Nachtblindheit

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. August 2017
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Bei der Nachtblindheit, medizinisch Hemeralopie genannt, ist das Sehen in der Dämmerung beeinträchtigt. Verantwortlich dafür ist eine Funktionsschwäche der Stäbchen. Das sind die Sinneszellen der Netzhaut, die das Sehen bei schlechten Lichtverhältnissen ermöglichen.

Inhaltsverzeichnis

Definition Nachtblindheit

Die Nachtblindheit kann angeboren sein, aber auch durch eine Erkrankung wie Diabetes oder einen Vitamin-A-Mangel hervorgerufen werden. Davon hängt ab, wie die Nachtblindheit verläuft. In fast allen Fällen ist die Nachtblindheit nicht heilbar.

Nachtblindheit bedeutet im engeren Sinne, dass man nachts bzw. im Dämmerlicht überhaupt nichts mehr sieht. Das ist sehr selten, die meisten Patienten, die von Nachtblindheit betroffen sind, sehen nachts einfach nur schlechter. In beiden Fällen wird dennoch von Nachtblindheit gesprochen.

Ursachen

Die Ursache für Nachtblindheit ist in jedem Fall eine Störung der Stäbchen. Diese Sinneszellen in der Netzhaut ermöglichen das Sehen bei Dämmerung. Ausgelöst werden kann eine solche Funktionsstörung der Stäbchen von vielen verschiedenen Ursachen.

Daher ist es bei Nachtblindheit in jedem Fall sinnvoll, sich von einem Augenarzt untersuchen zu lassen. In Industrieländern sehr selten ist ein Vitamin A-Mangel. Vitamin A ist zum Hell-Dunkel-Sehen notwendig und führt zu Sehstörungen in der Dunkelheit, wenn es in zu geringem Maße vorhanden ist.

Zu einem Vitamin A-Mangel kann es unter anderem kommen, wenn nicht genügend Lebensmittel gegessen werden, die das Vitamin enthalten oder eine ausreichende Aufnahme wegen einer Magen- oder Darmerkrankung nicht möglich ist.

Weit häufiger sind für Nachtblindheit angeborene Erkrankungen verantwortlich. Bei manchen Menschen funktionieren einfach die Stäbchen schlechter. Diese Form der Nachtblindheit geht oft mit Kurzsichtigkeit und Augenzittern (Nystagmus) einher. Aber auch die eher seltene Retinopathia pigmentosa kann zu Nachtblindheit führen.

Bei dieser Erkrankung werden die Sinneszellen der Netzhaut durch körpereigene Prozesse angegriffen und verlieren nach und nach ihre Funktion. Weitere körperliche Erkrankungen wie Diabetes können ebenfalls eine Nachtblindheit hervorrufen, wenn die feinen Gefäße im Auge durch die Zuckerkrankheit beschädigt werden.

Keine Nachtblindheit im eigentlichen Sinne sind die Sehprobleme, die ein grauer Star (Linseneintrübung) mit sich bringt. Patienten mit grauem Star fällt es in der Dämmerung einfach mehr auf, dass sie verschwommener sehen und durch einstrahlendes Licht geblendet werden.

Es ist übrigens normal, wenn Sie die ersten Minuten nichts sehen, nachdem Sie vom Hellen in einen dunklen Raum gekommen sind. Das Auge benötigt einige Minuten, bis es sich an veränderte Lichtverhältnisse angepasst hat.

Typische Symptome

Diagnose & Verlauf

Der Augenarzt untersucht zur Diagnose der Nachtblindheit erst die Dunkeladaptation der Augen, d.h. wie gut und schnell sich Ihre Augen an veränderte Lichtverhältnisse anpassen können. Dazu wird ein Adaptometer verwendet. Neben der Dunkeladaption ist mit diesem Gerät auch eine Messung möglich, wie blendempfindlich und wie kurzsichtig Sie in der Dämmerung sind.

Anschließend wird nach den Ursachen für die Nachtblindheit gesucht. Dazu kommt unter anderem ein Elektroretinogramm zum Einsatz. Mit diesem Gerät kann die Funktionsfähigkeit der Sinneszellen im Auge überprüft werden: Die Stäbchen, die fürs Sehen in der Dämmerung verantwortlich sind und die Zäpfchen, die Sinneszellen für das Bunt-Sehen.

