Retinol

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. Mai 2017
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Retinol gehört zu den A-Vitaminen und übt im Organismus wichtige Funktionen aus. Es spielt eine zentrale Rolle bei vielen enzymatischen Reaktionen. Sowohl ein Mangel als auch ein Überschuss an Retinol ruft gesundheitliche Probleme hervor.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Retinol?

Retinol wird in der medizinischen Literatur oft mit Vitamin A gleichgesetzt. Allerdings ist es ein Wirkstoff von mehreren, die gleiche Funktionen im Organismus erfüllen. Es gehört daher zu einer Wirkstoffgruppe, die als Vitamin A bezeichnet wird.

Bei diesen chemisch verwandten Wirkstoffen handelt es sich um eine Stoffgruppe, deren zentrale Substanz Retinol darstellt. Retinol ist chemisch gesehen ein Diterpenoid mit einer Hydroxylgruppe, sodass es zu den einwertigen Alkoholen zählt. Es leitet sich von Isopren ab, welches zwei Doppelbindungen im Molekül besitzt. Ein zusätzliches Merkmal von Retinol ist sein Beta-Jononring, welcher mit den verbundenen Isopreneinheiten ein Molekül mit konjugierten Doppelbindungen bildet. Die konjugierten Doppelbindungen spielen eine große Rolle beim Sehvorgang. Alle Verbindungen innerhalb der Vitamin-A-Gruppe stehen in chemischer Wechselwirkung miteinander. Zu diesen Wirkstoffen gehören neben Retinol die Retinolester, Retinal und Retinsäure.

Fast alle Wirkstoffe mit Ausnahme der Retinsäure können ineinander umgewandelt werden. Retinsäure bildet sich zwar durch Oxidation aus Retinal. Die Rückreaktion von Retinsäure zu Retinal findet jedoch nicht mehr statt. Retinol kann sowohl zu Retinolester verestert als auch zu Retinal oxidiert werden. Die jeweiligen Rückreaktionen laufen im Organismus ständig ab. Die Derivate von Retinol entstehen außerdem auch aus Provitamin A, dem Betakarotin. Bei der direkten Aufnahme von Vitamin A kann es zur Überdosierung kommen. Wenn die Aufnahme über Provitamin A (Betakarotin) erfolgt, ist eine Überdosierung nicht möglich, weil der Organismus die Synthese der Retinolderivate je nach Bedarf begrenzt.

Funktion, Wirkung & Aufgaben

Retinol ist als Wirkstoff des Vitamin A für den Organismus unentbehrlich, da es an vielen Stoffwechselvorgängen beteiligt ist. Aufgrund ihrer konjugierten Doppelbindungen im Molekül sind Retinolderivate wichtig für den Sehvorgang. Des Weiteren sorgt Retinol für gesunde Nervenzellen in allen Bereichen des zentralen Nervensystems, des Gehirns und des Rückenmarks.

Retinol ist außerdem verantwortlich für den Einbau von Eisen in die roten Blutkörperchen. In großem Maße beteiligt es sich am Eiweißstoffwechsel. Dabei wird es verbraucht. Alle Prozesse, die mit einer Steigerung des Proteinstoffwechsels einhergehen, können daher zu einem Vitamin-A-Mangel führen. Retinol und seine Derivate gewährleisten ein normales Zellwachstum von Haut und Schleimhäuten. So wird die Struktur und Gesundheit verschiedener Organe und Gewebe gefördert. Die Hautfunktion bleibt durch eine gesunde Zellteilung erhalten. Retinol kann auch DNA-Schäden in Hautzellen verhindern, weil der entsprechende Reparaturmechanismus gestärkt wird.

Auch an der Knochenbildung hat Retinol maßgeblichen Anteil. Deshalb müssen besonders Kinder ausreichend mit Vitamin A versorgt werden. Während der Embryogenese ist die aus Retinol gebildete All-trans-Retinsäure (Vitamin-A-Säure) ein wichtiger Wachstumsfaktor für die embryonalen Nervenzellen. Retinol ist auch maßgeblich an der Produktion der Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron beteiligt.

Gleichzeitig ist es auch für die Spermien- und Eizellbildung sowie für die Funktion und Struktur von Ei- und Samenleiter verantwortlich. Außerdem stärkt Retinol das Immunsystem durch den Aufbau von wirkungsvollen Barrieren gegen Krankheitskeime, durch die Erhöhung der Wirksamkeit der weißen Blutkörperchen und durch die erleichterte Bildung von Antikörpern.

Bildung, Vorkommen, Eigenschaften & optimale Werte

Retinol und seine Derivate (Vitamin A) können dem Körper sowohl direkt als auch indirekt über Betakarotin zugeführt werden. Innerhalb der tierischen und menschlichen Organismen ist eine vollständige Synthese von Retinol nicht möglich. Vitamin A ist besonders in tierischen Produkten wie Leber, Lebertran, Eigelb, Leberwurst, Milch, Lachs, Hühnerfleisch oder Schweinefleisch enthalten. Provitamin A (Betakarotin) wird durch pflanzliche Lebensmittel wie Karotten, Spinat, Grünkohl, Kürbis oder Aprikosen aufgenommen. Der Organismus wandelt Betakarotin (Provitamin A) nach Bedarf in Retinol und seine Derivate (Vitamin A) um.

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Krankheiten & Störungen

Sowohl eine Unter- als auch eine Überversorgung mit Retinol führt zu gesundheitlichen Problemen. Ein Mangel an Vitamin A kann erhöhte Infektanfälligkeit, Augenprobleme, Nachtblindheit, Hauttrockenheit, Ausfall von Haaren und Nägeln, Eisenmangel, Arteriosklerose, Erhöhung des Krebsrisikos, Erhöhung des Risikos für Nierensteine, Müdigkeit, Erschöpfung oder Knochenwachstumsstörungen hervorrufen.

Die Ursachen für einen Vitamin-A-Mangel sind vielfältig. So können bestimmte Erkrankungen die eine Fettresorption stören. Dazu zählen unter anderem Erkrankungen der Leber, der Gallenblase oder der Bauchspeicheldrüse. Bei Entzündungen oder Stress erhöht sich außerdem der Proteinstoffwechsel mit einem verstärkten Verbrauch von Retinol. Umweltgifte, Rauchen, Alkohol oder Sonnenlicht beeinträchtigen die Aufnahme und Speicherung von Vitamin A. Die Umwandlung von Karotinoiden in Vitamin A wird außerdem bei Diabetes oder Schilddrüsenüberfunktion behindert. Manche Medikamente verschlechtern die Aufnahme von Retinol.

Schlafmittel sind in der Lage, die Speichervorräte an Vitamin A in der Leber abzubauen. Zur Bekämpfung der Unterversorgung mit Vitamin A können Vitamintabletten verabreicht werden. Besser ist jedoch der Verzehr von Lebensmitteln mit ausreichend Vitamin A oder Provitamin A. Schädliche Umwelteinflüsse, welche die Aufnahme von Retinol erschweren, müssen reduziert werden. Auch eine Überdosierung von Vitamin A ist schädlich. Dabei kann es zu Durchfall, Erbrechen, Kopfschmerzen, Vergrößerung von Leber und Milz und im Extremfall sogar zu Leberzirrhose kommen.

Eine Überversorgung mit Retinol tritt häufig bei übermäßigem Verzehr von Fleischprodukten und besonders von Leber auf. Ein erhöhter Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln mit viel Provitamin A kann nicht zu einer Überdosierung mit Vitamin A führen, denn Provitamin A wird immer bedarfsgerecht in Vitamin A umgewandelt.

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