Appetitlosigkeit

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 26. Februar 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Appetitlosigkeit, Anorexie, oder Inappetenz, welche aus dem lateinischen abgleitet, "das Verlangen" meint, sind Fachbegriffe für einen nicht normalen Appetit. Die Extremform der Appetitlosigkeit ist die Magersucht (Anorexia nervosa), welche als eigenständige psychische Krankheit gelten kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Appetitlosigkeit?

Appetitlosigkeit kann viele Gründe haben. Die häufigsten Ursachen sind eine Magenverstimmung, Stress und psychosomatische Belastungen.

Appetitlosigkeit ist in der Regel nicht an eine ernste Krankheit gebunden, doch wenn sie länger anhält oder psychisch bedingt ist, kann aus ihr schnell eine ernst zu nehmende Krankheit entstehen, die sogenannte Anorexia nervosa bzw. Magersucht. Bei dieser krankhaften Appetitlosigkeit handelt es sich um eine Ess-Störung, die dadurch gekennzeichnet ist, dass die Patientin (seltener der Patient) sich aufgrund eines gestörten Selbstbildes weigert, ein gesundes Körpergewicht aufrechtzuerhalten, und die zwanghafte Angst vor einer Gewichtszunahme in sich trägt.

Dieses beruht auf einer kognitiven Fehlvorstellung des eigenen Körpers, der Ernährung im Allgemeinen und des Essens im Besonderen. Diese Form der Appetitlosigkeit hat meist eine Reihe an Begleiterkrankungen wie z. B. Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen und gehört zu den psychiatrischen Störungen mit der höchsten Sterblichkeitsrate.

Während sich die Stereotypisierung hartnäckig hält, Appetitlosigkeit in Form einer Anorexie betreffe ausschließlich junge Frauen westlicher Kulturen, ist es wissenschaftlich belegt, dass diese Krankheit sowohl Frauen als auch Männer betreffen kann, und zwar aller Altersgruppen, Rassen und sozioökonomischer oder kultureller Gruppen. Appetitlosigkeit ist nicht genetisch bedingt.

Anzeichen & Symptomatik

Jemand, der unter Appetitlosigkeit leidet, legt zahlreiche verschiedene Symptome an den Tag. Diese können in ihrer Art und Ausprägung variieren und belasten den Betroffenen individuell und unterschiedlich stark. Anorexia nervose und die damit verbundene Fahl- bzw. Mangelernährung kann ernsthafte Komplikationen im menschlichen Organsystem verursachen und schlägt sich in erster Linie folgendermaßen nieder:

  • zwanghafte Beschäftigung mit Kalorien- und Fettgehalt von Nahrungsmitteln
  • Diätwahn trotz schlanker oder gar untergewichtiger Erscheinung
  • Narbenbildung auf dem Handdrücken durch wiederholten Kontakt mit den Zähnen beim permanenten Herbeiführen des Brechreizes
  • geschwollene Wangen durch häufiges Erbrechen
  • Hautschädigungen (Akne)
  • exzessiver Sport oder körperliche Betätigung
  • depressive, traurige Stimmung
  • Rituale wie unendliche Zerkleinerung von Nahrungsmitteln
  • Meiden von Familie, Freunden, und Bekannten (sozialer Rückzug) durch Appetitlosigkeit bei gemeinsamen Mahlzeiten

Ursachen

Bei Appetitlosigkeit ist der normale menschliche Appetit auf Speisen oder das hungrige Verlangen nach Nahrung stark verringert. Wird die Nahrungsaufnahme über einen längeren Zeitraum stark eingeschränkt, kommt es zu körperlichen Schäden, die bis zum Tod durch Verhungern führen können.

In der Regel tritt die Appetitlosigkeit mit anderen Symptomen, wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sowie bei vielen anderen Infektionskrankheiten auf. Aber auch seelisch bedingte Einflüsse, wie der Tod eines Familienmitgliedes, lässt den Appetit stark abnehmen. Eher seltener tritt Appetitlosigkeit bei Tumoren auf.

