Brucellose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 24. November 2017
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Die Brucellose ist eine Infektionskrankheit, die durch bestimmte Bakterien vor allem über Tiere und tierische Produkte übertragen wird. Bei rechtzeitigem Therapiebeginn verläuft die Krankheit zumeist harmlos.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Brucellose?

Bei der Krankheit Brucellose handelt es sich um eine Infektionserkrankung, die durch Bakterien der Gattung Brucella ausgelöst wird. Sowohl Menschen als auch Tiere können betroffen sein. Je nach Erreger werden verschiedene Brucellosen unterschieden:

Das sogenannte Malta- oder Mittelmeerfieber ist die Brucellose-Art, die am häufigsten beim Menschen zu finden ist. Sie wird von der Balkterienart Brucella melitensis ausgelöst, die vor allem im Mittelmeerraum, in Afrika und in Zentral- und Südamerika beheimatet ist. Morbus Bang, Schweine- und Hundebrucellose treten nur selten beim Menschen auf. In Deutschland besteht für Brucellose-Erkrankungen eine Meldepflicht.

Ursachen

Die Brucellose wird meist über Tiere auf den Menschen übertragen. Durch direkten Kontakt, zum Beispiel nach dem Streicheln von Kühen oder Schafen, können Erreger über winzige Hautverletzungen oder über die Schleimhäute in den menschlichen Organismus gelangen.

Infizierte Rohmilch, Rohmilchprodukte und infiziertes rohes Fleisch sind ebenfalls Ansteckungsquellen. Die Bakterien können in den genannten Nahrungsmitteln mehrere Wochen lang überleben. Auch Kot und Urin von Tieren können Erreger enthalten. In Einzelfällen kann die Brucellose beim Stillen direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden.

Äußerst selten sind Übertragungen über Bluttransfusionen, Knochenmarkstransplantationen und Geschlechtsverkehr. Wird die Brucellose nicht richtig oder gar nicht erkannt, kann die Erkrankung chronisch werden.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Sobald die Erreger der Brucellose in den Körper gelangt sind, werden sie über bestimmte Immunzellen in die Lymphknoten und von dort aus in die Blutbahn transportiert. Die Bakterien befallen verschiedene Organe, vorwiegend Knochenmark, Leber und Milz, und lösen dort Entzündungen aus.

Durchschnittlich beträgt die Inkubationszeit vier Monate. Von Ansteckung bis Ausbruch der Krankheit können aber sehr variable Zeiträume von fünf Tagen bis zu zwei Jahren vergehen. 90 Prozent der Erkrankungen verlaufen ohne merkliche Symptome. Die restlichen zehn Prozent der Brucellose-Erkrankungen können entweder chronisch oder akut verlaufen.

Die akute Brucellose wird durch schleichende oder plötzlich auftretende Fieberanfälle mit Übelkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen und nächtlichem Schwitzen gekennzeichnet. Die Symptome halten eine bis drei Wochen an, dazwischen können zwei- bis fünftägige symptomfreie Tage liegen.

Wird die Erkrankung chronisch zeigen sich Symptome wie verminderte Leistungsfähigkeit, allgemeines Unwohlsein, Schweißausbrüche und depressive Verstimmungen. Komplikationen wie Entzündungen der Wirbelkörper, der Augen, der Hirn- oder Herzinnenhäute, der Hoden, Nebenhoden, Gallenblase, Bauchspeicheldrüse oder der Lunge können auftreten.

Ist das Knochenmark betroffen, kann es zu einer Störung der Blutbildung kommen. Aufgrund der unterschiedlichen und eher unspezifischen Symptome ist eine Brucellose nicht immer leicht zu erkennen. Ein ausführliches Patientengespräch und verschiedene Labortests führen zur Diagnose. Im Blut und eventuell im Knochenmark, in der Leber, der Milz, im Urin oder im Liquor können die Erreger nachgewiesen werden. Außerdem finden sich bestimmte Antikörper im Blut.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Brucellose ist eine bei schwerem Verlauf potenziell lebensgefährliche Erkrankung, auch wenn die Krankheit häufig keine tödlichen Komplikationen mit sich bringt. Besteht der Verdacht einer Infektion, muss unverzüglich der nächste Arzt aufgesucht werden. Nach einer teils monatelangen Inkubationszeit treten die ersten Symptome ähnlich einer Grippe auf. Betroffene leiden an Fieber und Schüttelfrost, Gelenkschmerzen sowie eine ausgeprägte Appetitlosigkeit. Aber auch eine zunehmende Abgeschlagenheit tritt als typisches Merkmal in Erscheinung.

Die allgemeine Belastungsfähigkeit ist stark herabgesetzt. Diese Charakteristik lässt die Brucellose anfangs schwer von einer gewöhnlichen Erkältung oder einer Influenza unterscheiden. Allgemein sollte bei hartnäckigen Gliederschmerzen, Fieber und Entzündungen der Arzt zur Kontrolle herangezogen werden unabhängig von der mutmaßlichen Ursache. Ein klarer Hinweis auf die Brucellose geben die rasch schwankenden Fieberschübe und die hohe Beständigkeit des gesamten Krankheitsbildes. Medizinische Abklärung ist bei vorhergehendem Kontakt mit übertragenden Tierarten angebracht. Dazu gehören Zuchttiere wie Schafe, Schweine, Rinder oder Pferde, die den Erreger an den Menschen weitergeben.

