Nierensteine

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. August 2017
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Als Nierensteine (Nephrolithiasis) wird eine Harnwegs- bzw. Nierenerkranung bezeichnet, bei der es im Verlauf zur Bildung von kleinen bis größeren kristalinen Steinen kommt, die nur mit großen Schmerzen ausgeschieden werden können. Typische erste Anzeichen sind starke Schmerzen in der Leistengegend bzw. Unterbauch. Am Anfang einer Nierensteinerkrankung spüren die Betroffenen jedoch noch keine Beschwerden, da die Nierensteine meist noch klein sind.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Nierensteine?

Nierensteine sind feste Gebilde, welche bei der Nierensteinkrankheit (Nephrolithiasis) in der Niere sowie in den ableitenden Harnwegen (Harnblase, Harnleiter) entstehen. Meistens bestehen Nierensteine aus Kalziumsalzen, können jedoch auch aus Harnsäure, Zystin oder Magnesium-Ammonium-Phosphat zusammengesetzt sein.

Der Häufigkeitsgipfel liegt bei Erwachsenen, die 30 bis 60 Jahre alt sind. Dabei betrifft es Männer ungefähr doppelt so oft wie Frauen. Die Größe der gebildeten Nierensteine kann sehr unterschiedlich sein. Sie reicht von einigen Millimetern (circa Reiskorngröße) bis zu vielen Zentimetern (sogenannte Nierenbeckenausgusssteine, welche das Nierenbecken völlig ausfüllen können). In etwa 80 der Fälle treten diese Ablagerungen einseitig auf.

Ursachen

Nierensteine bilden sich durch eine erhöhte Konzentration bestimmter Stoffe im Urin. Die Ursachen dafür sind vielfältig und reichen von Ernährungsfaktoren und von einer zu niedrigen Flüssigkeitszufuhr über mangelnde Bewegung bis hin zu gewissen Stoffwechselerkrankungen und genetischen Faktoren. Bei der Mehrheit von Nierensteinen Betroffenen bleiben die Ursachen ungeklärt.

Die Stoffe, die sich an der Entstehung von Nierensteinen beteiligen, sind Bestandteile des Harns, welche normalerweise gelöst über die Niere ausgeschieden werden. Zu diesen Stoffen gehören Kalzium, Phosphat, Harnsäure, Zystin und Oxalat. Wenn sie im Harn so reichlich vorhanden sind und sich nicht mehr lösen können, kristallisieren sie aus. Bei entsprechender Harnkonzentration lagern sich folglich immer neue Stoffschichten an die entstandenen Kristalle an, sodass sich ständig wachsende zwiebelschalenartige Nierensteine bilden.

Typische Symptome & Anzeichen

Krankheitsverlauf

Schematische Darstellung zur Anatomie und Aufbau der Niere bei Nierensteinen. Klicken, um zu vergrößern.

Werden Nierensteine heutzutage behandelt, so ist fast immer mit einem günstigen Verlauf zu rechnen. Je nach Therapieverfahren ist der Betroffene meist schon nach kurzer Zeit von den Beschwerden befreit. Dennoch kann es auch zu Komplikationen kommen, wenn beispielsweise die Nierensteine die Harnwege blockieren und der Urin bzw. Harn nicht ausgeschieden werden kann. In der Folge können so auch leichter Bakterien in das Nierenbecken eindringen und für Entzündungen sorgen.

Werden die Nierensteine gar nicht behandelt, werden die typischen Schmerzen beim Urinieren immer stärker. Außerdem kann es zu weiteren Symptomen, wie starken Rückenschmerzen, Fieber und Schüttelfrost kommen. In seltenen Fällen kann es gar zum kompletten Versagen der Nierentätigkeit kommen. Die daraus resultierende Blutvergiftung kann dann zu lebensbedrohlichen Erscheinungen führen.

Komplikationen

Aufgrund eines günstigen Verlaufs treten Komplikationen bei Nierensteinen nur selten auf. So werden mehr als 80 Prozent der Steine mit dem Urin wieder aus dem Körper ausgeschieden. Wie lange dieser Vorgang dauert, hängt von dem Umfang der Nierensteine ab. Dennoch sind Folgeerscheinungen möglich, wenn der Abfluss des Urins aufgrund der Steine behindert wird.