Die Ursachen für krankhafte Appetitlosigkeit können auch körperlicher Natur sein, aber auch im gesellschaftlichen Umfeld zu finden sein. So können Komplikationen vor und bei der Geburt Grund dafür sein, eine genetische Prädisposition oder neurologische Dysregulation vorliegen oder auch Durchblutungsstörungen im Gehirn, Autoimmunerkrankungen oder Ernährungsdefizite wie Zinkmangel ursächlich für Anorexia nervosa (Magersucht) sein.

Soziokulturelle Studien haben jedoch auch gezeigt, dass andere Faktoren Auslöser für eine derartige Appetitlosigkeit sein können, wie etwa das von Medien propagierte Schönheitsideal der Schlankheit, Berufs(vor)bilder wie Models und Tänzer oder aber auch Entwicklungs- bzw. Verhaltensstörungen mit autistischen Charakterzügen.


Krankheiten mit diesem Symptom

Komplikationen

Mit dem Symptom der Appetitlosigkeit eng in Verbindung steht vor allem die Komplikation des Gewichtsverlustes. Besteht kein Hungergefühl, hat der Mensch auch keinen natürlichen Anreiz zu essen. Isst er dennoch, geht dies von "Ritualen" und sozialen Bräuchen aus. Bei einigen Erkrankungen, die mit Appetitlosigkeit einhergehen, werden solche "Rituale" und Gebräuche jedoch nicht mehr umgesetzt.

Dies ist vor allem bei den psychischen Erkrankungen, die zu Appetitlosigkeit führen, der Fall. Besonders dann kann es aufgrund der Appetitlosigkeit zu einem teilweise rapiden Verlust an Gewicht kommen. Dieser Gewichtsverlust folgt hierbei aus dem Unterlassen des Essens. Die Komplikation des Gewichtsverlustes ist durchaus ernst zu nehmen, da diese durchaus schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann. Ein Gewichtsverlust erfolgt, wenn die Aufnahme an Energie unter dem Bedarf an Energie liegt. Hieraus folgt logisch, dass der Körper geschwächt wird.

Die nötige Energie muss aus den Reserven des Körpers "geholt" werden. Hierzu werden Muskel- und Fettmasse abgebaut. Geschieht dies in größerem Maße, schwächt dieser Umstand den Körper recht stark. Es ist also wichtig, trotz der Appetitlosigkeit in ausreichendem Umfang zu essen, um den Energiebedarf des Körpers zu decken und somit einen Gewichtsverlust zu verhindern. Bei Nahrungsmangel kommt es nach einiger Zeit zum sogenannten Hungerstoffwechsel. Insgesamt sollte bei längerer Appetitlosigkeit in jedem Falle ein Arzt aufgesucht werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Appetitlosigkeit bedarf einer ärztlichen Abklärung, wenn die Beschwerden über eine längere Zeit bestehen bleiben und ungewollter Gewichtsverlust oder anderweitige Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen oder Abgeschlagenheit und Schwäche hinzukommen.

Bleibt der Appetitmangel über mehrere Tage oder Wochen bestehen, liegt womöglich eine ernsthafte physische oder psychische Ursache wie etwa ein Tumor oder eine Erkrankung des Magen-Darm-Traktes, eine Angststörung oder eine Depression zugrunde – ein Arztbesuch ist zu empfehlen, wenn die Beschwerden in einem Zeitraum von einer Woche nicht zurückgehen und stattdessen im Verlauf immer weiter zunehmen und zu weiteren Probleme führen.

Bei Kindern und älteren Menschen ist Appetitlosigkeit ein natürliches Phänomen, welches einer Abklärung durch einen Arzt bedarf, wenn es mit einem verringerten Herzschlag, Dehydrierung oder allgemeinen Schwächegefühlen einhergeht und über mehrere Tage ohne Besserung der Symptome bestehen bleibt.

