück. Im Gegensatz zu Vitamin A kann Beta-Carotin nicht überdosiert werden. Selbst hohe Dosen supplementiertes Beta-Carotin sind nicht toxisch. Allerdings besteht der Verdacht, dass die mehrjährige Zufuhr von Nahrungsergänzungsmitteln mit Beta-Carotin bei Rauchern und Trinkern das Risiko für Lungen- und Darmkrebs erhöht. Alle Medikamente, die Beta-Carotin enthalten, müssen deshalb einen Warnhinweis aufweisen. Medikamente, die mehr als 20 mg Beta-Carotin enthalten, dürfen Rauchern nicht verschrieben werden.

Ein Mangel an Beta-Carotin kann zahlreiche Folgen haben. Insbesondere wenn nur wenig Vitamin A mit der Nahrung aufgenommen wird, ist eine ausreichende Zufuhr von Beta-Carotin unerlässlich. Bei einem Mangel kommt es zu einer Einschränkung der Sehfähigkeit. Insbesondere in der Dämmerung ist das Sehvermögen herabgesetzt. Es kommt zur Nachtblindheit. Zudem trocknen die Bindehäute des Auges aus. Es bilden sich schaumartige Flecken, die sogenannten Bitot-Flecken. Auch die Hornhaut kann austrocknen.

Es bilden sich Hornhautgeschwüre, die unbehandelt zur Erblindung führen können. Auch außerhalb des Auges zeigen sich Mangelerscheinungen. Das Zahnfleisch ist entzündet und die Mundschleimhaut weist Ulzerationen auf. Weitere Symptome eines Mangels sind Blutarmut, Wachstumsstörungen und ein vermindertes Geruchsempfinden.

Quellen

  • Baenkler, H.-W., et al.: Kurzlehrbuch Innere Medizin. Thieme Verlag, Stuttgart 2010
  • Horn, F.: Biochemie des Menschen. Das Lehrbuch für das Medizinstudium. Thieme, Stuttgart 2018
  • Lodish et al.: Molekulare Zellbiologie. 4. Auflage, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 2001

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