Der Verlauf der Nachtblindheit hängt von ihrer Ursache ab. Wenn die Nachtblindheit von den Eltern vererbt wurde, wird sich die Nachtblindheit im Laufe der Zeit in der Regel nicht verschlechtern. Die Retinopathia pigmentosa hingegen führt nach und nach zu einer größeren Sehbehinderung, was die Nachtblindheit ebenfalls betrifft.

Komplikationen

Unter Nachtblindheit im engeren Sinn versteht man den völligen Funktionsausfall der stäbchenförmigen Fotorezeptoren, deren größte Dichte auf der Netzhaut außerhalb der Makula, dem Ort scharfen Farbsehens, liegt. Die Stäbchen zeichnen sich durch starke Lichtempfindlichkeit und durch hohe Sensitivität gegenüber bewegten Objekten aus, vermitteln aber keinerlei Farbsehen. Meist verbirgt sich hinter der Nachtblindheit allerdings nur ein eingeschränktes Nachtsehen, das sich vor allem durch eine unangenehm erhöhte Blendempfindlichkeit bei Nachtfahrten bemerkbar macht.

Falls die Nachtblindheit auf einer genetisch bedingten Fehlanlage der Stäbchen beruht, verändert sich das eingeschränkte Sehvermögen bei Dämmerung und Nacht im weiteren Verlauf nicht weiter. Falls die Nachtblindheit erworben ist, hängt der weitere Verlauf von der Verursachung ab. Falls es sich lediglich um einen Vitamin A Mangel handelt aufgrund einseitiger Ernährung oder weil die Aufnahmefähigkeit des Darmtraktes wegen einer Darmerkrankung eingeschränkt ist, bessern sich die Symptome, wenn der Stoffwechsel wieder über eine ausreichende Menge an Vitamin A verfügen kann.

Falls die Probleme auf einer Schädigung des Gefäßsystems in der Netzhaut beruhen, die beispielsweise durch eine zu hohe Zuckerkonzentration im Blut wegen eines nicht erkannten Diabetes Typ 2 verursacht werden kann, ist die Verlaufsprognose ungünstig, wenn die Krankheit weiterhin ignoriert und nicht behandelt wird. Ein weiterer Ursachenfaktor der Nachtblindheit kann auch in einer genetisch bedingten Retinopathia pigmentosa liegen, die in der Regel mit einem sehr langsamen Krankheitsfortschritt verbunden ist.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der Nachtblindheit richtet sich nach der Diagnose. Ist die Nachtblindheit angeboren, ist leider bislang keine erfolgversprechende Therapiemethode bekannt.

Auch Schäden an dem feinen Gefäßsystem des Auges und der Netzhaut, z. B. durch einen Diabetes, lassen sich bislang nicht wieder rückgängig machen.

Wenn Vitamin A-Mangel in der Nahrung oder eine Magen-Darm-Erkrankung die Nachtblindheit ausgelöst hat, hören die Sehstörungen in der Dämmerung in der Regel wieder auf, wenn das zugrunde liegende Problem beseitigt ist.

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Vorbeugung

Eine Vorbeugung der Nachtblindheit ist meist unmöglich. Angeborene Formen der Nachtblindheit, wie eine Schwäche der Stäbchen oder eine Retinopathia pigmentosa können nicht verhindert werden. Bei einem Diabetes hilft oft ein angepasster Lebensstil und ein gut eingestellter Blutzucker, Schäden am Gefäßsystem, darunter dem der Netzhaut zu vermeiden. Vegetarier und Veganer sollten darauf achten, häufig Gemüsesorten zu verzehren, die Vitamin A enthalten, z. B. Paprika, Tomaten und Möhren.

Bücher über Sehstörungen

Quellen

  • Augustin, A.J.: Augenheilkunde. Springer, Berlin 2007
  • Burk, A. et al.: Checkliste Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Dahlmann, C., Patzelt, J.: Basics Augenheilkunde. Urban & Fischer, München 2014

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