Generell gilt: aufgrund der vielgestaltigen Ursachen, die Appetitlosigkeit haben kann und den direkten Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit, die eine Mangelernährung mit sich bringt, ist ein zeitnaher Besuch beim Arzt fast immer anzuraten. Betroffene, die in der Vergangenheit bereits einmal unter Magersucht oder einer generellen Unlust zu Essen gelitten haben, sollten einen Gastroenterologen hinzuziehen. Auch Menschen mit Vorerkrankungen des Herzens oder des Immunsystems empfiehlt es sich, die Symptome rasch abklären zu lassen.

Behandlung & Therapie

Diagnostiziert wird krankhafte Appetitlosigkeit von einem erfahrenen Spezialisten, der zunächst ernsthafte andere Erkrankungen wie Infektionen, Hormonstörungen, neurodegenerative Krankheiten, Tumore oder eine ganze Reihe anderer, psychiatrischer Störungen auszuschließen hat, die dieselbe oder ähnliche Symptomatik hervorrufen können. Hierfür steht ein ganzes Arsenal an Diagnosekriterien zur Verfügung. Auch die Abgrenzung von anderen Formen der Ess-Störungen (wie Bulimie) muss gesichert sein.

Die Therapie der Anorexia nervosa richtet sich nach dem individuellen Befinden und dem Schweregrad der Erkrankung und zielt auf drei Hauptgebiete ab: die Wiederherstellung eines gesunden Mindestgewichts, die Behandlung der zugrundeliegenden oder begleitenden psychiatrischen Störung sowie die Eliminierung der Zwangsgedanken, die ursprünglich zu dem gestörten Essverhalten geführt hatten bzw. die Aufrechterhaltung der Appetitlosigkeit immer wieder triggern.

Eine medizinische Ernährungstherapie mit Nahrungsergänzung durch Zink, Omega-3-Fettsäuren und andere Mikronährstoffe sowie eine Erziehung zum verantwortungsvollen Umgang mit dem eigenen Körper bildet die Basis. Medikamentös hat sich der Wirkstoff Olanzapin, ein atypisches Neuroleptikum, bewährt, um den Body-Mass-Index zu erhöhen und die Zwangsgedanken zu reduzieren. Auch der selektive Serotonin-Wiederaufnehmehemmer (SSRI) Fluvoxamin wird zur Behandlung von Zwangsstörungen eingesetzt. Einen weiteren Therapiepfeiler bildet die kognitive Verhaltenstherapie, die evidenzbasiert arbeitet und gute Erfolge bei Appetitlosigkeit verspricht.

Die Prognose bei Anorexia nervosa (Magersucht) ist gut und verläuft, sofern behandelt, nicht chronisch. Die durchschnittliche Dauer einer Periode liegt bei knapp zwei Jahren. Ein vollständiges Abklingen gelingt bei bis zu 90 Prozent der Erkrankten, die Rückfallrate bei psychisch bedingter Appetitlosigkeit liegt bei 30 Prozent.

Aussicht & Prognose

Eine Appetitlosigkeit muss nicht zwingen vom Arzt behandelt werden und ist in sehr vielen Fällen temporär. Sie besteht daher nicht besonders lange und verschwindet oft von alleine. Die Appetitlosigkeit hängt meist mit einem anderen Ereignis zusammen, wie zum Beispiel Stress oder einer anderen psychischen Belastung.

Als Folge der Appetitlosigkeit erleidet der Körper immer einen Gewichtsverlust. Dieser ist für die betroffene Person oft nicht stark bemerkbar, wird aber von Außenstehenden wahrgenommen.

Gegen die Appetitlosigkeit gibt es einige Mittel, die vom Arzt verschrieben werden können. Diese sollten aber nur dann eingenommen werden, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, genügend Essen zu sich zu nehmen.

