Histaminintoleranz (Histaminunverträglichkeit)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Dezember 2017
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Viele Menschen leiden heutzutage unter Nahrungsmittelallergien. Bei einigen Menschen kann aber keine Lebensmittelallergie diagnostiziert werden und trotzdem haben sie die unterschiedlichsten Unverträglichkeitsreaktionen auf Nahrungsmittel. Es könnte sich um eine Histaminintoleranz bzw. Histaminunverträglichkeit handeln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Histaminintoleranz?

Der Begriff Histaminintoleranz kennzeichnet ein Ungleichgewicht zwischen durch Nahrungsmittel zugeführtem und abgebautem Histamin im Körper. Im Körper sorgt das Enzym Diaminoxydase für den Abbau von Histamin, das durch Nahrungsmittel in unterschiedlicher Konzentration zugeführt wird.

Wenn dieses nicht in ausreichender Menge produziert wird, reagiert der Körper mit unterschiedlichen Unverträglichkeitsreaktionen wie Durchfällen, Magenreizungen, Müdigkeit, Asthma, Schwindel, Hautausschlägen, Übelkeit etc. Es handelt sich dabei um eine erworbene Störung, ein genetischer Nachweis fehlt bisher.

Ursachen

Eine der Hauptursachen einer Histaminintoleranz liegt in der Konzentration der Zufuhr histaminreicher Lebensmittel. Viele Lebensmittel sind nicht von Natur aus histaminreich, sondern werden es durch Reifung und Gärung.

Bei Nahrungsmitteln, denen Bakterien zugesetzt werden, findet man besonders hohe Histaminwerte, z. B. in Räucherfleisch, Räucherfisch, Rotwein, Käse, Sauerkraut und Weizenbier. Aber auch sogenannte Histaminliberatoren, (Nahrungsmittel, die die Ausschüttung von Histamin im Körper anregen) sind für eine Unverträglichkeit mit verantwortlich. Zu diesen Histaminliberatoren gehören u. a. Erdbeeren, Eiweiß und Fisch.

Alkohol fördert gleichermaßen die Ausschüttung von Histamin und vermindert den Abbau. Auch Medikamente beeinträchtigen den Abbau von Histamin im Körper, z. B. hustenlösende Medikamente, Schlaf-, Schmerz- und Rheumamittel.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Immer mehr Menschen sind von der Histaminintoleranz betroffen, besonders häufig Frauen mittleren Alters. Obwohl weit verbreitet und an vielen Symptomen erkennbar, ist die Histaminintoleranz noch relativ unbekannt.

Viele Menschen müssen erst einmal von Arzt zu Arzt laufen, bevor ihre Symptome von aufmerksamen Ärzten als Histaminintoleranz erkannt werden. Durch die üblichen Lebensmittelallergiestest kann sie nicht nachgewiesen werden, da es sich nicht um eine allergische Reaktion handelt.

Eine Diagnose gelingt oft nur über einen Blut- und Urintest sowie eine Reduktionsdiät, bei der die Zufuhr histaminreicher Lebensmittel eingeschränkt wird. Auch ein Provokationstest, bei dem absichtlich Histamin zugeführt wird, und ein Ernährungstagebuch kann Aufschluss geben.

Zahlreiche Beschwerden nach dem Genuss histaminreicher Lebensmittel können auf eine Histaminintoleranz hinweisen:

Komplikationen

Durch die Histaminintoleranz kommt es zu vielen verschiedenen Komplikationen und Beschwerden, die das Leben und den Alltag des Betroffenen extrem einschränken und die Lebensqualität verringern können. In der Regel kommt es durch die Unverträglichkeit zu starken Rötungen auf der Haut und zur Ausbildung eines Juckreizes. Es tritt ebenso eine Übelkeit mit Schwindelgefühlen auf und der Patient leidet dabei an starkem Erbrechen.

In der Bauchregion kommt es zu Schmerzen und Krämpfen, wodurch es in vielen Fällen zu einer Reizbarkeit und zu Einschränkungen im Alltag kommt. Nicht selten leiden die Patienten auch an Kopfschmerzen und an einer laufenden Nase und Schnupfen. Die Beschwerden können bei vielen Patienten auch zu psychischen Einschränkungen und zu Depressionen führen. In schwerwiegenden Fällen kann die Histaminintoleranz auch zu Atembeschwerden führen, sodass die Patienten an einer Atemnot und an einer Schnappatmung leiden.

Es kommt in der Regel auch zu relativ starken Gelenkschmerzen und zu einer allgemeinen Erschöpfung. In akuten Notfällen können die Beschwerden mit Hilfe von Medikamenten behandelt werden. Im Allgemeinen muss der Betroffene allerdings bei der Histaminintoleranz auf bestimmte Lebensmittel verzichten und ist damit in seiner Ernährung eingeschränkt. Weitere Komplikationen treten allerdings nicht auf, wenn der Patient auf diese Lebensmittel verzichtet.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn nach dem Verzehr von histaminreichen Speisen immer wieder Beschwerden auftreten, liegt womöglich eine Histaminintoleranz zugrunde. Ein Arztbesuch ist angezeigt, wenn die Symptome das Wohlbefinden beeinträchtigen oder ernste Komplikationen hervorrufen. So sollten Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen, starker Hautausschlag und Atembeschwerden ärztlich abgeklärt werden. Frauen sollten medizinischen Rat einholen, wenn nach dem Verzehr bestimmter Speisen immer wieder Menstruationsbeschwerden bemerkt werden.

