Zoonose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 15. November 2017
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Infektionen, die von Tieren auf Menschen übertragen werden können, sind häufiger als angenommen. Am meisten verbreitet ist dieses Problem in Afrika und Indien. Doch auch in Europa gibt es Krankheitsfälle, die als Zoonose bezeichnet werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Zoonose?

Unter dem Begriff Zoonose werden alle Infektionskrankheiten zusammengefasst, bei denen einen Übertragung zwischen Tieren und Menschen erfolgt.

Hierbei bilden die Tiere das Erregerreservoir, während in den meisten Fällen der Mensch das Endglied dieser Infektionskette ist. Zu den in Mitteleuropa am stärksten verbreiteten Zoonosen zählen die Salmonellen-Enteritis, der Milzbrand, die Brucellose, die Leptospirose, das Q-Fieber, die Yersiniose und die Listeriose.

Weltweit sind mehr als 200 Zoonosen bekannt. Besonders die in technisch hoch entwickelten Ländern übliche Massentierhaltung hat die Weiterverbreitung vieler Zoonosen gefördert.

Ursachen

Eine Zoonose kann durch Viren (Vogelgrippe, Tollwut), Bakterien (Salmonellose, Borreliose), Pilze (Trichophytie), Protozoen (Toxoplasmose, Leishmaniose) oder Würmer (Diphyllobothriasis, Dirofilariose) verursacht werden.

Die möglichen Übertragungswege sind vielfältig. So kann eine Zoonose durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren, über tierische Lebensmittel wie Milch, Fleisch oder Eier sowie über als Vektoren bezeichnete Krankheitserreger erfolgen. Diese Vektoren rufen die Erkrankung nicht selbst hervor und erkranken auch nicht daran. Ein allgemein bekanntes Beispiel für solche Vektoren sind beispielsweise Zecken, welche die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen.

Wenn die Zecke den Menschen sticht, werden die FSME-Viren auf den Menschen übertragen. Der Stich selbst ist jedoch nicht die Ursache für die Erkrankung. Das ist auch der Grund dafür, dass nicht jeder an FMSE erkrankt, der von einer Zecke gestochen wurde.

Diagnose & Verlauf

Ein ausführliches Gespräch über den bisherigen Krankheitsverlauf ist für die Diagnose einer Zoonose von entscheidender Bedeutung. Diesem Gespräch folgen eine körperliche Untersuchung und eventuell eine Blutuntersuchung. Der Einsatz weiterer Diagnose-Möglichkeiten ist abhängig vom Typ der vermuteten Zoonose. Je nach Symptomatik werden zum Nachweis des für die Zoonose verantwortlichen Erregers z. B. Blutkulturen, Stuhlproben, Knochenmark, Proben aus Abszessen und Lymphknoten herangezogen.

Komplikationen

Welche Komplikationen bei einer Zoonose auftreten, hängt von der Art der Infektion, dem Verlauf der Erkrankung und anderen Faktoren ab. Grundsätzlich sind Viruserkrankungen mit Allgemeinsymptomen wie Fieber verbunden, die bei fehlender Behandlung lebensbedrohlich sein können. So führt eine unbehandelte Vogelgrippe oftmals zu einer schweren Lungenentzündung, während Tollwut eine Hirnhautentzündung hervorrufen kann.

Fast immer ist eine Zoonose mit Hautrötungen und Begleiterscheinungen wie Juckreiz oder Blutungen verbunden. Auch eine Blutvergiftung kann im Rahmen einer Krankheitsübertragung von Tier auf Mensch auftreten. Zu welchen Beschwerden es im Detail kommt, hängt davon ab, wie schwer die Infektion ausfällt und wie schnell sie behandelt wird. Eine frühzeitige Behandlung kann ernste Komplikationen meistens verhindern, bei Tollwut oder Vogelgrippe sind aber immer Folgesymptome und mitunter auch Spätfolgen zu erwarten.

Bei der Zoonose-Therapie gehen die Risiken hauptsächlich von den verordneten Arzneimitteln aus. Antibiotika ruft gelegentlich Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden oder Hautirritationen hervor, und bei längerer Einnahme ist auch eine dauerhafte Schädigung der inneren Organe möglich. Bei der symptomatischen Behandlung hängen die Komplikationen von dem jeweils verordneten Medikament ab.

Behandlung & Therapie

Auch die Therapie einer Zoonose hängt von deren Art ab. Bei bakteriellen Zoonosen erfolgt die Behandlung im Normalfall durch Gabe geeigneter Antibiotika. Meist wird diese für mehrere Wochen verordnet, bei befallenen Organen sogar länger.

In der Regel wird ein wirksames Antibiotikum labortechnisch ermittelt. Bei den meisten den Verdauungstrakt betreffenden Infektionen erfolgt die Therapie ausschließlich symptomatisch durch Ausgleich von Flüssigkeits- sowie Salzverlusten.

In diesen Fällen sind Antibiotika bis auf einige Ausnahmen (Hirnhautentzündungen, Septikämien, Dauerausscheider, Babys) nicht angebracht, da sie den Krankheitsverlauf zwar verkürzen, die Keimausscheidung jedoch verlängern.

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Vorbeugung

Da einer Zoonose viele Ursachen zugrunde liegen können, gibt es keine allgemein gültigen Maßnahmen zur Prävention. Eine gute Hygiene ist generell ein wichtiger Schutz vor Infektionskrankheiten jeglicher Form. Schon regelmäßiges und gründliches Waschen der Hände mit heißem Wasser und Seife kann viele Infektionen vermeiden.

Die hygienische Lagerung sowie Zubereitung von Lebensmitteln sind ebenso bedeutsame Maßnahmen zur Vorbeugung. Gegen einige Zoonosen wie Täniose oder Toxoplasmose hilft das Erhitzen oder Einfrieren der Lebensmittel. Prionen, die z. B. die neue Form der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit verursachen, sind jedoch sehr widerstandsfähig und lassen sich durch solche Mittel nicht abtöten. Einigen Zoonose-Erregern kann durch eine Desinfektion zu Leibe gerückt werden. Dazu gehören beispielsweise Influenza-Viren.

In den meisten Fällen erfolgt eine Infizierung mit einer Zoonose über Lebensmittel. Es ist jedoch auch Vorsicht geboten, wenn bei einem Haustier eine Zoonose festgestellt wird. Hier ist am besten mit dem Tierarzt abzuklären, in welcher Form eine Übertragung des Erregers erfolgen kann und wie lange das Tier ansteckend ist. Nach dem Kontakt mit einem zoonoseinfizierten Tier ist gründliches Händewaschen unerlässlich. Käfige, Katzenklos usw. müssen bei einem an einer Zoonose erkrankten Tier täglich gereinigt werden.

Generell ist im Umgang mit Haus- sowie Nutztieren auf eine artgerechte, hygienische Haltung zu achten. Läuse, Zecken und Milben sollten so bald als möglich entfernt und wurmanfällige Tiere regelmäßig entwurmt werden. Zudem können einige Infektionen mit einer Zoonose durch entsprechende Schutzimpfungen verhindert werden.

Viele Menschen infizieren sich auf Reisen mit einer Zoonose. Deshalb empfiehlt es sich, schon vorab genaue Informationen über das Reiseziel einzuholen und entsprechende Schutzmaßnahmen in Form von Impfungen oder Notfallmedikamenten zu ergreifen.

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Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012
  • Suttorp et al.: Infektionskrankheiten verstehen, erkennen, behandeln. Thieme, Stuttgart 2003

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