Zu den unangenehmsten Komplikationen der Nierensteine zählt die Nierenkolik. Sie macht sich durch plötzlich einsetzende starke Schmerzen bemerkbar, die sich anfalls- und krampfartig zeigen. Lokalisiert werden sie im Bereich der Nieren, sie können aber auch bis in die Leisten, den Oberschenkel oder die Genitalien ausstrahlen. Bei vielen Betroffenen kommt es außerdem zu Unruhe, Angst, Übelkeit und Erbrechen.

Die Dauer einer Nierenkolik reicht von wenigen Minuten bis hin zu mehreren Stunden. Damit keine dauerhaften Schäden an den Nieren und Harnwegen auftreten, muss eine ärztliche Therapie erfolgen. Werden die Harnwege durch die Nierensteine verschlossen, können Krankheitserreger wie Bakterien leichter in den Organismus vordringen und Harnwegsinfektionen wie eine Urozystitis hervorrufen.

Nicht selten werden auch die Nieren durch eine interstitielle Nephritis in Mitleidenschaft gezogen. Dabei leiden die betroffenen Personen unter Beschwerden beim Wasserlassen, Fieber, Schüttelfrost und starken Rückenschmerzen in der Nierenregion. Eine gefürchtete Komplikation der Nierensteine stellt die Urosepsis dar. Sie entsteht, wenn Bakterien in den Blutkreislauf eingeschwemmt werden. Sie kann mitunter lebensgefährliche Ausmaße annehmen.

Behandlung & Therapie

Gegen akute Nierenkoliken und Nierensteine helfen vor allem eine angemessene Schmerztherapie sowie die Beseitigung einer eventuellen Harnstauung. Meistens gehen Nierensteine von selbst mit dem Harn ab. Der Betroffene kann einen solchen Spontanabgang der Steine wahrscheinlich selber unterstützen, indem er viel Flüssigkeit zu sich nimmt, krampflösende Medikamente einnimmt und sich viel bewegt. Ist der Spontanabgang nicht der Fall, kann der Nierenstein auf unterschiedliche Weise beseitigt werden.

Bei der extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie (ESWL) zertrümmert der Arzt die Nierensteine von außen durch die Stoßwellentherapie unter Ultraschall- oder Röntgenkontrolle. Die dabei entstehenden Steinbruchteile gehen dann normalerweise in den folgenden 3 Monaten von allein mit dem Urin ab.

Die perkutane Nephrolitholapaxie (PCNL) wird vor allem bei größeren Steinen eingesetzt. Dabei wird durch einen winzigen Hautschnitt ein Endoskop eingeführt, über welches der Stein anschließend zerkleinert und entfernt wird.

Die Schlingenextraktion erfolgt ausschließlich bei Nierensteinen, die im unteren Harnleiterdrittel liegen. Dabei führt der Arzt über eine Blasenspiegelung eine spezielle Schlinge in den Harnleiter ein, mit deren Hilfe der Nierenstein herausgezogen wird.

Operativ (durch eine Bauchspiegelung oder offene Operationen) werden Nierensteine heutzutage nur noch bei weniger als 5% der Betroffenen entfernt.

Einige Nierensteine (Harnsäure- und Zystinsteine) können unter Umständen durch medikamentöse Therapie aufgelöst werden (sogenannte Chemolitholyse). Außerdem kann der Harnsäurespiegel mithilfe des Medikamentes Allopurinol gesenkt werden.

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Vorbeugung

Zu den wichtigsten Vorbeugungsmaßnahmen gegen Nierensteine gehört in erster Linie der ausreichende Flüssigkeitszufuhr (etwa 3 Liter täglich).

So wird der Urin verdünnt und seine Übersättigung mit steinbildenden Stoffen verhindert.

Dabei sollte das Trinken über den ganzen Tag gleichmäßig verteilt werden, weil die Konzentration von steinbildenden Stoffen ebenso nachts erhöht sein kann.

Das Risiko für Nierensteine kann zudem durch regelmäßige Bewegung, Verhinderung des Übergewichts beziehungsweise durch den Abbau überschüssiger Pfunde gesenkt werden.

Die positiven Effekte werden dank einer ausgewogenen und ballaststoffreichen Ernährung unterstützt.

Bücher über Nierensteine

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Keller, C.K., Geberth, S.K.: Praxis der Nephrologie. Springer, Berlin 2010
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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