Desinfektion

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 9. Oktober 2017
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Auf die Tatsache, dass Sauberkeit und Desinfektion wesentlich zur Verhütung von Krankheiten beiträgt, wurde schon im Alten Testament hingewiesen, die praktische Umsetzung dieser Erkenntnis hat sich jedoch in den westlichen Industrienationen erst seit dem späten 19. Jahrhundert durchgesetzt. Davor waren nicht nur Privathaushalte, sondern v. a. auch Krankenhäuser Orte, in denen Menschen häufig aufgrund von eigentlich vermeidbaren Infektionskrankheiten ums Leben kamen. Ein wesentliches Mittel zur Verhinderung der Ausbreitung von Krankheitserregern ist die Desinfektion.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Desinfektion?

In den letzten 200 Jahren ist die Zahl der Infektionskrankheiten massiv zurückgegangen und Infektionen zählen heute zu den eher seltener vorkommenden Todessursachen.

Neben der allgemeinen Erhöhung der Sauberkeit ist v. a. die Desinfektion maßgeblich an diesem Erfolg beteiligt. Unter Desinfektion versteht man eine spezielle Maßnahme, die dazu dient, Viren, Keime Bakterien, Sporen und Pilze, die sich auf einem Gegenstand oder auf lebendem Gewebe befinden, abzutöten oder zumindest inaktiv zu machen, und so ihre Anzahl bzw. ihre Aktivität drastisch zu verringern, sodass die Gefahr des Ausbruchs einer Infektionskrankheit bei Menschen und Tieren unwahrscheinlicher wird.

Um diesen antiseptischen (d. h keimfreien) Zustand zu erreichen, werden chemische und physikalische Methoden zur Desinfektion angewendet.

Medizinische Anwendung, Wirkung, Ziele

Beim Einsatz von Maßnahmen zu Desinfektion muss zwischen privaten Haushalten und einer medizinischen Umgebung unterschieden werden, denn es können durchaus auch Probleme im Zusammenhang mit Desinfektionsmitteln auftreten.

In Privathaushalten sollten Desinfektionsmittel grundsätzlich nicht gewohnheitsmäßig angewendet werden. Die in Supermärkten und Drogerien frei verkäuflichen Substanzen sind nämlich meist nicht stark genug und werden auch nicht immer sachgemäß angewendet (z. B. durch zu geringe Einwirkzeit), sodass es, ohne dass es den Anwendern bewusst ist, zu einer Selektion besonders widerstandsfähiger Viren- und Bakterienstämme kommen kann und diese in Zukunft immer schwieriger zu bekämpfen sind.

Ein weiteres Problem der privaten Verwendung von Desinfektionsmitteln ist, dass durch die ständige Anwendung der saure Hautschutzmantel, der ja eigentlich die Aufgabe hat, die Haut vor dem Eindringen von Krankheitserregern zu schützen, zerstört wird. Da Privathaushalte nicht über angemessene Entsorgungsmechanismen für Desinfektionsflüssigkeiten verfügen, gelangen für die Umwelt schädliche Substanzen in die Kläranlagen und stören dort das empfindliche Gleichgewicht derjenigen Bakterienarten, die der Wasseraufbereitung dienen.

Damit Desinfektionsmittel nicht zu einer nachhaltigen Schädigung von Haut und Umwelt sowie der Heranzüchtung von antibiotikaresistenten Keimen führen, sollten Desinfektionsmittel in erster Linie von ausgebildeten Kräften und nur auf strategische Weise eingesetzt werden. Die Reinigung von Privathaushalten sollte daher nicht auf Desinfektion abzielen, sondern auf die Minimierung der Mikroorganismen auf eine für den gesunden Menschen ungefährliche Zahl.

Formen, Typen & Arten

Vor jeder Operation wird die Operationsstelle gründlich desinfiziert, um Keime abzutöten.

Es gibt unterschiedliche Mittel und Verfahren, um die Desinfektion von Gegenständen und lebenden Geweben zu erreichen. Im medizinischen, pharmazeutischen, Wasseraufbereitungs- und Lebensmittelbereich gehören dazu physikalische Verfahren (z. B. Luftentfernung mit dem Ziel ein keimfreies Vakuum herzustellen, Verbrennung, abkochen oder bedampfen mit mindestens 100°C heißem Wasser, Bestrahlung mit UV-Licht, Herausfilterung von Erregern und radioaktive Bestrahlung) sowie der Einsatz chemischer Mittel zur Desinfektion von Händen, Wäsche, Räumen, Oberflächen und medizinischen Instrumenten.

Zu den chemischen Mitteln gehören u. a. Alkohol, Silber, Quecksilber, Ammoniumsalz, Tenside, Peroxyessigsäure, Iod, Chlor, Wasserstoffperoxid und Formaldehyd.

Die genannten Mittel und Verfahren haben im Wesentlichen drei Ziele:

1. Die Beschädigung der äußeren Zell-Membran der Erreger durch das Herauslösen von bestimmten Lipiden (Fetten).

2. Die Schädigung der Raumstruktur ihrer Proteine.

3. Die Zerstörung des Erbguts durch einen Angriff auf ihre Nukleinsäuren.

Für die Verwendung im Haushalt eignen sich neben normalen Haushaltsreinigern auf Tensidbasis sogenannte „natürliche“ Desinfektionsmittel wie Alkohol, Salzwasser, Essigessenz, Zitronensäure und Teebaumöl.

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Risiken, Gefahren & Nebenwirkungen beim Unterlassen

Obwohl sich im Vergleich mit vorherigen Epochen, in denen Desinfektion unbekannt war, die Zahl der Infektionserkrankungen insgesamt deutlich verringert hat, sterben allein in Deutschland jedes Jahr immer noch zwischen 7 500 und 15 000 Patienten an Infektionen, die sie sich im Krankenhaus zugezogen haben.

Jährlich erkranken im Zusammenhang mit einer medizinischen Intervention zwischen 400.000 und 600.000 Patienten an Infektionen. Es stellt sich also die Frage, wie man diese Zahlen reduzieren kann und ob ausreichende Maßnahmen zur Hygiene geplant und auch eingehalten werden. Experten vermuten, dass bis zu einem Drittel dieser Infektionen durch die Einhaltung von Hygieneregeln vermeidbar wären.

Eine besondere Problematik gerade in deutschen Krankenhäusern ist jedoch, dass resistente Erreger auf Patienten mit geschwächtem Immunsystem treffen. Dieser Umstand führt zu einem durchschnittlich längeren Krankenhausaufenthalt, höheren Behandlungskosten und höheren Sterbeziffern als in den Nachbarländern.

Resistente Krankheitserreger nehmen jedoch zahlenmäßig immer mehr zu. Ursachen hierfür sind sowohl im ambulanten als auch stationären Bereich nach wie vor eine unsachgemäße Verschreibung und Einnahme von Antibiotika, wodurch die Erreger selektiert und ungewollt herangezüchtet werden sowie ein Mangel an Desinfektion, wodurch die Erreger weiterverbreitet werden.

Bücher über Infektionen & Keime

Quellen

  • Dirschka, T., Hartwig, R., Oster-Schmidt, C.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Keggenhoff, F.: Erste Hilfe – Für Ersthelfer im Betrieb. Deutsches Rotes Kreuz, Berlin 2011
  • Souza-Offtermatt, G., Staubach, K.-H., Sterk, P., Udolph, A.: Intensivkurs Chirurgie. Urban & Fischer, München 2004

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