Vor allem ausgedehnte Aufenthalten in ausgewiesenen Infektionsgebieten oder eine Verletzung durch kranken Tiere erhöhen die Ansteckungsgefahr. Ohne angemessene Behandlung durch einen Arzt kann der Leidensdruck über viele Wochen anhalten und die Lebensqualität massiv beeinträchtigen. Generell lässt sich die Krankheit in frühem Stadium gut therapieren und deutlich verkürzen. Daher bleibt die Untersuchung durch den Hausarzt bei bloßem Verdacht ratsam, selbst wenn es sich nur eine herkömmliche Erkältung handeln könnte.

Behandlung & Therapie

Brucellosen werden in der Regel mit einer Kombination verschiedender Antibiotika und gegebenenfalls ergänzenden Medikamenten behandelt, die über sechs bis zwölf Wochen hinweg eingenommen werden müssen.

Treten Komplikationen auf oder liegt eine chronische Erkrankung vor, verlängert sich die Dauer der Medikamentenverabreichung auf ungefähr sechs Monate. Sind Herzklappen oder Knochen betroffen, kann eine Operation nötig sein. Bei sofortigem Therapiebeginn sind die Heilungschancen hoch und die Erkrankung ist normalerweise nach zwei bis drei Wochen überstanden.

Wird die Behandlung zu spät begonnen ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die Brucellose chronisch wird. Es kann bis zu 20 Jahre dauern, bis eine chronische Brucellose überwunden wird. Besonders, wenn der Erkrankte allgemein geschwächt ist, kann es zu Rückfällen kommen. Daher wird ein Jahr nach Therapie eine erneute Untersuchung des Blutes auf Antikörper empfohlen. Die Sterberate liegt bei etwa zwei Prozent.

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Aussicht & Prognose

Eine exakte Prognose über den Verlauf der Brucellose zu stellen, fällt nicht immer leicht. So läuft die Erkrankung von Patient zu Patient unterschiedlich ab. Darüber hinaus hängen die Aussichten auch von unterschiedlichen Faktoren wie bestehenden Vorerkrankungen, Schweregrad und Art der Infektion ab. Aus diesen Gründen muss in der Regel eine sehr individuelle Prognose erstellt werden.

Wird die Behandlung der Brucellose rechtzeitig und fachgerecht vorgenommen, sind die Aussichten bei den meisten Betroffenen günstig. Fällt der Beginn der Therapie jedoch sehr spät aus, droht mitunter ein chronischer Krankheitsverlauf, der sich bis zu zwanzig Jahre hinziehen kann. Von einer chronischen Brucellose sind bis zu 5 Prozent aller Patienten betroffen. Sie zeigt sich nach dem Abklingen der akuten Beschwerden. Bei der chronischen Form leiden die Patienten noch Jahre später unter Fieberschüben.

Ohne eine korrekte Therapie der Brucellose besteht eine erhöhte Gefahr, dass Rückfälle der Krankheit auftreten. Keine Prognose lässt sich bei einer unbehandelten Brucellose erstellen. Bei etwa 90 Prozent aller Krankheitsfälle verläuft die Infektion unterschwellig. Während die akute Form oft einer Grippe ähnelt, besteht bei der chronischen Brucellose das Risiko, dass sie auf wichtige Organe wie Herz, Lunge oder Leber übergreift.

Die Sterblichkeit durch eine unbehandelte Brucellose liegt bei rund 2 Prozent. Vor allem bei Patienten mit Mittelmeerfieber bleibt die Erkrankung häufig unbemerkt, sodass die Gefahr einer lebensgefährlichen Herzinnenhautentzündung besteht.

Vorbeugung

Bei Tieren ist eine Impfung gegen Brucellose möglich, beim Menschen dagegen noch nicht. Die Vorbeugungsmaßnahmen beschränken sich daher auf das Meiden von Ansteckungsquellen: Milch und Milchprodukte sollten nur in pasteurisierter oder abgekochter Form verwendet werden. Auf den Verzehr von rohen Fleisch sollte verzichtet werden. Vor allem in Verbreitungsgebieten wie der Türkei und dem Mittelmeerraum sollte der Kontakt zu Haustieren gemieden werden.

Das können Sie selbst tun

Bei Verdacht auf Brucellose muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Keinesfalls sollten Betroffene versuchen, die Krankheit selbst zu therapieren, da hier das Risiko dauerhafter chronischer Entzündungen der Hirnhaut, der Lunge, der Bauchspeicheldrüse oder anderer wichtiger Organe droht.

Selbsthilfemittel gegen die bakterielle Grunderkrankung stehen keine zur Verfügung. Allerdings können Betroffene ihr Immunsystem stärken, was den Ausbruch der Krankheit verhindern und die Rekonvaleszenz beschleunigen kann. Das beste Mittel zur Stärkung des Immunsystems ist eine gesunde Lebensweise. Wichtig ist vor allem eine vitaminreiche Ernährung, die weitestgehend auf Lebensmittel tierischen Ursprungs verzichtet, dafür aber viel Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukte beinhaltet. Außerdem ist regelmäßige Bewegung an der frischen Luft vorteilhaft für die Konstitution. Personen, die sehr häufig an Infekten erkranken, können darüber hinaus auf Medikamente zur Stimulation des Immunsystems zurückgreifen. In der Naturheilkunde findet vor allem der Rote Sonnenhut (Echinacea purpurea) Einsatz. Entsprechende Präparate sind als Saft, Tropfen oder Lutschtabletten in der Apotheke erhältlich.

Auch eine Reihe der Symptome der Brucellose kann der Patient selbst therapieren. Bei Müdigkeit und Schüttelfrost ist vor allem Bettruhe wichtig. Der Patient sollte während einer akuten Brucellose nicht arbeiten und auch keinen Sport treiben. Gegen Fieber helfen Hausmittel wie Weidenrindetee oder kalte Fußwickel.

Bücher über Brucellose & Tierkrankheiten

Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004

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