Nicht selten führt die Appetitlosigkeit auch zur Magersucht und damit zu einem sehr schlechten physischen und psychischen Zustand. In solchen Fällen muss ein Arzt konsultiert werden. Hier ist nicht nur eine Behandlung mit Medikamenten, sondern auch eine Therapie mit einen Psychiater notwendig.

Oft hängt die Appetitlosigkeit allerdings mit temporären Stresssituationen zusammen und verschwindet auch dann wieder, wenn der Auslöser verschwunden ist. Bei den meisten Menschen nimmt die Appetitlosigkeit einen positiven Krankheitsverlauf und vergeht wieder von alleine.


Vorbeugung

Prophylaktisch kann der Einzelne durchaus etwas gegen drohende Appetitlosigkeit tun: wichtig ist, feste Mahlzeiten einzuhalten und nicht ständig irgendetwas „im Vorbeigehen“ zu sich zu nehmen, sondern sich auf die Essenszeit zu freuen. Fast Food sollte vermieden werden. Es gilt, jedes Essen wertzuschätzen, sich Zeit für die frische Zubereitung abwechslungsreicher Speisen zu nehmen und langsam zu essen. Appetitanregend kann auch sein, zusammen mit Freunden einkaufen zu gehen, anschließend gemeinsam zu kochen und das Mahl ausgiebig zelebrieren. Ebenso helfen lange Spaziergänge und viel Bewegung in der Natur und an der frischen Luft.

Das können Sie selbst tun

Appetitlosigkeit ist oftmals mit Hausmitteln und simplen Maßnahmen beizukommen. Zunächst empfiehlt es sich, durch Sport oder körperliche Arbeit den Kalorienbedarf zu erhöhen. Zwischen den Mahlzeiten helfen gesunde Snacks, aber auch Senf, den Appetit und die Verdauung anzuregen. Rohkost oder saure Gurken, sowie Enzian regen den Magendarmtrakt ebenfalls an und garantieren durch die enthaltenen Vitamine ein länger andauerndes Sättigungsgefühl. Gewürze wie Ingwer oder Zimt gelten ebenfalls als appetitanregendend und sollten ähnlich wie Hopfen- oder Koriandertee gemeinsam mit den Mahlzeiten eingenommen werden.

Wer aufgrund eines nervösen Magens keinen Appetit verspürt, bringt die Verdauungssäfte mit einem Tee aus Schafgarbe oder Kamille zum Fließen. Daneben helfen allgemeine Maßnahmen: eine Umstellung des Essverhaltens, regelmäßige und kleinere Mahlzeiten, und die Vermeidung von Stress und körperlicher Überanstrengung. Außerdem sollte auf Alkohol, Zigaretten und andere, oftmals appetitmindernde Genußmittel verzichtet werden, bis der normale Appetit wieder hergestellt ist.

Anderweitige Maßnahmen wie etwa eine Umstellung oder Absetzung von Medikamenten, sollten zuvor mit dem Hausarzt oder einem Ernährungsmediziner besprochen werden. Ein Arztbesuch empfiehlt sich, wenn die Appetitlosigkeit trotz erwähnter Maßnahmen bestehen bleibt.

Hausmittel & Kräuter gegen Appetitlosigkeit

  • Bei Appetitlosigkeit und Appetitmangel und Blähungen hilft ein Aufguss aus Anis.
  • Engelwurztee hilft bei Appetitlosigkeit und Katarrhen oder oberen Luftwege.
  • Enzian hilft bei Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen und Magenleiden.
  • Bei Appetitlosigkeit einen Tee aus Kümmel und Schafgarbe trinken.

↳ Weitere Informationen: Hausmittel gegen Appetitlosigkeit

Quellen

  • Hartmann, L.: Beratungskompetenz Magen und Darm in der Apotheke. Springer, Berlin Heidelberg 2012
  • Müller, C., et al.: Ernährung in Prävention und Therapie: Ein Lehrbuch. Hippokrates, Stuttgart 2009
  • Siegenthaler, W.: Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten. Vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2012

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