Personen, die nach dem Essen unter Atemnot, Schweißausbrüchen oder Bewusstseinsstörungen leiden, suchen am besten ein Krankenhaus auf. Bei einer Schockreaktion muss der Rettungsdienst gerufen werden. Im Allgemeinen sollten Betroffene bereits einen Verdacht auf eine Histaminintoleranz abklären lassen. Durch eine ärztliche Diagnose kann die Erkrankung gezielt behandelt und weitere Komplikationen vermieden werden. Eltern, die bei ihrem Kind entsprechende Anzeichen einer Allergie oder Intoleranz bemerken, sprechen am besten mit dem Kinderarzt. Im Zweifelsfall kann zunächst der ärztliche Notdienst kontaktiert werden. Auch bei anderen Symptomen wird im Idealfall umgehend mit einem Arzt gesprochen. Neben dem Allgemeinmediziner kann ein Facharzt für innere Medizin konsultiert werden.

Behandlung & Therapie

Da histaminreiche Lebensmittel die Hauptursache für die Histaminintoleranz bilden, ist die wichtigste Behandlungsmethode, histaminreiche Lebensmittel zu kennen und im Speiseplan zu reduzieren oder ganz zu vermeiden, wenn es möglich ist. Folgende Lebensmittel gelten als besonders histaminreich und sollten reduziert bzw. gemieden werden:

  • Rotwein
  • Weizenbier
  • reife Käsesorten wie Emmentaler, Tilsiter, etc.
  • Salami, Schinken
  • Räucherfisch, Fischkonserven
  • Gemüse wie Spinat, Sauerkraut
  • Einschränkung der Histaminliberatoren Zitrusfrüchte, Bananen, Erdbeeren, Himbeeren, Birnen, Walnüsse, Schokolade, Kakao, Hülsenfrüchte, Weizenkeime
  • Vermeidung bzw. Einschränkung haltbar gemachter Lebensmittel

Darüber hinaus kann die Histaminfreisetzung im Körper medikamentös stabilisiert werden oder Antihistaminika verabreicht werden. Viele Ärzte versuchen immer noch, Beschwerden symptomatisch zu bekämpfen, weil sie die Beschwerden nicht in den richtigen Zusammenhang stellen. Das hilft Betroffenen aber nicht.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Die wichtigste Vorbeugung bei einer Histaminintoleranz besteht in der Vermeidung oder Einschränkung histaminreicher Lebensmittel. Ist die Unverträglichkeit erst einmal bekannt, gelingt es Betroffenen relativ leicht zu erkennen, auf welche Nahrungsmittel sie besonders empfindlich reagieren.

Eine direkte Vorbeugung gibt es nicht, da diese Störung erworben ist und von der Histaminkonzentration im Körper abhängig ist. Weil die Histaminkonzentration in konservierten Lebensmitteln besonders hoch ist, kann frisches Kochen eine der wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung sein.

Sie sollten als Betroffener haltbar gemachte Lebensmittel einschränken oder vermeiden, denn die Histaminkonzentration ist abhängig vom Reifegrad. Jeder Betroffene muss individuell herausfinden, welche Konzentration vertragen wird.

Das können Sie selbst tun

Wurde eine Histaminintoleranz festgestellt, muss die Ernährung umgestellt werden. Da es von Person zu Person unterschiedlich ist, welche Lebensmittel und Getränke vertragen werden, sollten Betroffene einen Ernährungsplan erstellen. Kommt es nach dem Verzehr einer bestimmten Speise zu den typischen Beschwerden, sollte diese in die „rote Liste“ eingetragen und zukünftig gemieden werden.

Im Allgemeinen müssen histaminreiche Nahrungsmittel wie länger gelagerte Meeresfrüchte, Frischfisch, Fleisch und Käse und fermentierte Speisen wie zum Beispiel Sauerkraut vermieden werden. Bei manchen Allergikern setzen Bananen, Avocado, Tomaten, Spinat, Erdbeeren, Ananas und Nüsse im Körper Histamin frei. Es empfiehlt sich, viele Lebensmittel mit Vitamin B6, Mangan und Zink zu essen, denn diese Stoffe lindern die Symptome. In Rücksprache mit dem Arzt können Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden.

Wenn dennoch einmal histaminhaltige Lebensmittel verzehrt werden, sollten die Symptome mit Bettruhe und natürlichen Schmerzmitteln auskuriert werden. Meist verschwinden die Beschwerden nach einigen Stunden wieder und es ist keine ärztliche Behandlung vonnöten. In schweren Fällen kann auch eine medikamentöse Behandlung mit Diaminoxidase-Präparaten sinnvoll sein. Diagnostiziert werden sollte die Histamintoleranz in jedem Fall, denn nur so ist eine gezielte Behandlung möglich.

Bücher über Histaminintoleranz

Quellen

  • Altmeyer, P.: Therapielexikon Dermatologie und Allergologie. Springer Medizin Verlag, Berlin Heidelberg 2005
  • Saloga, J. et al.: Allergologie-Handbuch. Schattauer, Stuttgart 2011
  • Trautmann, A., Kleine-Trebbe, J.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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